Huft Ausweichbewegung: Neurologische Ursachen und Behandlungsansätze

Die Huft Ausweichbewegung, oft im Zusammenhang mit einer Fußheberschwäche (Fallfuß) auftretend, stellt eine komplexe neurologische Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, die zugrunde liegenden Mechanismen und die verschiedenen Therapieansätze, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Lösungswege aufzuzeigen.

Einführung

Die Fußheberschwäche, bei der Patienten den Fuß nicht mehr kraftvoll anheben können, führt häufig zu einem Steppergang, bei dem die Fußsohle bei jedem Schritt auf den Boden „patscht“. Um nicht zu stolpern, muss das Knie auf der betroffenen Seite höher gezogen werden, was nach kurzer Zeit zu Schmerzen durch Ausweichbewegungen in Knie, Hüfte oder Rücken führen kann. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und erfordern eine differenzierte Betrachtung.

Ursachen der Huft Ausweichbewegung

Die Ursachen für eine Huft Ausweichbewegung und die damit verbundene Fußheberschwäche lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

Mechanische Ursachen

Eine Ruptur der Tibialis Anterior Sehne kann insbesondere bei Patienten mit Hohlfuß oder rheumatoider Arthritis zu einer plötzlichen Fußheberschwäche führen. Oft geht dieser Ruptur eine schmerzhafte Entzündung im vorderen Bereich des Fußes voraus. In solchen Fällen kann eine Operation durch einen spezialisierten Fußchirurgen Abhilfe schaffen.

Periphere Nervenschädigungen

Die Einklemmung einer Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule (z.B. durch einen Bandscheibenvorfall) ist eine häufige Ursache für eine periphere Fußheberschwäche. Ein plötzliches Auftreten beim jungen Patienten kann eine kurzfristige Operation erforderlich machen, insbesondere bei einem schweren Bandscheibenvorfall. Besteht die periphere Fußheberschwäche schon viele Monate oder Jahre, steht meist die Verbesserung des Gangbilds im Vordergrund.

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Zentrale Nervenerkrankungen

Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose oder Schlaganfall können ebenfalls zu einer Fußheberschwäche führen. Nach einem Schlaganfall kann die Signalweitergabe vom Gehirn zu den Bein- und Fußmuskeln gestört sein, was zu einer unkoordinierten Steuerung des Fußes führt.

Weitere Ursachen

Neben den genannten Ursachen können auch andere Faktoren wie Muskel-Gelenk-Systeme, Faszien und das autonome Nervensystem eine Rolle spielen.

Myofasziale Ketten

Muskel-Gelenk-Systeme werden nicht mehr isoliert betrachtet, und Gelenke werden nicht mehr als rein mechanische Komponenten angesehen. Myofasziale Ketten sind an der Bewegungsausführung, biomechanischen Prozessen und der Ökonomisierung von Bewegungsabläufen beteiligt. Thomas Myers beschreibt verschiedene myofasziale Ketten, die für die Bewegungsausführung und die aufrechte Körperhaltung wichtig sind.

Autonomes Nervensystem und Sympathikus

Das autonome Nervensystem, insbesondere der Sympathikus, kann ebenfalls eine Rolle bei neuromuskulären Ansteuerungsstörungen spielen. Studien zeigen eine Verbindung zwischen dem sympathischen Nervensystem und der quergestreiften Muskulatur. Eine Überreizung des Sympathikus kann neurogene Entzündungen auslösen und gleichzeitig von ihnen aktiviert werden. Diese neurogenen Entzündungen können zu Schmerzen und einer Störung der Muskelansteuerung führen.

Minimale Gelenkdepositionierungen, die durch einen Check oder Unfall verursacht werden, können ebenfalls zu einer Aktivierung des Sympathikus führen. Diese Sicherung erfolgt über die sympathischen Fasern. Wenn es nicht zu einer kompletten Wiederherstellung kommt, entstehen neurogene Entzündungen, die weitere unbewusste Schmerzen produzieren. Beides aktiviert wiederum das sympathische Nervensystem und es kommt zu einer Störung der Muskelansteuerung sowie zu einer verminderten reaktiven Kraftumsetzung.

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Diagnostik

Eine gründliche Diagnostik ist entscheidend, um die Ursache der Huft Ausweichbewegung und der damit verbundenen Fußheberschwäche zu identifizieren.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese, bei der Informationen über die Krankengeschichte, Symptome, frühere Verletzungen oder Erkrankungen und den Verlauf der Beschwerden gesammelt werden. Anschließend wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen, um die Muskelfunktionen, die Reflexe, die Empfindung und die Beweglichkeit des Fußes und Unterschenkels zu überprüfen.

Ganganalyse

Eine Ganganalyse kann durchgeführt werden, um das Gangbild zu beurteilen und festzustellen, welche Auffälligkeiten beim Gehen vorliegen.

