Impulsives Verhalten, oft charakterisiert durch vorschnelle Entscheidungen und Handlungen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen, ist ein vielschichtiges Phänomen, das in engem Zusammenhang mit dem Neurotransmitter Dopamin steht. Dopamin, oft als "Schweizer Taschenmesser" des Gehirns bezeichnet, spielt eine entscheidende Rolle in verschiedenen Prozessen, darunter Bewegungssteuerung, Entscheidungsfindung und Belohnung. Dieser Artikel beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Dopamin und impulsiven Verhalten, wobei auf aktuelle Forschungsergebnisse und deren Implikationen eingegangen wird.
Die Rolle von Dopamin bei Entscheidungen und Belohnung
Dopamin ist besonders wichtig, wenn es um Entscheidungen geht, die mit Belohnungen verbunden sind. Studien haben gezeigt, dass die Dopaminkonzentration im Gehirn beeinflusst, wie Menschen Entscheidungen treffen, wenn eine Belohnung in Aussicht steht. In einer Studie erhielten Probanden eine Vorstufe von Dopamin, L-DOPA, bevor sie eine Lernaufgabe ausführten, für die sie eine Belohnung erhalten sollten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Probanden schneller Entscheidungen trafen, je mehr Dopamin in ihrem Gehirn vorhanden war. Allerdings waren diese Entscheidungen auch ungenauer.
Der Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt, dass Dopamin den Schwellenwert senkt, ab dem wir Entscheidungen treffen, was zu schnelleren, aber möglicherweise weniger akkuraten Entscheidungen führt. Dieser Effekt kann auch im Zustand des Verliebtseins beobachtet werden, der oft mit einem erhöhten Dopaminspiegel einhergeht. Verliebte treffen schnellere Entscheidungen, ohne die äußeren Umstände sorgfältig abzuwägen. Um vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden, empfiehlt Beck, eine Nacht darüber zu schlafen, um den Dopaminspiegel zu regulieren und am nächsten Tag klarer abwägen zu können.
Dopamin, Aggression und Impulskontrolle
Aggression und mangelnde Impulskontrolle sind nicht nur bei Gewaltstraftätern zu beobachten. Fast alle Menschen reagieren auf soziale Provokationen aggressiv. Aggression wird oft als Verhalten definiert, das mit der Absicht erfolgt, einem Individuum Schaden zuzufügen. Es werden zwei Arten von Aggression unterschieden: reaktive Aggression (impulsiv, feindselig und emotional) und instrumentelle Aggression (vorsätzlich zielgerichtet und emotional kalt). Impulsivität bezeichnet die Neigung, ohne Überlegung und Plan oder die Berücksichtigung von Konsequenzen zu handeln.
Patienten mit psychischen Erkrankungen neigen oft zu einer fehlenden Impulskontrolle und zu Aggression, was ihre soziale Integration und Behandlung erschwert. Neurowissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass solche dysfunktionalen Verhaltensweisen mit veränderten Hirnaktivitäten zusammenhängen.
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Forschung zu Aggression und Impulsivität
Das internationale Graduiertenkolleg (IRTG 2150) "Neuronale Grundlagen der Modulation von Aggression und Impulsivität im Rahmen von Psychopathologie" kombiniert Bildgebungsverfahren und Verhaltensforschung mit neuropsychologischen, elektrophysiologischen, neuroendokrinen und molekularen Ansätzen, um neurobiologische Prozesse zu entschlüsseln. Ziel der Forschung ist die Entwicklung von Interventionen, die aggressives und impulsives Verhalten reduzieren können.
Erste Ergebnisse betonen den Einfluss von Genen und Hormonen auf aggressives Verhalten. Personen mit einer spezifischen Variante des Opioid-Rezeptor-Gens waren weniger körperlich aggressiv. Auch das Monoaminoxidase-A-Gen, das den Abbau von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin beeinflusst, erwies sich als relevanter Faktor. Interessanterweise deuteten die Befunde auf eine Interaktion mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron hin.
Experimente mit Testosterongaben zeigten, dass das Hormon auch beim Menschen einen Einfluss auf Emotion und Motivation in Provokationskontexten hat. Testosteron verstärkte den Ärger in Frustrationssituationen und führte dazu, dass Männer ihre Reaktionen stärker denen eines Gegners anpassten.
