Hirnstimulation Tübingen: Ein umfassender Überblick

Das Gehirn, das geheimnisvollste Organ des Menschen, steuert unsere Gedanken, Gefühle und Bewegungen. Wissenschaftler arbeiten kontinuierlich daran, seine komplexen Funktionen besser zu verstehen und neue Wege zur Behandlung von Krankheiten des Nervensystems zu finden. Die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen bietet mit ihrem Zentrum für Hirnstimulation innovative Therapieansätze. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hirnstimulation in Tübingen, von der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) bis hin zu zukünftigen Forschungsprojekten.

Transkranielle Magnetstimulation (TMS) in Tübingen

Die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist eine nicht-invasive Methode, bei der Magnetimpulse eingesetzt werden, um die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn zu beeinflussen. In Tübingen wird TMS als Therapiemöglichkeit bei Depressionen eingesetzt, insbesondere wenn Psychotherapie und/oder Antidepressiva nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Funktionsweise und Anwendung

Bei der TMS wird eine Magnetspule auf die Kopfhaut platziert. Die Magnetimpulse dringen schmerzfrei in das Gehirn ein und beeinflussen die Erregbarkeit von Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Depressionen zielt die TMS darauf ab, die Aktivität in Hirnbereichen, die für die Lenkung von Gefühlen und Gedanken verantwortlich sind, wiederherzustellen. Durch die schnelle Abfolge von Magnetimpulsen wird die Balance der Hirnaktivität unterstützt und die Erholung von der Depression gefördert.

Eine spezielle Art der TMS, die Theta Burst Stimulation (TBS), beeinflusst die Aktivität der Nervenzellen mit einer kürzeren Stimulationsdauer und möglicherweise länger anhaltender Wirkung. Eine Studie in Tübingen hat gezeigt, dass die tägliche Stimulation mit TMS helfen kann, wieder Kontrolle über negative Gedanken, Gefühle und Handlungen zu bekommen, die bei einer Depression im Vordergrund stehen.

Erfahrungen von Patienten

Patienten, die mit TMS behandelt wurden, berichten von positiven Erfahrungen. Erika Fuchs, eine Patientin der Klinik, leidet seit vielen Jahren unter Panikattacken, Angstzuständen und starker innerer Unruhe. Sie hat die TMS-Methode bereits zweimal ausprobiert und berichtet: "Durch diese Therapie fühle ich mich wieder frisch. Ängste und Panik sind viel, viel weniger geworden." Sie beschreibt die Behandlung als nicht schmerzhaft, aber unangenehm, mit einem Zucken und Nadelstichen. Obwohl sie nicht von einer vollständigen Heilung ausgeht, ist sie mit dem Ergebnis des neuerlichen Versuchs zufrieden.

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Wissenschaftliche Anerkennung und Forschung

Die TMS ist als Therapiemöglichkeit der Depression wissenschaftlich anerkannt. In Tübingen wird die Methode kontinuierlich weiterentwickelt und in Studien untersucht. Tübinger Ärzte forschen daran, wie gut sie Menschen mit Depressionen durch die Stimulation des Gehirns mit Magnetimpulsen helfen können. Diese in Tübingen mitentwickelte Methode führt laut Forschern zu einer anhaltenden Anregung der Nervenzellaktivität.

Weitere Therapieangebote in Tübingen

Neben der TMS bietet die Universitätsklinik Tübingen ein breites Spektrum an Therapieangeboten für psychische Erkrankungen und neurologische Störungen.

Therapiezentrum

Das Therapiezentrum der Klinik bietet gezielte Behandlungen zur Erreichung einer größtmöglichen Selbständigkeit im Alltag. Die Mitarbeitenden behandeln gezielt die Auswirkungen der Krankheit durch ausgewählte Aktivitäten. Zum Angebot gehören:

