Die Behandlung von Hirntumoren stellt eine besondere Herausforderung dar, die ein spezialisiertes und interdisziplinäres Vorgehen erfordert. In Potsdam bietet das zertifizierte Neuroonkologische Zentrum eine umfassende Versorgung für Patienten mit primären und metastatischen Hirntumoren sowie anderen Erkrankungen des Gehirns, der Nerven und der Hirnhäute. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Therapieansätze, die in Potsdam zur Verfügung stehen, und gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Patientengeschichten.
Neuroonkologisches Zentrum Potsdam: Expertise für komplexe Erkrankungen
Das Neuroonkologische Zentrum in Potsdam ist auf die Behandlung aller Erkrankungen des Gehirns, der Nerven und der Hirnhäute spezialisiert. Dazu gehören:
- Hirneigene Tumore wie Gliome und Meningiome
- Metastasen im Gehirn, Rückenmark, Schädelknochen und Wirbelsäule
- Paraneoplastische Syndrome
- Neurologische Komplikationen der systemischen Tumortherapie
Ein besonderes Merkmal des Zentrums ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Fachärzten verschiedener Disziplinen. In wöchentlichen Falldiskussionen werden individuelle Therapiekonzepte für jeden Patienten entwickelt. Dabei werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Behandlungsmethoden berücksichtigt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit für maßgeschneiderte Therapiekonzepte
Die Behandlung von Hirntumoren erfordert ein koordiniertes Vorgehen verschiedener Fachrichtungen. Im Neuroonkologischen Zentrum Potsdam arbeiten Spezialisten aus den Bereichen Neurochirurgie, Neurologie, Onkologie, Strahlentherapie und Neuroradiologie eng zusammen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, für jeden Patienten ein individuell maßgeschneidertes Therapiekonzept zu erstellen.
Die wöchentlichen Tumorkonferenzen, an denen Fachärzte aller beteiligten Disziplinen teilnehmen, spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesen Konferenzen werden die Befunde jedes einzelnen Patienten ausführlich besprochen und die bestmögliche Behandlungsstrategie festgelegt. Dabei werden sowohl operative als auch nicht-operative Therapieoptionen berücksichtigt.
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Diagnostik von Hirntumoren
Die Diagnostik von Hirntumoren umfasst verschiedene Verfahren, die es ermöglichen, die Art, Größe und Lage des Tumors zu bestimmen. Zu den wichtigsten diagnostischen Methoden gehören:
- Neurologische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung dient dazu, neurologische Ausfälle und Beeinträchtigungen festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Darstellung von Hirntumoren. Sie ermöglicht eine detaillierte Beurteilung der Tumorausdehnung und der umliegenden Strukturen. In bestimmten Fällen können auch Computertomographie (CT) oder andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden.
- Biopsie: Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Tumor. Die Gewebeprobe wird anschließend von einem Pathologen untersucht, um die Art des Tumors zu bestimmen und weitere wichtige Informationen zu gewinnen.
- Liquordiagnostik: Bei der Liquordiagnostik wird eine Probe des Hirnwassers (Liquor) entnommen und untersucht. Dies kann helfen, Entzündungen oder Tumorzellen im Hirnwasser nachzuweisen.
Operative Therapie von Hirntumoren
Die operative Entfernung des Tumors ist oft der erste und wichtigste Schritt in der Behandlung von Hirntumoren. Ziel der Operation ist es, möglichst viel Tumorgewebe zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. In vielen Fällen kann eine vollständige Entfernung des Tumors erreicht werden.
Moderne neurochirurgische Techniken ermöglichen es, auch Tumoren in schwer zugänglichen Bereichen des Gehirns sicher und präzise zu operieren. Dazu gehören:
- Mikrochirurgie: Die Operation wird unter dem Mikroskop durchgeführt, um eine optimale Sicht auf das Operationsgebiet zu gewährleisten.
- Neuronavigation: Die Neuronavigation ist ein computergestütztes Verfahren, das dem Operateur hilft, sich im Gehirn zu orientieren und den Tumor präzise zu lokalisieren.
- Intraoperatives Neuromonitoring: Das intraoperative Neuromonitoring dient dazu, wichtige Hirnfunktionen während der Operation zu überwachen und das Risiko von neurologischen Ausfällen zu minimieren.
- Wachoperation: Bei der Wachoperation wird der Patient während der Operation aus der Narkose aufgeweckt, um wichtige Hirnfunktionen wie Sprache und Motorik zu testen. Dies ermöglicht es dem Operateur, den Tumor noch präziser zu entfernen und das Risiko von bleibenden Schäden zu reduzieren.
- 5-ALA-Fluoreszenz: Bei der 5-ALA-Fluoreszenz wird dem Patienten vor der Operation eine Substanz verabreicht, die sich in den Tumorzellen anreichert und diese unter speziellem Licht zum Leuchten bringt. Dies erleichtert es dem Operateur, den Tumor von gesundem Hirngewebe zu unterscheiden und ihn vollständig zu entfernen.
Strahlentherapie von Hirntumoren
Die Strahlentherapie ist eine weitere wichtige Säule in der Behandlung von Hirntumoren. Sie wird eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen nach einer Operation zu zerstören oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Die Strahlentherapie kann entweder von außen (externe Strahlentherapie) oder von innen (Brachytherapie) erfolgen.
