Ein Unfall oder eine Krankheit kann das Leben von einem Moment auf den anderen verändern. Für Menschen mit Querschnittslähmung tauchen plötzlich Fragen auf, die vorher undenkbar waren: Werde ich wieder laufen können? Wie verändert sich mein Alltag? Auch Angehörige und Pflegende stehen vor neuen, oft überwältigenden Herausforderungen: Wie vermeide ich Druckgeschwüre? Dieser Artikel soll einen Überblick über Ursachen, Therapieansätze und den Umgang mit Immobilität durch Lähmungen, insbesondere Paraplegie, geben.
Was bedeutet Querschnittlähmung?
Eine Querschnittlähmung entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarks. Ab der Höhe der Verletzung können Bewegungen, Empfindungen und bestimmte Körperfunktionen eingeschränkt oder aufgehoben sein. Es wird unterschieden zwischen Tetraplegie (Lähmung aller vier Gliedmaßen und des Rumpfes) und Paraplegie (Lähmung beider Beine und Teile des Rumpfs).
- Tetraplegie: Lähmung aller vier Gliedmaßen und des Rumpfes durch Schädigung im Halsbereich. Beweglichkeit und Griffkraft der Hände sind oft stark eingeschränkt.
- Paraplegie: Lähmung beider Beine und Teile des Rumpfs, meist bei Schädigung der Brust- oder Lendenwirbelsäule. Arm- und Handfunktionen bleiben erhalten.
Vollständige und unvollständige Querschnittlähmung
Man unterscheidet zwischen vollständiger und unvollständiger Querschnittlähmung. Vollständig heißt, dass unterhalb der Verletzungsstelle keine Empfindung oder willentliche Bewegung mehr möglich ist. Unvollständig bedeutet, dass bestimmte Funktionen teilweise erhalten sind. Das Ausmaß der Einschränkungen kann variieren.
Ursachen von Querschnittlähmungen
Eine Rückenmarksverletzung kann die Folge einer traumatischen Schädigung (direkte Einwirkung, z. B. bei Verkehrsunfall, Sturz, Gewalttaten) oder nichttraumatischen Schädigung (z. B. Krankheiten, Entzündungen oder Tumore) sein.
Häufigste Ursachen für traumatische Rückenmarksverletzungen sind Verkehrsunfälle, Stürze und Sportunfälle. Die häufigsten nichttraumatischen Ursachen sind multiple Sklerose, Autoimmunerkrankungen, spinale Ischämie, infektiöse Myelitis und Strahlenmyelopathie. Verkehrsunfälle sind insbesondere ein wichtiger Faktor. Viele Autounfälle, Stürze aus großer Höhe usw. sind tatsächlich keine Unfälle, sondern Suizidversuche. Das Risiko ist hoch, dass er diesen Versuch wiederholt.
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Symptome einer Querschnittlähmung
Verletzungen des Rückenmarks können zu Ausfallerscheinungen von Bewegungen, Wahrnehmungen und Körperfunktionen sowie Nervenschmerzen führen. Diese neurologischen Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten. Die Lähmungen können vollständig sein, oder es können Restfunktionen erhalten bleiben. Häufig kommt es zu einer Lähmung der Beine (Paraplegie) oder aller Extremitäten (Tetraplegie), Gefühllosigkeit sowie Blasen- und Mastdarmfunktionsstörungen. Bei Verletzung von C4 oder höher besteht die Gefahr einer Zwerchfelllähmung und Atembeschwerden.
Die Symptome einer Querschnittlähmung hängen von der Höhe des verletzten Rückenmarks sowie des Ausmaßes dieser Verletzung ab. Im Rückenmark befinden sich mehrere Nervenbahnen: Sensorische und motorische Bahnen. Je nachdem welche Bahn betroffen ist, unterscheiden sich die auftretenden Querschnittlähmungs-Symptome nochmals.
Inkomplette vs. komplette Querschnittlähmung
- Inkomplette Querschnittlähmung: Entweder die motorischen oder die sensorischen Nervenbahnen sind betroffen. Verletzungen der motorischen Bahn führen dazu, dass der Betroffene die Muskulatur nicht mehr bewegen kann, jedoch alle Empfindungen weiterhin wahrnimmt. Sind die sensorischen Bahnen betroffen, können die Personen die Gliedmaße noch bewegen, verlieren jedoch jegliches Gespür dafür.
