Es ist ein weit verbreitetes Phänomen: Kaum hat die neue Woche begonnen, meldet sich die Migräne. Die sogenannte Montagsmigräne ist für viele Betroffene eine Realität, die den Start in die Arbeitswoche erheblich erschwert. Doch was steckt hinter diesem Phänomen? Welche Ursachen sind dafür verantwortlich und was kann man dagegen tun? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Montagsmigräne, von den möglichen Auslösern bis hin zu wirksamen Behandlungs- und Präventionsstrategien.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen sind meist einseitig, pulsierend oder pochend und können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Die Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Manche Menschen haben jeden Monat eine Migräne-Attacke, andere nur ein- oder zweimal pro Jahr.
Migräne vs. "normaler" Kopfschmerz
Normales Kopfweh (meist Spannungskopfschmerzen) äußert sich durch einen drückenden, dumpfen Schmerz im gesamten Kopf, während der Schmerz bei einer Migräne meist einseitig, bohrend, stechend oder pochend ist. Migräne kann von zusätzlichen Symptomen begleitet sein, wie Aura (Sehstörungen, Schwindel, Gefühlsstörungen an Armen oder Beinen), Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit oder Appetitlosigkeit. Der Kopfschmerz kann schon nach einer halben Stunde wieder verschwinden, Migräne dauert mindestens vier Stunden, ist nach 72 Stunden aber in der Regel spätestens vorbei. Migräne lässt sich leider nicht heilen. Betroffene können aber Linderung finden.
Phasen einer Migräne
Experten unterscheiden beim Migräne-Verlauf fünf Phasen:
- Prodromalphase (Vorboten): Etwa 30 Prozent der Patienten spüren vor einem Migräneanfall unterschiedliche Anzeichen. Typisch ist, dass die Frühphase bei Migräne ohne Aura vor dem Beginn der Schmerzen einsetzt.
- Auraphase: Diese Phase des Migräne-Verlaufs erleben 10 bis 15 Prozent der Betroffenen. Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze und manchmal kurzzeitigen Sehkraftverlust. Weitere Symptome sind Kribbeln bzw. Manche Patienten haben außerdem Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme (zum Beispiel Schwierigkeiten, die richtigen Wort zu finden).
- Kopfschmerzphase (Attacke): Sie ist das, was die meisten Menschen unter Migräne verstehen. Der Schmerz ist pochend, stechend oder pulsierend. Die Betroffenen sind licht- und geräuschempfindlich, manchmal können sie auch Gerüche oder Berührungen nicht ertragen. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen.
- Auflösungsphase: Das Schlimmste ist überstanden. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde. Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden.
- Erholungsphase: Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.
Nicht jeder Patient durchläuft alle diese Phasen. Deshalb ist es schwierig, eine genaue Angabe über die Migräne-Dauer zu geben. Meist halten die Beschwerden der Migräne mehrere Tage an. Von den Vorboten bis zur Erholungsphase kann die Migräne-Dauer eine Woche betragen. Die eigentliche Attacke dauert meist zwischen vier und 72 Stunden.
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Chronische Migräne
Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
Die Montagsmigräne: Ein spezielles Phänomen
Viele Menschen, die unter Migräne leiden, stellen fest, dass die Anfälle besonders häufig am Montag auftreten. Dieses Phänomen wird als Montagsmigräne bezeichnet und kann verschiedene Ursachen haben.
Mögliche Ursachen der Montagsmigräne
- Stressabbau am Wochenende: Während der Arbeitswoche ist der Stresspegel oft hoch. Am Wochenende sinkt dieser Pegel plötzlich ab, was bei manchen Menschen eine Migräne auslösen kann. "Der Stressabfall, die Rückkehr in den Ruhemodus, können wesentliche Trigger der Migräne darstellen. Betroffene, die darauf empfindlich reagieren, berichten, Migräneanfälle vor allem in der Zeit zu erleiden, an der sie von ihren Alltagsverpflichtungen entlastet sind, dies ist eben häufig das Wochenende. Das Gehirn nutzt quasi die Freizeit für die Normalisierung seiner Reizverarbeitung im Rahmen des Migräneanfalles", erklärt Dr. Charly Gaul, Ärztlicher Direktor an der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein.