Bei der externen Strahlentherapie wird das Gehirn mit hochenergetischen Strahlen bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel über mehrere Wochen, wobei der Patient täglich kurze Bestrahlungssitzungen erhält. Moderne Strahlentherapietechniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ermöglichen es, die Strahlung präzise auf den Tumor zu konzentrieren und das umliegende gesunde Gewebe zu schonen.
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Chemotherapie von Hirntumoren
Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die darauf abzielt, Tumorzellen im ganzen Körper zu zerstören. Sie wird bei bestimmten Arten von Hirntumoren eingesetzt, insbesondere bei bösartigen Gliomen. Die Chemotherapie kann entweder als Tablette oder als Infusion verabreicht werden.
Die Auswahl der Chemotherapeutika und die Dauer der Behandlung hängen von der Art des Tumors, dem Allgemeinzustand des Patienten und anderen Faktoren ab. Häufig wird die Chemotherapie in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt.
Tumortherapiefelder (TTF)
Eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit für das Glioblastom ist die Anwendung von Tumortherapie-Feldern (Tumor-Treating-Fields; TTF). Die Therapie erfolgt mit Hilfe von elektrischen Wechselfeldern. Man geht davon aus, dass diese Wechselfelder die Zellteilung des Tumors stören und so die Vermehrung der Krebszellen verlangsamen. Die Felder werden lokal von 4 Keramik-Gel-Pads abgegeben, welche direkt auf die Kopfhaut geklebt werden. Dafür ist eine dauerhafte Komplettrasur notwendig, die für die meisten Patienten nach kurzer Zeit keine Belastung mehr darstellt. Der Strom dafür kommt aus einem über Kabel angeschlossenen Generator, welcher z.B. in einer Tasche oder in einem Rucksack mitgeführt wird. Die Pads werden alle 3-4 Tage gewechselt. Die Therapiedauer sollte möglichst lang sein und mindestens 18 Stunden am Tag betragen. Das Verfahren ist völlig schmerzfrei. Manchmal wird ein leichtes Wärmegefühl im Bereich der Kopfhaut angegeben. Allerdings sind auch Hautirritationen möglich.
Die Anträge für die Behandlung werden für Sie bei uns gestellt. Anschliessend kann der Hersteller Sie kontaktieren und weiterbetreuen. Die Kosten der Therapie müssen Sie nicht tragen. Details erläutern wir Ihnen gern. Die Therapie kann ambulant erfolgen und wird normalerweise bei neu diagnostiziertem Glioblastom ca.
Palliativmedizinische Versorgung
In manchen Fällen ist eine Heilung des Hirntumors nicht mehr möglich. In diesen Fällen steht die Linderung von Symptomen und die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Die palliativmedizinische Versorgung umfasst verschiedene Maßnahmen, wie z.B. Schmerztherapie, Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, psychologische Unterstützung und spirituelle Begleitung.
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Das Neuroonkologische Zentrum Potsdam arbeitet eng mit Palliativmedizinern zusammen, um eine umfassende palliativmedizinische Versorgung der Patienten zu gewährleisten.
Fallbeispiele und Patientengeschichten
Die Geschichten von Patienten, die mit einem Hirntumor leben, können Mut machen und Hoffnung geben. Zwei Beispiele aus Potsdam zeigen, wie unterschiedlich der Verlauf einer solchen Erkrankung sein kann:
- Pia: Die siebenjährige Pia aus Potsdam erkrankte an einem inoperablen Gehirntumor (DIPG). Dank einer Spendenaktion konnte sie in der Schweiz mit einem noch nicht zugelassenen Medikament behandelt werden. Zunächst schien die Therapie anzuschlagen, doch später wuchs der Tumor wieder. Pia und ihre Familie hoffen weiterhin auf ein Wunder.
- Ramón: Der 34-jährige Ramón aus Potsdam leidet an einem unheilbaren Hirntumor. Er nimmt seit einiger Zeit ein Krebsmittel aus den USA, das für seine Krankheit noch nicht zugelassen ist. Die Krankenkasse übernahm die Kosten für eine Testphase, nachdem Spendenaktionen die Finanzierung ermöglicht hatten. Ramón verträgt das Medikament gut und hofft auf eine positive Wirkung.
Diese beiden Beispiele zeigen, dass die Behandlung von Hirntumoren oft ein langer und schwieriger Weg ist. Dank moderner Therapien und einer umfassenden Betreuung können jedoch viele Patienten ein erfülltes Leben führen.
Unterstützung und Beratung für Patienten und Angehörige
Die Diagnose eines Hirntumors ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung. Das Neuroonkologische Zentrum Potsdam bietet daher eine umfassende Unterstützung und Beratung an. Dazu gehören:
- Informationen rund um die Diagnostik und Behandlung von Tumorerkrankungen
- Psychologische Unterstützung
- Sozialberatung
- Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
Forschung und Innovation
Das Neuroonkologische Zentrum Potsdam engagiert sich in der Forschung und Entwicklung neuer Therapieansätze für Hirntumoren. Ziel ist es, die Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich zu verbessern und die Heilungschancen der Patienten zu erhöhen.