Hirntumore gehören zu den selteneren onkologischen Erkrankungen bei Erwachsenen, stellen jedoch bei Kindern die zweithäufigste Krebsart dar. Die Ursachen dieser Tumore sind größtenteils unbekannt. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zur Diagnose und Therapie von Hirntumoren und bietet einen umfassenden Überblick über dieses komplexe Krankheitsbild.
Wie häufig sind Hirntumore?
Hirntumore sind Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS). Dazu gehören auch Tumore des Rückenmarks, der Hirn- und Rückenmarkshäute und der Hirnnerven. Hirntumore machen jedoch etwa 95 Prozent aller Krebserkrankungen des ZNS aus. Die häufigsten Tumore gehen von den Stützzellen im Gehirn, den sogenannten Gliazellen, aus. Diese Neubildungen werden Gliome genannt. Es ist wichtig, Hirntumore nicht mit Hirnmetastasen zu verwechseln. Hirntumore entstehen aus Zellen im Gehirn, während Hirnmetastasen Absiedlungen von Tumoren in anderen Körpergeweben sind.
In Deutschland erkranken jährlich über 7.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Damit gehören Hirntumore zu den selteneren Krebserkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 66 Jahren bei Frauen und 63 Jahren bei Männern. Bei Kindern gehören Hirntumore zu den häufigeren Krebserkrankungen: Sie machen etwa ein Viertel aller Fälle aus und sind damit nach der Leukämie die zweithäufigste Tumorart. Die Gründe für diese Unterschiede in der Häufigkeit zwischen Erwachsenen und Kindern sind bisher nicht bekannt.
Ursachen und Risikofaktoren für Hirntumore
Die Ursachen für eine Krebserkrankung im Gehirn sind nach aktuellem Forschungsstand weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen, beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitgehend unklar. Es gibt kaum bekannte Risikofaktoren für Hirntumorerkrankungen. Ein Gehirntumor kann jeden treffen. Die folgenden Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:
- Genetische Vorbelastung: Wenn Verwandte ersten Grades an einem Hirntumor erkrankt sind. Einige Familien weisen eine erhöhte Anfälligkeit für Hirntumore auf, was auf eine genetische Prädisposition hindeutet.
- Erbliche Tumorsyndrome: Erkrankungen wie Neurofibromatose, von Hippel-Lindau-Syndrom oder Li-Fraumeni-Syndrom. Dazu zählen erbliche Tumorsyndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom oder auch Erkrankungen wie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Therapeutische Bestrahlung: Bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die eine Bestrahlung des Schädels oder im Kopf-Hals-Bereich erhalten haben, ist das Risiko für einen Hirntumor erhöht. Die Hirntumoren treten meist aber erst viele Jahre nach der Bestrahlung auf.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Es ist bisher unklar, ob eine Infektion mit bestimmten Viren, schädigende Substanzen, Rauchen oder Alkohol das Risiko für Hirntumoren erhöhen. Bisher haben Wissenschaftler keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Hirntumoren festgestellt. Auch ob ein langer und häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko für Gehirntumoren erhöht, ist bisher noch nicht eindeutig belegt.
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Formen von Hirntumoren
Als Hirntumoren bezeichnet man nicht nur Tumoren im Gehirn, sondern alle Zellwucherungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören:
- das Gehirn und seine Häute
- das Rückenmark und seine Häute
- die Hirnnerven, die aus dem Gehirn stammen, aber in andere Körperregionen ziehen
Am häufigsten entstehen Hirntumoren jedoch im Gehirn und in seinen Häuten (Gehirntumoren). Wie bei anderen Tumoren unterscheidet man bei Hirntumoren gutartige („benigne“) von bösartigen („malignen“) Wucherungen. Ein bösartiger Tumor wird als Krebs bezeichnet. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige und können metastasieren, d.h. Teile des Krebses können sich vom Ursprungstumor trennen und an anderer Stelle Tochtertumoren, sogenannte Metastasen, bilden.
