Die Hyponatriämie, definiert als ein niedriger Natriumspiegel im Blut (unter 135 mmol/l), ist eine häufige Elektrolytstörung, die erhebliche neurologische Auswirkungen haben kann. Natrium spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts, der Nervenfunktion und der Muskelkontraktion. Ein Ungleichgewicht kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, von milden Beschwerden wie Schwindel und Kopfschmerzen bis hin zu schweren Komplikationen wie Krampfanfällen und Koma. Die Prävalenz der Hyponatriämie bei Krankenhauspatienten liegt bei etwa 10 bis 20 Prozent, was die Notwendigkeit einer schnellen und effizienten Abklärung unterstreicht.
Einführung
Dieser Artikel befasst sich umfassend mit den neurologischen Symptomen, den Ursachen, der Diagnose und der Behandlung der Hyponatriämie. Ziel ist es, medizinisches Fachpersonal und Betroffene über diese häufige und potenziell gefährliche Erkrankung aufzuklären.
Was ist Hyponatriämie?
Hyponatriämie bezeichnet eine Natriumkonzentration im Blut von unter 135 mmol/l. Natrium ist ein essenzieller Elektrolyt, der für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushaltes und die Funktion von Zellen und Nerven im Körper unerlässlich ist. Mediziner unterscheiden zwischen absolutem und relativem Natriummangel. Beim absoluten Natriummangel (Hypovolämie) verliert der Körper übermäßig Natrium, etwa bei Durchfall oder der Einnahme von wasserabführenden Medikamenten. Der relative Natriummangel (Hypervolämie) entsteht durch ein erhöhtes Flüssigkeitsvolumen im Körper und ist auch als Wasservergiftung bekannt. Sie entsteht unter anderem durch exzessives Wassertrinken. Die Körperflüssigkeiten verdünnen immer mehr, wodurch die Natriumkonzentration sinkt.
Neurologische Symptome der Hyponatriämie
Das Gehirn reagiert besonders empfindlich auf einen Natriummangel. Die neurologischen Symptome der Hyponatriämie können je nach Schweregrad und Geschwindigkeit des Natriumabfalls variieren.
Milde bis mittelschwere Symptome
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Unwohlsein
- Lethargie
- Schwindel
- Gangunsicherheit
- Gedächtnisprobleme
Diese Symptome sind oft unspezifisch und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.
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Schwere Symptome
- Muskelzittern
- Krampfanfälle
- Schläfrigkeit
- Benommenheit bis hin zum Koma
- Kardiorespiratorische Probleme
- Abnormale und tiefe Somnolenz
Schwere Symptome erfordern eine sofortige medizinische Intervention, da sie lebensbedrohlich sein können.
Supratentorielle Hirnödeme
Eine akute Hyponatriämie kann zu einem diffusen supratentoriellen Hirnödem führen, das im CT-Scan sichtbar ist.
Ursachen der Hyponatriämie
Eine zu niedrige Natriumkonzentration kann verschiedene Gründe haben und sollte untersucht werden, denn: Ein veränderter Elektrolythaushalt hat Einfluss auf das Flüssigkeitsvolumen im Körper und umgekehrt. Die Ursachen der Hyponatriämie sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:
Hypovolämische Hyponatriämie (Volumenmangel)
- Extrarenale Salzverluste: Erbrechen, Durchfall, großflächige Verbrennungen, exzessives Schwitzen, Verteilungen in sogenannte dritte Räume bei Pankreatitis oder Peritonitis.
- Renale Salzverluste: Diuretika (insbesondere Thiazide), Nierenerkrankungen, Nebenniereninsuffizienz (Addison-Krise), zerebrales Salzverlust-Syndrom.
Hypervolämische Hyponatriämie (Volumenüberschuss)
- Herzinsuffizienz
- Leberzirrhose
- Nephrotisches Syndrom
- Nierenerkrankungen/Nierenschwäche
Euvolämische Hyponatriämie (normales Volumen)
- Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH): Ein pathologisch hoher Spiegel an zirkulierendem ADH. Ursachen können maligne Erkrankungen, Lungenerkrankungen, ZNS-Erkrankungen und bestimmte Medikamente sein.
- Hypothyreose
- Übermäßige Wasseraufnahme (psychogene Polydipsie, körperliche Aktivitäts-assoziierte Hyponatriämie, MDMA-Missbrauch)
- Medikamente (Antidepressiva, Antiepileptika, Neuroleptika, Chemotherapeutika, NSAR)
- Schwierig bleibt die Differenzierung zwischen SIADH und "Cerebral Salt Wasting" bei Hirnschädigung.
Hypertone Hyponatriämie
- Diabetes Mellitus (Hyperglykämie)
- Verwendung von Mannitol
- Erhöhte Konzentrationen anderer osmotisch effektiver Substanzen (meist Glucose)
Pseudohyponatriämie
- Hohe Serumlipidspiegel
- Extremer Proteingehalt der Probe (Plasmozytom, Hyperlipidämie)
Weitere Ursachen
- Unzureichende Aufnahme von Natrium und Kochsalz - Niedrige Natriumzufuhr in der Ernährung kann zu einem Natriumdefizit führen, insbesondere bei gleichzeitigem Flüssigkeitsverlust (z. B. Ecstasy (auch XTC, Molly u.
- Hyponatriämie bei fortgeschrittenem Nierenversagen: wenn die Plasmaosmolalität hoch, aber die Plasmatonizität und sNa+ niedrig sind. Harnstoff liegt in hohen Konzentrationen vor, ist aber osmotisch unwirksames, sodass es keine Wasserverschiebungen, Verdünnung des TBNa + oder eine Abnahme der Plasmatonizität verursacht.