Weitere Projekte untersuchen Mechanismen im Verhalten und Gehirn, die bei psychisch erkrankten Personen und besonders aggressiven Gruppen verändert sein könnten. Strukturell deutet sich bei männlichen Gewaltstraftätern an, dass gesteigertes antisoziales Verhalten und reaktive Aggression mit Gewebeschwund im rechten mittleren und superioren temporalen Kortex einhergeht.
Neurostimulation zur Beeinflussung von Verhalten und Gehirnaktivität
Durch Neurostimulation, wie Neurofeedback oder transkranielle Gleichstromstimulation, kann Verhalten und Gehirnaktivität beeinflusst werden. Beim Neurofeedback lernen Personen, die Aktivierung bestimmter Hirnregionen herauf- oder herabzuregulieren. Durch die verbesserte Steuerung der Hirnaktivierung in Regionen, die für die Regulation von Ärger oder die Inhibition negativer Handlungsimpulse relevant sind, kann auch das Verhalten beeinflusst werden.
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Die Gleichstromstimulation verändert die Hirnaktivierung durch einen gleichmäßigen geringen Strom, der durch großflächige Elektroden gelenkt wird. Dieser Mechanismus beruht auf einer Veränderung des Ruhepotenzials, wodurch die Wahrscheinlichkeit für spontane Aktivierungen bestimmter Neuronen gesteigert oder verringert wird.
Translationale Forschung und Tiermodelle
Anhand von Tiermodellen können Fragestellungen in Bezug auf Aggression untersucht werden, die dazu beitragen, auch die molekulare Ebene besser zu verstehen. Aus dem Tierreich ist bekannt, dass bei territorialer Aggression das olfaktorische System eine wichtige Rolle spielt. Untersucht wird hier vor allem das Jacobs-Organ, durch das männliche Mäuse Pheromone und sekundäre Steroidhormone identifizieren, die unterschiedliche Formen sozialer Aggression triggern.
Große Datensätze und Biomarker für Aggression und Impulsivität
Zukünftig sollen vermehrt große Datensätze genutzt werden, die durch nationale und internationale Datenbanken verfügbar sind. Mit ihrer Hilfe können potenzielle Biomarker für Aggression und Impulsivität identifiziert werden, deren Spezifität dann in experimentellen Designs getestet wird. Beispielsweise wäre denkbar, dass die Darm-Hirn-Achse prädiktiv dafür ist, wie gut sich aggressive Impulse in Stresssituationen herabregulieren lassen.
Das Zusammenspiel von großen Datensätzen, die neue Fragestellungen für experimentelle Designs liefern, ist wichtig, weil sich nur in solch großen Datensets reliable und stabile Merkmale identifizieren lassen und in der Regel eine erheblich größere Anzahl an Einflussfaktoren miterfasst wird, die sich letztlich als relevant erweisen könnte.
Die umgekehrte U-Funktion der Dopaminwirkung
Forschungsarbeiten legen nahe, dass impulsive Entscheidungen von einem Bewertungsnetzwerk aus kortikalen und subkortikalen Hirnregionen zusammen mit mehreren Neurotransmittern gesteuert werden. Innerhalb dieses Netzwerks wurden durch Dopamin innervierte frontostriatale Schaltkreise als wichtige Kontrollpunkte identifiziert. Eine bahnbrechende Untersuchung hat gezeigt, dass dieses komplizierte Zusammenspiel teilweise durch eine zugrundeliegende umgekehrte U-Funktion erklärt werden könnte, die einen optimalen Dopamin-Spiegel flankiert von zunehmender Impulsivität bei sub- und supraoptimaler Signalgebung beschreibt.
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Eine Studie untersuchte den Beitrag der dopaminergen Signalgebung zu Persönlichkeits- und Entscheidungsimpulsivität und klärte, ob die Manipulation der Entscheidungsimpulsivität durch Erhöhung des striatalen Dopamins mittels L-DOPA vom Baseline-Signal abhängt. Die Ergebnisse unterstreichen Dopamins komplexe Rolle in der Impulsivität und die Heterogenität der dieser zugrundeliegenden Biologie.
Probanden, die auf der Barratt-Impulsivitätsskala relativ hoch punkteten, schienen von L-DOPA zu profitieren, was sich in einer Abnahme der Abwertung von verzögerten Belohnungen, der Risikobereitschaft bei Gewinnen und der Verlustaversion zeigte. Probanden mit einem geringen Grad an impulsiven Persönlichkeitszügen zeigten dagegen entgegengesetzte Veränderungen in der Entscheidungspräferenz. Die Ergebnisse bestätigen und erweitern bisherige Erkenntnisse, die nahelegten, dass der Belohnungsaufschub und Entscheidungen unter Risiken unter einem umgekehrt U-förmigen Einfluss Dopamins stehen.
