Hirntumorrisiko durch Handystrahlung: Aktuelle Studienlage und Forschungsergebnisse

Die Frage, ob Handystrahlung das Risiko für Hirntumoren erhöht, ist seit der breiten Nutzung von Mobiltelefonen ein viel diskutiertes Thema. Die vorliegende Artikel fasst die aktuelle Studienlage zusammen und beleuchtet die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte, um eine umfassende Einschätzung zu ermöglichen.

Hintergrund: Elektromagnetische Felder und Mobilfunk

Die kabellose Kommunikation über Mobiltelefone ist mit der Emission von elektromagnetischen Feldern (RF-EMF) verbunden. Diese liegen im hochfrequenten Spektrum zwischen FM-Radiowellen und Mikrowellen und sind nicht-ionisierend, anders als beispielsweise UV- oder Röntgenstrahlung. Die Energie der Handystrahlung reicht nicht aus, um die DNA in den Zellkernen direkt zu schädigen und somit Krebs auszulösen. Hohe Dosen von RF-Wellen können jedoch Zellen und Gewebe erwärmen, wobei die Energie von Mobiltelefonen innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte nicht ausreicht, um die Körpertemperatur zu erhöhen.

Frühe Forschungsergebnisse und die INTERPHONE-Studie

In den Jahren 2010 und 2011 wurden erste Ergebnisse der INTERPHONE-Studie veröffentlicht, einer internationalen Fall-Kontroll-Studie, die von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiiert wurde. Die Studie untersuchte mögliche Langzeitfolgen der Handynutzung und umfasste Daten von 2.708 Patienten mit Gliomen, 2.409 Patienten mit Meningeomen und 1.105 Patienten mit Akustikusneurinomen sowie passenden Kontrollpersonen.

Die Auswertung der Daten zeigte zunächst kein erhöhtes Risiko für die Entstehung dieser Hirntumorarten aufgrund der Nutzung von Mobiltelefonen. Bei Nutzern mit einer Gesamtnutzungsdauer von mehr als 1.640 Stunden wurde jedoch ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome errechnet. Allerdings waren die Angaben zur Nutzungshäufigkeit in dieser Gruppe wenig plausibel, was die Ergebnisse dieses Teils der Studie fraglich erscheinen ließ. Zudem zeigten sich die Tumoren bei diesen Nutzern eher in den Regionen, die sich nahe am Ohr befinden und auf der bevorzugten Kopfseite zum Telefonieren. Da Probanden mit Hirntumoren in der Regel wussten, auf welcher Kopfseite sich ihr Tumor befand, könnten sie die Häufigkeit der Handynutzung auf der Tumorseite überschätzt haben.

Trotz dieser Unsicherheiten bestätigten die Ergebnisse der INTERPHONE-Studie insgesamt die bisherigen Bewertungen möglicher gesundheitlicher Risiken des Mobilfunks. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betonte jedoch, dass die Studie nicht alle Fragen hinsichtlich der Intensiv- oder Langzeitnutzung beantworten konnte und weiterhin Forschungsbedarf besteht.

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

Die "UK Million Women Study"

Ein Update der "UK Million Women Study", einer seit 1996 laufenden prospektiven Studie mit über einer Million Frauen in Großbritannien, lieferte weitere Erkenntnisse. Im Follow-up über 14 Jahre erkrankten 3.268 der 776.156 Frauen, die 2001 einen Fragebogen zur Mobiltelefonnutzung beantwortet hatten, an einem Hirntumor. Die Studie ergab kein erhöhtes Hirntumorrisiko bei Handynutzung, weder für alle Arten von Hirntumoren noch für spezifische Subtypen wie Gliome, Meningeome, Hypophysentumoren oder Akustikusneurinome. Auch bei Untergruppen mit täglichem Gebrauch oder einer Nutzungsdauer von mindestens zehn Jahren zeigten sich keine statistisch signifikanten Assoziationen. Selbst bei Betrachtung der Handynutzung von 2011 ergaben sich keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der Nutzungshäufigkeit oder -dauer und dem Auftreten von Hirntumoren.

Die Autoren der Studie betonten, dass die Ergebnisse die zunehmende Evidenz unterstützen, dass eine Mobiltelefonnutzung unter üblichen Bedingungen das Risiko und die Inzidenz für Hirntumoren nicht erhöht.