- Komplette Querschnittlähmung: Motorische und sensible Funktionen sind zugleich betroffen, es kommt zu Lähmungen und dem Verlust der Sensibilität gleichermaßen.
Nahezu alle Personen entwickeln mit der Querschnittlähmung Darmentleerungs- und Blasenentleerungsstörungen sowie Einschränkungen in der Sexualität. Blasenentleerungsstörungen zeigen sich in der ersten Phase durch einen Harnverhalt, der sich später zum unwillkürlichen Verlust des Urins entwickelt. Darmentleerungsstörungen zeigen sich häufig in Form von Verstopfungen bis hin zum Ileus (Darmverschluss) oder in Durchfällen. Sie können den Stuhlgang nicht mehr kontrollieren, da der Schließmuskel im Mastdarm betroffen ist. Das sexuelle Verlangen bleibt ihnen erhalten, es können jedoch Störungen der Sexualfunktionen auftreten.
Je nach Höhe der Rückenmarksverletzung treten andere Querschnittlähmungs-Symptome auf. Verletzungen der Halswirbelsäule bis zum 4. Halswirbel (C4) führen zum sogenannten hohen Querschnittsyndrom. Hierbei sind Arme, Beine und der Rumpf betroffen. Schädigungen zwischen C4 und C7 führen zu einer Lähmung oder Sensibilitätsstörung beider Arme und Beine. Ist die Rumpfmuskulatur betroffen, haben viele Betroffene einen schwachen Hustenstoß sowie Einschränkungen in der Atmungsfunktion. Ist das Rückenmark im Bereich der Brustwirbelsäule beschädigt, können die Betroffenen ihre Arme noch bewegen. Sind die Thorakalwirbel 1 bis 7 verletzt, kann es zu Einschränkungen in der Rumpfmuskulatur und damit in der Atmungsfunktion kommen. Personen mit inkomplettem Querschnitt im Bereich der Lendenwirbelsäule können ihre Beine teilweise noch bewegen oder spüren.
Langfristige Folgen
Aus den Sensibilitätsstörungen sowie den Muskellähmungen ergeben sich möglicherweise langfristige Folgen, die das Leben vieler Querschnittgelähmter beeinflussen.
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- Druckgeschwüre (Dekubitus): Betroffene verspüren keine Schmerzen, wenn sie zu lange in derselben Position liegen oder sitzen und können nicht selbstständig eine Lageveränderung durchführen. Auf das Gewebe zwischen der Sitz- oder Liegefläche und den Knochen wird Druck ausgeübt. Am häufigsten sind Dekubiti im Sakralbereich, den Fersen, Ellenbogen, Schulterblättern und an den Ohren.
- Spastik oder spastische Lähmung: Betroffene haben dabei Schwierigkeiten, die Muskeln im kleineren Ausmaß zu bewegen. Zudem erhöht sich der natürliche Spannungszustand der Muskeln, weshalb auch passive Bewegungen immer schwieriger werden. Im Laufe der Zeit kann es daher auch zu Kontrakturen kommen.
- Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen): Einige querschnittgelähmte Menschen entwickeln neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen), die sich bis zum chronischen Schmerzsyndrom entwickeln können. Sie zeigen sich durch Brennen, Kribbeln oder elektrisierende Empfindungen.
- Osteoporose: Da Bewegungen stark eingeschränkt sind, bauen sich nicht nur Muskeln ab. Auch die Knochen bauen sich immer weiter ab. Dabei spricht man von einer Osteoporose.
