Hirntumore und Kontrastmittelaufnahme: Ursachen, Diagnose und Behandlungen

Hirntumore stellen eine komplexe und vielfältige Gruppe von Tumoren dar, die im Gehirn oder im zentralen Nervensystem entstehen. Sie können sowohl gutartig als auch bösartig sein und erfordern häufig eine interdisziplinäre Herangehensweise für eine optimale Diagnostik und Therapie. Ein wichtiger Aspekt in der Diagnostik von Hirntumoren ist die Kontrastmittelaufnahme, die wertvolle Informationen über die Art und das Verhalten des Tumors liefern kann.

Meningeome: Ursprung, Ursachen und Diagnose

Ein Meningeom ist ein meist gutartiger Tumor im Schädelinneren, der aus der Hirnhaut (den Meningen) entsteht. Als Meningen bezeichnet man die Häute, die das Gehirn umgeben. Sie stellen einen wichtigen Schutz gegen Beschädigung und gegen Infektionen dar. Etwa 30 Prozent der bei Erwachsenen auftretenden intrakraniellen Tumore sind Meningeome, was sie zu den häufigsten Tumoren in dieser Altersgruppe macht.

Entstehung und Risikofaktoren

Ein Meningeom entsteht durch die Entartung von Deckzellen der Arachnoidea, einer Hirnhautschicht. Die genauen Ursachen für diese Überaktivierungen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und bestimmten Umweltbedingungen zur Entwicklung dieser Art von Hirntumor beitragen kann. Ionisierende Strahlung ist nach heutigem Wissensstand einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung von Meningeomen. Eine Ursache für Meningeome könnte auch das Hormon Östrogen darstellen, was erklären würde, warum Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Symptome und Diagnose

Die Symptome eines Meningeoms variieren stark und hängen hauptsächlich von der genauen Lage und Größe des Tumors ab. Symptome des Meningeoms können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Schwäche und Taubheitsgefühl in den Armen oder Beinen
  • Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit
  • Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens
  • Krampfanfälle / epileptische Anfälle
  • Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme
  • Sehstörungen
  • Hörverlust oder Tinnitus

Diese Anzeichen sind oft unspezifisch und können auch auf viele andere Erkrankungen hinweisen. Daher ist es wichtig, bei deutlichen Beschwerden sofort medizinischen Rat einzuholen. In der Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen sich Meningeome in der Regel als klar abgegrenzte Tumore. Sie sind meist außerhalb des Hirngewebes lokalisiert und sitzen großflächig der harten Hirnhaut (Dura mater) auf, wobei sie angrenzendes Hirngewebe verdrängen und nicht zerstören. Meningeome nehmen gleichmäßig Kontrastmittel auf. Auf CT-Aufnahmen können Verkalkungen und sekundäre Veränderungen an den Knochen besonders gut erkannt werden. In MRT-Scans werden oft nach außen verlaufende Verdickungen der harten Hirnhaut, das sogenannte „Dural Tail Sign“, sichtbar. Auch kann hier eine eventuelle Verwachsung (Invasion) des umgebenden Hirngewebes und die den Tumor umgebende Wassereinlagerung (Hirnödem) sehr gut dargestellt werden.

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WHO-Klassifikation und Prognose

Die Tumore werden nach WHO-Klassifikation in die Grade I bis III eingeteilt. Rund 80 bis 90 Prozent der Meningeome gelten als gutartig und damit als Grad I. Sie lassen sich operativ meist komplett entfernen und haben dann eine günstige Prognose - nach vollständiger Entfernung ist die Lebenserwartung in der Regel normal.

Glioblastome: Aggressiver Hirntumor

Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 55 und 65 Jahren, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Das aggressive Wachstum dieses Tumors führt zur Einstufung als WHO-Grad IV, dem höchsten Malignitätsgrad in der WHO-Klassifikation für Gliome. Das Glioblastom zählt zur Gruppe der Astrozytome und damit zu den Gliomen. Gliome sind primäre hirneigene Tumoren, die im Gehirn oder Rückenmark entstehen - im Gegensatz zu Hirnmetastasen, die Absiedlungen anderer Tumoren sind. Gliome entwickeln sich aus Gliazellen, den Stützzellen, die Nervenzellen im zentralen Nervensystem umgeben. Normalerweise unterstützen diese Zellen die Nervenfunktion, bei Gliomen geraten sie jedoch außer Kontrolle. Der genaue Gliazell-Typ bestimmt Klassifikation, Therapie und Prognose.

