Hirntumor und Appetitlosigkeit: Ursachen und Zusammenhänge

Ein Hirntumor kann vielfältige Symptome verursachen, abhängig von seiner Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit. Während einige Symptome wie Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle relativ bekannt sind, ist die Appetitlosigkeit eine weniger offensichtliche, aber dennoch bedeutende Begleiterscheinung, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Appetitlosigkeit bei Hirntumoren und gibt einen Überblick über mögliche Behandlungsansätze.

Allgemeine Symptome und ihre Ursachen

Zunächst ist es wichtig, die allgemeinen Symptome von Hirntumoren zu verstehen, um die Komplexität der Erkrankung zu erfassen. Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit sind unspezifische Krankheitszeichen, die bei schweren Erkrankungen allgemein auftreten können. Kopfschmerzen sind zwar ein häufiges Frühsymptom, aber nur selten ist ein Hirntumor die Ursache für Kopfschmerzen. Typische Kopfschmerzen bei Hirntumoren treten nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen rasch an Stärke zu und sind oft mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Sehstörungen, epileptische Anfälle, Empfindungsstörungen und psychische Veränderungen können ebenfalls auftreten.

Die Symptome eines ZNS-Tumors, einschließlich niedrigmaligner Gliome, hängen vom Alter des Patienten, der Lage des Tumors und seiner Ausbreitung ab. Unspezifische Allgemeinsymptome wie der langsam zunehmende Druck im Schädelinneren können durch den wachsenden Tumor oder durch Zirkulations- oder Abflussstörungen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) verursacht werden, was zur Bildung eines Wasserkopfes (Hydrocephalus) führen kann. Lokale Symptome geben Hinweise auf die Lage des Tumors und die beeinträchtigten Aufgabenzentren.

Fatigue als multifaktorielles Problem

Fatigue ist ein häufiges und belastendes Symptom bei Krebserkrankungen, einschließlich Hirntumoren. Sie gilt als multifaktorielle Erkrankung, bei der viele Ursachen zusammenwirken. Der Tumor selbst, aber auch die Therapien, greifen in Stoffwechselprozesse und hormonelle Regelkreise ein und schaffen so die Voraussetzungen für die Entstehung von Fatigue. Weitere Faktoren wie erbliche Veranlagung, Begleiterkrankungen sowie Verhaltens- und Umweltbedingungen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Ein bösartiger Tumor beeinflusst den Stoffwechsel, hormonelle Prozesse und das Immunsystem. Es werden vermehrt entzündungsvermittelnde Botenstoffe gebildet und hormonelle Regelkreise, wie der Schlaf-Wach-Rhythmus, der Katecholamin- und der Serotonin-Stoffwechsel, verändert. Um eine Tumor-assoziierte Fatigue wirksam zu behandeln, ist es wichtig, die zugrundeliegenden Ursachen zu kennen, die unmittelbar auf den Tumor und die Therapien zurückgehen.

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

Krebstherapien und ihre Auswirkungen auf den Appetit

Verschiedene Krebstherapien können Fatigue und Appetitlosigkeit auslösen. Die Chemotherapie schädigt neben den Krebszellen auch gesunde Körperzellen, was zu Nebenwirkungen wie Blutarmut (Anämie) oder nervalen Störungen führen kann. Viele Patienten leiden während der Chemotherapie unter Schlafproblemen. Auch während und nach einer Strahlentherapie kommt es oft zu Fatigue-Beschwerden. Immuntherapeutika aktivieren das Immunsystem, was zu grippeähnlichen Symptomen führen kann. Nach einer Operation sind die meisten Patienten sehr erschöpft, und die Wundheilungsprozesse können ebenfalls Müdigkeit hervorrufen.

Mangelernährung und Gewichtsverlust

Etwa die Hälfte aller Krebspatienten erleidet im Laufe der Erkrankung einen Verlust an Fett- und Muskelmasse, was als Tumorkachexie bezeichnet wird. Bösartige Tumoren verursachen chronische Entzündungen und regen den Stoffwechsel an. Botenstoffe des Immunsystems beeinflussen den Hormonhaushalt und Stoffwechsel, sodass Appetit-steigernde und Hungergefühl-auslösende Wirkungen ausbleiben. Die Zytokine fördern den Abbau der Muskulatur, Eiweiße werden zersetzt, und der Aufbau neuer Eiweiße wird verlangsamt.

Hinzu kommen Schwierigkeiten zu essen bzw. die Nährstoffe im Magen-Darmtrakt richtig aufzunehmen und zu verarbeiten. Übelkeit und Erbrechen, vorzeitiges Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Mundtrockenheit, schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis), Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (Mundsoor), Darmprobleme wie Verstopfung oder Durchfall, Schluckprobleme und Geruchsstörungen können auftreten. Der entstehende Mangel an Energiestoffen, Vitaminen und Mineralien führt zu einem dauerhaften Energiedefizit, das der Körper auszugleichen versucht.