Diagnose von Querschnittlähmungen
Der Verdacht der Querschnittlähmung tritt häufig schon am Unfallort auf, sobald die Verunfallten angeben, ihre Beine oder Arme nicht bewegen zu können oder nicht zu spüren. In der Notaufnahme der Klinik testen die Ärztinnen Motorik und Sensibilität der betroffenen Gliedmaßen und des Rumpfes sowie die Reflexe. Die Klientinnen werden zu eventuellen anderen Erkrankungen befragt, um nicht-traumatische Querschnittlähmungen auszuschließen. Weiter untersuchen sie die Funktionalität der Blase und des Mastdarms. Anschließend werden bildgebende Verfahren zur Diagnostik der Querschnittlähmung eingesetzt. Darunter zählen Röntgen, CT oder MRT.
Bei nicht-traumatischen Querschnittlähmungen erfolgt eine umfangreiche Differenzialdiagnostik, um weitere Erkrankungen oder Infektionen auszuschließen. Häufig finden bildgebende Verfahren statt, um Verletzungen, Entzündungen oder Tumore im Gehirn sowie an der Wirbelsäule zu erkennen. Weiter erfolgen Untersuchungen, die einen Aufschluss über mögliche andere neurologische Erkrankungen, die die Symptome verursachen, geben können.
Der Ablauf der Diagnose richtet sich nach dem Untersuchungsbogen des ISNCSCI (International Standard for Neurological Classification of Spinal Cord Injury). Bestätigt sich der Verdacht der Querschnittlähmung, bezeichnen die Ärzt*innen die Erkrankung nach dem letzten intakten Wirbel. Eine Querschnittlähmung L2 bezeichnet also, dass das Rückenmark auf Höhe des 3.
Therapieansätze bei Querschnittlähmung
Die Querschnittlähmung ist nicht heilbar. Noch akute Schädigungen des Rückenmarks werden bevorzugt in spezialisierten Einrichtungen behandelt. Dort versuchen Ärzt*innen die Ausfälle weitestgehend rückgängig zu machen oder die Situation soweit zu stabilisieren, dass sie sich nicht verschlechtert. Es gibt bereits mehrere Ansätze für die Behandlung einer akuten Rückenmarksverletzung, sodass weitere Gewebeschäden verhindert werden können. Dazu zählt beispielsweise Minocyclin. Hier zeigte sich in klinischen Studien eine positive Wirkung auf die motorische Funktion. Weiter werden Wirkstoffe entwickelt, die Wachstumshemmer ausschalten, das Nervenfaserwachstum anregen und die Remyelinisierung der Nervenzellen anregen sollen. Auch die Stammzelltherapie spielt dabei eine wichtige Rolle. Viele Rückenmarksverletzte greifen durch den unwillkürlichen Harnverlust auf Blasenkatheter zurück.
Das größte Augenmerk liegt in der langfristigen Rehabilitation. Hier spielt der Erhalt der Lebensqualität sowie die Autonomie der Betroffenen eine zentrale Rolle. Je nach Höhe des verletzten Wirbelkörpers erlernen komplett oder inkomplett Querschnittgelähmte den Umgang mit dem Rollstuhl oder weiteren Hilfsmitteln, sodass der Alltag weitgehend selbstständig gemeistert werden kann. Viele Menschen mit Querschnittlähmung üben eine Berufstätigkeit aus.
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Gezielte Therapie und Rehabilitation
- Physiotherapie: Gezielte Physiotherapie kann helfen, die Rumpfmuskulatur zu stabilisieren und die Armkraft zu stärken. Hier steht die Erhaltung der noch vorhandenen Beweglichkeit im Vordergrund.
- Rollstuhltraining: Spezielles Rollstuhltraining gibt Sicherheit in Alltagssituationen.
- Hilfsmittel: Hilfsmittel wie elektrische Rollstühle oder Sprachsteuerungen können dem Kranken mehr Unabhängigkeit schenken.
- Vermeidung von Komplikationen: Der Schwerpunkt liegt auf der Vermeidung von Komplikationen wie Dekubitus oder Thrombosen.
- Intensive Rehabilitation: Gezieltes Training und intensive Rehabilitation kann Bewegungen und Empfindungen oft verbessern.
Umgang mit spezifischen Problemen
- Selbstversorgungsdefizite: Hier ist es wichtig, den Alltag des jeweiligen Bewohners / Patienten anzupassen.