- Veränderter Schlafrhythmus: Viele Menschen schlafen am Wochenende länger als unter der Woche. Dieser veränderte Schlafrhythmus kann den Körper aus dem Takt bringen und eine Migräne auslösen. "Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist für viele Migräne-Betroffene sehr wichtig. Der Körper liebt Regelmäßigkeit, regelmäßigen und ausreichenden Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten. Dies stellt eine ausgeglichene Erholungsfunktion und eine ausreichende Energiebereitstellung sicher. Bei in Bezug auf den Schlafrhythmus empfindlichen Migräne-Betroffenen kann die Verschiebung des Schlafes bereits ausreichen, Attacken auszulösen", sagt der Migräne-Experte.
- Koffeinentzug: Wer unter der Woche regelmäßig Kaffee trinkt, konsumiert am Wochenende oft weniger Koffein. Dieser Koffeinentzug kann ebenfalls eine Migräne auslösen. Statistisch lässt sich zeigen, dass vor allem Berufstätige während ihrer Arbeitswoche wesentlich mehr koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen als am Wochenende und dass dies bereits früh am Tag beginnt. Am Wochenende treten nun mehrere Gewohnheitsänderungen zugleich ein: Die Menschen schlafen länger (etwa eine Stunde), trinken ihren ersten Kaffee oder Tee dadurch später am Tag, und sie konsumieren am Wochenende insgesamt weniger davon.
- Alkohol: "Aber immer wenn ich etwas getrunken habe, bekam ich Migräne. Das war ein ganz starker Auslöser für mich. Ich verzichte jetzt fast auf Alkohol und mir geht es damit viel besser! Das war eine Erkenntnis für mich. Dadurch habe ich jetzt etwas mehr Kontrolle über die Migräne."
- Wetterfühligkeit: Wer wetterfühlig ist, hat vor allem bei einem Wetterumschwung Probleme. Betroffene klagen dann über Kopfschmerzen oder Übelkeit, wenn zum Beispiel die Temperatur rasch steigt, ein Tief heranrückt oder ein Föhn aufzieht. Wissenschaftler taten sich bislang eher schwer damit, diesen Zusammenhang zu untersuchen. Eine Studie aus Italien liefert nun Belegbares. Forscher des Kopfschmerzzentrums am Policlinico Gemelli Krankenhaus in Rom haben dafür über zwei Jahre lang klinische Daten von 1742 Patienten gesammelt, die mit Migräne in die Notaufnahme kamen. Anschließend brachten sie diese in Verbindung mit den Wetterdaten aus demselben Zeitraum.
- Stress am Sonntagabend: Die Angst vor dem bevorstehenden Arbeitsbeginn am Montag kann bereits am Sonntagabend Stress verursachen und so eine Migräne auslösen. Manchmal tritt Migräne vor allem am Wochenende auf. Häufig ist Stress der Trigger: Die Betroffenen denken am Samstag schon an den Montag.
Individuelle Auslöser
Die Auslöser für Migräne sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:
- Aufregung oder Stress
- Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
- Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
- Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
- Nackenschmerzen
- Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
- Auslassen von Mahlzeiten
- Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
- Wetterumschwünge und Klimawechsel
- Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
- Düfte und Gerüche
- Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
- Licht
- Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht
Was tun gegen Montagsmigräne?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, die Montagsmigräne zu verhindern oder zu lindern.
