Hirntumoren stellen eine komplexe Gruppe von Erkrankungen dar, die sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auftreten können. In den westlichen Industrieländern tritt die Erkrankung neu bei einem von 10.000 Einwohnern auf. Damit zählen Gehirntumoren zu den seltenen Tumorerkrankungen. Bei Kindern sind Hirntumoren nach Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome von Hirntumoren bei Kindern, insbesondere im Zusammenhang mit Sehstörungen, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf einen Hirntumor sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Im Gegensatz zu vielen anderen Krebserkrankungen sind die auslösenden Faktoren für Hirntumoren weitgehend unbekannt. Risikogruppen lassen sich - im Gegensatz zu den meisten anderen Krebserkrankungen - nicht benennen, denn auslösende Faktoren sind nicht bekannt. Risiken und Lebensgewohnheiten, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Der immer wieder vermutete Zusammenhang zwischen einer Schädel-Hirn-Verletzung und der Entstehung eines Hirntumors konnte bisher nicht überzeugend belegt werden. Es gibt jedoch einige prädisponierende Erkrankungen, die das Risiko erhöhen können, einen Hirntumor zu entwickeln. Dazu gehören:
- Neurofibromatose
- Tuberöse Sklerose
- Von Hippel-Lindau-Syndrom
In Familien mit einer der seltenen Erberkrankungen werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.
Über die Ursachen der Entstehung von Hirntumoren im Kindesalter ist wenig bekannt. Es gibt keine sicher nachgewiesenen Risikofaktoren, jedoch einige prädisponierende Erkrankungen, d.h., vorbestehende, meist bekannte Erkrankungen, die das Risiko einen Hirntumor zu entwickeln potentiell erhöhen.
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Häufigkeit und Arten von Hirntumoren bei Kindern
Nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters repräsentieren Hirntumoren ca. 20% aller Tumoren im Kindes- und Jugendalter und sind damit die häufigsten soliden Tumoren in dieser Altersgruppe. Häufiger treten lediglich die Leukämien und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems auf. Man geht von ca. 300Die häufigsten Tumoren im Kindesalter sind Astrozytome (ca. 40%), Medulloblastome (ca. 20%) und Ependymome (ca. 10%).
Symptome von Hirntumoren bei Kindern
Die Symptome eines Hirntumors bei Kindern können vielfältig sein und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige Symptome entwickeln sich langsam über Wochen oder Monate, während andere plötzlich auftreten können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen: Neu auftretende Kopfschmerzen, die im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger werden und sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen lassen, sind ein häufiges Symptom. Der Charakter und die Intensität des Schmerzes werden als neu empfunden. Sie treten oft morgens auf und können von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgendliche Übelkeit und Erbrechen ohne erkennbare Ursache können auf einen erhöhten Hirndruck hindeuten.
- Sehstörungen: Hirntumoren können verschiedene Arten von Sehstörungen verursachen, da Sehen bedeutet, mit dem Auge bestimmte Bilder wahrzunehmen. Dafür fängt die Netzhaut im Auge die Informationen ein und sendet sie über die Sehbahn bis in das Sehzentrum im Hinterkopf. An praktisch jeder Stelle dieses Weges ist es möglich, dass ein Hirntumor Symptome im Sinne von Sehstörungen auslöst. Meistens fällt ein bestimmtes Areal im Gesichtsfeld aus - Betroffene nehmen es einfach als schwarzen Fleck wahr. Mediziner nennen das Gesichtsfeldausfälle. Am Anfang bemerken Erkrankte solche Symptome oft gar nicht, weil das menschliche Gehirn die fehlenden Bildinformationen berechnet und das Bild weitestgehend vervollständigt. Erst bei größeren Arealen gelingt dies nicht mehr und ein schwarzer Fleck entsteht. Sehstörungen zeigen sich mitunter auch dadurch, dass Betroffene Bilder doppelt sehen. Sehstörungen treten besonders oft bei einem Hypophysenadenom auf. Das ist ein gutartiger, in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) wachsender Hirntumor. Ein Anzeichen für diese Art von Geschwulst ist, dass die Sicht wie bei Scheuklappen von außen her eingeschränkt ist.
