Demenz ist ein Begriff, der oft mit altersbedingtem Gedächtnisverlust in Verbindung gebracht wird. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Ist Demenz eine psychische Erkrankung oder eine neurologische Erkrankung? Dieser Artikel soll Klarheit schaffen und einen umfassenden Überblick über das Thema Demenz geben.
Was ist Demenz? Ein Syndrom, keine eigenständige Krankheit
Demenz ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Syndrom. Das bedeutet, es handelt sich um eine Kombination von Symptomen, die durch verschiedene zugrunde liegende Erkrankungen verursacht werden können. Der Begriff "Demenz" leitet sich vom lateinischen "de-mens" ab, was sinngemäß "weg vom Geist" bedeutet. Es handelt sich um einen Abbau des Gedächtnisses sowie anderer kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Demenz ist keine normale Alterserscheinung
Obwohl Demenz häufiger bei älteren Menschen auftritt, ist sie keine normale Alterserscheinung. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt das Demenz-Risiko zwar mit jedem weiteren Jahr deutlich an, aber Demenz ist nicht unvermeidlich. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen altersbedingter Vergesslichkeit und den Symptomen einer Demenz zu erkennen.
Ursachen und Formen der Demenz
Die Symptome einer Demenz können von ganz unterschiedlichen Krankheiten hervorgerufen werden. Man spricht dabei von „Demenzformen“. Grundsätzlich lassen sich zwei Formen von dementiellen Erkrankungen unterscheiden: die primäre und die sekundäre Demenz. Die sekundäre Demenz ist die Folge einer anderen Grunderkrankung, wie beispielsweise einer Stoffwechselerkrankung, eines Vitaminmangelzustands oder Folgeschäden durch langfristig zu hohen Alkoholkonsum. Sehr viel häufiger als die sekundäre tritt die primäre Demenz auf. Diese macht rund 90 Prozent der Krankheitsfälle aus. Innerhalb der primären Demenzen lassen sich Formen und Arten von Demenz nach dem Auslöser unterscheiden:
Neurodegenerative Demenzen
Diese Form wird durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Zu den häufigsten neurodegenerativen Demenzen gehören:
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Alzheimer-Krankheit: Alzheimer betrifft mehr als 60 Prozent aller Demenzerkrankten und ist damit mit Abstand die häufigste Form von Demenz. Aus bislang ungeklärten Gründen sterben bei Alzheimer nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was dann die Symptome der Demenz herbeiführt. Kennzeichnend für Alzheimer ist insbesondere der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Bei Alzheimer-Erkrankten beobachtet man zwischen den Nervenzellen vermehrt harte, unauflösliche Ablagerungen (Plaques). Im Inneren der Zellen wiederum kommt es zu einer chemischen Veränderung der sogenannten Tau-Fibrillen. Sie sind eigentlich wichtig für die Zellstruktur und den Nährstofftransport. Darüber hinaus ist weniger Acetylcholin im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vorhanden.
Frontotemporale Demenz (Morbus Pick): Die Frontotemporale Demenz ist, genau wie Alzheimer, auch eine neurodegenerative Krankheit. Das heißt, sie führt zu einem Rückgang von Nervenzellen im Gehirn. Besonders ist aber, dass die Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich zurückgehen. Das führt dazu, dass frontotemporale Demenz vor allem die Persönlichkeit und das soziale Verhalten der betroffenen Person verändert und weniger das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Frontotemporale Demenz tritt oft bei jüngeren Menschen zwischen 45 und 60 Jahren auf, in Einzelfällen sogar schon ab dem 20. Lebensjahr.
Lewy-Körper-Demenz (Lewy-Body-Demenz): Die Lewy-Körper-Demenz ist ebenfalls eine neurodegenerative Erkrankung. Ihren Namen hat sie von den sogenannten „Lewy-Körperchen“, welche für den Rückgang von Nervenzellen in der Hirnrinde verantwortlich sind. Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen, auch Halluzinationen genannt, sowie motorische Störungen. Auch ein rascher Wechsel von Wachheit zu Müdigkeit im Tagesverlauf kommt häufig vor.
Parkinson-Demenz: Im Zusammenhang mit Parkinson entwickelt sich bei circa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen auch eine dementielle Erkrankung. Man spricht dann von einer Parkinson-Demenz. Die Parkinson-Erkrankung beginnt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Der Beginn ist meist schleichend. Sie ist gekennzeichnet durch Muskelstarre, verlangsamte Bewegungen, Muskelzittern und Haltungsinstabilität.
