Hirntumor Symptome: Warnzeichen, Diagnose und Behandlung

Jährlich erkranken in Deutschland über 6000 Menschen an einem Hirntumor. Die wenigsten Betroffenen vermuten hinter ersten Beschwerden direkt eine Krebserkrankung. Die Deutsche Hirnstiftung empfiehlt, vier Warnzeichen ernst zu nehmen. Kopfschmerzen sind dabei ein eher seltenes Symptom.

Frühe Anzeichen eines Hirntumors

Viele Hirntumor-Patienten ignorieren die ersten Anzeichen ihrer Krankheit, da sich ein Tumor im Gehirn im Anfangsstadium durch vermeintlich harmlose Beschwerden äußern kann. Dazu gehören:

  • Krampfanfälle
  • Sprachstörungen
  • Lähmungen
  • Sehstörungen

Der Neurologe Wolf-Oliver Krohn, Patientenberater der Deutschen Hirnstiftung, betont: „Treten sie auf und ist das der Grund für einen Hirntumor, lässt sich dieser oft erfolgreich behandeln.“

Wie viele Menschen sind betroffen?

Etwa 7000 Menschen erkranken jährlich an einem Tumor des Zentralen Nervensystems, wobei 95 Prozent das Gehirn und 5 Prozent das Rückenmark betreffen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen machen Tumore des Zentralen Nervensystems nur etwa zwei Prozent der Krebserkrankungen in Deutschland aus. Die Hirnstiftung betont: „Tatsächlich sind Hirntumore selten und die Sorgen daher sehr oft unbegründet.“ Hirntumore liegen auf Rang zehn der krebsbedingten Todesfälle. Im Jahr 2021 starben knapp 6000 Menschen daran.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für die Entstehung eines Hirntumors ist trotz intensiver Forschung weitgehend unbekannt. Bei den meisten Patienten treten diese Tumore auf, ohne dass sich auslösende Faktoren finden lassen. Lebens- und Ernährungsgewohnheiten wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum spielen hier keine Rolle, anders als bei anderen Krebserkrankungen. Es gibt auch keine überzeugenden Beweise dafür, dass Stress, seelische Belastungen oder bestimmte Umwelteinflüsse (elektromagnetische Felder, übermäßige Nutzung von Mobiltelefonen) zu einer Zunahme von Gehirntumoren führen. Lediglich eine direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, wie sie zur Behandlung von Leukämie notwendig ist, geht mit einem leicht erhöhten Risiko einher, betrifft aber nur einen Bruchteil der Patienten.

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Kopfschmerzen als Symptom

Obwohl Kopfschmerzen ein „seltenes Warnsignal für Hirntumor“ sind, sollten sie ernst genommen werden. Etwa 54 Millionen Menschen in Deutschland haben mindestens einmal im Jahr Kopfschmerzen. Viele Patienten denken bei Kopfschmerzen direkt an einen Hirntumor als Ursache. Neurologe Krohn erklärt: „Die Wahrscheinlichkeit liegt unter eins zu tausend.“ Kopfschmerzen können auf andere Gesundheitsprobleme hinweisen, wie Entzündungen im Kopf, Probleme mit Nasennebenhöhlen oder Augen sowie hohen Blutdruck. Eine Untersuchung ist ratsam, wenn die Schmerzen sehr stark sind, plötzlich oder erstmalig auftreten.

Diagnose von Hirntumoren

Hirntumore lassen sich mit Computer-Tomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT) sehr gut diagnostizieren. „Diese Untersuchungen können durch weitere Darstellungen, zum Beispiel der Nervenzellverbindungen und der Hirnfunktion ergänzt werden, um eine Operation millimetergenau zu planen“, so die Experten. Einige Hirntumorarten können auch im Nervenwasser (Liquor) festgestellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Neben Operationen gibt es Strahlen- und Chemotherapie zur Behandlung von Hirntumoren. Hier wurden in den letzten Jahrzehnten wesentliche Fortschritte bei der Genauigkeit und Verträglichkeit gemacht.

Das Glioblastom: Eine besondere Herausforderung

Das Glioblastom ist der gefährlichste und bösartigste unter den Hirntumoren. Es breitet sich innerhalb weniger Monate im Gehirn aus und verursacht je nach Lage des Tumors unterschiedliche Symptome wie Sehbeschwerden, epileptische Anfälle, Bewegungsschwierigkeiten oder starke Kopfschmerzen. Die Tumorzellausläufer schlängeln sich zwischen den normalen Hirnzellen hindurch, die Tumorzellen formen keine abgegrenzten Tumore. Bislang ist kein Risikofaktor bekannt.

