Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten. Es gibt Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen. Und es gibt solche, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen - Fachleute sprechen von Hirnmetastasen. Diese können sowohl gut- als auch bösartig sein und treten insgesamt selten auf: Etwa einer von 10.000 Menschen ist betroffen. Sowohl Erwachsene als auch Kinder können betroffen sein.
Was ist ein Hirntumor?
Der Begriff Hirntumor oder Gehirntumor bezeichnet jede gut- und bösartige Geschwulst innerhalb des Schädels. Im Vergleich zu Darm-, Lungen-, Brustkrebs oder anderen Krebserkrankungen sind Gehirntumoren selten. Experten gehen davon aus, dass die Zahl weiter steigt und rechnen zukünftig mit etwa 8.000 Neuerkrankungen pro Jahr.
Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen ist ein Hirntumor bei Kindern die zweithäufigste Tumorart. Laut Kinderkrebsregister ist eines von 1.400 Kindern unter 18 Jahren betroffen, was etwa ein Viertel der Tumorerkrankungen bei Kindern bedeutet. Insgesamt erkranken Jungen zu 20 Prozent häufiger als Mädchen.
Primäre vs. Sekundäre Hirntumoren
Zunächst unterscheidet man primäre von sekundären Hirntumoren. Unter den primären Hirntumoren gibt es sowohl gutartige (benigne) als auch bösartige (maligne) Formen („Gehirnkrebs“), während sekundäre Hirntumoren immer bösartig sind.
- Primäre Hirntumoren: Als primär bezeichnet man einen Hirntumor, der sich direkt aus Zellen der Gehirnsubstanz oder der Hirnhaut entwickelt. Solche Tumoren bezeichnen Mediziner auch als hirneigene Tumoren. Oft zählen zu den primären Hirntumoren auch jene, die von einem Hirnnerv ausgehen.
- Sekundäre Hirntumoren: Neben den primären Hirntumoren gibt es etwa gleich häufig sekundäre Hirntumoren. Sie entstehen, wenn Zellen aus anderen Organtumoren (beispielsweise Lungenkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs) ins Gehirn gelangen und hier eine Tochtergeschwulst bilden. Es handelt sich hierbei also um Hirnmetastasen. Einige Fachleute sehen diese gar nicht als „echten“ Hirntumor an. Bei den Hirnmetastasen unterscheidet man Absiedlungen im Hirngewebe (Parenchym-Metastasen) und solche in der Hirnhaut (Meningeosis carcinomatosa).
Häufige Tumortypen des zentralen Nervensystems
Primäre Hirntumoren sind Tumoren, die direkt im Gehirn entstehen: Sie können sich aus verschiedenen Zellen im Gehirn entwickeln, am häufigsten aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome".
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- Gliome: Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben. Zu den Gliazellen gehören die sogenannten Astrozyten, Oligodendrozyten und die Ependym-Zellen. Daraus können sich das Astrozytom, das Oligodendrogliom und das Ependymom entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
- Andere Hirntumoren, die häufiger auftreten, sind:
- Meningeome, aus Zellen der Hirnhaut
- Neurinome/Schwannome, aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen
- Medulloblastome, aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn
Wie häufig sind Hirntumoren?
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten. Sie können jedoch in jedem Lebensalter auftreten.
- Erwachsene: Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Zum Vergleich: Die Diagnose Darmkrebs erhielten im selben Jahr etwa 54.770 Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen liegt bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren. Der häufigste bösartige primäre Hirntumor ist das Glioblastom. 2 von 3 Personen mit einer Krebserkrankung im Gehirn erhalten diese Diagnose.
- Kinder: Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa 1 von 4 Kindern mit Krebs hat einen Hirntumor. Hirntumoren machen also etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.
Ursachen, Risiken und Früherkennung
Bisher ist weitestgehend unbekannt, warum sich ein primärer Hirntumor bildet. Bei den meisten Betroffenen lässt sich kein Auslöser finden. Sind keine Ursachen bekannt, sprechen Fachleute auch von einem sporadischen Hirntumor.
Risikofaktoren für Hirntumoren
Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Auch die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden:
- Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern: das betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie eine Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Nach einer Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Bei familiärer Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
- Bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Früherkennung bei Hirntumoren?
Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Hirntumoren. Das liegt vor allem daran, dass Hirntumoren insgesamt eher selten sind. Zudem gibt es Hirntumoren, die innerhalb weniger Wochen auftreten können. Es gibt keine einfachen und regelmäßig durchführbaren Tests, um Gehirntumoren sicher festzustellen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann zwar Hirntumoren nachweisen, ist aber eine zeitaufwändige und teure Untersuchungsmethode. Für seltene Tumoren eignet sich eine MRT daher nicht als regelmäßige Screening-Maßnahme in der gesunden Bevölkerung.
Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom: Denn bei ihnen können Hirntumoren möglicherweise häufiger auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine sogenannte humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung.
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- Mögliche Maßnahmen für Personen mit erblichen Tumor-Syndromen: Wurde eine Veränderung im Erbgut nachgewiesen, die zu einem erblichen Tumorsyndrom führt? Regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie etwa einer Magnetresonanztomographie können dann zur Früherkennung eines Hirntumors beitragen. Solche Kontrollen hängen von der individuellen Situation einer Patientin oder eines Patienten ab, etwa welches Tumorsyndrom vorliegt und wie dieses bei erkrankten Familienmitgliedern verläuft.
Symptome von Hirntumoren
Hirntumoren können jeden Menschen treffen. Oft werden sie jedoch erst spät erkannt. Zu Beginn verursacht ein Hirntumor nämlich keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden, die je nach Größe und Lage des Tumors zudem stark variieren können. Je früher die Hirngeschwulst erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Umso wichtiger ist es, mögliche Warnzeichen zu erkennen.
Welche Beschwerden eine Patientin oder ein Patient mit Gehirntumor hat, hängt von der Größe und Lage des Tumors ab. Nicht jeder Hirntumor verursacht die gleichen Symptome. Je nachdem, in welcher Hirnregion ein Hirntumor entsteht und wächst, können unterschiedliche Symptome zum Vorschein kommen. Verschiedene Regionen im Gehirn steuern viele unterschiedliche Körperfunktionen.
Gliome WHO-Grad 4, wie Glioblastome und Astrozytome Grad 4, beeinträchtigen in der Regel zunächst die Gehirnareale, die an den Tumor angrenzen. Oft leiden Hirntumor-Patientinnen und -Patienten zunächst an unspezifischen Symptomen.
Einige der zahlreichen Beschwerden sind unter anderem folgende:
- Kopfschmerzen: Wenn der Hirntumor wächst und das gesunde Gehirngewebe verdrängt, treten Symptome auf, die Fachleute Hirndruckzeichen nennen. Dazu zählen zum Beispiel Kopfschmerzen, die vor allem nachts und am frühen Morgen auftreten, da sie sich im Liegen verstärken. Innerhalb weniger Tage oder Wochen werden die Schmerzen heftiger. Kopfschmerzen, die auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen. Der Charakter und die Intensität des Schmerzes werden als neu empfunden.
- Übelkeit und Erbrechen: Eine weitere Folge des erhöhten Hirndrucks sind Übelkeit und schwallartiges Erbrechen, die häufig zeitgleich mit den Kopfschmerzen auftreten und ebenfalls innerhalb kurzer Zeit stärker werden. Typisch ist vor allem Übelkeit auf nüchternem Magen.
- Epileptische Anfälle: Erstmalig auftretende epileptische Anfälle können bei einem Gliom WHO-Grad 4 neu auftreten, wenn gesundes Hirngewebe in den Randbereichen des Hirntumors erregt wird. Anzeichen von Krampfanfällen sind z. B. nicht kontrollierbare Zuckungen einzelner Körperteile. Manchmal gehen Krampfanfälle auch mit Empfindungsstörungen einher. Rund die Hälfte aller Menschen, die an einem Hirntumor erkranken, erleiden im Verlauf epileptische Anfälle. Oft sind diese das erste Symptom, das Betroffene bewusst wahrnehmen.
- Neurologische Ausfälle: Je nachdem, in welchem Gehirnareal sich der Tumor befindet, kann es zu Muskelschwäche oder sogar Lähmungserscheinungen in den Armen, Beinen oder anderen Regionen kommen. Einige Betroffene klagen über Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln auf der Haut oder Berührungsempfindlichkeiten. Es kann z.B. Störungen der Motorik, also der Bewegungsfähigkeit, sowie Lähmungen können auftreten, wenn ein Gliom WHO-Grad 4 in der Nähe von Gehirnarealen wächst, die die Bewegung des Körpers steuern. Empfindungsstörungen können Kälte, Hitze oder Berührungen betreffen.