Neurologische Untersuchungen

Verschiedene neurologische Untersuchungen können durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven und Muskeln im Bereich des Fußhebers zu überprüfen. Dazu gehören Reflextests, Muskelkrafttests, Empfindungstests und Koordinationstests. Bei Bedarf kann eine Elektroneurographie (ENG) durchgeführt werden, um festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt und wie schwerwiegend sie ist.

Bildgebende Verfahren

In bestimmten Fällen können Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden, um die Ursache der Fußheberschwäche zu identifizieren. Bei Verdacht auf eine mechanische Ursache kann die Diagnose oft mit Ultraschall und MRT bestätigt werden.

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Jenaer-Stand-Stabilitäts-Score (JESS-Score)

Der Jenaer-Stand-Stabilitäts-Score (JESS-Score) kann helfen, Patienten mit Stereotypstörungen während des Stehens und die daraus resultierenden Beschwerden am Bewegungssystem zielgerichteter zu diagnostizieren und zu behandeln. Der JESS-Score basiert auf der Tatsache, dass die Stabilität des Stehens, ebenso des Gehens, durch mehrere motorische Fähigkeiten generiert wird.

Der JESS-Score umfasst verschiedene Tests, die unterschiedliche Aspekte der Stabilität und Bewegungskoordination untersuchen. Dazu gehören:

  • Provokationsposturographie: Hierbei wird die Stabilität des Stehens unter verschiedenen Bedingungen getestet, z.B. mit geöffneten oder geschlossenen Augen, auf einer stabilen oder instabilen Unterlage.
  • Zielschritttest (ZST): Der Patient versucht, mit dem Zeh oder der lateralen Fußkante einen Zielstrich zu treffen, der 25 % der Körperhöhe entfernt ist.
  • Einbeinstandtest (EBS): Der Patient steht auf einem Bein, sowohl mit geöffneten als auch mit geschlossenen Augen.
  • Bregma-Test: Nach taktiler Fazilitation des Bregmas wird der Patient aufgefordert, sein Bregma Richtung Decke zu bewegen.
  • Bewegungsstereotype nach Janda: In Bauchlage werden die Beine abwechselnd gestreckt abgehoben, ohne dass sich der Patient mit den anderen Extremitäten abstützt. Gewertet wird die Reihenfolge der angesprochenen Muskelgruppenetagen von unten nach oben.
  • Rumpfaufrichtung: Das Anheben des Kopfes aus Rückenlage soll mit deutlicher Flexion der Halswirbelsäule erfolgen. Anschließend wird der Rumpf so gebeugt, dass die unteren Skapulawinkel mindestens 5 cm von der Unterlage abgehoben sind ohne Fersenabhebung.
  • Kraftausdauertests: In einer rückwärts geneigten Sitzhaltung (30°) mit aufgerichtetem Becken sowie mit rechtwinkliger Knie- und Hüftgelenkstellung wird die Ausdauerfähigkeit der dazu benötigten Muskelgruppen geprüft. Zudem wird in Bauchlage der Rumpf leicht von der Unterlage abgehoben, ohne eine Verankerung der unteren Extremitäten in Anspruch zu nehmen.

Die Ergebnisse der einzelnen Tests werden in einem Netzdiagramm dargestellt. Einzelne Parameter, in welchen noch nicht die physiologische Norm erreicht wurde, werden farbig hervorgehoben, um Defizite zu erkennen.

Therapieansätze

Die Therapie der Huft Ausweichbewegung und der Fußheberschwäche richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Konservative Therapie

  • Physiotherapie: Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Physiotherapie, die darauf abzielt, die Muskeln zu stärken und die Nervenbahnen zu stimulieren. Abgestimmt auf die individuellen Einschränkungen des Betroffenen erstellt der Therapeut einen Behandlungsplan. Vor allem das Training von Bauch- und Fußmuskeln hilft die Kraft zum Gehen zurückzugewinnen.
  • Fußheberorthesen und Bandagen: Sachkundig angefertigte Orthesen geben Halt und sind in einer Vielzahl von Ausführungen erhältlich. Je nach Bedarf sind sie mehr oder weniger dünn, leicht und alltagstauglich. Während textile Orthesen sich vor allem für leichte Fälle der Fußheberschwäche eignen, können dynamische Orthesen aus Carbon den Patienten bei einem mittelstarken Funktionsverlust unterstützen. Silikonorthesen bieten beispielsweise nicht nur auf Teerboden, sondern auch beim Training im Wasser guten Halt.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Im Gegensatz zu klassischen Orthesen, die sich darauf beschränken, passiv ein Fallen des Fußes zu verhindern, setzt die Funktionelle Elektrostimulation (FES) auf moderne Technik. Üblicherweise handelt es sich hierbei um eine Manschette, die am Unterschenkel befestigt wird und elektronische Impulse aussendet. Auf diese Weise werden die an der Fußhebung beteiligten Muskeln animiert, ihren Dienst zu erfüllen. Diese Technik gilt als äußerst effizient, da sie Gang, Gleichgewicht und Bewegungsausmaß deutlich verbessert.
  • Hilfsmittel: Sei es der Gehstock, das Paar orthopädischer Schuhe oder die bequemen Einlagen: Was immer einem Patienten hilft, sein Gangbild zu verbessern, sollte genutzt werden.
  • Übungen für Zuhause: Neben den klassischen Therapieansätzen sollten Patienten mit einer Fußheberschwäche auch auf zusätzliche Übungen setzen, die sich leicht in den Alltag im heimischen Wohnzimmer integrieren lassen.