Die COSMOS-Studie: Eine prospektive Langzeituntersuchung

Um die methodischen Limitationen von Fall-Kontroll-Studien zu adressieren und verbliebene Unsicherheiten auszuräumen, wurde 2007 die COSMOS-Studie (The Cohort Study on Mobile Phones and Health) initiiert. COSMOS ist eine internationale prospektive Kohortenstudie, die speziell zur Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und gesundheitlichen Auswirkungen aufgesetzt wurde.

An COSMOS nehmen über 260.000 Personen aus Dänemark, Finnland, Schweden, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich teil. Die Studienteilnehmer füllten zwischen 2007 und 2012 einen Baseline-Fragebogen aus, der Fragen zur Mobiltelefonnutzung, einschließlich des Beginns der regelmäßigen Nutzung, der durchschnittlichen Nutzung pro Woche und der Nutzung von Freisprecheinrichtungen, enthielt. Zudem wurden, sofern die Teilnehmer einwilligten, Daten von Mobilfunknetzbetreibern zu Anzahl und Dauer von Anrufen abgefragt.

Die Ergebnisse des ersten Follow-up, mit einer mittleren Beobachtungszeit von 7,12 Jahren, zeigen keinen Zusammenhang zwischen der Nutzungsdauer oder -intensität von Mobiltelefonen und dem Auftreten von Hirntumoren (Gliome, Meningeome und Akustikusneurinome). Auch in kategorialen Auswertungen zeigte sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang beim Vergleich von Teilnehmern mit hoher kumulativer Anrufzeit gegenüber Personen mit niedriger kumulativer Anrufzeit.

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

Die COSMOS-Studie zeichnet sich durch ihre Größe, das prospektive Design und die umfangreiche Datengewinnung aus. Die Ergebnisse tragen wesentlich zur Reduzierung von Unsicherheiten bei der Bewertung von Langzeit- und Vieltelefonieren bei.

Weitere Studien und Forschungsergebnisse

Neben den genannten Studien gibt es eine Vielzahl weiterer Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Hirntumoren untersucht haben. Eine Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2024, die über 60 Studien betrachtete, kam zu dem Schluss, dass selbst eine Smartphone-Nutzung über einen längeren Zeitraum kein erhöhtes Risiko für Tumore im Kopfbereich (Menigeome, Gliome und Akkustikusneurinome) zeigte, auch nicht bei Kindern.

Allerdings wies die WHO darauf hin, dass einige Fragen aufgrund fehlender Studien nicht beantwortet werden können, insbesondere in Bezug auf seltene Krebsarten oder ungewöhnliche Arten der Einwirkung von Strahlen auf den Körper. Die Forschergruppe empfahl, die Überwachung fortzusetzen, insbesondere bei neuen Technologien wie 5G.

Eine Studie der Bremer Constructor University untersuchte die Auswirkungen von 5G-Frequenzen auf menschliche Hautzellen. Selbst bei einer zehnfach höheren Strahlung als dem gesetzlichen Grenzwert konnten keine nennenswerten Effekte gemessen werden.

Abweichende Ergebnisse und methodische Herausforderungen

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es auch Studien gibt, die abweichende Ergebnisse zeigen. Eine französische Studie aus dem Jahr 2014 deutete auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte Hirntumoren bei Personen hin, die mehr als 15 Stunden pro Monat mit dem Handy telefonierten. Allerdings ist die Aussagekraft solcher Studien aufgrund methodischer Limitationen, wie dem "Recall Bias" (Erinnerungsverzerrung) in Fall-Kontroll-Studien, eingeschränkt.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

Bewertung der IARC

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte hochfrequente elektromagnetische Felder im Jahr 2011 als "möglicherweise krebserregend" (Gruppe 2b) ein. Diese Einschätzung basierte unter anderem auf Ergebnissen von Fall-Kontroll-Studien, die ein erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome bei Vieltelefonierern zeigten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Einstufung nicht bedeutet, dass Handystrahlung nachweislich Krebs verursacht, sondern dass es begrenzte Hinweise auf ein mögliches Risiko gibt.

Möglichkeiten zur Expositionsverringerung

Auch wenn die aktuelle Studienlage kein erhöhtes Hirntumorrisiko durch Handystrahlung nahelegt, gibt es dennoch Möglichkeiten, die individuelle Belastung durch elektromagnetische Felder zu verringern. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt beispielsweise:

  • Telefonate mit dem Headset führen.
  • Das Handy nicht direkt am Körper tragen.
  • In Gebieten mit schlechtem Empfang auf Telefonate verzichten.
  • Die Sendeleistung des Handys reduzieren (falls möglich).

tags: #hirntumor #durch #security #master #schutzt #deine