- Sehstörungen: Insbesondere bei dem sogenannten Hypophysenadenom kann es zu Sehstörungen kommen: Die gutartige Geschwulst wächst in der Hirnanhangdrüse. Überschreitet sie eine gewisse Größe, kann sie auf den Sehnerv drücken und Beschwerden wie einen Gesichtsfeldausfall oder Doppelbilder auslösen. Beim Sehen werden Informationen von der Netzhaut der Augen aufgenommen und über Nervenbahnen bis ins Sehzentrum im Hinterkopf geleitet und dort verarbeitet. Ein Hirntumor wie ein Gliom WHO-Grad 4 kann diese Prozesse beeinträchtigen.
- Hormonelle Störungen: Ein Hypophysenadenom kann zusätzlich mit hormonellen Störungen einhergehen. Denn diese Form des Hirntumors zeichnet sich durch eine Überproduktion von Hormonen aus. Das führt bei Männern zum Beispiel zu Funktionsstörungen der Hoden, bei Frauen kommt es zu Zyklusstörungen und einem krankhaften Milchfluss aus den Brüsten (Galaktorrhoe).
- Schwerhörigkeit: Schwerhörigkeit, oft begleitet von Ohrgeräuschen (Tinnitus), kann auf einen Hirntumor hindeuten - insbesondere, wenn sich die Hörleistung einseitig verschlechtert.
- Sprach- und Schluckstörungen: Ein weiteres neurologisches Symptom, das Folge eines Hirntumors sein kann, sind Sprachstörungen (Aphasie). Je nach Lage und Art des Tumors kann es außerdem zu Schluckbeschwerden (Dysphagie) kommen.
- Wesensveränderungen: Plötzlich leicht reizbar, schnell abgelenkt oder in sich gekehrt: Ein Hirntumor kann zu Persönlichkeitsveränderungen der betroffenen Person führen. Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Auslöser können auf eine solche Krebserkrankung hindeuten. Ein Hirntumor kann nicht nur zu einer Wesensveränderung führen, sondern auch die psychische Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen. So entwickeln einige Erkrankte etwa Depressionen. Patienten werden möglicherweise schneller reizbar, frustriert oder aggressiver als zuvor. Die Stimmung oder das Verhalten können sich verändern, der Betroffene ist zunehmend „nicht mehr er selbst”. Anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung oder Antriebslosigkeit können auftreten, wenn durch das Gliom WHO-Grad 4 Teile des Frontalhirns geschädigt werden. Es kann auch zu Depressionen oder Angstgefühlen kommen.
Diagnose von Hirntumoren
Wenn Menschen mit Symptomen, die auf einen Hirntumor hinweisen können, eine Arztpraxis aufsuchen, wird die Ärztin oder der Arzt zunächst eine neurologische Untersuchung durchführen. Dabei werden unter anderem das Sehen, Hören, Riechen, die Augenbewegungen, die Gesichtsmuskulatur, Koordination, Kraft, Sensibilität, Koordination, Reflexe und Gleichgewicht geprüft. Bei Auffälligkeiten veranlasst der Arzt oder die Ärztin ein bildgebendes Verfahren.
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Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen dem behandelnden Arzt mehrere diagnostische Methoden zur Verfügung. Die präzise Schilderung der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte geben wichtige Informationen, die zur richtigen Diagnose führen können.
- Anamnese: Im Rahmen der Diagnose eines Hirntumors wird Ihr Arzt in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben. Beschreiben Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Selbst Einzelheiten, die Ihnen unwichtig erscheinen, können für Ihren Arzt wichtig sein.
- Körperliche Untersuchung: Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.
- Computertomographie (CT): Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors ist allerdings die Kernspintomographie (MRT). Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden. Ein Hirntumor verändert häufig die elektrischen Ströme im Gehirn. Ein Elektroenzephalogramm (EEG), das diese Ströme aufzeichnet, liefert dabei aufschlussreiche Informationen.
- Liquor-Untersuchung: Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen.
- Biopsie: Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen. Um einen Gehirntumor genauer zu klassifizieren, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und untersucht diese unter dem Mikroskop.