Vaskuläre Demenzen
Vaskuläre Demenz bedeutet, dass nicht die Nervenzellen selbst zurückgehen, sondern das Hirngewebe durch Durchblutungsstörungen nachhaltig geschädigt wurde. Als Resultat sterben ebenfalls Nervenzellen ab, aber mit einer anderen Dynamik. Typische Ursachen sind langwährender unbehandelter Bluthochdruck (Morbus Binswanger) oder Schlaganfälle (Multi-Infarkt-Demenz). Die Beeinträchtigungen durch vaskuläre Demenz können sehr unterschiedlich sein, äußern sich aber vor allem in den Bereichen Gedächtnis, Sprache, Denkvermögen, Bewegung und Orientierung. Vaskuläre Demenzen können, zum Beispiel durch Schlaganfälle, in jedem Alter auftreten. Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder mit Bluthochdruck (Hypertonie) haben ein besonders großes Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn, weswegen diese Erkrankungen unbedingt konsequent behandelt werden müssen.
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Sekundäre Demenzen
Sekundäre Demenzen werden indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst. In jüngeren Altersgruppen gelten hingegen Infektionen (z.B. HIV), Schädigungen der Nerven, die durch Alkohol oder andere Substanzen entstehen, und seltenere vererbliche Nervenkrankheiten (z.B. Huntington-Krankheit) als häufigere Ursachen für Demenz.
Mischformen
In der Theorie lassen sich die Demenzformen klar trennen, in der Praxis ist das jedoch nur selten der Fall. Die meisten Demenz-Patienten haben nämlich Mischformen von Demenz. Oft zum Beispiel eine neurodegenerative Form von Demenz und gleichzeitig eine vaskuläre Demenz. Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz treten in ca. 20% der Fälle auf.
Symptome der Demenz
Die Symptome einer Demenz sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Form und dem Stadium der Erkrankung ab. Dementielle Erkrankungen wirken sich nicht nur auf die Merkfähigkeit aus, sondern auch auf die Aufmerksamkeit, Orientierung, Sprache und das Denkvermögen der Betroffenen. Somit ist jeder Lebensbereich miteingeschlossen. Am Anfang ist meist das Kurzzeitgedächtnis gestört, im weiteren Verlauf kommt das Langzeitgedächtnis hinzu. So verlieren die Betroffenen nach und nach die in ihrem Leben erworbenen Fähigkeiten. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Gedächtnisverlust: Insbesondere Schwierigkeiten, sich an kurz zurückliegende Ereignisse zu erinnern. Vergesslichkeit kann ein Anzeichen für Alzheimer sein, muss es aber nicht. Es gehört zum Älterwerden dazu, öfter etwas zu vergessen oder sich langsamer zu erinnern.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder Gespräche zu verstehen.
- Orientierungsprobleme: Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden oder die Tageszeit zu bestimmen.
- Beeinträchtigungen des Denkvermögens: Schwierigkeiten, logisch zu denken, Probleme zu lösen oder Entscheidungen zu treffen.
- Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Aggressionen, Apathie oder sozialer Rückzug. Bei Patienten mit Frontotemporaler Demenz verändert sich zuerst die Persönlichkeit. Sie werden reizbar und sind verhaltensauffällig. Die Demenz und die Depression sind die häufigsten psychischen Erkrankungen des höheren Lebensalters.
Es kann im höheren Lebensalter schwierig sein, zwischen natürlichen Alterserscheinungen, körperlichen Erkrankungen und einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung zu unterscheiden - zumal oft körperliche Symptome im Vordergrund stehen können. Erschwerend kommt hinzu, dass es insbesondere Menschen der älteren Generation schwer fällt, seelische Schwierigkeiten anzusprechen, sie zu beschreiben und sie als krankhaft zu bewerten.
Diagnose von Demenz
Wenn Sie als Angehöriger den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie mit Einfühlungsvermögen aber auch Nachdruck darauf bestehen, diesen Verdacht abzuklären. All diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz hindeuten. Eine frühe Diagnose von Demenz erleichtert den Umgang mit der Krankheit und bietet größere Chancen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen.
