Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Kopf, die entsteht, wenn sich Zellen im Gehirn unkontrolliert vermehren. Hirntumore gehören zu den seltenen onkologischen Erkrankungen bei erwachsenen Menschen. Bei Kindern sind sie jedoch die zweithäufigste Krebsart. Dabei sind ihre Ursachen weitgehend unbekannt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumore, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, wobei ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Armlähmung liegt.
Was ist ein Hirntumor?
Bei einem Hirntumor handelt es sich um eine Wucherung im Gehirn. Dieser Tumor kann gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Gehirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe oder den Gehirnhäuten; dann spricht man von einem primären Hirntumor. Sitzt der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion und hat im Gehirn Metastasen gebildet, handelt es sich um einen sekundären Hirntumor. Die meisten Hirntumore sind gutartig. Zwei Drittel aller Tumore im Gehirn sind gutartig. Bösartige Tumore kommen eher selten vor. Bei Erwachsenen machen sie ein Prozent aller Krebserkrankungen aus, bei Kindern 20 Prozent. Auch gutartige Gehirntumore können lebensbedrohlich sein, da sie Gehirnmasse verdrängen, wegen der festen Schädeldecke aber keine Möglichkeit der Ausdehnung besteht.
Es gibt unterschiedliche Gehirntumorarten, die sich in Ursprung, Wachstumsverhalten, Ansprechen auf Behandlung und Prognose unterscheiden. Für die verschiedenen Arten von Hirntumoren hat die WHO eine Gradierung entwickelt, die von Grad I (gutartig, langsames Tumorwachstum, sehr gute Prognose) bis Grad IV (sehr bösartig, rasches Tumorwachstum, nach der Operation sind Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig, schlechte Prognose) reicht. Außerdem wird unterschieden in primäre und sekundäre Hirntumoren.
Primäre Hirntumoren
Zu den primären Hirntumoren gehören Tumore, die von den Nervenzellen, dem Hirnstützgewebe, den Hirnanhangsgebilden, den Hirngefäßen oder dem Hirn Stützgewebe ausgehen, sowie die Lymphome, die primär im ZNS entstehen. Bei dieser Klassifikation geht es also um den Ursprung des Tumors, es kann sich aber sowohl um einen gutartigen Tumor als auch um einen bösartigen handeln. Primäre Hirntumoren sind Tumoren, die direkt im Gehirn entstehen: Sie können sich aus verschiedenen Zellen im Gehirn entwickeln, am häufigsten aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome".
Gliome: Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben. Zu den Gliazellen gehören die sogenannten Astrozyten, Oligodendrozyten und die Ependym-Zellen. Daraus können sich das Astrozytom, das Oligodendrogliom und das Ependymom entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
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Andere Hirntumoren, die häufiger auftreten, sind:
- Meningeome, aus Zellen der Hirnhaut
- Neurinome/Schwannome, aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen
- Medulloblastome, aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn
Sekundäre Hirntumoren
Es kann auch vorkommen, dass Tumorzellen aus einem anderen Organ im Gehirn zu finden sind, weil ein Krebs Metastasen gebildet hat, welche in das Gehirn gestreut sind. Dann spricht man von einem sekundären Hirntumor. Mediziner bezeichnen sie auch als Hirnmetastasen. Diese Tumoren bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für eine Krebserkrankung im Gehirn sind Stand der jetzigen Forschung weitgehend unbekannt. Expertinnen und Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen - beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für eine Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Auch die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden: Die folgenden Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:
- Genetische Vorbelastung (Verwandte ersten Grades sind an einem Hirntumor erkrankt)
- Erkrankungen wie z. B. Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen), bei denen in Folge Hirntumore häufiger auftreten
- Bestimmte Behandlungsmethoden - wie eine Strahlentherapie - zum Beispiel zur Behandlung einer Leukämie im Kindesalter, können das Risiko von bösartigen Hirntumoren erhöhen
- Bestimmte bildgebende Verfahren: Eine Computertomografie (CT) im Kindesalter erhöht geringfügig das Risiko, später einen Hirntumor zu entwickeln.
- Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern: das betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie eine Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Nach einer Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Bei familiärer Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
- Bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Hirntumoren bleiben die erste Zeit meist unentdeckt, da gerade im Anfangsstadium wenige bis keinerlei Beschwerden auftreten. Mit zunehmender Dauer entwickeln sich die ersten spürbaren Symptome. Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome können auf einen Tumor im Gehirn hinweisen, aber auch Symptome anderer Erkrankungen sein:
- Starke Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen, besonders nachts und morgens)
- Schwindel
- Erbrechen
- Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwäche
- Epileptische Anfälle (neu auftretende epileptische Krampfanfälle, besonders neu auftretende Anfälle, jeder nach dem 20. Lebensjahr erstmals auftretende epileptische Krampfanfall sollte jedoch unbedingt von einem entsprechend erfahrenen Arzt abklärt werden)
- Taubheitsgefühle oder Lähmung
- Störungen des Gleichgewichts
- Empfindungsstörungen beim Sehen oder Hören
- Bewusstseinsstörungen: Personen sind desorientiert oder benommen
- Persönlichkeitsveränderungen: Personen sind leichter reizbar oder sind schneller frustriert als gewöhnlich
- Psychische Veränderungen
- Hormonale Störungen
Vor allem Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit kommen auch bei einer Vielzahl anderer, meist harmloser Erkrankungen - wie Erkältung, Grippe, Migräne - vor und deuten nicht zwangsläufig auf einen Hirntumor hin.
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Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Armlähmung
Durch Kompression oder Zerstörung von Nachbarstrukturen können Hirntumore Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen, Sprachstörungen und andere Symptome verursachen. Insbesondere, wenn der Tumor in der Nähe von Hirnregionen liegt, die für die Steuerung der Bewegung zuständig sind, kann es zu einer Armlähmung kommen. Das Großhirn besteht aus zwei Hälften, den Hemisphären. An die Großhirnrinde ist das Bewusstsein geknüpft. Nur diejenigen Sinnesreize, welche bis zur Großhirnrinde weitergeleitet werden, werden bewusst wahrgenommen. Die Großhirnrinde empfängt über verschiedene Nervenfaserbahnen alle Sinnesreize aus dem Körper. Diese Reize werden als Informationen in den zuständigen Rindenregionen der Hirnlappen ausgewertet. Von dort werden Befehle über verschiedene Umschaltstellen in Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark zurück in die zuständige Körperumgebung gesandt, wo sie eine Antwort auf den Sinnesreiz auslösen.
Diagnose
Um Hirntumore oder andere neurologische Erkrankungen frühzeitig entdecken und rechtzeitig behandeln zu können, sollten Sie bei bestimmten Symptomen umgehend einen Arzt aufzusuchen:
- Zunehmend starke Kopfschmerzen
- Schwindel oder Bewusstseinsverlust
- Plötzliche Sehstörungen oder Gesichtsfeldausfälle
- Gleichgewichtsstörungen
- Sprachprobleme
- Gefühlsstörungen, z.B. in den Händen oder im Gesicht
- Plötzliche Lähmungserscheinungen
- Epileptischer Anfall
- Wiederholte morgendliche Übelkeit oder Erbrechen
Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor, führt der Arzt zunächst eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung durch. Anschließend ist eine neurologische Untersuchung notwendig. Spätestens bei dem Nachweis einer Lähmung oder ungewöhnlicher psychischer Veränderungen ist eine Schnittbildgebung des Gehirns erforderlich.
Bildgebende Verfahren
Die wichtigste bildgebende Methode zur Diagnose von Hirntumoren ist die Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes. Bei der MRT ist ein Hirntumor in praktisch 100 Prozent der Fälle sichtbar. In der Notfallmedizin erfolgt diese aufgrund der besseren Verfügbarkeit oft durch eine Computertomografie (CT), zur optimalen Sichtbarmachung eines Tumors im Schädelinneren ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich. Die bildgebenden Untersuchungen können einen Tumor im Gehirn sehr genau darstellen, ermöglichen aber keine ausreichend zuverlässige Diagnose. Bei gefäßreichen Hirntumoren kann gegebenenfalls eine Angiografie (Röntgen-Untersuchung der Hirngefäße) zusätzlich weiterhelfen. Auch eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) kann in bestimmten Fällen weitere Hinweise auf einen Hirntumor liefern. Eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kann Informationen über den Stoffwechsel eines fraglichen Hirntumors liefern. Sie kann helfen, gutartige Veränderungen (wie Narben- oder Entzündungsherde) von bösartigen abzugrenzen. Zudem kann die PET in bestimmten Fällen zusätzliche Informationen liefern: In einer PET lässt sich bei Verlaufsbeobachtungen möglicherweise erkennen, ob ein langsam wachsender Tumor in eine bösartigere Form übergeht (Malignisierung des Tumors).