Therapie von Hirntumoren
Es gibt viele verschiedene Hirntumoren und unterschiedliche Erkrankungssituationen. Daher lässt sich die Behandlung hier nicht für jede Patientin oder jeden Patienten darstellen.
Betroffene können unterschiedliche Therapien erhalten: eine Operation, eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie, je nach Erkrankungssituation auch zielgerichtete Medikamente. Neue Therapien erhalten Patienten im Rahmen von klinischen Studien.
Jeder Hirntumor bedarf einer individuellen Behandlung. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, einen Hirntumor zu operieren, zu bestrahlen oder einer Chemotherapie zuzuführen. Diese drei Optionen sind dem jeweiligen Tumor angepasst und unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie durchgeführt oder miteinander kombiniert werden.
Welche Hirntumor-Behandlung im Einzelfall geeignet ist, richtet sich nach dem Gewebetyp, der Zellveränderung und molekularbiologischen Besonderheiten. Natürlich ist auch zu berücksichtigen, wie fortgeschritten das Krankheitsbild ist und welche Wünsche der Betroffene äußert.
Supportive Therapie
Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.
Reha und Nachsorge bei Hirntumoren
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.
Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:
- Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
- Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
- Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.
So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab:
Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).
Rehabilitation nach einem überstandenen Hirntumor
Viele Betroffene beginnen nach ihrer erfolgten Operation und/oder Bestrahlung eine Anschlussheilbehandlung. Diese schließt sich spätestens 14 Tage nach einem Krankenhausaufenthalt an. Es ist jedoch auch möglich, eine Rehamaßnahme ohne vorangegangenen stationären Krankenhausaufenthalt zu beginnen. Die Beantragung erfolgt dabei über den dafür qualifizierten behandelnden Arzt, zumeist den Hausarzt.
Medizinische Rehabilitation nach einer Hirntumortherapie
Die medizinische Rehabilitation dient dazu, den Erfolg der Hirntumortherapie zu sichern. Sie beginnt in der Regel erst dann, wenn die erste Phase der Behandlung abgeschlossen ist, zum Beispiel nach einer Operation oder einer Strahlentherapie. Damit gehört sie im weiteren Sinn auch schon zur Nachsorge.
In der Reha-Phase werden medizinische Behandlungen begonnen oder auch fortgesetzt, die die körperlichen Folgen der Hirntumorerkrankung beseitigen oder zumindest mildern sollen. Hinzu kommen Maßnahmen, die die Rückkehr zum gewohnten Alltag erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Physiotherapie, eine besondere Ernährungsberatung sowie die Unterstützung beim Umgang mit Problemen, die durch Krankheit oder Therapie aufgetreten sind. Psychoonkologische Beratungsangebote helfen in der Rehabilitationsphase dabei, die Krankheit auch seelisch so gut wie möglich zu bewältigen.
Für Hirntumorpatienten lassen sich viele Maßnahmen in einer stationären "Anschlussheilrehabilitation" bündeln. Darunter versteht das Sozialrecht einen meist etwa dreiwöchigen Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik. In Deutschland gibt es inzwischen auch Tageskliniken, in denen alle Reha-Maßnahmen tagsüber durchgeführt werden, Patienten aber abends nach Hause gehen. Während einer solchen Anschluss-"Reha" bleibt man in der Regel weiter krankgeschrieben.
Therapieschwerpunkte einer medizinischen Rehabilitation
- Logopädie: Damit können Betroffene durch aktive Übungen Ihre Stimm-, Sprach- und Sprechfähigkeiten verbessern und mögliche Hilfsstrategien für den Alltag entwickeln.
- Ergotherapie: Sie umfasst Übungen, die beeinträchtigte Körperfunktionen verbessern und wieder herstellen können. Dazu gehören praktische und alltagsnahe Übungen wie beispielsweise eine Kunsttherapie oder Gruppenaktivitäten wie Kochen.
- Physiotherapie: Mit Krankengymnastik können Sie erreichen, dass Ihr Körper wieder beweglicher wird. Das hilft auch dabei, bewegungsfähig für den Alltag zu werden.
- Neurokognitive Trainings-Programme: Mit speziellen Aufgaben fördern Sie beispielsweise Ihre Aufmerksamkeit und trainieren das Gedächtnis.
- Psychologische Unterstützung: Die Veränderung der Lebensweise bedarf psychologischer Unterstützung, damit Vertrauen in die Zukunft zu finden ist.
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