- Immobilität: Wenn Bewohner immobil sind, werden alle Gelenke durchbewegt. Der Bewohner kann die Übungen selbst aktiv durchführen, ggf. wird er dabei unterstützt oder die Bewegungen werden passiv durchgeführt. Es ist darauf zu achten, dass dies für den Betroffenen keine oder nur geringe Schmerzen auslöst. Die Bewegungen werden immer nur bis zum Erreichen eines Widerstands bewegt.
- Angst vor Stürzen: Wenn Bewohner z. B. durch die Folge eines Unfalls im Rollstuhl sitzen, haben viele Bewohner z. B. Angst vor einem erneuten Sturz. Solche Befürchtungen bauen wir durch Beratung ab.
- Druckgeschwüre: Es ist wichtig, den Bewohner im Rollstuhl regelmäßig umzulagern und zu überwachen. Auch die Kleidung sollte auf Fremdkörper überprüft werden. Das Gewicht sollte gleichmäßig auf die gesamte Sitzfläche verteilt werden, um den Druck im Gesäßbereich zu reduzieren. Die Auflagefläche des Rollstuhls sollte regelmäßig überprüft werden. Der Bewohner darf nicht ganz ungesichert im Rollstuhl sitzen.
- Umlagern im Bett: Der Bewohner wird regelmäßig umgelagert. Es ist darauf zu achten, dass der Bewohner nicht unbemerkt auf Gegenständen liegen könnte. Die Bewegungen überschreiten nicht die Bewegungsgrenzen der jeweiligen Gelenke. Es sollten schnelle und ruckartige Bewegungen vermieden werden. Wenn der Bewohner schlecht Luft bekommt, sollte er auf der Lungenseite oben liegen oder in eine Schockposition gebracht werden. Wenn ein niedriger Blutdruck festgestellt wird, wird der Rollstuhl nach hinten gekippt. Der Bewohner erhält frische Luft. Ggf. wird der Bewohner ins Bett oder auf den Fußboden gelegt. Die Beine werden ggf. hochgelagert.
- Schluckstörungen: Die Konsistenz der Lebensmittel sollte entsprechend angepasst werden. Es sollte vermieden werden, dass verschiedene Lebensmittel zu einem Gericht vermischt werden. Der Bewohner sollte ausreichend Zeit für die Nahrungsaufnahme hat.
- Ernährung: Da der Bewohner immobil ist, verringert sich der Energieumsatz. Er benötigt ggf. 10 bis 25 Prozent weniger Kalorien. Etwaiges Übergewicht wird abgebaut.
- Blasenmanagement: Ggf. wird eine Katheterisierung durchgeführt. Die Blase kann durch Beklopfen (Triggern) von außen entleert werden. Die Entleerung sollte alle vier Stunden erfolgen. Nach der Entleerung sollte die Blase vollständig entleert sein. Der Bewohner sollte ausreichend trinken.
- Darmmanagement: Ggf. wird die Entleerung manuell bzw. per Klistier initiiert. Es ist darauf zu achten, dass es nicht zu einem vollen Enddarm kommt, etwa als Folge einer Verlegung mit Kotsteinen. Dies kann Spastiken sowie eine hypertone Krise auslösen.
- Thermoregulation: Da die vegetative Steuerung ausgefallen ist, kann der Bewohner ggf. nicht mit einer Steigerung der Schweißproduktion auf Hitze reagieren. Die Kleidung wird (ggf. feucht) der Temperatur angepasst. Wenn der Bewohner friert, sollte er gut zugedeckt und mit Wärmflaschen, Heizdecken oder Körnerkissen gewärmt werden.
- Freizeitgestaltung: Da der Bewohner viele Hobbys nicht mehr ausüben kann, sollte ihm z. B. ein Fernseher zur Verfügung stehen. Er kann ggf. einen Rollstuhl mit Stehfunktion nutzen, um z. B. im Stehen eine Zeitung zu lesen. Dies erleichtert auch die Atmung und die Verdauung.
- Inkontinenz: Das Problem sollte mit dem Bewohner und ggf. seinem Partner besprochen werden. Dieser sollte Geduld zeigen.
- Mobilisierung: Die Mobilisierung muss entsprechend vorsichtig erfolgen, da die Belastbarkeit des Bewohners beeinträchtigt sein kann.
