Intimpiercings: Risiken und Nervenverletzungen – Ein umfassender Leitfaden

Intimpiercings erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Sie können einen besonderen sexuellen Reiz ausmachen und ästhetische Aspekte unter dem Gesichtspunkt eines Schmuckstückes in den Vordergrund stellen. Doch bevor man sich für ein Intimpiercing entscheidet, sollte man sich der potenziellen Risiken und Komplikationen bewusst sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Intimpiercings, ihre Risiken, insbesondere Nervenverletzungen, und gibt wichtige Hinweise zur Pflege und Nachsorge.

Der Reiz von Intimpiercings

Piercings sind in der heutigen westlichen Gesellschaft ein modisches Phänomen, das vor allem bei jungen Menschen in Erscheinung tritt. Ein Piercing ist aber auch so etwas wie ein Lebensgefühl. Man fühlt sich damit frei und ungebunden und betont die eigene Einzigartigkeit. Intimpiercings können einen besonderen sexuellen Reiz ausmachen.

Vielfalt der Intimpiercings

Die Welt der Intimpiercings ist vielfältig und bietet für jeden Geschmack etwas. Hier ein Überblick über einige gängige Arten bei Männern:

  • Apadravya: Dieses Piercing ist eine Kombination aus Prinz Albert und umgekehrtem Prinz Albert. Ein Barbell wird senkrecht durch den Peniskopf gepierct. Es ist sehr stimulierend für beide Partner.
  • Ampallang: Ein Barbell wird horizontal durch den Peniskopf gepierct, wahlweise oberhalb der Harnröhre oder direkt durch diese.
  • Dydoe: Wird meistens paarweise am Eichelrand platziert und von beschnittenen Männern bevorzugt.
  • Frenum: Wird horizontal zwischen Vorhaut und Eichel angebracht und von Mann und Frau als sehr stimulierend empfunden.
  • Guiche: Hier wird die Naht zwischen Anus und Hodensack gepierct. Der im Dammbereich angebrachte Schmuck wirkt sich stimulierend auf den Träger aus.
  • Hafada: Wird am Hodensack angebracht und hat keine stimulierende Wirkung, sondern ist ein reines Schmuckstück.
  • Oetang: Kann als Keuschheitsritual dienen oder, bei Verwendung von zwei Ringen oder Bananabells, sehr erotisch wirken.

Allgemeine Risiken von Piercings

Wie bei jedem Piercing-Eingriff bestehen auch bei Intimpiercings gewisse Risiken:

  • Entzündungen: Da beim Stechen zwangsläufig eine Wunde entsteht, können damit auch Entzündungen einhergehen. Bei jedem fünften Piercing kommt es zu Allergien und Infektionen. 35% der Ohren-Piercings führen zu Entzündungen und schwerwiegenden Knorpelschäden.
  • Allergien: Es können allergische Reaktionen auf das verwendete Material auftreten.
  • Wundheilungsstörungen: Insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes können Wundheilungsstörungen auftreten.
  • Migration: Das Piercing kann wandern oder herauswachsen.
  • Narbenbildung: Es kann zu unschönen Narbenbildungen kommen.
  • Schwere Sepsis (Blutvergiftung): Eine schwere Sepsis mit systemischer Entzündung kann durch Endotoxine (Giftstoffe) von Staphylococcus aureus verursacht werden.
  • Erhöhte Blutungsneigung: Kann bei bestimmten Vorerkrankungen auftreten.

Spezifische Risiken von Intimpiercings

Neben den allgemeinen Risiken gibt es bei Intimpiercings spezifische Komplikationen, die auftreten können:

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  • Nervenverletzungen: Insbesondere im Intimbereich verlaufen viele Nervenbahnen. Ein unfachmännisch gesetztes Piercing kann Nervenverletzungen zur Folge haben. Starke Lustempfindung durch Stimulation der Klitoris von unten bzw. Gefahr der Schädigung von Klitorisnerven, da es durch den Klitorisschaft gestochen wird. Nervenverletzungen Einreißen oder Ausreißen der Stäbe (Allgemeine Risiken siehe unter der Rubrik Wissenswertes.).
  • Beeinträchtigung der sexuellen Funktion: In seltenen Fällen kann es zu einer Beeinträchtigung der sexuellen Funktion kommen.
  • Infektionen: Aufgrund der Nähe zu Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen.
  • Schäden der Zähne und des Zahnhalteapparates: Bei Piercings im Gesichtsbereich (z. B. Lippenpiercings) kann es zu Schäden der Zähne und des Zahnhalteapparates kommen.
  • Sexuell übertragbare Krankheiten: Mit Intimpiercings geht ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten einher.

