Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) stellen nach Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter dar. In diesem Artikel werden die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Hirntumoren bei Kindern detailliert beleuchtet.
Einführung
Hirntumoren bei Kindern unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen bei Erwachsenen. Sie sind häufiger im Kleinhirn- und Hirnstammbereich lokalisiert, während bei Erwachsenen eher das Großhirn betroffen ist. Auch die Art der Tumoren variiert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Risiken, Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Hirntumoren bei Kindern.
Ursachen und Risikofaktoren
Über die genauen Ursachen der Entstehung von Hirntumoren im Kindesalter ist bislang wenig bekannt. Es gibt keine eindeutig nachgewiesenen Risikofaktoren, aber einige prädisponierende Erkrankungen, die das Risiko potenziell erhöhen. Dazu gehören:
- Neurofibromatose: Insbesondere der Typ 1 (Morbus Recklinghausen) ist mit einem erhöhten Risiko für Gliome, speziell pilozytische Astrozytome, verbunden, die häufig den Sehnerv betreffen. Der Typ 2 ist charakterisiert durch beidseitige Akustikusneurinome, Rückenmarktumoren oder multiple Meningeome.
- Tuberöse Sklerose
- Von Hippel-Lindau-Syndrom
- Lynch-Syndrom
- Li-Fraumeni-Syndrom
- Turcot-Syndrom: Kann bei Kindern zu Medulloblastomen und bei Erwachsenen zu Glioblastomen führen.
Auch eine vorherige Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann das Risiko für die Entwicklung eines Hirntumors erhöhen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Eine familiäre Vorbelastung stellt ebenfalls einen Risikofaktor dar. Wenn ein Patient in jungen Jahren an einem Hirntumor erkrankt, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades leicht erhöht. Allerdings ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering, da Hirntumoren sehr selten sind.
Eine Computertomographie (CT) im Kindesalter der Kopf-Hals-Region kann das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
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Es gibt keine Hinweise darauf, dass Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, seelische Belastungen, Stress oder elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks das Hirntumorrisiko erhöhen.
Symptome
Die Symptome eines Hirntumors bei Kindern hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Da der knöcherne Schädel nur begrenzt Raum bietet, können bereits kleine Tumoren durch Druck auf das Hirngewebe Symptome verursachen.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen: Oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, insbesondere morgens (Nüchternerbrechen).
- Neurologische Ausfälle: Lähmungserscheinungen, Gangstörungen, Seh- und Konzentrationsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Sprachstörungen.
- Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
- Störungen der Augenbewegung (Schielen, Doppelbilder, Augenzittern)
- Müdigkeit und vermehrtes Schlafbedürfnis
- Bei Säuglingen: Unverhältnismäßig schnelle Zunahme des Kopfumfangs
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen, harmlosen Erkrankungen auftreten können. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären.
Diagnose
Die Diagnostik von Hirntumoren bei Kindern umfasst mehrere Schritte:
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- Körperliche Untersuchung: Eine sorgfältige neurologische Untersuchung ist der erste Schritt.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die Methode der Wahl, da sie eine sehr gute Weichteilauflösung bietet und die Lage, Größe und Abgrenzung des Tumors genau darstellen kann.
- Computertomographie (CT): Kann in bestimmten Fällen ergänzend eingesetzt werden.
- Biopsie: Zur Sicherung der Diagnose und Bestimmung des Tumortyps wird in der Regel eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und feingeweblich (histologisch) und molekulargenetisch untersucht. Dies ermöglicht eine genaue Diagnose und Abschätzung des Krankheitsverlaufs.
- Liquoruntersuchung: Bei bestimmten Tumoren, wie dem Medulloblastom, wird die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) untersucht, um festzustellen, ob sich Tumorzellen im Nervenwasserraum befinden.
Häufige Hirntumortypen bei Kindern
Die häufigsten Hirntumortypen bei Kindern sind:
- Astrozytome: Diese machen etwa 40 % der kindlichen Hirntumoren aus. Pilozytische Astrozytome sind gutartige, langsam wachsende Tumoren, die häufig im Kleinhirn vorkommen. Optikusgliome sind eine Sonderform, die sich entlang der Sehnerven ausbreiten kann.
- Medulloblastome: Dies sind bösartige Tumoren, die im Kleinhirn entstehen und etwa 20 % der kindlichen Hirntumoren ausmachen. Sie wachsen schnell und können sich im gesamten Zentralnervensystem ausbreiten.
- Ependymome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnkammern auskleiden, und machen etwa 10 % der kindlichen Hirntumoren aus.
- Kraniopharyngeome: Gutartige Missbildungstumoren, die meist am Hypophysenstiel entstehen und durch Kompression der nervalen Strukturen symptomatisch werden.
- Gangliogliome: Niedrig maligne Mischtumoren, die eine gliale und neurale Komponente haben und sich gut vom normalen Hirngewebe abgrenzen lassen.
Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern ist komplex und erfordert ein multidisziplinäres Team aus Neurochirurgen, Kinderonkologen, Neuropädiatern und Strahlentherapeuten. Die Therapie wird individuell auf den Patienten und den Tumortyp abgestimmt.
Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:
- Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist oft der erste Schritt der Behandlung. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Bei gutartigen Tumoren kann eine vollständige Entfernung zur Heilung führen.
- Chemotherapie: Bei bösartigen Tumoren wird nach der Operation in der Regel eine Chemotherapie durchgeführt, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie wird bei bestimmten Tumortypen eingesetzt, um das Wachstum von Tumorzellen zu stoppen oder sie abzutöten. Bei Kindern unter 3 Jahren wird eine Bestrahlung jedoch möglichst vermieden, da sie erhebliche Langzeittoxizität auf das sich entwickelnde Gehirn hat.
- Zielgerichtete Therapien: In einigen Fällen können zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden, die spezifische Eigenschaften der Tumorzellen angreifen.
Die Auswahl der entsprechenden Therapieverfahren berücksichtigt dabei auch, ob der Tumor vollständig entfernt werden kann, ohne dass aufgrund seiner Lage im Zentralen Nervensystem schwere Folgeschäden riskiert werden.
Therapieoptimierungsstudien
Da die Behandlung von Hirntumoren komplex ist und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann, werden kontinuierlich Therapieoptimierungsstudien durchgeführt. Diese Studien zielen darauf ab, die Wirksamkeit der Behandlung zu verbessern und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren.
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Prognose
Die Prognose von Hirntumoren bei Kindern hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Tumortyp, die Lage des Tumors, das Ausmaß der Tumorausbreitung und das Alter des Patienten. DankFortschritten in der Diagnostik und Behandlung haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert.
Nachsorge
Auch nach Abschluss der Behandlung sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um ein mögliches Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel regelmäßige MRT-Untersuchungen und neurologische Kontrollen.
Unterstützende Therapie
Eine supportive Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Hirntumoren. Sie zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen. Dazu können beispielsweise Schmerztherapie, Ernährungsberatung und psychologische Unterstützung gehören.
Adressen und Anlaufstellen
Für betroffene Familien gibt es zahlreiche Anlaufstellen, die Unterstützung und Informationen bieten. Dazu gehören:
- Deutsche Hirntumorhilfe: Eine von Forschenden, Ärzten und Betroffenen gegründete Organisation, die Informationen und Selbsthilfeangebote bietet.
- Kinderonkologische Zentren: Spezialisierte Kliniken, die eine umfassende Betreuung von Kindern mit Krebserkrankungen anbieten.
- Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen betroffenen Familien auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.