Formen des Glioblastoms

  • Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90% der Patient:innen auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
  • Sekundäres Glioblastom: Heute wird diese Form als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen oder Risikofaktoren für die Entstehung dieser Hirntumoren sind nicht ausreichend erforscht. Zu den Risikofaktoren für ein Glioblastom gehören:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken
  • Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor.

Symptome

Je nachdem an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet, können Glioblastome durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden. Die Symptome können im weiteren Verlauf variieren. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome. Je nachdem, wo sich der Tumor befindet, können bei Glioblastom-Patient:innen folgende Beschwerden auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • epileptische Anfälle
  • Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Diagnose

Die Diagnosestellung des Gehirntumors erfolgt zunächst durch eine gründliche Befragung nach ersten Anzeichen und Symptomen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Durch bildegebende Verfahren wird die Lage und Größe des Hirntumors bestimmt. Zu den Tests und Verfahren, die zur Diagnose eines Glioblastoms eingesetzt werden, gehören:

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  • Neurologische Untersuchung: Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe der Patient:innen werden überprüft
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) (dieses Verfahren wird standardmäßig zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt), Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
  • Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe erfolgt in der Regel vor der Operation oder während der Resektion eines Glioblastoms. Die Probe des verdächtigen Gewebes wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst eine maximal sichere chirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Therapie nach dem Stupp-Schema, bestehend aus Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie mit einem oralen alkylierenden Zytostatikum (Temozolomid). Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie.

Diese Behandlungsmethoden stehen beim Glioblastom zur Verfügung:

  • Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation. Diese Tumoren liegen häufig in Regionen, die für die neurologische Funktion entscheidend sind. Das Hauptziel einer Resektion besteht darin, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umgebende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung nicht möglich. Die Operation verringert die Tumormasse, entfernt therapieresistente Zellen im Zentrum und senkt den intrakraniellen Druck. So kann das Überleben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Da der Tumor nie vollständig entfernt werden kann, erhalten die meisten Patient:innen nach der Operation weitere Behandlungen.
  • Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen, die in gesundes Hirngewebe eingedrungen sind, gezielt abzutöten. Die standardmäßige externe Bestrahlung umfasst den Tumor und einen Randbereich und wird in mehreren Sitzungen durchgeführt. Sie führt meist zu besseren Ergebnissen als eine alleinige Operation. Die Strahlentherapie wird dabei mit einer Chemotherapie kombiniert. Bei Patient:innen, die nicht operiert werden können, kann eine Radio-Chemo-Therapie auch primär eingesetzt werden.
  • Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen. Der molekulare MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
  • Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
  • Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage. Die Teilnahme an klinischen Studien wird ausdrücklich empfohlen.
  • Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen. Palliativmediziner:innen begleiten Patient:innen, Angehörige und das Behandlungsteam, um die Lebensqualität zu erhalten und die Behandlung bestmöglich zu unterstützen.

Ist ein Glioblastom heilbar?

Die Inzidenz von Glioblastomen liegt bei ca. 3-5 pro 100.000 pro Jahr. Mit einem Anteil von etwa 16% an allen primären Hirntumoren ist es die häufigste bösartige Hirntumorform bei Erwachsenen. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle sind Glioblastome durch eine Therapie nicht heilbar. Auch niedriggradige Gliome wie IDH-mutierte Astrozytome entwickeln sich häufig zu hochgradigen Gliomen und führen langfristig fast immer zum Tod der Betroffenen, da sich der Tumorprozess meist diffus ausbreitet und nicht vollständig entfernt werden kann.

Die Rolle der Bildgebung und Kontrastmittelaufnahme

Bildgebende Verfahren spielen eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von Hirntumoren, und die Magnetresonanztomographie (MRT Kopf) ist dabei das am häufigsten verwendete Verfahren. Die MRT-Untersuchung ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem Magnetfelder und Radiowellen verwendet werden, um detaillierte Bilder des Gehirns und des umgebenden Gewebes zu erstellen. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) kommt die MRT ohne ionisierende Strahlung aus, was sie zu einer schonenderen Untersuchungsmethode macht. Eine MRT kann auch zusätzliche Informationen liefern, die bei der Planung der weiteren Behandlung hilfreich sind.