Dopaminfasten: Ein Konzept zur Regulierung impulsiven Verhaltens
Der kalifornische Verhaltenspsychologe Cameron Sepah hat das Konzept des Dopaminfastens 2019 auf Basis wissenschaftlich-empirischer Untersuchungen geprägt und bekannt gemacht. Die Grundidee besagt, dass wir impulsives, dopaminvermitteltes Verhalten wie exzessive Smartphone-Nutzung oder Gaming in den Griff bekommen, wenn wir bewusst in bestimmten Zeiten darauf verzichten: stunden-, tage- oder auch wochenweise.
Durch die exzessive Nutzung sind wir permanent extrem hohe Dosen von Dopamin gewohnt, es entsteht ein gewisser Abnutzungseffekt und wir empfinden nur noch wenig Freude bei gleichzeitig Überhand nehmendem Konsum. Mit Phasen des Dopaminfastens ahmen wir in gewisser Weise „Dürrezeiten“ nach, die der frühe Mensch ganz automatisch erlebte.
Die Vorteile des Dopaminfastens sind vielfältig:
- Steigerung der Motivation fürs Arbeitsleben
- Verbesserung sozialer Beziehungen
- Wachstum des Selbstwirksamkeitsgefühls
- Mehr Zeit für Produktivität
Im ersten Schritt sollten Sie erkennen, welches Verhalten bzw. Konsumieren in Ihrem Leben etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Fühlen Sie in sich hinein, wonach Sie sich EIGENTLICH sehnen, was Ihnen Ihr Verhalten jedoch gar nicht im erhofften Maße gibt. Überlegen Sie, wie Sie Ihre Ziele mit positiveren und wirklich erfüllenden Gewohnheiten erreichen könnten.
Im Kern des Dopaminfastens geht es darum, bestimmtes Verhalten zu reduzieren. Hierzu können Sie sich Regeln aufstellen und am besten schriftlich festhalten. Kleine Freuden im Alltag sind grundlegend wichtig, und es geht deshalb nicht darum, überhaupt nichts mehr zu tun, wobei Dopamin und andere Glückshormone ausgeschüttet werden. Aber wir können das womöglich auf eine gesündere Art erreichen, indem wir uns mit dem „Gewohnheitstausch“-Prinzip langsam umgewöhnen.
Eine Einstellung, welche die Fülle betont - also das, was wir bereits haben und wofür wir dankbar sein können - ist eine wesentlich positivere Grundlage zum Regulieren der eigenen Gewohnheiten als ein Mindset des Mangels.
Viele Medien haben das Konzept des Dopaminfastens verzerrt und übertrieben dargestellt. Es ist wichtig zu beachten, dass Dopamin per se etwas Gutes bzw. Neutrales ist - lediglich die extreme Dopaminausschüttung durch eine gewisse Tätigkeit soll reguliert werden. Zu geringe Dosen von Dopamin können langfristig auch in eine depressive Verstimmung führen. Deshalb achten Sie darauf, sich beim Dopaminfasten nicht von allem abzuschneiden, was Ihnen Freude bereitet. Reduzieren Sie nur das Verhalten, was bei Ihnen aus dem Ruder gelaufen ist, und behalten Sie sich Genuss in anderen Bereichen bei.
Dopamin und Sucht
Wer an einer Suchterkrankung leidet, dessen Gehirn hat sich verändert. Lernen, sich anstrengen, arbeiten - was uns antreibt, ist unser ständiges Verlangen nach Belohnung. Auslöser dafür ist unser Belohnungssystem. Doch uns moderne Menschen führt das Belohnungssystem auch dazu, dass wir von manchen Dingen gar nicht genug bekommen können. Besonders gefährlich wird es, wenn Menschen eine Art Abkürzung auf dem Weg zur neuronalen Belohnung nehmen: über Zigaretten, Alkohol oder eine Dosis Kokain - also jegliche Art von Drogen.
Drogen wirken durch unterschiedliche Mechanismen und auf verschiedene Rezeptoren im Gehirn. Gemein ist aber allen, dass sie das Belohnungssystem mithilfe des Botenstoffs Dopamin aktivieren. Und das deutlich stärker, als alle natürlichen Belohnungen, die wir kennen. Das Gehirn merkt sich, welche Stoffe zu einer besonderen Belohnung geführt haben. Das Verlangen nach den belohnenden Substanzen wird dadurch stärker, komplexe neuronale Anpassungsprozesse setzen ein und diese Adaptation verändert das Gehirn nachhaltig.