  • Kreativtherapie: Div. Werk- und Kunstgruppen, Kunsttherapie zur Anregung des Erkenntnisprozesses, Reitprojekt der Tagesklinik Kinder- u. Jugendpsychiatrie.
  • Bewegungstherapie: Feldenkrais, Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Tanzimprovisation, Trampolinspringen, Fahrradgruppe, Klettergruppe. In Kooperation mit der Bewegungstherapie werden Erhaltung/Wiedererlangung der Beweglichkeit/Mobilisation gefördert.
  • Physiotherapie: Erhaltung/Wiedererlangung der Beweglichkeit/Mobilisation/Schmerzreduktion, Reflektorische Atemtherapie, Sensomotorische Entwicklungsförderung bei Bewegungsstörungen, Craniosakrale Therapie.
  • Musiktherapie: Auf fast allen Stationen der Psychiatrie gehört Musiktherapie durch ausgebildete Musiktherapeut*innen zum festen Programm.
  • Weitere Angebote: Blasentraining, Änderung des Trink- u. Miktionsverhaltens, Beckenbodengymnastik unter physiotherapeutischer Anleitung u. Elektrostimulationstherapie.

Spezialisierte Pflege

Die Klinik bietet spezialisierte Pflegeangebote, darunter:

  • Bezugspflege: In der Kinderklinik ist die Bezugspflegende die primäre Ansprechperson für Eltern von Aufnahme bis Entlassung. In der Psychiatrie gibt es Bezugspflege mit Pflegeexperten für Diabetes mellitus, Epilepsie und Anorexie.
  • Familienorientierte und entwicklungsfördernde Pflege.
  • Experten für Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen: In Kooperation mit den Logopädinnen des Therapiezentrums werden Patientinnen mit Stimm-, Sprech- u. Sprachstörungen auf ärztliche Anordnung betreut. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Diagnostik und Therapie von Patient*innen mit Schluckstörungen.
  • Schmerzmanagement: Umsetzung der Expertenstandards Schmerzmanagement, Betreuung chronischer Schmerzsyndrom-Patienten der Ambulanz & Beratung stat. Patienten (Konsil), Interdisziplinäre Schmerzkolloquien.
  • Raucherentwöhnung: Der Arbeitskreis Raucher*innenentwöhnung leistet aktive Unterstützung.

Weitere Unterstützungsangebote

Die Klinik bietet zahlreiche weitere Unterstützungsangebote für Patienten und ihre Familien:

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  • Sozialdienst: Beratung über berufliche und rehabilitative Möglichkeiten, Vermittlung ambulanter Hilfen (Sozialstation, Nachbarschaftshilfe, etc.), stationäre Einrichtungen, Hilfsmittelberatung, Anschlussheilmaßnahmen & Rehakliniken.
  • Trauerbegleitung/Klinikseelsorge.
  • Ernährungsberatung: Beratung durch Diätassistent*innen, Einführung Diättherapie d. Schulung i. Theorie u. Praxis (Lehrküche o. Supermarkt), Ernährungsberatung bei morbider Adipositas, Stoffwechsel- u.a. chron.
  • Elternschulungen und -beratungen: In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie regelmäßige Infoveranstaltungen und individuelle Eltern-/Geschwisterschulungen u.-beratungen mit Infos über Ziele, Maßnahmen u. Beantragung u. Einleitung "Familienorientierter Rehabilitation" (FOR).
  • Familientherapie: Angebot über die Möglichkeit der Familientherapie (nicht nur Paare, z.B. Eltern u. Kinder) über die Psychiatrische Ambulanz.
  • Kooperationen: Kooperation zum Elternverein herzkranker Kinder (ELHKE), Kooperation mit Hauptstandort der Frauenakademie: Monatliche Vorträge zu frauenspezifischen Themen, Kooperation mit Hauptstandort der Logopädie: Schluckdiagnostik (FEES), Spez.
  • Psychologische Unterstützung: In Kooperation mit dem Psychologischen Dienst wird individuelle psychotherapeutische Unterstützung bei der Bewältigung von Krankheits- u. Hilfe bei Problemen in Partnerschaft u. psychotherapeutisch angeboten.
  • Elternschule: Das Perinatalzentrum verfügt über eine eigene Elternschule, div. Kurse zur Babypflege, Geburtsvorbereitung, Yoga für Schwangere, Ernährung in der Schwangerschaft u. Stillzeit, Schwimmen für.
  • Klinikschule: Kliniklehrerinnen der Klinikschule unterrichten in der Klinik. Mit Patientinnen u. Ärzt*innen Schulbesuche i. d. Heimatklassen u. bei Schulkonferenzen zur Erleichterung der.