- Gleichgewichtsstörungen und Schwindel: Schwierigkeiten beim Gehen, Koordinationsprobleme und Schwindelgefühle können auftreten, insbesondere wenn der Tumor das Kleinhirn betrifft.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Taubheitsgefühle, Sprachstörungen, Schluckstörungen oder eine veränderte Geschmackswahrnehmung können auf eine Schädigung bestimmter Hirnregionen hinweisen.
- Krampfanfälle: Ein neu auftretender epileptischer Krampfanfall ist vor allem bei Kindern oft eines der allerersten Hirntumor-Symptome, das vorrangig bei primären Hirntumoren auftritt. Die Erkrankten erleiden dabei entweder einen fokalen oder einen generalisierten Krampfanfall. Ein fokaler Anfall schlägt sich in einem bestimmten Organbereich nieder. Beispielsweise zuckt ein Arm oder ein Bein. Dieser Anfallstyp geht mitunter in einen generalisierten Anfall über, bei dem der gesamte Körper betroffen ist. Meistens verlieren Betroffene während eines Krampfanfalls das Bewusstsein.
- Hormonelle Störungen: Hirntumor-Symptome treten auch in Form verschiedenster hormoneller Störungen auf. Das ist beispielsweise bei einem Hypophysenadenom der Fall: Die Hypophyse ist eine wichtige Drüse im Gehirn, die Hormone produziert, welche die Funktion anderer Hormondrüsen im Körper regulieren. Ein Tumor der Hypophyse greift hier störend ein. Mögliche Folgen sind Symptome, die etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Körperwachstum oder die Sexualität betreffen.
- Verhaltensänderungen: Veränderungen der Persönlichkeit, Reizbarkeit, Teilnahmslosigkeit oder Konzentrationsstörungen können auftreten.
- Müdigkeit und vermehrtes Schlafbedürfnis: Allgemeine Müdigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis können unspezifische Symptome eines Hirntumors sein.
- Vergrößerter Kopf (Hydrozephalus): Babys und Kleinkinder, die bereits an einem Hirntumor leiden, haben oft einen vergrößerten Kopf (Hydrozephalus), im Volksmund Wasserkopf genannt. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten. Dadurch benötigt das Gehirn mehr Platz und der Schädel vergrößert sich. Kinder mit einem Hydrozephalus sind meist zusätzlich durch Entwicklungsstörungen wie geistige Behinderungen gekennzeichnet.
Die häufigsten Symptome einer Hirntumor-Erkrankung im Kindesalter sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz, Gleichgewichtsstörungen und Schwindel, Störungen der Augenbewegung sowie Müdigkeit und vermehrtes Schlafbedürfnis.
Sehstörungen als Symptom
Sehstörungen sind ein wichtiges Symptom, das auf einen Hirntumor hinweisen kann. Da die Sehbahn von den Augen bis zum Sehzentrum im Gehirn verläuft, können Tumoren entlang dieser Bahn verschiedene Arten von Sehstörungen verursachen. Dazu gehören:
- Gesichtsfeldausfälle: Betroffene nehmen bestimmte Bereiche ihres Gesichtsfelds nicht mehr wahr.
- Doppeltsehen: Bilder werden doppelt wahrgenommen.
- Verschwommenes Sehen: Die Sehschärfe ist beeinträchtigt.
- Einschränkung des Gesichtsfelds: Die Sicht ist wie bei Scheuklappen von außen her eingeschränkt.