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Ärztliche Untersuchung und Tests
Am Anfang geht es darum, festzustellen, ob demenzielle Symptome vorliegen und wie stark diese ausgeprägt sind. Wichtige Bestandteile in dieser Phase der Diagnostik sind das Patientengespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung und nach Bedarf die Durchführung von Demenz-Tests. Spezielle Demenz-Tests messen die geistige Leistungsfähigkeit einer Person und lassen erkennen, ob diese noch im Normalbereich liegt, oder Anzeichen für eine Einschränkung durch eine Demenz vorliegen. Den sogenannten MMST als PDF können Sie als Selbsttest nutzen, um einen ersten Verdacht zu prüfen. Bitte beachten Sie, dass dieser Selbsttest keine ärztliche Diagnose ersetzt. Liegt ein Anfangsverdacht für eine Demenz-Erkrankung vor, sollte der erste Gang zum Hausarzt, zu einer Gedächtnis-Sprechstunde oder einer Memory-Klinik führen.
Ursachenforschung
Sind deutliche demenzielle Symptome vorhanden, muss der Arzt noch die Ursache der Symptome eindeutig klären. Zum Beispiel wird ein Arzt versuchen, Hinweise auf eine konkrete organische Ursache zu finden. Mit den Ergebnissen kann der Arzt außerdem bestimmen, um welche Demenzform es sich handelt und in welchem Stadium sich der Betroffene befindet. Die Alzheimer-Demenz kann bisher nur durch das Ausschlussverfahren diagnostiziert werden. Durch eine Blutuntersuchung, den Einsatz von bildgebenden Verfahren wie dem CT und MRT sowie einer Nervenwasseruntersuchung können andere Erkrankungen ausgeschlossen und Hinweise auf eine Demenz gefunden werden.
Wichtige Aspekte der Diagnostik
Am Anfang der Diagnostik steht das ausführliche Gespräch mit Ärzt:innen, um die individuelle Krankheitsgeschichte sowie die aktuelle Situation inklusive körperlicher, psychischer und sozialer Aspekte zu erfassen. Dies ist wichtig, um Risiko- und andere Einflussfaktoren zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die erkrankte Person und deren Angehörige einschätzen zu können. Neben der Befragung des Erkrankten (Eigenanamnese) ist gerade beim Verdacht auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung das Gespräch mit einer Person aus dem Angehörigen- oder näheren Bekanntenkreis (Fremdanamnese) eine wichtige Ergänzung. Bringen Sie Vorbefunde (z.B. Arztbriefe, Laborbefunde, Medikamentenpläne, Röntgenbilder) mit.
Behandlung von Demenz
Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Demenz und Vaskuläre Demenz sind bis heute leider nicht heilbar. Da die Schädigung des Gehirns nicht rückgängig gemacht werden kann, sind diese Demenzen nicht heilbar. Es gibt aber auch Demenzformen, bei denen andere Grunderkrankungen die Ursache für die Beschwerden sind. Das können Hirnverletzungen sein, Depressionen, Durchblutungsstörungen, Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch.
Medikamentöse Therapie
Dennoch ist die Behandlung von Demenz wichtig, weil sie die Lebensqualität der Betroffenen im weiteren Verlauf erheblich steigert. Je nach Demenzform, Stadium und individuellem Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Medikamente in Frage. Alzheimer-Demenz kann derzeit noch nicht geheilt, aber behandelt werden. Mit Medikamenten wird der Abbau des „Botenstoffs“ Acetylcholin gehemmt und damit das Gedächtnis länger erhalten. Andere eingesetzte Medikamente können Symptome wie Angst, Unruhe oder Schlafstörungen lindern. In Deutschland sind derzeit zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit vier Wirkstoffe zugelassen. Wenn zusätzlich eine Depression oder Verhaltensänderungen auftreten, können auch diese behandelt werden. Die Amyloid-Antikörper binden an die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und helfen, diese abzuräumen. Lecanemab muss derzeit alle 2 Wochen als Infusion verabreicht werden. Des Weiteren sind regelmäßige MRT-Sicherheitskontrollen erforderlich (aktuelles MRT vor Beginn der Therapie und dann vor der 5., 7. und 14.
Nicht-medikamentöse Therapie
Auch nicht-medikamentöse Therapien spielen eine wichtige Rolle. Besonders im Anfangsstadium kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein, in der Betroffene und Angehörige lernen, mit der Diagnose umzugehen. Durch den Einsatz von kognitivem Training, Ergotherapie und Musiktherapie können außerdem Fähigkeiten trainiert werden, die durch die Erkrankung langsam verloren gehen. Nicht-medikamentöse Therapieansätze bei Demenz zielen darauf ab, die Befindlichkeit der erkrankten Person und die Anpassungsfähigkeit an das nachlassende Leistungsvermögen zu verbessern. Die Art der eingesetzten Verfahren richtet sich vorwiegend nach der Art der Demenz, dem Stadium der Erkrankung, den Bedürfnissen der Erkrankten und der Betreuenden.
