Hirntumor-Symptome und moderne Diagnose- und Behandlungsansätze

Hirntumore sind Neubildungen, die im Gehirn oder seinen umgebenden Strukturen entstehen. Sie umfassen eine Vielzahl von Typen, die sich in ihrem Ursprung, Wachstumsverhalten und ihrer Aggressivität unterscheiden. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Diagnoseverfahren und modernen Behandlungsansätze für Hirntumore, insbesondere Gliome und Meningeome, und geht auf aktuelle Forschungsergebnisse und Therapieentwicklungen ein.

Hirntumore: Eine Übersicht

Primäre Tumore des zentralen Nervensystems, zu denen Hirntumore gehören, machen etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus. Sie entstehen aus der Gehirn- bzw. Rückenmarksubstanz selbst oder den Hirnhäuten. Gliome, die aus den Gliazellen hervorgehen, stellen mit etwa 60 % die häufigste Gruppe dar. Zu den Gliomen zählen Astrozytome (einschließlich des Glioblastoms), Oligodendrogliome, Ependymome und Mischgliome. Meningeome, die von den Hirnhäuten ausgehen, sind die zweithäufigste Gruppe.

Gliome: Vielfalt und Aggressivität

Gliome sind eine besondere Gruppe von Hirntumoren, die ihren Ursprung in den Vorläuferzellen der Gliazellen haben. Diese Zellen bilden das Stütz- und Nährgewebe des Gehirns. Gliome werden danach eingeteilt, welchem Typ von Gliazellen sie ähneln, wie Astrozytome und Oligodendrogliome. Sie werden auch anhand ihres prognostischen Verlaufs in hoch- und niedriggradige Gliome unterteilt, wobei hochgradige Tumoren mit einer kürzeren Überlebenszeit einhergehen.

Glioblastom: Eine besondere Herausforderung

Das Glioblastom (GBM) ist der häufigste und aggressivste primäre Hirntumor. Es macht fast die Hälfte aller Gliome aus und ist durch pathologische Blutgefäße und eine hohe Tendenz zur Ausbreitung gekennzeichnet. Glioblastome können neu entstehen oder sich aus weniger bösartigen Astrozytomen entwickeln. Trotz Fortschritten in Diagnostik und Behandlung ist die Prognose oft schlecht.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Da Hirntumore Raum im Gehirn beanspruchen, können sie ähnliche Symptome wie Entzündungen, Blutungen oder andere Erkrankungen verursachen. Häufige Symptome sind:

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

  • Kopfschmerzen: Oftmals neu auftretende, anhaltende oder sich verstärkende Kopfschmerzen.
  • Schwindelgefühle: Ein Gefühl von Unsicherheit oder Drehschwindel.
  • Krampfanfälle: Unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn, die zu Krämpfen führen können.
  • Neurologische Ausfälle: Schwäche, Taubheit, Sprachstörungen, Sehstörungen oder Koordinationsprobleme.
  • Veränderungen im Verhalten oder der Persönlichkeit: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder kognitive Beeinträchtigungen.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Bei Verdacht auf einen Hirntumor ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich.

Diagnose von Hirntumoren

Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel eine Kombination aus neurologischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die neurologischen Funktionen, wie Reflexe, Muskelkraft, Koordination, Sensibilität und geistige Fähigkeiten.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Die MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und kann Tumore erkennen, ihre Größe und Lage bestimmen und Informationen über ihre Beschaffenheit liefern. Kontrastmittelaufnahmen können Störungen der Blut-Hirn-Schranke sichtbar machen.
  • Computertomografie (CT): Die CT kann ebenfalls zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt werden, insbesondere in Notfallsituationen oder wenn eine MRT nicht möglich ist.
  • Aminosäuren-Positronenemissionstomografie (PET): Die Aminosäuren-PET kann helfen, Tumorgewebe von gesundem Gewebe zu unterscheiden und den Stoffwechsel des Tumors zu beurteilen.
  • Biopsie: Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe zur histologischen Untersuchung. Sie ist erforderlich, um die Art des Tumors zu bestimmen und seinen Grad (WHO-Grad) festzulegen.
  • Liquordiagnostik: Eine Liquordiagnostik kann zur Abklärung von entzündlichen Erkrankungen, Keimzelltumoren, Lymphomen oder Hirnmetastasen durchgeführt werden.
  • Elektroenzephalografie (EEG): Ein EEG wird zur Beurteilung von Epilepsie eingesetzt.
  • Neuropsychologische Untersuchung: Eine neuropsychologische Untersuchung kann kognitive Funktionen, Verhalten, Affekt und Fatigue beurteilen.

Moderne Behandlungsansätze für Hirntumore

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Art, Größe, Lage, WHO-Grad des Tumors sowie dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den wichtigsten Behandlungsoptionen gehören:

Chirurgische Resektion

Die chirurgische Entfernung des Tumors ist oft der erste Schritt in der Behandlung. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Bei Glioblastomen ist es jedoch schwierig, den Tumor vollständig zu entfernen, da er oft keine klare Begrenzung zum gesunden Gewebe hat.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen nach der Operation zu zerstören oder um Tumore zu behandeln, die nicht operiert werden können. Sie kann als externe Strahlentherapie oder als Brachytherapie (innere Bestrahlung) durchgeführt werden.