Forschung am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen ist ein renommiertes Forschungsinstitut, das sich der Erforschung des Gehirns und der Entwicklung neuer Therapien für neurologische Erkrankungen widmet.

Tag der Offenen Tür

Das HIH veranstaltet regelmäßig einen Tag der Offenen Tür, um die Öffentlichkeit über seine Forschung zu informieren. Am Sonntag, den 19. Oktober 2025, öffnet das HIH seine Türen und lädt alle Neugierigen ein, einen Blick in die faszinierende Welt der Hirnforschung zu werfen. Unter dem Motto „Forschung zum Anfassen“ erwartet die Besucher ein spannendes Programm aus Vorträgen, Laborführungen und Mitmachstationen.

Vortragsreihe „Neues aus Forschung und Therapie“

In der Vortragsreihe „Neues aus Forschung und Therapie“ berichten Wissenschaftler über aktuelle Fortschritte in der Hirnforschung:

  • Neue Antikörpertherapie für Alzheimer: Prof. Mathias Jucker
  • Schlaganfall und therapeutische Hirnstimulation: Prof. Ulf Ziemann
  • Wenn Gene das Gehirn aus dem Takt bringen - Wie genetische Veränderungen Epilepsien verursachen: Dr. Christian Bosselmann

Laborführungen „Forschung zum Anfassen“

Bei den Laborführungen können Gäste erleben, wie moderne Hirnforschung heute aussieht - von der Mikroskopie über bildgebende Verfahren bis hin zur Robotik. Zu sehen sind unter anderem:

  • Robotische Exoskelette für die Schlaganfall-Rehabilitation (Prof. Daniel Häufle)
  • Einblicke in die Epilepsie- und Parkinson-Forschung
  • Neue Methoden zur Stimulation des Gehirns mit Mikro- und Nanotechnologien (Prof. Martin Giese und Dr. Alia Benali)
  • Ein Blick ins Labor der Epilepsie-Forschung (Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch)
  • Vorstellung der AG Neuroimaging (Prof. Alexander Grimm)
  • NeuroTraces: Understanding Parkinson’s Before It Starts (PD Dr. Julia Fitzgerald, Führung auf Englisch)
  • Seeing is Believing: Microscopy as a Tool for Discoveries (Dr. Nicolas Snaidero, Führung auf Englisch)
  • Hirnstimulation hands-on: Einblicke in aktuelle Forschung (Dr. Andreas Jooß & Dr. Univ. Prof. Dr.

Forschungsschwerpunkte

Die Forschung am HIH umfasst ein breites Spektrum an neurologischen Erkrankungen, darunter:

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  • Alzheimer: Entwicklung neuer Antikörpertherapien zur Verlangsamung der Krankheit.
  • Schlaganfall: Erforschung der Rolle der Hirnstimulation bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten.
  • Epilepsie: Untersuchung genetischer Veränderungen, die Epilepsien verursachen.
  • Parkinson: Erforschung der Mechanismen, die zur Entstehung von Parkinson führen.

Neurochirurgie für Kinder

Da Kinder in ihren Erkrankungen besonders sind, bedürfen sie einer sehr spezifischen Therapie. In Tübingen wird die neurochirurgische Behandlung von Kindern von auf Kindern spezialisierten Neurochirurgen vorgenommen.

Lehre und Ausbildung

Ziel ist ein möglichst praxisnahes, patientenzentriertes Studium. Es gibt ein neurochirurgisch-anatomisches Trainingsprogramm, unterstützt durch moderne Bild-und Videotechnik der klinischen Anatomie, Anatomisches Institut.

"mindful.XS" - Programm für Menschen mit leichteren Depressionsformen

Das Universitätsklinikum Tübingen bietet ein -Programm für Menschen mit leichteren Depressionsformen, d.h. leichte bis mittelgradige Depressionen. Das Tool sowie das zugehörige Online-Training werden für Ärztinnen und Ärzte sowie Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten einschließlich Kinder- und mit Fortbildungspunkten zertifiziert. Auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung können teilnehmen.

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