Auf dem Weg zur Sucht sind mehrere Schritte besonders bedeutsam. Zunächst kommt es zu einer Gewöhnung an das durch die Substanzen ausgelöste Gefühl der Leichtigkeit und Euphorie. Gleichzeitig wird der Suchtkranke immer sensibler für Reize, die mit der Aufnahme des Suchtstoffes in Verbindung stehen. Da gleichzeitig eine Toleranzentwicklung einsetzt, reicht dem Suchtkranken die letztmalige Dosis nicht mehr aus, um das gleiche Gefühl zu entwickeln - und er muss immer mehr konsumieren.
Entscheidend für die Ausbildung einer Suchterkrankung ist das Zusammenspiel von Netzwerken des präfrontalen Cortex mit denen des dopaminergen mesolimbischen Systems. Bei Personen, die zu Abhängigkeit neigen, kann der präfrontale Cortex von vornherein eine Dysfunktion aufweisen. Durch den anhaltenden Substanzkonsum wird dies noch verstärkt. Die kognitive Kontrolle nimmt dann ab!
Bei Suchtpatienten kann das mesolimbische System durch Bottom-Up-Prozesse den präfrontalen Cortex sozusagen ‚kidnappen‘. Durch bildgebende Verfahren konnten in den letzten Jahren die neurobiologischen Adaptationsmechanismen im Rahmen von Abhängigkeitserkrankungen immer genauer verstanden werden. Ein besonders bedeutendes Kerngebiet im mesolimbischen System ist dabei das so genannte Striatum.
Umkehren lassen sich diese Mechanismen kaum. Aber man kann neue Dinge lernen, die im Alltag nach und nach mehr Platz einnehmen und das vorher Gelernte in den Hintergrund rücken lassen. Anfangs müsse das Erlernen neuer Verhaltensweisen allerdings sehr bewusst erfolgen, später werde es dann mehr und mehr selbstverständlich. Doch auch nach längerer Abstinenzzeit wird es immer wieder Situationen geben, die das Suchtverhalten reaktivieren können.
ADHS und Dopaminmangel
Aufgrund des Dopaminmangels im ADHS-Gehirn kann es zu einem verstärkten Verlangen nach Aktivitäten kommen, die Dopamin freisetzen. Das erklärt, warum Menschen mit ADHS oft impulsiv nach Belohnungen suchen, und Schwierigkeiten haben, ihre Impulse zu kontrollieren. Das Bedürfnis nach Dopamin kann auch zu Heißhungerattacken führen, insbesondere auf Nahrungsmittel, die schnell verfügbares Dopamin liefern.
Es wird angenommen, dass ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn, insbesondere ein Dopaminmangel, eine Rolle bei der Entwicklung von ADHS spielt. Menschen mit ADHS haben oft niedrigere Dopaminspiegel oder eine verminderte Aktivität in den dopaminergen Signalwegen des Gehirns. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen, wie z. B. Schwierigkeiten, sich zu motivieren, impulsives Verhalten und Stimmungsschwankungen.
Um den Dopaminmangel im ADHS-Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern, ist es wichtig, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln. Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um den Dopaminspiegel im Gehirn zu erhöhen. Darüber hinaus kann eine ausgewogene Ernährung, die reich an nährstoffreichen Lebensmitteln ist, helfen, die allgemeine Gehirnfunktion zu unterstützen.
Strategien zur Bewältigung von Impulsivität
Dr. Russell A. Barkley hat verschiedene Strategien vorgeschlagen, um mit Impulsivität umzugehen:
- Identifiziere auslösende Situationen
- Bewusstsein schaffen
- Pause machen
- Ablenkung nutzen
- Alternative Handlungen finden
- Strategien zur Selbstregulation entwickeln
- Unterstützung suchen
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Strategien Zeit und Übung erfordern. Sei geduldig mit dir selbst und erkenne an, dass es normal ist, Rückschläge zu haben. Mit der Zeit kannst du lernen, die Impulsivität besser zu managen und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.