Präventive Maßnahmen
- Regelmäßiger Tagesrhythmus: Versuchen Sie, auch am Wochenende einen regelmäßigen Tagesrhythmus beizubehalten. Gehen Sie möglichst zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf wie unter der Woche.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie es, Mahlzeiten auszulassen. Ein regelmäßiger Essrhythmus und die Aufnahme komplexer Kohlenhydrate sind wichtig für eine ausreichende Energiezufuhr im Nervensystem.
- Stressmanagement: Bauen Sie Stress ab, zum Beispiel durch Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung. "Schon in der Woche während der Alltags- und Berufsroutine sollte man für einen ausgeglichenen Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe sorgen. Man kann auch am Arbeitsplatz immer mal wieder 10 Minuten Atementspannung einbauen oder die Mittagspause zu einem kleinen Spaziergang nutzen", sagt der Experte.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung, vor allem Ausdauersport, kann helfen, Migräne-Attacken zu verhindern. "Was mir auch hilft, ist Sport, vor allem Ausdauersport. Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Frische Luft tut mir auch gut, aber vor allem der Sport."
- Koffeinkonsum: Vermeiden Sie starke Schwankungen im Koffeinkonsum. Wenn Sie unter der Woche regelmäßig Kaffee trinken, sollten Sie dies auch am Wochenende tun.
- Alkohol vermeiden: "Ich habe in meinem Leben nie viel Alkohol getrunken. Aber immer wenn ich etwas getrunken habe, bekam ich Migräne. Das war ein ganz starker Auslöser für mich. Ich verzichte jetzt fast auf Alkohol und mir geht es damit viel besser! Das war eine Erkenntnis für mich. Dadurch habe ich jetzt etwas mehr Kontrolle über die Migräne."
- Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre individuellen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Bei leichten Migräneanfällen können Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin helfen.
- Triptane: Bei stärkeren Migräneanfällen können Triptane eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken spezifisch gegen Migräne und können die Symptome lindern. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
- Hausmittel: Bei leichteren Migräneanfällen kann eine Tasse starker Kaffee mit dem Saft einer halben Zitrone lindernd wirken. Einige Betroffene fühlen sich besser, wenn sie die Migräne mit Wärme (ein warmes Bad) oder Kälte (kühle Kompressen, kaltes Arm- oder Fußbad) behandeln.
- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und legen Sie sich hin.
Medikamentöse Prophylaxe
Wenn die Migräneanfälle sehr häufig auftreten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine medikamentöse Prophylaxe in Erwägung gezogen werden. Dazu gehören Betablocker, Antidepressiva und bestimmte Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie wirken. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird.
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Umgang mit Migräne im Alltag
Migräne kann den Alltag stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Anfällen umzugehen.
- Akzeptanz: Akzeptieren Sie, dass Sie Migräne haben und dass es Tage geben wird, an denen Sie nicht so leistungsfähig sind wie sonst.
- Selbstfürsorge: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen guttun. "Wenn ich merke, dass ich einen Migräneanfall bekomme, denke ich mir heute: „Du musst nichts machen, kannst alles absagen, du musst nirgendwo hingehen. Es gibt keine Zwänge und Verpflichtungen.“ Das klingt so einfach, aber tatsächlich zu sagen: 'Nein, ich kann nicht', und es auch so umzusetzen, ist für mich nicht leicht. Wenn ich es schaffe, ist das ein Erfolgserlebnis."
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Migräne. Suchen Sie sich Unterstützung in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren.
- Arbeitsplatz: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Migräne und besprechen Sie, welche Anpassungen am Arbeitsplatz möglich sind, um die Anfälle zu reduzieren.
Die Rolle des Wissens
"Auch Entspannungs- und Meditationstechniken helfen mir, mich nicht mehr so ausgeliefert zu fühlen. Ich versuche, mir auch immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich keinen Tumor habe und nichts in meinem Kopf platzen kann. Wissen hilft! In der Klinik sind wir auch die Schmerzabläufe im Kopf durchgegangen, das kann ich in Schmerzsituationen wieder abrufen."
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