- Bettlägerigkeit: Wenn der Bewohner nicht in der Lage ist, seine Position innerhalb des Betts zu verändern, kann ggf. eine Mundsteuerung eingesetzt werden.
- Spastiken: Hier können verschiedene Medikamente zur Verfügung stehen.
Weitere Aspekte der Behandlung
- Psychosoziale Betreuung: Unter Umständen ist eine weitergehende psychosoziale Betreuung notwendig. Es ist wichtig, das Verhalten des Bewohners genau zu überwachen und ggf. das Selbstvertrauen wieder aufzubauen.
- Anpassung der Lebensumgebung: Die Lebensumgebung sollte bestmöglich an die funktionellen Einschränkungen im Alltag angepasst werden.
- Aufklärung: Angehörige, Betreuerinnen und vor allem die Patientinnen selbst müssen über die Schädigung, die Folgen und die Prognose aufgeklärt werden, damit sie Komplikationen erkennen und selbstständige Maßnahmen ergreifen können.
Leben mit Querschnittlähmung
Das Leben mit Querschnittlähmung kann je nach Schweregrad der Verletzung völlig unterschiedlich verlaufen. Das Ausmaß der bleibenden Funktionseinschränkungen ist nicht direkt nach der Verletzung sichtbar. Es dauert bis zu acht Wochen bis deutlich wird, welche Symptome bleiben.
Die Lebenserwartung querschnittgelähmter Personen ist etwas verkürzt. Wie lange, hängt davon ab, wie schwer die Verletzungen sind und wie hoch der Querschnitt sitzt. Verletzungen ab C4 abwärts gehen mit einer Verkürzung der Lebenserwartung von 1 bis 8 Jahren einher. Werden die Personen beatmungspflichtig, sinkt die Lebenserwartung nochmals.
Nach der Rehabilitation ist das Ziel, dass die betroffenen Personen ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Dazu zählen soziale Kontakte und ein passender Arbeitsplatz. Durch verschiedene Integrationsmaßnahmen ist eine erfolgreiche Integration bei vielen querschnittgelähmten Menschen möglich.
Je nach Ausmaß der bleibenden Symptome kann eine dauerhafte pflegerische Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst oder der Umzug in eine ambulante oder stationäre Einrichtung nötig werden. Menschen mit einem hohen Querschnitt benötigen eine dauerhafte maschinelle Unterstützung in der Atmung. Sie sind intensivpflegebedürftig und somit auf spezielle Hilfen angewiesen. Auch wenn der Querschnitt unterhalb des 4. Halswirbels liegt, kann eine invasive oder nicht-invasive Beatmung notwendig werden.
Pflege bei Querschnittlähmung
Wie hoch der Pflegebedarf ist, hängt von der Höhe des Querschnitts ab. Generell gilt, dass der pflegerische Bedarf steigt, je höher die Rückenmarksverletzung liegt. In der Pflege spielen vor allem die Ausscheidungen eine Rolle, da Funktionsstörungen der Blase und des Mastdarms nahezu jede querschnittgelähmte Person betreffen. Hinzu kommen die Regulierung der Körpertemperatur sowie die Mobilisation innerhalb und außerhalb des Bettes. Einen wichtigen Teil nimmt auch die Kommunikation mit den Erkrankten ein. Deshalb braucht es in der Pflege einer Querschnittgelähmten Person ein hohes Maß an Empathie und Verständnis.
Querschnittgelähmte Personen benötigen Unterstützung dabei, mit der neuen Situation zurechtzukommen und sind oft bemüht, alles selbst zu erledigen. Zudem leiden sie teilweise an Spastiken oder Muskelkrämpfen an den Gliedmaßen, die häufig besonders unangenehm sind und sich negativ auf die psychische Situation auswirken können. Damit die Immobilität durch die komplette Lähmung keine Folgen mit sich bringt, führen Pflegefachkräfte regelmäßig Prophylaxen für bestimmte Erkrankungen durch.
