Weihrauch, auch bekannt als Boswellia, ist ein Harz, das seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin, insbesondere im Ayurveda, verwendet wird. In den letzten Jahren hat das Interesse an den potenziellen gesundheitlichen Vorteilen von Weihrauch, insbesondere bei der Behandlung von Krebs und Hirnödemen, zugenommen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Datenlage zur Dosierung und Anwendung von Weihrauch bei Hirntumoren, basierend auf wissenschaftlichen Studien und Expertenmeinungen.
Was ist Weihrauch?
Weihrauch ist das Harz von Bäumen der Gattung Boswellia, die in trockenen Regionen wie der arabischen Halbinsel, Afrika, Indien und Pakistan wachsen. Es gibt etwa 20 bis 30 verschiedene Boswellia-Arten, von denen der indische Weihrauch (Boswellia serrata) und der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii oder Boswellia sacra) am häufigsten für medizinische Zwecke verwendet werden. Das Harz wird durch Anritzen der Baumrinde gewonnen, wodurch es austritt und an der Luft zu Harztropfen trocknet.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Die gesundheitlichen Wirkungen von Weihrauch werden hauptsächlich den verschiedenen Boswelliasäuren zugeschrieben, insbesondere der AKBA-Säure (3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure). Es wurde lange vermutet, dass ausschließlich die Boswelliasäuren für die positiven Eigenschaften verantwortlich sind. Auch die Stoffe Incensol und Incensolacetat zeigten isoliert entzündungshemmende Wirkungen.
Weihrauch wirkt entzündungshemmend, abschwellend und schmerzstillend, ähnlich wie Kortison. Daher wird er manchmal auch als "natürliches Kortison" bezeichnet. Studien deuten darauf hin, dass Weihrauchpräparate die Leukotriensynthese hemmen, was zu einer entzündungshemmenden Wirkung führt. Leukotriene sind Entzündungsmediatoren, die bei chronisch-entzündlichen und allergischen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Ein weiterer möglicher Wirkmechanismus ist die Beeinflussung von Topoisomerasen I und II, Enzyme, die für die DNA-Replikation und -Reparatur wichtig sind. Darüber hinaus könnte Weihrauch den programmierten Zelltod (Apoptose) von malignen Zellen fördern.
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Weihrauch bei Hirntumoren: Aktuelle Studienlage
Die Forschung zur Wirkung von Weihrauch bei Krebs, insbesondere bei Hirntumoren, hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Bisher konzentriert sich die Forschung vor allem auf vorklinische Experimente an Zellkulturen oder Mäusen. Klinische Studien zur Wirksamkeit von Weihrauch bei Patienten mit Hirntumoren oder einer anderen Krebserkrankung liegen derzeit nur wenige vor.
Wirkung auf Hirnödeme
Ein vielversprechender Bereich der Weihrauchforschung ist die Behandlung von Hirnödemen. Hirnödeme sind Schwellungen des Gehirngewebes, die häufig bei Hirntumorpatienten auftreten, insbesondere nach einer Strahlentherapie. Die Standardtherapie von Hirnödemen mit Dexamethason ist oft mit Nebenwirkungen verbunden. Daher suchen Wissenschaftler nach pflanzlichen Alternativen wie Weihrauch.
Eine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) untersuchte die Wirkung von Boswellia serrata auf Hirnödeme bei 44 Patienten, die aufgrund von primären Hirntumoren oder Hirnmetastasen eine Strahlentherapie erhielten. Die Patienten erhielten entweder ein Boswellia-Extrakt (4200 Milligramm Weihrauchextrakt pro Tag) oder ein Placebo zusätzlich zu einer Steroidtherapie. Nach Ende der Strahlentherapie ging das Hirnödem bei Patienten mit Hirnmetastasen in der Boswellia-Gruppe bei 60 % um mehr als 75 % zurück, verglichen mit 26 % in der Placebo-Gruppe. Die notwendige Steroid-Dosis war in beiden Gruppen gleich. Bei Patienten mit primären Hirntumoren konnten in dieser Studie keine Unterschiede beobachtet werden.
Eine prospektive klinische Studie mit 29 Gliom-Patienten und eine einarmige Pilotstudie mit 20 Glioblastom-Patienten beobachteten nach Boswellia-Einnahme eine Verkleinerung des Ödems. Wegen des Studiendesigns ist allerdings jeweils unklar, ob der Effekt tatsächlich auf Boswellia zurückzuführen ist.