In einigen Fällen kann während der MRT-Untersuchung ein Kontrastmittel injiziert werden, um bestimmte Tumorarten besser sichtbar zu machen und die Abgrenzung von gesundem Gewebe zu erleichtern.

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Kontrastmittel: Nutzen und Risiken

Kontrastmittel bestehen aus Schwermetallen, die ähnlich giftig sein können wie Blei oder Quecksilber. Es ist wichtig, dass die Entscheidung über die Verwendung von Kontrastmitteln von Spezialisten getroffen wird, die sich bestens mit dem Thema auskennen. Bei der Entscheidung für oder gegen Kontrastmittel müssen die potenziellen Risiken gegen den Nutzen abgewogen werden, den die verbesserte Bildgebung für die Diagnose und Behandlungsplanung bietet.

Vor jeder MRT mit Kontrastmittel wird in der Regel der Kreatinin-Wert bestimmt, um die Nierenfunktion zu überprüfen. Der Kreatininwert darf (in einigen Radiologiepraxen) bis zu 3 Monate alt sein, in anderen nicht älter als 2 Wochen. Dies dient der Sicherheit der Patienten und soll sicherstellen, dass die Nieren das Kontrastmittel problemlos ausscheiden können.

Es gibt verschiedene Arten von Kontrastmitteln, wie Prohance, Gadovist und Dotarem. Das kontrastmittelverstärkte MRT ist derzeit ein sicheres diagnostisches Verfahren. Die obligatorische Prüfung des Kreatininanteils im Blut dient zur Identifizierung von Risikopatienten. Sie deckt schlechte Nierenfunktion auf und sollte als medizinischer Standard vor jeder MRT gelten.

Wann ist ein MRT mit Kontrastmittel notwendig?

Ein MRT ohne Kontrastmittel ist nicht immer ausreichend, um einen Tumor oder dessen Veränderung zu erkennen. Es kann deutlich schädlicher sein, einen Tumor oder dessen Veränderung ohne Kontrastmittel nicht zu erkennen bzw. zu übersehen. Bei einem MRT ohne Kontrastmittel kann der Tumor eventuell übersehen werden.

Ob ein MRT mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Art des vermuteten Tumors, der Fragestellung der Untersuchung und dem Zustand des Patienten.

Ablagerungen von Kontrastmittel im Gehirn?

Es gab in der Vergangenheit Bedenken hinsichtlich möglicher Ablagerungen von Kontrastmittel im Gehirn. Prof. Olav Jansen im NDR hat jedoch betont, dass Ablagerungen im MRT nicht sichtbar sein können, nachdem wegen dieser Vermutungen ernsthaft danach gesucht wurde.

Immuntherapie bei Hirntumoren

Die Studienlage zur Immuntherapie bei Hirntumoren ist vielversprechend, aber noch im Wandel. Fortschritte in der Immuntherapie könnten in Zukunft zu wirksameren und weniger toxischen Behandlungsoptionen für Hirntumorpatienten führen.

Aktuelle Forschungsansätze

  • Monoklonale Antikörper: Einige Studien untersuchten den Einsatz monoklonaler Antikörper, die gegen spezifische Tumormarker gerichtet sind. Bevacizumab, ein Antikörper gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), wurde in der Behandlung von Glioblastomen getestet.
  • Impfstoffe: Verschiedene Impfstoffe wurden entwickelt und in klinischen Studien untersucht, um das Immunsystem gegen Hirntumorzellen zu aktivieren. Einige dieser Impfstoffe zielen auf tumorassoziierte Antigene ab, während andere dendritische Zellen verwenden, um T-Zellen zu stimulieren.
  • CAR-T-Zell-Therapie: Bei der CAR-T-Zell-Therapie werden T-Zellen des Patienten genetisch verändert, um spezifische Tumorantigene zu erkennen und anzugreifen. Diese Methode hat bei bestimmten hämatologischen Krebserkrankungen wie akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) und Non-Hodgkin-Lymphomen beeindruckende Ergebnisse erzielt.
  • Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Immun-Checkpoint-Inhibitoren, wie etwa PD-1/PD-L1-Inhibitoren, haben in der Behandlung von metastasiertem Melanom und Lungenkrebs Erfolge gezeigt. Bei Hirntumoren sind die Ergebnisse bisher weniger überzeugend.