Biopsie
Um die Diagnose eines Hirntumors zu sichern und die Art des Tumors festzustellen, ist in der Regel eine Gewebeprobe notwendig. Diese kann gezielt über einen kleinen Eingriff (stereotaktische Biopsie) oder im Rahmen der operativen Entfernung des Tumors erfolgen. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.
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Malignitätsgrade von Hirntumoren
Bösartigkeit und Wachstumsverhalten von Hirntumoren lassen sich durch die sogenannten Malignitätsgrade beschreiben. Die Einteilung der Hirntumoren erfolgt anhand der WHO-Klassifikation (Weltgesundheitsorganisation) in die Grade I bis IV:
- Grad I: Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, der sich nur wenig von normalen Gewebezellen unterscheidet (differenzierter Tumor) und der nur langsam wächst. Hierzu zählen unter anderem die Astrozytome Grad I.
- Grad II: Diese Tumoren wachsen in die Umgebung ein (infiltratives Wachstum) und es kann zu Rückfällen kommen. Eine Entwicklung hin zu aggressiveren Tumoren ist möglich. Ein Beispiel ist das Astrozytom Grad II.
- Grad III und Grad IV: Die Tumoren zeigen in der feingeweblichen Untersuchung Zeichen der Bösartigkeit und sie wachsen meist rasch. Beispiele: Anaplastisches Astrozytom Grad III, Glioblastom Grad IV.
Therapie
Zur Behandlung von Hirntumoren stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung: die Operation, die Bestrahlung des Tumors (Strahlentherapie) und die Chemotherapie. Neben diesen klassischen Behandlungsverfahren kommen insbesondere bei Patienten mit schnell wachsenden Hirntumoren auch etliche neue Therapiekonzepte zum Einsatz - meist im Rahmen einer klinischen Studie. Es erfolgt immer eine für die Patientin oder den Patienten individuell passende Behandlung. Jeder einzelne Fall wird in unseren Kliniken in der interdisziplinären Tumorkonferenz thematisiert - von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie.
Die genaue Behandlung hängt von der Art des Hirntumors sowie von seiner Lage im Gehirn ab. Vor jeder Therapie gilt: Der Patient muss über mögliche Vor- und Nachteile sowie über Alternativen aufgeklärt werden. Manchmal kann es auch ratsam sein, abzuwarten und die Erkrankung zu beobachten.
Operation
Hirntumore, die operativ gut zugänglich sind, werden in vielen Fällen entfernt. Je nach Größe und Lokalisation des Tumors muss ein Chirurg hierzu die Schädeldecke öffnen beziehungsweise Instrumente über ein Bohrloch in der Schädeldecke einführen (transkranielle Operation). Alternativ kommt eine transsphenoidale Operation (durch die Nase) infrage. Solche Eingriffe können gesundes Nervengewebe beeinträchtigen, was zu neurologischen Störungen wie Sprachschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Lähmungen oder Gangunsicherheiten führen kann. Bei gutartigen Hirntumoren stellt die Operation in der Regel die einzige notwendige Behandlung dar.
Strahlentherapie
Besteht bei einem Tumor ein hohes Rückfallrisiko, wurde eine bösartige Geschwulst durch eine Operation nur unvollständig entfernt oder ist eine Operation nicht möglich, können Ärzte zusätzliche Therapien einsetzen: Die Strahlentherapie kann bei Hirntumoren vor oder nach einer Operation sowie alleine zum Einsatz kommen. Ziel ist es, den Hirntumor durch gezielte Bestrahlung zu zerstören und dabei möglichst wenig gesundes Hirngewebe zu schädigen. Die Bestrahlung erfolgt entweder von außen oder über Strahlungsquellen (Radionuklide), die direkt in den Tumorbereich im Gehirn eingebracht werden. Als Nebenwirkung kann es ebenfalls zu neurologischen Störungen kommen.
Chemotherapie
Hierbei kommen spezielle Medikamente, sogenannte Zytostatika zum Einsatz, die den Hirntumor zerstören sollen. Die Chemotherapie wird bei Hirntumoren häufig mit einer Strahlentherapie kombiniert. Man spricht dann von einer Radiochemotherapie. Auch hierbei können neurologische Probleme auftreten.