Insbesondere Tumoren in der Nähe der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder der Sehnerven können zu Sehstörungen führen. Das Optikusgliom ist eine Sonderform der pilozytischen Astrozytome. Optikusgliome breiten sich entlang der Sehnerven bzw. Sehbahn aus, involvieren jedoch auch häufig das Zwischenhirn (Hypothalamus). Sehstörungen oder hormonelle Störungen sind die häufigsten Symptome.
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Diagnose
Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen dem behandelnden Arzt mehrere diagnostische Methoden zur Verfügung. Die präzise Schilderung der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte geben wichtige Informationen, die zur richtigen Diagnose führen können. Die Diagnostik besteht aus einer klinischen Untersuchung und nachfolgend aus einer bildgebenden Untersuchung des Kopfes. Zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren gehören:
- Klinische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung, einschließlich der Prüfung von Reflexen, Koordination,Sensibilität und des Sehvermögens.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Aufgrund ihrer sehr guten Weichteilauflösung ist die Magnetresonanztomographie (MRT) die Methode der Wahl. Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors ist allerdings die Kernspintomographie (MRT). Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat. Eine MRT kann auch zusätzliche Informationen liefern, die bei der Planung der weiteren Behandlung hilfreich sind, wie z.B. In einigen Fällen kann während der MRT-Untersuchung ein Kontrastmittel injiziert werden, um bestimmte Tumorarten besser sichtbar zu machen und die Abgrenzung von gesundem Gewebe zu erleichtern.
- Computertomographie (CT): Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden.
- Liquoruntersuchung: Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems.
- Biopsie: In vielen Fällen wird auch eine Biopsie durchgeführt, bei der eine kleine Gewebeprobe des Tumors entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird, um die genaue Art des Tumors und den Grad der Bösartigkeit zu bestimmen. Eine definitive Diagnose ist jedoch meist erst durch die neuropathologische Untersuchung des Tumorgewebes nach operativer Entfernung oder einer Gewebeentnahme möglich.
Um einen Hirntumor zu diagnostizieren, reicht eine Röntgenaufnahme nicht aus. Zur Abklärung von Raumforderungen im Schädelinnenraum eignen sich die Computertomographie (CT) und in erster Linie die Magnetresonanztomographie (MRT).
Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, seine Größe und Lage, das Alter des Kindes und der allgemeine Gesundheitszustand. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
- Operation: Bei den meisten kindlichen Hirntumoren steht die Operation an erster Stelle der Behandlungskette. Handelt es sich um gutartige Tumoren kann bei vollständiger Tumorentfernung eine Heilung erzielt werden. Ist eine vollständige Tumorentfernung nicht möglich, werden bei gutartigen Tumoren regelmäßige MRT-Kontrollen durchgeführt und bei Wachstumstendenz des Tumorrestes adjuvante Therapien (Bestrahlung und/oder Chemotherapie) durchgeführt. Bei malignen Tumoren erfolgt nach der Operation immer eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie, auch wenn der Tumor im MRT postoperativ nicht mehr nachweisbar ist. Die Lage eines Hirntumors beeinflusst die Behandlung maßgeblich. Tumoren in gut erreichbaren Bereichen lassen sich oft operativ entfernen, was die besten Heilungschancen bietet. Befindet sich der Tumor nahe an wichtigen Hirnregionen - etwa für Sprache, Bewegung oder Atmung - kann eine vollständige Entfernung zu riskant sein.
- Strahlentherapie: Eine Bestrahlung sollte jedoch bei Kindern unter 3 Jahren nicht durchgeführt werden, da die Bestrahlung eine erhebliche Langzeittoxizität auf das sich entwickelnde Gehirn hat. In dieser Altersgruppe wird nur eine Chemotherapie durchgeführt.
- Chemotherapie: Bei einigen hochmalignen Tumoren kann eine Chemotherapie vor der Operation sinnvoll sein.
- Immuntherapie: Immuntherapie ist ein relativ neuer Ansatz in der Behandlung von Hirntumoren, bei dem das körpereigene Immunsystem dazu angeregt wird, Krebszellen zu bekämpfen. Die Studienlage zur Immuntherapie bei Hirntumoren ist vielversprechend, aber noch im Wandel.