Für die Langzeitbeatmung wird bereits in der Klinik ein Tracheostoma angelegt. Zur Beatmungspflege gehört auch die Pflege des Stomas. Durch die teilweise hohe Pflegebedürftigkeit steht den Betroffenen eine Einstufung in einen Pflegegrad zu.
Pflegeprobleme und Prophylaxen
Ein weit verbreitetes Pflegeproblem bei Querschnittlähmung sind beispielsweise Kontrakturen, also Bewegungs- und Funktionseinschränkungen der Gelenke. Auch die Nahrungsaufnahme kann durch Schluckstörungen problematisch sein. Bei Querschnittgelähmten fällt manchmal die sogenannte vegetative Steuerung aus, wodurch es nicht mehr möglich ist, die Körpertemperatur zu steuern. Je höher die Lähmung liegt, desto stärker kann die Atmungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Eine Folge kann darin bestehen, dass die betroffene Person Sekret nicht abhusten kann.
Um Kontrakturen entgegenzuwirken, ist tägliches Bewegungstraining notwendig, bei dem aber Vorsicht oberstes Gebot ist. Denn aufgrund des reduzierten Schmerzempfindens können unbemerkt Bewegungsgrenzen überschritten werden. Als vorbeugende Maßnahme bei Schluckstörungen ist es sinnvoll, wenn die Pflegekraft regelmäßig Husten- und Schluckreflex des Pflegebedürftigen testet. Im Fall von Atembeschwerden sollten Pflegekräfte bei ihren Patienten regelmäßig das überschüssige Sekret absaugen. Außerdem ist das Umlagern wichtig, wobei die Beine so zu positionieren sind, dass die venöse Blutzirkulation gewährleistet ist.
Hilfsmittel und Pflegegrad
Als betroffene Person können Sie Pflegehilfsmittel beantragen. Das funktioniert ohne Rezept, allerdings ist eine ärztliche Verordnung sinnvoll, weil so die entstehenden Kosten abgesichert sind. Neben dem Arzt kann auch eine Pflegefachkraft die notwendigen Pflegehilfsmittel empfehlen.
Um bei einer Querschnittlähmung einen Pflegegrad sowie entsprechende Leistungen bewilligt zu bekommen, muss die Pflegeversicherung ermitteln, wie sehr Sie in Ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind. Da eine hochgradige Lähmung in der Handlungsfähigkeit stark einschränkt, wird aufgrund dieser Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in der Regel ein Pflegegrad zugeteilt.
Ein wesentlicher Faktor ist, ob Sie noch laufen können oder einen Rollstuhl brauchen, wodurch eine signifikante Einschränkung der Mobilität vorliegt.
Komplikationen und Folgeerkrankungen
Eine Rückenmarksverletzung beeinflusst mehr oder weniger stark - unabhängig davon ob sie komplett oder inkomplett ist - verschiedene Organe und Körperfunktionen. Es ist außerdem zu beachten, dass nicht nur die Veränderungen im Körper (z. B. trophische Störungen) Risikofaktoren für Komplikationen und Folgeerkrankungen sind, sondern auch Einflüsse von außen Schäden hervorrufen können, was bei Menschen ohne Querschnittlähmung nicht oder nicht im selben Ausmaß gegeben ist (z. B. Adipositas).
Häufige Komplikationen und Folgeerkrankungen sind:
- Gesteigerte Tendenz zu Übergewicht
- Aspirationsgefahr beim Schlucken
- Atemfunktionsstörung
- Atelektase
- Chronische Atemschwäche
- Zwerchfell-Lähmung
- Gestörte Blasenfunktion
- Blutdruckstörungen
- Orthostatische Hypotonie
- Darmfunktionsstörungen
- Dehydrierung
- Dysphagie (Schluckstörungen)
- Autonome Dysreflexie
- Fatigue (Chronische Erschöpfung)
- Heterotope Ossifikation
- Gestörte Immunabwehr
- Karpaltunnelsyndrom
- Knochenbrüche
- Kontrakturen
- Osteoporose
- Pathologische Reflexe
- Schmerz
- Sensibilitätsstörungen
- Sexualfunktionsstörungen
- Spastik
- Syringomyelie, posttraumatische
- Temperaturdysregulation
- Untergewicht
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