Psychische Belastungen und Schlafstörungen

Psychische Belastungen wie Angst, Sorgen und der Umgang mit einem veränderten körperlichen Aussehen können zu Depressionen oder Anpassungsstörungen führen. Depressive Patienten leiden meist unter einem Gefühl der Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Leere. Sie haben wenig Appetit, können nicht richtig schlafen, verlieren das Interesse an Hobbys und meiden den Kontakt mit anderen Menschen. Schlafstörungen können ebenfalls zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Sorgen und Ängste können den Schlaf rauben.

Appetitlosigkeit als spezifisches Symptom bei Hirntumoren

Appetitlosigkeit kann bei Hirntumoren durch verschiedene Mechanismen verursacht werden. Der Tumor selbst kann direkt oder indirekt Bereiche des Gehirns beeinflussen, die für die Appetitregulation zuständig sind. Dazu gehören der Hypothalamus, der eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Hunger und Sättigung spielt, sowie andere Hirnregionen, die an der Verarbeitung von Geschmacks- und Geruchsinformationen beteiligt sind.

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

Darüber hinaus können Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Geschmacksveränderungen, die durch den Tumor oder die Behandlung verursacht werden, die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren. Auch psychische Faktoren wie Angst und Depressionen können den Appetit negativ beeinflussen.

Diagnose und Behandlung von Appetitlosigkeit bei Hirntumoren

Die Diagnose von Appetitlosigkeit bei Hirntumoren umfasst eine umfassende Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen, um die zugrundeliegenden Ursachen zu identifizieren. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Ernährungsversorgung des Patienten zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

  • Appetitanreger: Medikamente wie Megestrolacetat oder Dexamethason können den Appetit steigern und die Nahrungsaufnahme verbessern. Allerdings sind diese Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen, die Symptome zu lindern und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.
  • Antidepressiva: Bei Depressionen können Antidepressiva die Stimmung aufhellen und den Appetit verbessern.

Ernährungsberatung und -therapie

Eine professionelle Ernährungsberatung kann den Patienten und ihren Angehörigen helfen, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und Mangelernährung vorzubeugen. Die Ernährungsberater können individuelle Empfehlungen geben, wie die Nahrungsaufnahme verbessert werden kann, z. B. durch häufige kleine Mahlzeiten, hochkalorische Snacks und die Anreicherung von Speisen mit zusätzlichen Kalorien und Proteinen.

In einigen Fällen kann eine künstliche Ernährung erforderlich sein, um den Nährstoffbedarf des Patienten zu decken. Dies kann in Form von enteraler Ernährung (über eine Sonde in den Magen-Darm-Trakt) oder parenteraler Ernährung (über eine Infusion in die Blutbahn) erfolgen.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann den Appetit anregen und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Angst, Depressionen und andere psychische Belastungen zu bewältigen, die den Appetit beeinträchtigen können.
  • Aromatherapie: Bestimmte Düfte können den Appetit anregen und die Übelkeit lindern.

Gliome: Eine besondere Herausforderung

Gliome sind die am häufigsten auftretenden primären Hirntumoren. Sie entstehen durch Veränderungen in den Gliazellen, dem Stützgewebe des Nervensystems. Gliome können die Zirkulation des Nervenwassers (Liquor) stören und zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen. Die Behandlung von Gliomen ist komplex und hängt von der Lokalisation, der Beschaffenheit und dem Grad des Tumors ab.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

Die Rolle von Aminosäuren bei Gliomen

Forschungen haben gezeigt, dass der Schlüssel zur Aggressivität von Gliomen im "Essverhalten" der Krebszellen liegt. Bösartige Krebszellen benötigen viel Energie, um sich schnell zu vermehren und in das gesunde Gewebe zu wuchern. Zucker ist ihre wichtigste Energiequelle, aber auch Aminosäuren sind dabei ihre "Nahrung".

Um drei wichtige Aminosäuren, Valin, Leucin und Isoleucin, abzubauen, brauchen die Zellen das Enzym BCAT1. Studien haben gezeigt, dass in besonders aggressiven Glioblastomen das Gen für das Enzym BCAT1 äußerst aktiv ist. Die Blockierung der BCAT1-Wirkung mit einem pharmakologischen Wirkstoff führte dazu, dass die Tumorzellen ihre Fähigkeit verloren, in umgebendes gesundes Hirngewebe vorzudringen.

Diese Erkenntnisse eröffnen neue Möglichkeiten für zielgerichtete Therapien, bei denen BCAT1 unterdrückt und damit der Abbau der Aminosäuren verhindert wird, um den Tumor "auszuhungern".

tags: #hirntumor #kein #appetit