Astrozytome: Eine weitere Form von Gliomen

Bei einem Astrozytom handelt es sich um einen Hirntumor, der den Gliomen angehört und wie diese aus Stützgewebe des Nervensystems (Gliazellen) hervorgeht. Der Name "Astrozytom" geht auf die Astrozyten zurück, diejenigen Gliazellen, aus denen sich ein Astrozytom entwickelt. Diese Hirntumoren sind mit einem Anteil von über 60 Prozent die häufigste Form von Gliomen und zählen mit etwa 40 Prozent zu den bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren am häufigsten diagnostizierten Hirntumoren.

Formen und Abstufungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt die Astrozytome in zwei Formen und vier Schweregrade:

1. Gutartige bis niedrigmaligne (wenig bösartige) Astrozytome:

  • WHO-Grad 1: Pilozystisches Astrozytom
  • WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom

2. Hochmaligne (bösartige) Astrozytome:

  • WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom
  • WHO-Grad 4: Glioblastom

Sowohl die Behandlung als auch die Prognose orientieren sich an dieser Einordnung.

Ursachen

Ein Astrozytom geht aus sogenannten Astrozyten hervor. Diese Zellen bilden den größten Anteil der Stützzellen (Gliazellen) im zentralen Nervensystem. Sie grenzen das Nervengewebe gegenüber der Hirnoberfläche und den Blutgefäßen ab. Genau wie andere Zellen im Körper werden Astrozyten regelmäßig erneuert. Dabei treten in einigen Fällen Fehler auf, die zu einem unkontrollierten Zellwachstum und schließlich zu einem Tumor führen.

Warum ein Astrozytom entsteht, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Der einzige gesicherte Risikofaktor sind ionisierende Strahlen. Menschen sind aber meistens nur im Rahmen einer Strahlentherapie schädigenden Strahlendosen ausgesetzt.

Außerdem tritt diese Form von Hirntumor bei bestimmten Grunderkrankungen gehäuft auf, die in der Regel vererbt wurden. Dazu gehören die Neurofibromatose vom Typ I (Morbus von Recklinghausen) und Typ II, die tuberöse Sklerose (Morbus Bournville-Pringle), das Li-Fraumeni-Syndrom und das Turcot-Syndrom. Diese Erkrankungen sind sehr selten und gehen meistens mit typischen Veränderungen der Haut einher.

Symptome

Welche Symptome ein Astrozytom verursacht, hängt von seiner genauen Lokalisation im Gehirn und seiner Größe ab. Ein pilozystisches Astrozytom wächst häufig entlang der Sehbahn und verursacht Sehstörungen. Beschädigt es hingegen den Thalamus, treten meist hormonelle Störungen auf. Befindet sich der Tumor im Kleinhirn, kommt es zum Beispiel zu Koordinationsproblemen, einer veränderten Sprache und Händezittern.

Schnell wachsende Tumoren verdrängen nicht nur einzelne Hirnstrukturen, sondern erhöhen zudem den Hirndruck. Dadurch haben Betroffene meist Kopfschmerzen und leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Prinzipiell ruft ein Astrozytom ähnliche Symptome wie andere Hirntumoren hervor.

Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Astrozytom ist der Neurologe. Er fragt den Betroffenen genau nach seinen Beschwerden, eventuellen Vor- und Grunderkrankungen sowie seinen Lebensumständen (Erhebung der Krankengeschichte, Anamnese). Im Anschluss leitet er die weiteren diagnostischen Schritte und Untersuchungen ein.

Das wichtigste diagnostische Verfahren bei einem Astrozytom ist die Magnetresonanztomografie (MRT) - ein bildgebendes Verfahren, das mithilfe von Magnetfeldern und elektromagnetischen Wellen genaue Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Oft erhalten Betroffene vor der Untersuchung ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Astrozytome nehmen das Kontrastmittel unterschiedlich stark auf.