Dosierungsempfehlungen
Die Dosierung von Weihrauch bei Hirntumoren variiert je nach Studie und Präparat. In der oben genannten RCT erhielten die Patienten 4200 Milligramm Weihrauchextrakt pro Tag, aufgeteilt in drei Dosen. In anderen Studien wurden Dosierungen von 400 bis 1200 mg Boswelliaextrakt täglich eingesetzt.
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Es ist wichtig zu beachten, dass es keine allgemeingültige Dosierungsempfehlung gibt. Die optimale Dosis kann von verschiedenen Faktoren abhängen, wie z.B. der Art des Hirntumors, dem Ausmaß des Hirnödems, dem verwendeten Weihrauchpräparat und der individuellen Verträglichkeit. Es ist ratsam, die Dosierung mit einem Arzt oder Apotheker abzustimmen.
Verfügbare Präparate
Weihrauch ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern nur in Form freiverkäuflicher Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Es gibt Weihrauch-Produkte von verschiedenen Herstellern und in unterschiedlichster Zusammensetzung. Einige dieser Produkte werden als "ayurvedisch" bezeichnet und tragen häufig den Namenszusatz "H15".
Auf dem Markt sind Weihrauch-Produkte von verschiedenen Herstellern und in unterschiedlichster Zusammensetzung. Einige dieser Produkte werden als "ayurvedisch" bezeichnet und tragen häufig den Namenszusatz "H15".
Es ist wichtig, auf die Qualität und Zusammensetzung des Präparats zu achten. Standardisierte Extrakte, die einen bestimmten Gehalt an Boswelliasäuren aufweisen, sind vorzuziehen. Die meisten Präparate enthalten zwischen 300 und 500 mg Extrakt pro Kapsel. Die Angabe des Gehalts an Boswelliasäuren in Prozent (z. B. "mit 80 % Boswelliasäuren") ist ein Qualitätsmerkmal. Ebenfalls sollte auf dem Präparat aufgeführt sein, welche Boswelliasäuren darin vorkommen und im Optimalfall auch, wieviel von welcher Säure enthalten ist (z. B. AKBA und KBA, die beide entzündungshemmend wirken).
Einnahme und Bioverfügbarkeit
Die Boswelliasäuren sind fettlöslich, daher sollten die Kapseln mit dem Essen oder kurz danach eingenommen werden, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Es gibt auch Kapseln mit sogenannter Mizell-Technologie zu kaufen, die die Bioverfügbarkeit verbessern sollen.
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Empfohlen werden je nach Hersteller, je nach Anteil des Extrakts und je nach enthaltener Boswelliasäurenmenge häufig zwei bis vier Extrakt-Kapseln täglich - teilweise aber auch höhere Dosen von 3 x 2 oder sogar 3 x 5 Kapseln täglich (bei Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten).
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Im Allgemeinen sind Boswellia-Extrakte gut verträglich. Bislang gibt es lediglich einzelne Fallberichte zu unerwünschten Wirkungen, beispielsweise einer allergischen Kontaktdermatitis nach der Anwendung einer boswelliahaltigen Creme. In einer Studie mit Patienten mit Reizdarmsyndrom, die ein bestimmtes Produkt aus Boswellia serrata erhielten, war eine leichte Verstopfung der einzige unerwünschte Effekt. Toxische Wirkungen sind in der Literatur bislang nicht beschrieben.
Pharmakokinetische Studien deuten auf hemmende Wirkungen von Boswelliasäuren auf Cytochrom-P450-Enzyme und P-Glykoprotein hin. Das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen beim Menschen kann aufgrund fehlender Daten aber bisher nicht bewertet werden. Insbesondere wenn Sie Blutverdünner einnehmen, sollten Sie auf Boswelliaextrakt verzichten, da er die Wirkung des Blutverdünners reduzieren könnte.
Expertenmeinungen und Leitlinien
Die Fachleute der S3-Leitlinie Komplementärmedizin sprechen weder eine Empfehlung für noch gegen Boswellia zur Behandlung von Hirnödemen bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren aus. Ebensowenig wird zur Prophylaxe oder Behandlung einer Strahlentherapie-induzierten Dermatitis eine boswelliahaltige Creme empfohlen oder von ihr abgeraten. Laut Fachleuten des CAM-Cancer Consortium können weiterhin keine gesicherten Aussagen über die Wirkung von oral eingenommenen Boswelliaextrakten auf peritumorale Hirnödeme oder Hirntumore getroffen werden. Es liegen nicht genügend Daten vor, um die Wirksamkeit von boswelliahaltigen Cremes bei Strahlendermatitis zu beurteilen. Keine Erwähnung findet Weihrauch in den aktuellen Gliom-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der European Association of Neuro-Oncology (EANO).