Man unterscheidet primäre und sekundäre Tumoren im zentralen Nervensystem. Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Je nachdem, aus welchen der Zellen der Tumor entsteht und welche Eigenschaften er hat, unterscheiden Ärzt*innen beispielsweise:
- Gliome: Etwa die Hälfte der primären Gehirntumoren gehören zu den Gliomen. Unter den Gliomen gibt es gutartige und bösartige Tumoren. Glioblastome sind bösartig und entsprechen WHO-Grad IV. Pilozystische Astrozytome treten in der Regel bei Kindern auf und sind gutartig (WHO-Grad I). Astrozytome können gutartig und bösartig sein (WHO-Grad I-IV). Oligodendrogliome haben meist einen WHO-Grad II oder III. Ependynome können gut- oder bösartig sein (WHO-Grade I-III). Gangliogliome sind Mischtumoren, die meist einen WHO-Grad II aufweisen, sie können aber auch die WHO-Grade III und IV entwickeln. Als Inselgliome werden Gliome bezeichnet, die schwer zu operieren sind, weil sie sich in lebenswichtigen Hirnregionen befinden. Sie können verschiedene WHO-Grade haben.
- Meningeome: Meningeome sind meist gutartige Tumoren mit WHO Grad I, die aus den Hirnhäuten stammen, die das Gehirn umgeben. Bei einer bestimmten Lage oder einer größeren Ausbreitung kann es schwierig sein, sie zu behandeln. Die bösartigen Formen des Meningeoms, das atypische Meningeom (WHO-Grad II) und das anaplastische Meningeom (WHO-Grad III), kommen selten vor.
- Medulloblastome: Medulloblastome (WHO-Grad IV) sind die häufigsten bösartigen Tumoren bei Kindern, aber insgesamt sehr selten. Nur etwa 5 von 1 Million Kinder erkranken daran pro Jahr. Etwa die Hälfte kann durch eine intensive Behandlung geheilt werden.
- Neurinome: Neurinome sind gutartig (WHO-Grad I). Im Gehirn handelt es sich in der Regel um ein Akustikusneurinom, das an Hör- und Gleichgewichtsnerven entsteht und zu Hör- und Gleichgewichtsstörungen führen kann.
Häufig entstehen Tumoren im Gehirn infolge von Krebs in anderen Körperregionen, z. B. den Lungen, der Brust oder der Haut. Wenn ein solcher Krebs metastasiert, können sich Metastasen im Gehirn bilden. Man spricht in diesen Fällen von Hirnmetastasen oder sekundären Hirntumoren.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren nach ihrer Gut- oder Bösartigkeit in vier Grade:
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- WHO-Grad I: gutartiger Hirntumor mit langsamem Wachstum
- WHO-Grad II: teilweise gutartiger Hirntumor
- WHO-Grad III: bösartiger Hirntumor
- WHO-Grad IV: sehr bösartiger Hirntumor mit schnellem Wachstum
Früherkennung von Hirntumoren
Da Tumorerkrankungen im Gehirn so selten sind und mitunter sehr schnell wachsen können, gibt es derzeit keine gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen. Hirntumore lassen sich zwar mithilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen, aber das Verfahren ist aufwendig und teuer und deshalb als regelmäßige Untersuchungsmaßnahme nicht geeignet. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einem erblichen Tumorsyndrom, welches die Entstehung von einem Hirntumor begünstigen kann. Sie werden in regelmäßigen Kontrollterminen mit bildgebenden Verfahren untersucht. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine sogenannte humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung. Wurde eine Veränderung im Erbgut nachgewiesen, die zu einem erblichen Tumorsyndrom führt, können regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie etwa einer Magnetresonanztomographie dann zur Früherkennung eines Hirntumors beitragen. Solche Kontrollen hängen von der individuellen Situation einer Patientin oder eines Patienten ab, etwa welches Tumorsyndrom vorliegt und wie dieses bei erkrankten Familienmitgliedern verläuft.
