Ein Hirntumor kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, die je nach Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors variieren. Zu den unspezifischeren, aber dennoch bedeutsamen Anzeichen gehören Gewichtsverlust, Müdigkeit (Fatigue) und Schlafstörungen. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können. Treten sie jedoch in Kombination auf oder verstärken sie sich im Laufe der Zeit, sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären.
Symptome eines Hirntumors
Die Symptome eines Hirntumors können vielfältig sein und hängen stark von der Lokalisation und Größe des Tumors ab. Oft vergeht eine längere Zeit, bis die ersten Anzeichen auftreten. Gutartige Tumoren (WHO-Grad 1 oder 2) verursachen Symptome oft erst nach Monaten, während bösartige Tumoren (WHO-Grad 3 oder 4) sich schon nach wenigen Wochen oder Tagen bemerkbar machen können.
Die Symptome entstehen, weil der Tumor Raum einnimmt und wichtige Hirnstrukturen verdrängt oder zerstört. Dies kann zu einem erhöhten Druck im Schädelinneren führen, was wiederum Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auslösen kann. Bösartige Tumoren zerstören zudem Nervengewebe, was zu neurologischen Ausfällen führt.
Häufige Symptome im Überblick
- Kopfschmerzen: Neu auftretende, über Tage oder Wochen zunehmende Kopfschmerzen, die im Liegen schlimmer werden und nachts oder in den frühen Morgenstunden auftreten. Sie unterscheiden sich oft von vorherigen Kopfschmerzen und sind durch herkömmliche Schmerzmittel schwer zu lindern.
- Übelkeit und Erbrechen: Besonders morgens auftretende Übelkeit, oft ohne vorherige Nahrungsaufnahme, ist ein weiteres mögliches Symptom.
- Sehstörungen: Ausfälle im Gesichtsfeld, Doppelbilder oder verschwommenes Sehen können auftreten, da der Tumor die Sehbahn beeinträchtigt.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Sprachstörungen, Zuckungen, Schwindel, Schwerhörigkeit oder veränderte Geschmackswahrnehmung können ebenfalls auftreten.
- Krampfanfälle: Ein neu auftretender epileptischer Anfall kann, besonders bei Kindern, ein erstes Anzeichen für einen Hirntumor sein.
- Hormonelle Störungen: Tumoren der Hypophyse können den Hormonhaushalt beeinträchtigen und zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Körperwachstums oder der Sexualität führen.
- Beeinträchtigung des Gedächtnisses: Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit können auftreten, sind aber unspezifisch.
- Veränderungen der psychischen Gesundheit: Depressionen, Apathie oder Angst können durch den Tumor verursacht werden.
- Persönlichkeitsveränderungen: Reizbarkeit, Konzentrationsmangel oder eine Verstärkung bzw. Abschwächung bestehender Persönlichkeitsmerkmale können auftreten.
Besonderheiten bei Kindern
Bei Babys und Kleinkindern kann ein Hirntumor zu einem vergrößerten Kopf (Hydrozephalus) führen. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn.
Gewichtsverlust als Symptom
Ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Kilogramm ohne erkennbare Ursache (z. B. veränderte Ernährung, mehr Bewegung) kann ein Warnzeichen sein. Dies tritt besonders häufig bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt oder bei Lungenkrebs auf, kann aber auch bei Hirntumoren vorkommen, wenn diese den Appetit beeinträchtigen oder zu Stoffwechselveränderungen führen.
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Fatigue (Müdigkeit) bei Hirntumoren
Fatigue ist eine krankhafte Erschöpfung, die sich körperlich, geistig und emotional äußern kann. Sie ist unabhängig von vorheriger Aktivität und wird durch Schlaf oder Erholung nur bedingt gebessert. Fatigue ist eine sehr häufige Begleiterscheinung bei Krebserkrankungen. Schätzungsweise 65 von 100 Krebspatienten erleben im Verlauf ihrer Erkrankung eine Fatigue.
Ursachen von Fatigue
Fatigue gilt als multifaktorielle Erkrankung. Der Tumor selbst und die Therapien können in Stoffwechselprozesse und hormonelle Regelkreise eingreifen und so die Entstehung von Fatigue begünstigen. Weitere Faktoren können eine erbliche Veranlagung, begleitende körperliche oder psychische Erkrankungen sowie verhaltens- und umweltbedingte Zustände sein.
Ein bösartiger Tumor beeinflusst den Stoffwechsel, hormonelle Prozesse und das Immunsystem. Es werden verstärkt entzündungsvermittelnde Botenstoffe gebildet und hormonelle Regelkreise, wie der Schlaf-Wach-Rhythmus, der Katecholamin- und der Serotonin-Stoffwechsel, verändert.