Michael Weller vom Universitätsspital Zürich erklärt: „Das Glioblastom führt eine Art Guerillakrieg im Kopf.“ Dieses zerfaserte Wachstum macht es so schwierig, den Tumor komplett zu operieren. Neurochirurg Heese betont: „Die vollständige Entfernung durch einen Neurochirurgen ist auch mit modernsten Techniken nicht möglich. Im Hirn kann man ja nicht - wie in anderen Organen teilweise möglich - beliebig viel Gewebe wegschneiden, Gehirn wächst ja nicht nach, und so müssen wir uns immer begrenzen.“ Zudem passe sich ein Glioblastom schnell an „unangenehme“ Dinge an, die sein Überleben bedrohen, wie die Drosselung der Blutzufuhr oder eine Chemotherapie. Die Blut-Hirn-Schranke schränke zudem eine systemische Therapie ein, Chemotherapien wirkten nur begrenzt im Gehirn.

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Wissenschaftler suchen nach neuen Therapieansätzen, wie dem Einsatz von Viren, um den Tumor zur Rückbildung zu bringen. Laut Westphal können aber noch Jahre vergehen, bevor auswertbare Ergebnisse vorliegen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 13.000 Menschen an einem primären Gehirntumor, wobei ein Viertel dieser Tumoren Glioblastome sind. Die meisten Patienten sind bei der Diagnose „Glioblastom“ mehr als 60 Jahre alt. Die durchschnittliche Überlebenszeit liegt nach Wellers Angaben bei deutlich unter einem Jahr.

Alternative Therapien und Begleitung

Fast jeder zweite Patient mit einem Glioblastom versucht auch alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Vitamintherapien oder psychologische Ansätze.

Sport und Hirntumor

Sport hat bekanntermaßen viele positive Effekte. Aber gilt das auch für Menschen, die an einem bösartigen Hirntumor erkrankt sind? „Ja, sogar gerade dann!“, sagt Priv.-Doz. Dr. Dorothee Wiewrodt, Neurochirurgin und Psychoonkologin im UKM (Universitätsklinikum Münster). Das UKM-Hirntumorzentrum bietet Betroffenen seit 2011 die Möglichkeit, an einem „Persönlichen Trainingsprogramm“ teilzunehmen. Unter professioneller Anleitung durch Sportwissenschaftler und Diplomtrainer Ralf Brandt können Hirntumorpatienten Kraft, Ausdauer und Koordination trainieren und dürfen dabei kontrolliert bis an ihre Leistungsgrenzen gehen.

Patientenerfahrungen

Eine britische Studie aus dem Jahr 2019 interviewte 39 Briten, die kurz zuvor die Diagnose Hirntumor erhalten hatten. Die Forscher fragten nach körperlichen Veränderungen, die zuerst bemerkt, aber nicht ernst genommen wurden. Hier einige Beispiele:

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  • Körperliche Schwäche: „Ich war am Spülbecken beim Abwasch und beugte mich langsam immer tiefer über das Becken.“ (männlich, 61-70 Jahre)
  • Taubheitsgefühl im Gesicht: „Nun, das taube Gefühl in meinem Gesicht ist sehr schwach, also habe ich es wohl einfach nicht sonderlich bemerkt.“ (weiblich, 41-50 Jahre)
  • Sprachstörungen: „Selbst wenn ich mal das falsche Wort gesagt habe, dachte ich mir, das passiert uns allen mal, es rutscht einem eben mal ein falsches Wort heraus.“ (männlich, 71-80 Jahre)
  • Probleme bei der Aussprache: „Beim Sprechen habe ich leicht gelallt, aber das hat immer nur etwa eine Minute lang angehalten und dann war alles wieder vorbei.“ (weiblich, 51-60 Jahre)
  • Lesestörung: „Ich habe Wörter falsch gelesen, was mir vorher noch nie passiert ist. Es waren kleine Anzeichen wie dieses, nichts gravierendes. Man denkt, man sei einfach nur müde.“ (weiblich, 31-40 Jahre)
  • Sehstörungen: „Wenn ich mich auf etwas konzentriert habe, konnte es leicht passieren, dass meine Sicht verschwamm, aber ich habe dem keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Ich dachte, ich sei einfach ein bisschen gestresst von der Arbeit und dass alles mit dem Stress zu tun habe.“ (männlich, 61-70 Jahre)
  • Müdigkeit: „Ich habe angefangen, jeden Tag einen Mittagsschlaf einzulegen, aber ich dachte: Oh ja, ich bin jetzt über 50.“ (weiblich, 51-60 Jahre)
  • Konzentrationsschwäche: „Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, aber ich dachte, schuld daran sei wieder meine Depression.“ (weiblich, 31-40 Jahre)
  • Schwäche in einer Hand: Sohn: „Er hatte Schwierigkeiten, Dinge einhändig zu tun, hatte überhaupt keine Kraft in seiner Hand. […] Ich dachte, er hätte einen Schlaganfall.“ (männlich, 61-70 Jahre)

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