Im Bild entsteht dadurch ein leuchtendes Areal. Ein pilozystisches Astrozytom leuchtet stark und gleichmäßig auf, ein diffuses oder anaplastisches Astrozytom nimmt hingegen meistens kein oder wenig Kontrastmittel auf und erscheint eher dunkel. Ein Glioblastom formt mit Kontrastmittel eine charakteristische ringförmige Struktur.

Wenn aus verschiedenen Gründen keine MRT möglich ist, setzt der Arzt alternativ eine Computertomografie (CT) an.

Bei einem Astrozytom vom WHO-Grad 2 oder höher entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und untersucht diese im Labor. Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen angezeigt. So entnimmt und analysiert der Arzt in manchen Fällen zusätzlich Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquordiagnostik) oder führt eine Messung der elektrischen Hirnströme (EEG) durch.

Therapie

Generell lässt sich diese Form von Hirntumor operieren, bestrahlen und mit speziellen Medikamenten (Chemotherapeutika) behandeln. Liegt ein pilozystisches Astrozytom vor, genügt meist eine Operation. Weitere Behandlungsoptionen kommen nur dann zum Einsatz, wenn es nicht möglich ist, den Tumor vollständig zu entfernen. Ein diffuses Astrozytom hingegen lässt sich fast nie durch eine Operation vollständig entfernen. Beginnen zurückgebliebene Tumorreste wieder zu wachsen, ist es oft erforderlich, den Tumor zu bestrahlen.

Bei umschriebenen Tumoren kommt mitunter eine Brachytherapie infrage. Dazu pflanzt der Arzt kleine radioaktive Körnchen (Seeds) in die betroffene Körperregion ein. Der Vorteil dieser Bestrahlungsform ist, dass sie den Tumor sehr gezielt trifft und weniger gesundes Gewebe schädigt.

Vergrößert sich das Astrozytom unter einer Bestrahlung weiter, kommt eine Chemotherapie in Betracht. Bei einem anaplastischen Astrozytom bestrahlt der Arzt das Tumorgewebe meistens nach einer Operation sofort oder wendet Chemotherapeutika an.

Neben diesen Therapiemaßnahmen gibt es zahlreiche weitere Behandlungsmaßnahmen, die zwar nicht den Tumor selbst, aber die Symptome bekämpfen. So verabreichen Ärzte beispielsweise verschiedene Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem gehört meist eine professionelle Psychotherapie zum Behandlungsplan. Einige Betroffene nehmen eine Seelsorge in Anspruch.

Krankheitsverlauf und Prognose

Krankheitsverlauf und Prognose hängen im Wesentlichen von der konkrete Form des Astrozytoms ab.

Ein pilozystisches Astrozytom ist bei einer vollständigen operativen Entfernung langfristig heilbar. Liegt der Tumor in der Nähe von wichtigen Hirnstrukturen wie beispielsweise der Sehbahn, ist nicht immer eine Operation möglich. Die Prognose einer alternativ durchgeführten Strahlen- oder Chemotherapie ist etwas schlechter. Insgesamt leben fünf Jahre nach der Diagnose aber noch 94 Prozent aller Betroffenen mit diesem Tumortyp.

Im Unterschied dazu hat ein Astrozytom mit WHO-Grad 2 oder 3 eine deutlich schlechtere Prognose. Zweit- und drittgradige Astrozytome sind zwar meistens operabel, kehren aber oft wieder zurück (Rezidive). In einigen Fällen entarten Tumoren beider Formen bösartig und gehen in ein Glioblastom (WHO-Grad 4) über. Dieses hat die schlechteste Prognose: Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch fünf Prozent der Betroffenen.

Dank guter unterstützender therapeutischer Maßnahmen hat sich die Lebensqualität von Erkrankten mit einem Astrozytom verbessert.

Vorbeugung

Da die Ursachen bislang nicht eindeutig geklärt sind, gibt es keine gesicherten Maßnahmen, mit denen sich ein Astrozytom vorbeugen lässt. Mediziner empfehlen, dass Personen, die Risikogruppen angehören, möglichst regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Gibt es beispielsweise bei mehreren Personen in der Familie eine risikosteigernde Erbkrankheit, lassen sich so Anzeichen für einen Hirntumor frühzeitig ausmachen und eine gegebenenfalls notwendige Behandlung einleiten.

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