Diagnose der Hyponatriämie
Die Diagnose der Hyponatriämie erfolgt durch Blutuntersuchungen, um den Natriumspiegel zu messen. Zusätzlich sind folgende diagnostische Schritte erforderlich:
- Bestimmung des Volumenstatus: Klinische Beurteilung auf Hypovolämie, Hypervolämie oder Euvolämie.
- Messung des Urin-Natriums, der Plasma-Osmolalität und der Urin-Osmolalität: Diese Werte helfen, die Ursache der Hyponatriämie zu bestimmen.
- Ausschluss anderer Ursachen: Überprüfung der Medikamentenliste, Cortisol/ACTH-Stimulationstest und Schilddrüsen-stimulierendes Hormon (TSH).
- Plausibilitätsprüfung: Bei Verdacht auf Pseudohyponatriämie sollte eine Gegenmessung mit einer direkt messenden ionenselektiven Elektrode (in den meisten BGA-Geräten vorhanden) erfolgen.
Behandlung der Hyponatriämie
Die Behandlung von Hyponatriämie richtet sich nach der Schwere des Zustands, der Ursache und der Geschwindigkeit des Auftretens.
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Allgemeine Prinzipien
- Langsame Korrektur: Die Anhebung des Serumnatriums sollte langsam erfolgen, um maximal 0,5 mmol/l/h. Ein schnellerer Ausgleich darf nur erfolgen, wenn die Hyponatriämie akut und ebenso rasch mit einem Abfall über 0,5 mmol/l/h entstanden ist.
- Vermeidung einer Überkorrektur: Eine zu schnelle Korrektur kann zu einem osmotischen Demyelinisierungssyndrom (ODS) führen.
- Behandlung der Grunderkrankung: Die zugrunde liegende Ursache der Hyponatriämie sollte behandelt werden.
Spezifische Behandlungen
- Hypovolämische Hyponatriämie: Infusion isotoner Kochsalzlösung oder Gabe stark salzhaltiger Getränke oder Lebensmittel.
- Hypervolämische Hyponatriämie: Flüssigkeitsrestriktion (etwa 500 ml unter dem durchschnittlich ausgeschiedenen täglichen Urinvolumen), Diuretika (nur in bestimmten Fällen).
- Euvolämische Hyponatriämie:
- SIADH: Flüssigkeitsrestriktion, Medikamente (Tolvaptan), Behandlung der Grunderkrankung.
- Arzneimittelinduzierte Hyponatriämie: Wechsel auf einen anderen Wirkstoff.
- Akute und schwere Hyponatriämie: Langsame Gabe hypertoner 3-prozentiger Kochsalzlösung.
Medikamentöse Therapie
- Tolvaptan: Ein selektiver V2-Rezeptor-Antagonist, der die ADH-vermittelte Rückresorption von freiem Wasser in der Niere hemmt.
- Harnstoff: Kann bei chronischen oder mild verlaufenden Formen eingesetzt werden, um eine osmotische Diurese zu bewirken.
Osmotisches Demyelinisierungssyndrom (ODS)
Das osmotische Demyelinisierungssyndrom (ODS) ist eine potenziell schwerwiegende Komplikation, die auftreten kann, wenn der Natriumspiegel zu schnell korrigiert wird. Es ist gekennzeichnet durch irreversible neurologische Symptome, die mehrere Tage nach der Überkorrektur auftreten. Die Symptome stehen im Zusammenhang mit Flüssigkeitsverschiebungen, nachdem sich das Gehirn bereits an die chronische Hyponatriämie angepasst hat.
Wichtige Hinweise zur Korrektur
- Die Korrektur einer Hyponatriämie richtet sich nach der Dauer des Auftretens der Hyponatriämie. Eine schnell aufgetretene Hyponatriämie kann schnell korrigiert werden, eine seit längerem andauernde/chronische (> 48 Std.) Hyponatriämie muss langsam korrigiert werden.
- Engmaschige Kontrollen von Serumnatrium, Kalium, Osmolalität, Klinik, Hydration und Blutdruck sind erforderlich.
Differenzialdiagnose
Besonders schwierig ist die Differenzierung zwischen SIADH und "Cerebral Salt Wasting" bei Hirnschädigung. Beim cerebral salt wasting liegt vor Allen, im Gegensatz zum SIADH, eine Polyurie vor. Die Urin-Natriumkonzentration ist sehr hoch und nT-proBNP ist, als Folge eines intravasalen Volumenmangels, erhöht. Bei einem SIADH liegt kein intravasaler Volumenmangel vor.
Hyponatriämie und Medikamente
Zahlreiche Medikamente können eine Hyponatriämie verursachen oder verstärken. Zu den häufigsten gehören:
- Diuretika (insbesondere Thiazide)
- Antidepressiva (SSRI, trizyklische Antidepressiva)
- Antiepileptika (Carbamazepin, Oxcarbazepin, Valproinsäure)
- Neuroleptika
- Chemotherapeutika
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei Patienten, die diese Medikamente einnehmen, sollte das Serumnatrium regelmäßig kontrolliert werden.
Prävention
Die Prävention der Hyponatriämie umfasst folgende Maßnahmen:
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- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Natriumzufuhr über die Nahrung.
- Angemessene Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, aber vermeiden Sie eine übermäßige Wasseraufnahme.
- Vorsicht bei Medikamenten: Seien Sie sich der potenziellen Nebenwirkungen von Medikamenten bewusst, die eine Hyponatriämie verursachen können.
- Regelmäßige Kontrollen: Lassen Sie Ihr Serumnatrium regelmäßig kontrollieren, insbesondere wenn Sie Risikofaktoren für eine Hyponatriämie aufweisen.
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