Symptome von Fatigue
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
- Körperliche Schwäche
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Gedächtnisprobleme
- Emotionale Labilität
- Schlafstörungen
Was kann man gegen Fatigue tun?
- Bewegung: Sport und körperliche Aktivität können die Fatigue-Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. Schon kurze Spaziergänge oder Nordic Walking können helfen.
- Psychologische Unterstützung: Gespräche mit erfahrenen Beratern oder Psychotherapeuten können beim Umgang mit Fatigue-Symptomen helfen.
- Yoga, Qigong, Tai-Chi: Diese komplementären Therapien können den Körper kräftigen und für mehr innerliche Ruhe und Ausgeglichenheit sorgen.
- Fatigue-Tagebuch: Ein Tagebuch kann helfen, die Faktoren zu erkennen, die die Fatigue verstärken oder lindern.
Schlafstörungen bei Hirntumoren
Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören hormonelle Störungen, die durch den Tumor verursacht werden, oder auch die psychische Belastung durch die Erkrankung. Schlafmangel kann die Fatigue-Symptome zusätzlich verstärken.
Ursachen von Schlafstörungen
- Hormonelle Störungen: Tumoren der Hypophyse können den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigen.
- Schmerzen: Kopfschmerzen oder andere Schmerzen können den Schlaf stören.
- Angst und Depression: Die psychische Belastung durch die Erkrankung kann zu Schlafstörungen führen.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung des Hirntumors eingesetzt werden, können Schlafstörungen verursachen.
Was kann man gegen Schlafstörungen tun?
- Gute Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, eine angenehme Schlafumgebung und der Verzicht auf koffeinhaltige Getränke vor dem Schlafengehen können helfen.
- Entspannungstechniken: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können den Schlaf fördern.
- Psychologische Unterstützung: Bei Schlafstörungen, die durch Angst oder Depression verursacht werden, kann eine Psychotherapie hilfreich sein.
- Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung der Schlafstörungen erforderlich sein.
Diagnose und Behandlung von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor sind umfangreiche Untersuchungen notwendig. Dazu gehören:
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- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Hirnfunktionen.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um den Tumor darzustellen.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Bestimmung des Tumortyps.
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Tumortyp, seiner Größe und Lage sowie dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten. Mögliche Behandlungen sind:
- Operation: Entfernung des Tumors, wenn möglich.
- Strahlentherapie: Zerstörung von Tumorzellen durch hochenergetische Strahlen.
- Chemotherapie: Behandlung mit Medikamenten, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen.
Hochmaligne Gliome
Hochmaligne Gliome sind bösartige Tumoren des Zentralnervensystems, die schnell und aggressiv wachsen und das gesunde Hirngewebe zerstören. Sie machen etwa 15 bis 20 % der ZNS-Tumoren bei Kindern und Jugendlichen aus. Unbehandelt führen sie innerhalb von wenigen Monaten zum Tod.
Symptome von hochmalignen Gliomen
Die Symptome entwickeln sich aufgrund des schnellen Tumorwachstums innerhalb von Wochen oder Monaten. Sie richten sich nach dem Alter des Patienten und der Lage des Tumors im Zentralnervensystem.
- Unspezifische Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit.
- Lokale Symptome: Gleichgewichts- und Gangstörungen (bei Tumoren im Kleinhirn), Krampfanfälle (bei Tumoren im Großhirn), Lähmungen (bei Tumoren im Rückenmark).
Behandlung von hochmalignen Gliomen
Die Therapie der Wahl besteht in einer Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Die Operation hat die größte Bedeutung, da das Ausmaß der Tumorentfernung den Krankheitsverlauf am stärksten beeinflusst.
Ependymome
Ependymome sind seltene Tumoren des Zentralnervensystems, die von den Ependymzellen ausgehen, welche die Innenwände der Hirnkammern und des Rückenmarkkanals auskleiden. Sie machen etwa 6 % der primären ZNS-Tumoren bei Kindern und Jugendlichen aus.
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Symptome von Ependymomen
Die Symptome richten sich nach dem Alter des Patienten und der Lage des Tumors im Zentralnervensystem.
- Unspezifische Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit.
- Lokale Symptome: Gleichgewichts- und Gangstörungen (bei Tumoren im Kleinhirn), Krampfanfälle (bei Tumoren im Großhirn), Lähmungen (bei Tumoren im Rückenmark).
Behandlung von Ependymomen
Die Behandlung umfasst in der Regel eine Operation zur möglichst vollständigen Tumorentfernung, eine Strahlentherapie und für einige Kinder auch eine Chemotherapie.