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird eingesetzt, um Tumorzellen im ganzen Körper zu zerstören. Sie kann als Tablette oder als Infusion verabreicht werden. Temozolomid ist ein häufig verwendetes Chemotherapeutikum bei der Behandlung von Glioblastomen.

Temozolomid: Ein wichtiger Baustein in der Glioblastom-Therapie

Temozolomid ist ein alkylierendes Zytostatikum, das für die Behandlung von Patienten mit erstmalig diagnostiziertem Glioblastom zugelassen ist. Es wird zunächst begleitend zur Radiotherapie und anschließend als Monotherapie in adjuvanten Zyklen eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass die Kombination mit Temozolomid beim Glioblastom gegenüber einer alleinigen Radiotherapie zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens und einer Steigerung der Zweijahresüberlebensrate geführt hat. Temozolomid ist auch für Patienten mit einem malignen Gliom zugelassen, das nach Standardtherapie rezidivierte oder progredient war.

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen von Temozolomid gehören gastrointestinale Störungen, Leuko- und Thrombozytopenien, Müdigkeit, Hautausschläge und Haarausfall. In seltenen Fällen kann Temozolomid auch zu schweren Leberschäden führen. Eine Kontrolle der Leberwerte ist daher empfehlenswert.

Gezielte Therapien

Gezielte Therapien greifen spezifische Merkmale von Tumorzellen an, wie z.B. bestimmte Proteine oder Signalwege. Bevacizumab ist ein Angiogenesehemmer, der die Bildung von Blutgefäßen im Tumor unterdrückt und bei der Behandlung von Glioblastomen eingesetzt werden kann.

Immuntherapie

Die Immuntherapie zielt darauf ab, das Immunsystem des Körpers zu aktivieren, um Tumorzellen zu bekämpfen. Checkpoint-Inhibitoren sind eine Form der Immuntherapie, die bei einigen Hirntumoren vielversprechend ist.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

Tumortherapiefelder (TTF)

Tumortherapiefelder sind elektrische Felder, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen können. Sie werden in Kombination mit Chemotherapie bei der Behandlung von Glioblastomen eingesetzt.

Stufenadaptierte Therapie

Die stufenadaptierte Therapie berücksichtigt die spezifischen Eigenschaften des Tumors und des Patienten, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten. Sie umfasst die Berücksichtigung von molekularen Markern, wie z.B. IDH-Mutationen, 1p/19q-Kodeletion und MGMT-Promotor-Methylierung, um die Prognose abzuschätzen und die Therapieentscheidung zu unterstützen.

Palliative Maßnahmen

In fortgeschrittenen Stadien von Gliomen steht die palliative Betreuung im Vordergrund, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und Symptome zu lindern.

Aktuelle Forschung und Therapieentwicklungen

Die Forschung im Bereich der Hirntumore ist sehr aktiv und zielt darauf ab, neue und wirksamere Therapien zu entwickeln. Einige vielversprechende Forschungsansätze sind:

  • Gentherapie: Die Gentherapie hat sich in einer Phase-1-Studie als sicher erwiesen und das Potenzial, aggressive Hirntumore zu bekämpfen.
  • Neues Kontrastmittel: Ein neues synthetisches Molekül könnte die Frühdiagnose von Hirnmetastasen ermöglichen.
  • Enzym als Therapietarget: Die Identifizierung eines spezifischen Enzyms von Hirntumor-Stammzellen könnte ein neues Therapietarget darstellen.
  • Stammzellforschung: Die Forschung konzentriert sich darauf, das Stammzellenpotenzial von älteren Menschen zu regenerieren, um es dem von jüngeren Menschen anzunähern und so die Fähigkeit des Gehirns zur Reaktion auf Tumore zu verbessern.
  • Automatisierte Bildanalyse: Ein neues Verfahren zur automatisierten Bildanalyse von Hirntumoren kann die Therapieentscheidungen verbessern.
  • Riechtest: Ein Riechtest könnte die Prognose von Glioblastom-Patienten unterstützen.
  • Methadon: Studien haben gezeigt, dass Methadon bei der Therapie von Hirntumoren unwirksam ist.
  • Darmbakterien: Studien deuten darauf hin, dass Darmbakterien die Bildung von Kavernomen im Gehirn fördern könnten.

Farbtest zur Risikoeinschätzung bei Meningeomen

Ein Team aus Medizinern, Biophysikern und Chemikern hat einen Farbtest entwickelt, der innerhalb weniger Minuten das Risiko einer Verschlechterung bei Meningeomen anzeigen kann. Dieser Test basiert auf der Aktivität der alkalischen Phosphatase, einem Enzym, das eine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielt. Der Test verwendet die Verbindung "AlkaPhos", die sich bei Vorhandensein von aktiver alkalischer Phosphatase von Türkis zu Gelb verfärbt. Bleibt die Verfärbung aus, deutet dies darauf hin, dass der Tumor zu einem aggressiv wachsenden Tumor werden könnte.

Dieser Farbtest könnte eine schnelle und kostengünstige Methode zur Risikoeinschätzung bei Meningeomen darstellen, insbesondere in Regionen, in denen hochspezialisierte Verfahren nicht verfügbar sind.

tags: #hirntumor #gelbe #hand