Symptome von Hirntumoren
Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Die Symptome von Gehirntumoren sind individuell unterschiedlich und vielfältig und hängen von der Größe und der Lage des Tumors im Gehirn ab. Die Beschwerden resultieren daraus, dass sich die Geschwulst im Gehirn ausbreitet und dabei Nervenstrukturen einengt oder zerstört. Die meisten Symptome von Gehirntumoren sind sehr unspezifisch und kommen auch bei unterschiedlichsten anderen Erkrankungen vor. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:
- Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
- Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
- Bewusstseins-/Konzentrations-/Koordinationsstörungen
- Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
- Taubheitsgefühl/Lähmung
- Schwindel
- Übelkeit/Erbrechen
- Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
- Hormonale Störungen
Kopfschmerzen können - müssen aber nicht - ein Hinweis auf einen Hirntumor sein. Es gibt auch Tumorerkrankungen im Gehirn, bei denen keine Kopfschmerzen auftreten. Bei einem Hirntumor können einige Symptome folgende Besonderheiten aufweisen:
- neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
- neu auftretende epileptische Anfälle
- zu Übelkeit und Erbrechen kommt es häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung
- eine neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache
Diagnose bei Hirntumoren
Besteht ein Verdacht auf einen Hirntumor, wird deine Ärztin oder dein Arzt dich zunächst nach deiner bisherigen Krankengeschichte befragen (Anamnese). Dazu gehören z. B. Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten, aber auch, welche Beschwerden du zurzeit hast. Danach folgt eine klinisch-neurologische Untersuchung, bei der Störungen in der Sinneswahrnehmung oder Probleme mit der Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis festgestellt werden können.
Darauf folgen dann die sogenannten bildgebenden Untersuchungen. Hirntumore können mittels MRT, CT, Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder einer Angiographie entdeckt werden. Die MRT spielt dabei die wichtigste Rolle. Mit der CT kann man Tumoren, Verkalkungen und Blutungen gut erkennen. Da die MRT Weichgewebe genauer darstellt als die CT, wird sie bei der Diagnostik von Hirntumoren bevorzugt. Falls erforderlich werden auch ein Elektroenzephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt. Das EEG kann Aufschluss darüber geben, ob das Risiko von Anfällen besteht. Mithilfe einer Liquor-Untersuchung wird geprüft, ob sich entzündliche Prozesse im Gehirn abspielen.
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Hat sich durch die vorherigen Untersuchungen der Verdacht auf einen Hirntumor bestätigt, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Durch die Biopsie wird die Diagnose abgesichert und anhand des entnommenen Gewebes können die Eigenschaften des Tumors bestimmt werden. Die Gewebeuntersuchung verschafft Gewissheit. Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für dendie Patientin auszuwählen. Für die Entnahme des Tumorgewebes gibt es zwei Möglichkeiten: Die stereotaktische Biopsie, bei der gezielt Gewebeproben entnommen werden, oder die Tumoroperation, bei der schon möglichst viel vom Tumor entfernt wird. Welche Biopsie die Chirurgin oder der Chirurg durchführt, hängt unter anderem von der Lage des Tumors und deinen Beschwerden ab.
Anhand der entnommenen Gewebeprobe (Biopsat) wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig und in welchem Stadium er ist (Klassifikation). Die Klassifikation richtet sich dabei nach den international anerkannten Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch der Tumortyp kann so bestimmt werden. Neben den bereits erwähnten Gliomen (eine große Gruppe an Tumoren, da es viele verschiedene Gliazellen gibt, aus denen Tumore entstehen können), gibt es noch weitere Typen, die sich in ihren Ursprungszellen unterscheiden. Beispiele für weitere eher gutartige (benigne) Hirntumore sind: Meningeome aus den Hirnhautzellen und Neurinome/Schwannome aus den Hirnnerven-umhüllenden Zellen. Beispiele für weitere eher bösartige (maligne) Hirntumore sind: Medulloblastome aus unreifen Kleinhirnzellen und Glioblastome aus Gliazellen. Es ist wichtig, all diese Eigenschaften des Tumors zu kennen. So können die Prognose und die erfolgversprechendste Therapie abgeschätzt werden.
Therapie und Behandlung von Hirntumoren
Welche Behandlung bei dir infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehören neben den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit) auch seine Lage sowie dein Alter, dein Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen. Meistens werden Hirntumoren durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert. Die Behandlung eines Gehirntumors, kann erhebliche Nebenwirkungen haben, insbesondere bei einer Chemotherapie. Behandelt werden die Patient*innen in onkologischen, neurologischen und neurochirurgischen Abteilungen und Kliniken.
Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Es können aber auch zielgerichtete Medikamente zum Einsatz kommen oder du kannst an einer klinischen Studie teilnehmen.
- Operation: Eine Operation ist meist der erste Behandlungsschritt. Sie hat das Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine umliegenden Hirnregionen beschädigt werden, damit es nicht zu neurologischen Beeinträchtigungen kommt. Deswegen werden Hirnoperationen nicht immer unter Vollnarkose durchgeführt. So kann während der Operation z. B. Da bei einem Hirntumor nicht wie bei anderen Krebserkrankung großzügig umliegendes Gewebe entfernt werden kann, müssen diese Tumorzellen anderweitig bekämpft werden. Manchmal kann auch nicht alles sichtbare Tumorgewebe aufgrund der Lokalisation im Gehirn entfernt werden. Beides könnte sonst zu neurologischen Beeinträchtigungen führen.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Die Strahlentherapie ist eine lokale Therapie. Das bedeutet, dass sie zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen wirken kann und so weniger Schaden bei gesunden Zellen und somit weniger Nebenwirkungen verursacht. Dabei werden hochenergetische Röntgenstrahlen verwendet, die auch in tiefere Regionen vordringen können. Die Strahlen schädigen das Erbgut der Tumorzellen und verhindern so das weitere Wachstum. Bei der Strahlentherapie unterscheiden Expertinnen und Experten die Lokalbehandlung (die erweiterte Tumorregion wird bestrahlt), die Ganzhirnbestrahlung und die Bestrahlung des gesamten Liquorraums. Denn Tumorzellen können sich auch über das Nervenwasser (Liquor) verteilen und können dann nicht durch eine Operation entfernt werden. Der Liquor (Nervenwasser) ist eine durchsichtige Flüssigkeit, die das zentrale Nervensystem (ZNS) umgibt. Sie befindet sich im Liquorraum und enthält kaum Proteine und nur wenig Zellen. Der Liquor dient dem Schutz des ZNS, dem Stoffwechsel der Nervenzellen und dem Transport von Immunzellen.
- Chemotherapie: Auch bei einer Chemotherapie schädigen die Medikamente das Erbgut der Tumorzellen oder stören ihren Stoffwechsel. Da Zytostatika jedoch im ganzen Körper (systemisch) wirken, beeinträchtigen sie auch sich schnell teilende gesunde Zellen. Deswegen kommt es zu mehr Nebenwirkungen als bei einer Strahlentherapie. Da Zytostatika meist per Infusion in die Vene verabreicht werden, verteilen sie sich über das Blut im Körper. Hier kommt es zu einer Herausforderung bei Hirntumoren: Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen geschützt. Nur wenige Medikamente, darunter auch einige Zytostatika, können diese Barriere überwinden. Vereinfachend kommt hinzu, dass die Blut-Hirn-Schranke bei bösartigen Tumoren häufig nicht mehr intakt ist.
- Zielgerichtete Therapien: Zielgerichtete Therapien kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. Es müssen allerdings bestimmte Eigenschaften beim Tumor vorliegen, gegen die sich eine zielgerichtete Therapie richten kann. So können beispielweise BRAF/MEK-Hemmer bei einer BRAF V600-Mutation angewendet werden. Die ersten Ergebnisse einer klinischen Studie mit Kindern mit einem Gliom sind vielversprechend und zeigen ein dauerhaftes Ansprechen sowie gute Überlebensaussichten.
- Klinische Studien: Zeigt keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg oder ist eine Mutation vorhanden, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.
- Supportive Therapie: Zusätzlich zur Behandlung des Hirntumors erhalten Betroffene auch eine unterstützende Behandlung (Supportivtherapie). Sie lindert oder beugt Beschwerden vor, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können. Solche Beschwerden sind beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Krampfanfälle oder eine Hirnschwellung (Hirnödem). Durch die Behandlung dieser Symptome kann sich die Lebensqualität eines Patienten oder einer Patientin verbessern.