Gezielte Therapien
Zielgerichtete Therapien kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. Es müssen allerdings bestimmte Eigenschaften beim Tumor vorliegen, gegen die sich eine zielgerichtete Therapie richten kann. So können beispielweise BRAF/MEK-Hemmer bei einer BRAF V600-Mutation angewendet werden.
Supportive Therapie
Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.
Rehabilitation
Viele Betroffene beginnen nach ihrer erfolgten Operation und/oder Bestrahlung eine Anschlussheilbehandlung. Diese schließt sich spätestens 14 Tage nach einem Krankenhausaufenthalt an. Es ist jedoch auch möglich, eine Rehamaßnahme ohne vorangegangenen stationären Krankenhausaufenthalt zu beginnen. Die Beantragung erfolgt dabei über den dafür qualifizierten behandelnden Arzt, zumeist den Hausarzt. Die medizinische Rehabilitation dient dazu, den Erfolg der Hirntumortherapie zu sichern. Sie beginnt in der Regel erst dann, wenn die erste Phase der Behandlung abgeschlossen ist, zum Beispiel nach einer Operation oder einer Strahlentherapie. Damit gehört sie im weiteren Sinn auch schon zur Nachsorge. In der Reha-Phase werden medizinische Behandlungen begonnen oder auch fortgesetzt, die die körperlichen Folgen der Hirntumorerkrankung beseitigen oder zumindest mildern sollen. Hinzu kommen Maßnahmen, die die Rückkehr zum gewohnten Alltag erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Physiotherapie, eine besondere Ernährungsberatung sowie die Unterstützung beim Umgang mit Problemen, die durch Krankheit oder Therapie aufgetreten sind. Psychoonkologische Beratungsangebote helfen in der Rehabilitationsphase dabei, die Krankheit auch seelisch so gut wie möglich zu bewältigen.
Therapieschwerpunkte einer medizinischen Rehabilitation:
- Logopädie: Damit können Betroffene durch aktive Übungen Ihre Stimm-, Sprach- und Sprechfähigkeiten verbessern und mögliche Hilfsstrategien für den Alltag entwickeln.
- Ergotherapie: Sie umfasst Übungen, die beeinträchtigte Körperfunktionen verbessern und wieder herstellen können. Dazu gehören praktische und alltagsnahe Übungen wie beispielsweise eine Kunsttherapie oder Gruppenaktivitäten wie Kochen.
- Physiotherapie: Mit Krankengymnastik können Sie erreichen, dass Ihr Körper wieder beweglicher wird. Das hilft auch dabei, bewegungsfähig für den Alltag zu werden.
- Neurokognitive Trainings-Programme: Mit speziellen Aufgaben fördern Sie beispielsweise Ihre Aufmerksamkeit und trainieren das Gedächtnis.
Nebenwirkungen der Therapie
Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie sind meist geringer als bei anderen Therapien, wie z. B. der Chemotherapie. An der bestrahlten Stelle können Rötungen und trockene Schuppung sowie Haarausfall auftreten. Manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden oder Übelkeit und Erbrechen kommen. Nach Ende der Therapie bilden sich die Nebenwirkungen in der Regel zurück und nur selten kommt es zu bleibenden Hautveränderungen, wie beispielsweise einer Verfärbung oder Verhärtung. Bei einer Chemotherapie können die typischen Nebenwirkungen auftreten, die durch den Angriff auf sich schnell teilende Zellen verursacht werden. Die häufigsten sind Übelkeit und Erbrechen, Entzündung der Mundschleimhaut und ein verändertes Blutbild. Haarausfall ist bei den bei Hirntumoren eingesetzten Zytostatika eher selten.
Nachsorge
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen. Nach der Therapie kommen Kontrolluntersuchungen auf dich zu. In welchen Abständen diese stattfinden, ist individuell und hängt von deinem persönlichen Rückfallrisiko ab. Bei diesen Verlaufskontrollen wirst du zu möglichen Beschwerden befragt und körperlich untersucht. Auch regelmäßige MRT-Untersuchungen gehören zur Nachsorge. So können ein wiederkehrender Tumor oder wieder wachsende Tumorreste schnell erkannt werden. Solltest du zwischen zwei Terminen Beschwerden haben, dann wende dich sofort an deine Ärztin oder deinen Arzt und warte nicht den nächsten Termin ab.
Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:
- Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
- Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
- Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.
So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab: Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).