Dr. Dr. med. Teichmann erklärt zusätzlich: "Von extravaganten Eingriffen wie etwa dem Piercing auf dem Nasenrücken rate ich ab - hier bestehen große Gefahren für Gefäße und Nerven in der Nähe. Extrem empfindlich: die knorpelige Nasenscheidewand. Hier können Piercings zu schwerwiegendsten Beeinträchtigungen führen".

Die Rolle des professionellen Piercers

Ein professioneller Piercer ist entscheidend, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren:

  • Hygiene: Seriöse Studios haben einen hohen Standard an Hygienemaßnahmen. Es sollten immer Einwegnadeln zum Einsatz kommen und der Piercing-Schmuck muss steril sein. Eine einfache Sterilisation mit Alkohol reicht für die Abtötung von Keimen nicht aus. Ebenso gehört die Desinfektion der jeweiligen Körperstelle zum professionellen Vorgang dazu, mit anschließender antibiotischer Behandlung des Piercings.
  • Anatomiekenntnisse: Die genaue Kenntnis von Anatomie, also Kenntnis von der Lage der Nervenbahnen, Blutgefäßen und der Beschaffenheit von Geweben usw. ist unerlässlich.
  • Aufklärung: Vor dem Eingriff sollte ein ausführliches Aufklärungsgespräch erfolgen. Mangelnde Information und Aufklärung über das Prozedere und die Risiken des Einsatzes sowie für die nachfolgende Zeit, z. B. Die Deutsche Gesellschaft für Piercing (DGP) und der Europäische Berufsverband für professionelles Piercing (European Association of Professionell Piercing (EAPP)) erleichtern die Orientierung.
  • Einverständniserklärung: Da es sich bei dem Piercen um eine invasive Maßnahme bzw. rechtlich um Körperverletzung handelt, ist die schriftliche Einverständniserklärung der betreffenden Person einzuholen.

Pflege und Nachsorge

Eine korrekte und regelmäßige Reinigung des Piercings ist unabdingbar, um Entzündungen zu vermeiden. Unabhängig davon, dass jedes Piercing-Studio genaue Anweisungen zur Pflege gibt, enthält die Online-Ausgabe der DAZ von 2021 eine gute Übersicht über Pflegemaßnahmen und Verhaltensweisen.

Generell sollte die Einstichstelle vom Nasenpiercing zweimal täglich mit einem Desinfektionsspray gereinigt werden. Wichtig ist dabei, die Reinigung des Nasenpiercings mit sauberen Händen durchzuführen.

Hier sind einige allgemeine Tipps zur Pflege von Intimpiercings:

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  • Reinigung: Reinigen Sie das Piercing zweimal täglich mit einer milden, pH-neutralen Seife und warmem Wasser.
  • Desinfektion: Verwenden Sie ein Desinfektionsspray, um die Wunde sauber zu halten.
  • Vermeidung von Reibung: Tragen Sie lockere Kleidung, um Reibung zu vermeiden.
  • Sexuelle Abstinenz: Verzichten Sie während der Heilungsphase auf sexuelle Aktivitäten.
  • Kontrolltermine: Nehmen Sie die Kontrolltermine im Piercing-Studio wahr.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei folgenden Symptomen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen:

  • Starke Schmerzen
  • Starke Schwellung
  • Rötung und Überwärmung
  • Eiterbildung
  • Fieber

Piercing und MRT

Bruhn C: Mit Piercing zum MRT? Lesezeit: 2 Min. Piercen liegt nach wie vor im Trend: Zwei Millionen junge Deutsche schmücken sich jährlich mit den begehrten Edelmetallen. Dabei stehen Körperteile wie Ohren und Nase ganz oben auf der Wunschliste der Kunden, dicht gefolgt von Bauchnabel, Lippen, Zunge, Augenbrauen und dem Intimbereich.

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