ADHS: Mehr als nur eine Krankheit
ADHS ist eine Zusammenfassung von Symptomen, die bei vielen Menschen in der Regel oft einzeln auftreten. ADHS ist keine Krankheit sondern ein psycho-physisches Ungleichgewicht. Diese Kinder - aber auch diese Erwachsenen - sind ständig auf der Suche nach Neuigkeiten, nach Bewegung, nach Zucker (für Ihre Nervenzellen), nach Spaß und Unterhaltung. Um in einer Metapher zu sprechen: Die Betroffenen sitzen auf einem Pferd, das sie noch nicht reiten können. Bei einer Therapie ist daher zu berücksichtigen, dass ADHS keine Erkrankung sondern ein Ungleichgewicht ist, welches durch Training dauerhaft wieder in ein Gleichgewicht verwandelt werden kann.
Neurologisch betrachtet kommt es bei ADHS zu einer verminderten Aktivität der stratiofrontalen Strukturen. Präfrontaler Cortex wie auch Striatum sind essentiell für die Steuerung und der Modulation von Handlungen zuständig. Hyperaktive Kinder besitzen in einem Teil des Gehirns (dem sog. Hinterhirn) zu viel Dopamin, wodurch die sehr ausgeprägte Impulse von Neugier, Bewegung und die Suche nach Stimuli begründet ist. Und in dem Teil des Gehirns der zur Hemmung und Steuerung zuständig ist (Vorderhirn: präfrontaler Cortex und Striatum) liegt eine zu geringe Aktivität (und damit Konzentration von Dopamin) vor.
Dopamin macht das Gehirn schnell, neugierig, impulsiv, glücklich, ausdauernd. Durch die Aufnahme von Zucker, Kokain und anderen Stimulantien kommt es zu einer erhöhten Ausschüttung von Dopamin. Bei der ADHS wurde durch bildgebende Verfahren eine geringere Aktivität im Striatum und auch im präfrontalem Cortex gemessen.
Methylphenidat (Ritalin) und seine Wirkung
Der Wirkstoff Methylphenidat entfaltet seine Wirkung in der Blockierung des Dopamintransporter-Systems (DAT). Kurzfristig und während der Gabe von Ritalin kommt es damit zu einer Aktivierung des präfrontalen Cortex sowie auch des Striatum. Die Erhöhung der stratiofrontalen Aktivität hat nun zur unmittelbaren Folge, dass die Hemmungsfunktion des Cortex auf das limbische System aufgebaut wird und die Patienten in der Folge temporär, während der Wirkung des Medikaments (1- 4h), bessere Konzentrationsleistungen im Sinne der fokussierten Aufmerksamkeit erbracht werden können und auch weniger Störungsanfälligkeit im Sinne des Auftretens neuer Handlungsimpulse zuungunsten der aktuellen Tätigkeit stattfinden.
In der Langzeitwirkung von Methylphenidat kann es langfristig, aufgrund der kompensatorischen Bemühungen des Gehirns, zu einer Erhöhung der Dopamamintransporter (DAT) kommen. Unerwünschte Nebeneffekte können Wachstumsstörungen, Tics, Sehstörungen, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, gesteigerte Nervosität, Herzrhythmusstörung u.a. Langzeituntersuchungen stehen noch aus.
Funktionelles Bewegungstraining und Neurofeedback
Die Studienlage ergibt hingegen auch eine signifikante Aktivierung und Neuronenzunahme der frontostratialen Hirnstrukturen über die Durchführung von komplexen Bewegungstrainings. Befunde einer Erhöhung der Aktivierung und Anzahl von Neuronen liegen außerdem im Bereich des Hippocampus vor, von dem aus das episodische, semantische und räumliche Gedächtnis gebildet wird. Dies bedeutet: In den Strukturen, die zur Steuerung des Verhaltens und der kognitiven Leistungen zuständig sind, kommt es zu erhöhter Aktivität.
Wesentlich bei der Therapie mit ADHS ist nun die Aktivierung des „Vorderhirns“ (präfrontaler Cortex), welcher nun bei der Selbststeuerung und Selbstkontrolle beteiligt ist. Durch ein entsprechendes Training kann jedoch Aktivierung aufgebaut werden. Dies funktioniert über Bewegung deutlich schneller, als über ein Konzentrationstraining ohne Bewegung. Durch das funktionales Bewegungstraining in Kombination mit Neurofeedbacktraining werden, entsprechend nicht nur die durch Methylphenidat angesteuerten Strukturen aktiviert, sondern es sind auch auch weitere Verbesserungen wie Gedächtnisleistungen, Raumorientierung und Sozialverhalten zu erwarten.
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