Operative Therapie

  • Mechanische Fußheberschwäche: Die Mechanische Fußheberschwäche kann in aller Regel von einem spezialisierten Fußchirurgen mit einer Operation behoben werden. Abhängig von der jeweiligen Situation kommen die direkte Naht der Tibialis Anterior Sehne oder eine Sehnenersatzplastik als Lösung in Frage.
  • Periphere Fußheberschwäche: Therapiekonzepte bei peripherer Fußhebeschwäche durch eine eingeklemmte Nervenwurzel oder einen Bandscheibenvorfall sind sehr abhängig von der jeweiligen Situation. Ein plötzliches Auftreten beim jungen Patienten kann eine kurzfristige Operation erfordern (z.B bei schwerem Bandscheibenvorfall). Bleibt nach der Behandlung eine relevante Fußheberschwäche oder Fußheberlähmung zurück, kann dies durch einen erfahrenen Fußspezialisten durch eine Operation verbessert werden.

Weitere Therapieansätze

  • SRP-Therapie®: Die SRP-Therapie® berücksichtigt den Zusammenhang des sympathischen Nervensystems mit seinen nervalen Verflechtungen und den Gelenkdepositionierungen. Aktiv-assistive Übungen sind für die Wiederherstellung der Koordination unumgänglich. Durch die geführten funktionellen Bewegungen lernt der Körper die minimale Koordination und vor allem die Tatsache, dass sich das Gelenk wieder schmerzfrei bewegen lässt.
  • Behandlung des autonomen Nervensystems: Eine Senkung des Sympathikus und eine Verbesserung der neuromuskulären Ansteuerung kann nur nachhaltig erfolgen, wenn der gesamte Zusammenhang des sympathischen Nervensystems mit seinen nervalen Verflechtungen und den Gelenkdepositionierungen in Betracht gezogen wird.

Prävention von Sportverletzungen

Da Sportverletzungen eine häufige Ursache für Beschwerden des Bewegungssystems sind, ist die Prävention von Sportverletzungen ein wichtiger Aspekt.

Prinzipien statt Pauschallösungen

Statt allgemeiner Rezeptlösungen lohnt es sich, sportartspezifische Prinzipien zu nutzen. So lassen sich nicht nur akute Überlastungen vermeiden, sondern auch wiederholte Verletzungen - wie etwa eine erneute Luxation - verhindern.

Risikofaktoren erkennen

Wer gezielt vorbeugen will, sollte mögliche Risiken frühzeitig erkennen. Besonders anfällig sind Gelenke - zum Beispiel dann, wenn sie in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, Muskel-, Gelenk- oder Sehnenschmerzen unter Belastung auftreten oder die Muskulatur schneller ermüdet als erwartet.

Screening

Ein Screening kann Verletzungen zwar nicht vorhersagen, liefert aber wertvolle Hinweise auf mögliche Risikobereiche. Wichtig ist dabei eine umfassende motorische Untersuchung, die sowohl lokale Gelenkfunktionen als auch globale Bewegungsabläufe berücksichtigt.

Belastung kontrollieren

Gezielt eingesetzte Übungen sind wirksam, wenn sie sinnvoll geplant und regelmäßig durchgeführt werden. Gerade bei Gelenkproblemen, die oft besonders hartnäckig sind, lohnt sich ein präventiver Ansatz.

Schritt für Schritt belastbarer werden

Mehr Belastbarkeit entsteht nicht durch Härte oder Tempo, sondern durch Dauer, Dosierung, Wiederholung und saubere Technik. Langsame, kontrollierte Bewegungen sind dabei effektiver als schnelle, unkontrollierte Abläufe.

Das Gehirn spielt mit

Bewegungskontrolle ist keine rein körperliche Fähigkeit - auch das Gehirn spielt eine wichtige Rolle. Sportler:innen sollten verstehen, wie sich Schulterblatt und Becken während Arm- und Beinbewegungen verhalten und wie sie diese bewusst steuern können.

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