Für jeden Patienten erfolgt durch ein erfahrenes Team aus Neurochirurgen, Kinderonkologen, Neuropädiatern und Strahlentherapeuten eine individuelle Therapieplanung.
Spezifische Tumorarten und ihre Behandlung
- Pilozytische Astrozytome: Pilozytische Astrozytome sind gutartige, langsam wachsende, vom Hirn sehr gut abgegrenzte Tumoren, die häufig im Kleinhirn vorkommen. Im MRT stellen sie sich meist als zystische, stark Kontrastmittel-aufnehmende Läsionen dar. Die Operation ist die Therapie der Wahl. Meist ist eine vollständige Tumorentfernung möglich und die Patienten sind geheilt.
- Optikusgliome: Die Therapieempfehlungen sind sehr widersprüchlich, da der Spontanverlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar ist. Spontane Remissionen sind möglich. Bei raumfordernden Tumoren ist eine Teilresektion sinnvoll. Eine vollständige Tumorentfernung ist nur selten indiziert, da bei größeren Tumoren das Risiko schwerwiegender hypothalamischer Störungen besteht.
- Ependymome: Ependymome sind Tumoren, die von der Auskleidung der Hirnkammern oder des Zentralkanales im Rückenmark (Ependym) ausgehen. Aufgrund ihrer Lage in den Hirnkammern verursachen sie häufig einen Aufstau des Nervenwassers. Die Operation ist die Therapie der Wahl. Ependymome lassen sich meist sehr gut vom normalen Hirngewebe abgrenzen, was für die operative Entfernung sehr hilfreich ist.
- Kraniopharyngeome: Kraniopharyngeome sind gutartige Missbildungstumoren, die aus Resten der Rathke?schen Tasche entstehen und meist am Hypophysenstiel ihren Ursprung haben. Sie wachsen langsam und werden durch Kompression der nervalen Strukturen symptomatisch. Bei Ausbreitung bis in die 3. Hirnkammer können sie zu einem Nervenwasseraufstau mit Ausbildung eines Wasserkopfes (Hydrozephalus) führen. Kraniopharyngeome verursachen häufig Sehstörungen durch Kompression der Sehnerven. Bei Nichtbehandlung und Tumorprogredienz droht die Erblindung.
- Medulloblastome: Medulloblastome sind maligne Tumoren (WHO Grad 4), die meist vom Kleinhirnwurm ausgehen. Diese Tumoren neigen zu Absiedlungen in den Nervenwasserraum.
- Gangliogliome: Gangliogliome sind niedrig maligne Mischtumoren (meist WHO Grad 2), die eine gliale und neurale Komponente haben. Sie wachsen langsam und lassen sich sehr gut vom normalen Hirngewebe abgrenzen. Die Operation ist die Therapie der Wahl.
Prognose
Die Prognose bei Hirntumoren im Kindesalter hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, seine Lage, die Möglichkeit einer vollständigen Entfernung und das Ansprechen auf die Behandlung. DankFortschritten in der medizinischen Versorgung können heute drei von vier Kindern, die eine Krebserkrankung haben, dauerhaft geheilt werden.
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Wichtige Hinweise
- Ein Hirntumor kann jeden treffen. Mit Ausnahme ganz selten vorkommender familiärer Tumorhäufungen gibt es kaum bekannte Risikofaktoren für Hirntumorerkrankungen.
- Viele Hirntumore sind heute gut behandelbar.
- Nicht alle Hirntumore müssen behandelt werden. Die häufig auftretenden Meningeome älterer Menschen können oft durch regelmäßige, z. B. Nur bei Größenzunahme dieser Tumoren muss therapiert werden.
- Fast alle Gehirntumore können heute operiert werden, nicht alle müssen operiert werden.
- Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab.
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