Nebenwirkungen der Therapie bei Hirntumoren
Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie sind meist geringer als bei anderen Therapien, wie z. B. der Chemotherapie. An der bestrahlten Stelle können Rötungen und trockene Schuppung sowie Haarausfall auftreten. Manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden oder Übelkeit und Erbrechen kommen. Nach Ende der Therapie bilden sich die Nebenwirkungen in der Regel zurück und nur selten kommt es zu bleibenden Hautveränderungen, wie beispielsweise einer Verfärbung oder Verhärtung. Bei einer Chemotherapie können die typischen Nebenwirkungen auftreten, die durch den Angriff auf sich schnell teilende Zellen verursacht werden. Die häufigsten sind Übelkeit und Erbrechen, Entzündung der Mundschleimhaut und ein verändertes Blutbild. Haarausfall ist bei den bei Hirntumoren eingesetzten Zytostatika eher selten.
Rehabilitation bei Hirntumoren
In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden. Aufgrund der großen Vielfalt der Krankheitsbilder und den unterschiedlichen Verläufen bei einem Hirntumor, muss bei jedemr Patientenin die Nachsorge individuell geplant werden. Grundsätzlich unterscheidet man auch bei der Reha kurative und palliative Therapien: Die kurative Behandlung soll Sie dabei unterstützen, sich wieder in Ihren privaten und beruflichen Alltag einzufinden, die Folgen der Tumortherapie behandeln, Ihre Lebensqualität verbessern und Ihre Selbstständigkeit wiederherstellen. Ziele einer palliativen Behandlung: das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen, Ihre Beschwerden lindern, Ihre Lebensqualität verbessern und die häusliche Versorgung klären.
Nachsorge bei Hirntumoren
Nach der Therapie kommen Kontrolluntersuchungen auf dich zu. In welchen Abständen diese stattfinden, ist individuell und hängt von deinem persönlichen Rückfallrisiko ab. Bei diesen Verlaufskontrollen wirst du zu möglichen Beschwerden befragt und körperlich untersucht. Auch regelmäßige MRT-Untersuchungen gehören zur Nachsorge. So können ein wiederkehrender Tumor oder wieder wachsende Tumorreste schnell erkannt werden. Solltest du zwischen zwei Terminen Beschwerden haben, dann wende dich sofort an deine Ärztin oder deinen Arzt und warte nicht den nächsten Termin ab. In diesen Terminen kannst du auch soziale oder seelische Belange ansprechen. Deine Ärztin oder dein Arzt kann dir psychoonkologische Hilfe vermitteln. Dabei unterstützen dich Menschen, die auf den Umgang mit Krebsbetroffenen spezialisiert sind. Du kannst nach der Therapie auch an einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme teilnehmen. Sie kann z. B. logopädische, ergotherapeutische, physiotherapeutische und neurokognitive Training-Programme umfassen - je nachdem, was du benötigst. So kann sie dir die Rückkehr in den Alltag erleichtern.
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:
- Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
- Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
- Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.
So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab: Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).
Zusammenfassung
Hirntumore sind äußerst unterschiedlich. Daher müssen sie verschieden therapiert werden. Auch ein erfolgreich behandelter Hirntumor kann Spätfolgen haben. Eine individuelle Rehabilitation und Nachsorge sind daher sehr wichtig. Hirntumoren gehören zu den seltenen onkologischen Erkrankungen bei erwachsenen Menschen, bei Kindern sind sie jedoch die zweithäufigste Krebsart. Ihre Ursachen sind weitgehend unbekannt und es gibt keine gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen. Häufige Symptome sind Kopfschmerzen, Sinnes- oder Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle, Schwindel, Übelkeit oder Persönlichkeitsveränderungen. Wird aufgrund dessen eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert, folgen verschiedene diagnostische Untersuchungen. Dazu gehören diverse bildgebende Verfahren und die Biopsie. Die Therapie richtet sich unter anderem nach der Größe und Lage des Tumors, aber auch nach seinen Eigenschaften. Infrage kommen eine Operation, eine Strahlen- oder Chemotherapie sowie zielgerichtete Therapien. Um das Rückfallrisiko so gering wie möglich zu halten, folgen nach der Therapie die Nachsorgeuntersuchungen.
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