Ingwer, ein weit verbreitetes Gewürz, birgt ein beachtliches Potenzial für die Gesundheit. Studien belegen seine Wirksamkeit bei verschiedenen Beschwerden, darunter auch Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Ingwer bei Migräne, seine Anwendung und die aktuelle wissenschaftliche Lage.
Die vielseitigen Kräfte des Ingwers
Ingwer ist bekannt für seine antibakteriellen, entzündungshemmenden und energetisierenden Eigenschaften. Er hilft, schädliche Erreger aus dem Körper zu transportieren und kann bei verschiedenen Beschwerden Linderung verschaffen.
Ingwer bei Sodbrennen
Sodbrennen entsteht oft nach dem Verzehr von fettigen, gebratenen oder sauren Speisen. Auch Alkohol, Koffein, Rauchen, Übergewicht, Stress und Nervosität können Auslöser sein. Ingwer kann hier Abhilfe schaffen, indem er die Säure im Magen dämmt und die Nerven beruhigt. Er kann vorbeugend oder als Teil von Speisen und Getränken konsumiert werden.
Ingwer als natürliche Blutdrucksenkung
Ingwer wirkt auf natürliche Weise blutverdünnend und kann den Kalziumkanal blockieren. Diese Eigenschaften spielen eine Rolle bei der Behandlung von Bluthochdruck, indem sie dafür sorgen, dass wieder ausreichend Kalzium ins Herz gepumpt wird und der Blutdruck nicht mehr ansteigt.
Ingwer bei Migräne: Aktuelle Studienlage
Migräne ist eine häufige Ursache für Kopfschmerzen. Neueste Studien deuten darauf hin, dass Ingwer bei akuten Migräneschmerzen ähnlich wirksam sein kann wie verschreibungspflichtige Medikamente. Eine Studie mit 100 Teilnehmern, die Ingwer in Kapselform erhielten, zeigte positive Ergebnisse.
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Aktuelle Forschungsergebnisse
Eine doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit von Ingwerextrakt zur Prophylaxe von Migräneanfällen. Die Ergebnisse zeigten keinen Vorteil gegenüber der Placebotherapie, obwohl in beiden Gruppen die Häufigkeit schwerer Migräneanfälle sank. Dies deutet auf einen Placeboeffekt hin.
Eine brasilianische Studie testete Ingwerextrakt in einem doppelblinden, Placebo-kontrollierten Design. 107 Patienten mit episodischer Migräne erhielten über drei Monate entweder Ingwerextrakt (3x täglich 200 mg) oder ein Placebo. Der Anteil der Patienten, die auf die Therapie ansprachen, unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Es gab jedoch in beiden Gruppen einen Rückgang der Migränetage mit starken Schmerzen und des Schmerzmittelgebrauchs.
Meta-Analyse bestätigt schmerzlindernde Wirkung
Eine Meta-Analyse mit Placebo-Kontrolle deutet darauf hin, dass Ingwer Kopfschmerzen reduzieren und Übelkeit lindern kann. Eine weitere Analyse von 227 Migränepatienten ergab, dass 1,79-mal mehr Patienten, die Ingwer einnahmen, zwei Stunden nach der Einnahme schmerzfrei waren im Vergleich zu Patienten, die ein Placebo erhielten. Es wird jedoch betont, dass die vorhandenen Studien oft zu klein sind, um eindeutige Ergebnisse zu liefern, und die Wirkung stark vom verwendeten Ingwer bzw. Ingwerextrakt abhängt.
Anwendung von Ingwer bei Migräne
Ingwer kann auf verschiedene Arten angewendet werden, um Migräne zu lindern:
- Ingwertee: Ein Teelöffel frisch geriebener Ingwer in eine Tasse mit heißem Wasser geben, bedecken und 10 Minuten ziehen lassen.
- Ingwerkapseln: Studien verwendeten oft Ingwer in Kapselform.
- Ingwer in der Ernährung: Ingwer kann in verschiedenen Gerichten verwendet werden.
Hausmittel gegen Migräne
Neben Ingwer gibt es noch weitere Hausmittel, die bei Migräne helfen können:
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- Pfefferminzöl: Auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen.
- Lavendelöl: Kann Migräneschmerzen verringern.
- Mutterkraut: CO2-Extrakt kann die Anzahl der Migräneanfälle reduzieren.
- Pestwurzextrakt: Wirksam gegen Migräne.
- Weidenrinde: Kann Migräne lindern.
- Magnesium: Kann bei Migräne wirksam sein, insbesondere bei menstruationsbedingter Migräne.
- Koffein: Verengt die Blutgefäße im Gehirn.
- Zitrone: Fördert die Schmerzhemmung des Körpers und liefert Vitamin C.
Verhaltensmaßnahmen bei Migräne
- Rückzug: Bei den ersten Anzeichen einer Attacke in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen.
- Kühle Kompressen: Einen mit kaltem Wasser getränkten Waschlappen auf die Stirn legen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Feste Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe einhalten.
- Entspannungstechniken: Können helfen, besser mit Stress umzugehen.
- Ausdauersport: Kann die Anfallsfrequenz senken.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Kann helfen, ungünstige Erwartungen und Ängste zu lindern.
Wichtige Hinweise
- Ingwer kann bei diversen Erkrankungen schmerzlindernd und unterstützend wirken, ersetzt aber nicht den Besuch in der hausärztlichen Praxis bei akuten und dauerhaften Leiden.
- Bei Einnahme von Blutverdünnern sollte Ingwer nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.
- Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt eine fixe Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein.
Weitere Naturheilmittel und Präventivmaßnahmen
Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN, betont die Bedeutung von sanften, nicht-medikamentösen Maßnahmen als Alternative zur medikamentösen Migräneprophylaxe. Er weist darauf hin, dass es bislang nur zwei Naturheilmittel mit nachgewiesener migräneprophylaktischer Wirkung gibt: Pestwurzextrakt und Mutterkraut. Auch die Kombination von Vitamin B2, Magnesium und Coenzym Q10 kann erfolgreich im Hinblick auf die Schwere der Migräneattacken sein.
Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, fasst zusammen, dass viele naturheilkundliche Mittel bisher enttäuscht haben und eine medikamentöse Prophylaxetherapie nicht ersetzen können. Er betont jedoch die Bedeutung von regelmäßigem Ausdauersport zur Senkung der Anfallsfrequenz bei Menschen mit Migräne.
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