- Kognitive Verfahren: Kognitives Training, Gedächtnistraining
- Ergotherapie: Üben von alltagspraktischen Fertigkeiten mit spielerischen, handwerklichen und gestalterischen Techniken, Anpassung der Umgebung, Hilfsmittelberatung im Bereich Mobilität und Alltag. Ergotherapeutische Verfahren sollten individuell angepasst werden und möglichst im häuslichen Umfeld stattfinden.
- Körperliche Aktivierung: Bewegungstherapie, Sport
- Künstlerische Therapien: Musiktherapie, Kunsttherapie
- Sensorische Verfahren: Aromatherapie oder Snoezelen (Raum mit angenehmer Atmosphäre, in dem verschiedene Sinne angesprochen werden, z.B. durch Licht, Musik und Düfte)
Umgang mit psychischen und Verhaltenssymptomen
Bei allen der Demenz zugrundeliegenden Erkrankungen können neben der Beeinträchtigung des Denkens und des Gedächtnisses auch Störungen im Erleben und Verhalten auftreten, z.B. Depression, Aggression oder Angst. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Symptome: Einerseits ist die Gehirnstruktur und -funktion bei Demenzerkrankungen verändert, dadurch ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, unter bestimmten Umgebungsbedingungen anders zu reagieren. Auslösende Umgebungsbedingungen können z.B. ungünstige Kommunikation, Umgebungsänderungen oder neue körperliche Symptome (z.B. Schmerzen) sein.
Es sollte zunächst versucht werden, auf nicht-medikamentöse Art einzugreifen, in dem zunächst die Auslöser identifiziert werden. Dann können z.B. Hilfsmittel eingesetzt werden, die das tägliche Leben erleichtern, oder Maßnahmen, die die soziale Einbindung fördern und erhalten. In Akut- und Notfallsituationen oder bei unzureichendem Therapieansprechen können Psychopharmaka eingesetzt werden, z. B. Antidepressiva, Neuroleptika oder Antikonvulsiva. Es kann vorkommen, dass die nicht-kognitiven Symptome die kognitiven Symptome verstärken, z.B. kann eine Depression die Gedächtnisleistung negativ beeinflussen.
Weitere wichtige Aspekte der Behandlung
- Ernährung: Eine Demenzerkrankung kann dazu führen, dass die Steuerung des Durst- und Hungergefühls nicht mehr "normal" funktioniert und die Erkrankten ein verringertes Bedürfnis zeigen, zu essen oder zu trinken. Daher müssen Angehörige, Pflegende und Ärzt:innen stets besonders auf einen Gewichtsverlust der erkrankten Person achten. Diesem Gewichtsverlust muss dann gegebenenfalls durch hochkalorische Nahrungsmittel entgegengewirkt werden.
- Schlaf: Oft ist der Schlaf-Wach- bzw. der Tag-Nacht-Rhythmus bei Demenzkranken verändert.
- Körperliche Untersuchung: Da eine Demenz nicht nur von "sichtbaren" Anzeichen (Gedächtnis-, Sprachverlust etc.), sondern auch von körperlichen Veränderungen (z.B. Gefäßerkrankungen) begleitet sein kann, ist eine sorgfältige körperliche Untersuchung notwendig, um behandelbare Erkrankungen (z.B. Gefäßerkrankungen, Schlaganfall, Tumorerkrankungen) als mögliche Ursache auszuschließen.
Leben mit Demenz
Eine Demenzerkrankung kann auch für Freunde und Angehörige eine besondere Herausforderung sein. Die meisten einer Demenz zugrunde liegenden Erkrankungen sind prozesshaft fortschreitend, nur für wenige gibt es zugelassene Medikamente, die jedoch die Krankheit weder beseitigen noch den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Die Auswahl der Medikamente richtet sich u.a. nach den Begleiterkrankungen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen und sich Unterstützung zu suchen.
Tipps für den Umgang mit Demenz
- Kommunikation: Man sollte bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz immer auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang achten. Das gilt auch in Situationen, bei dem es einem besonders schwer fällt, zum Beispiel, wenn der an Demenz erkrankte dem Pflegenden Vorwürfe macht oder ihn fälschlicherweise beschuldigt. Man darf natürlich seinen Standpunkt vertreten, aber sollte immer darauf achten, die Person nicht zu diskreditieren. Unabhängig von Konfliktsituationen ist es immer eine Möglichkeit sich auf die Lebenserfahrung der Person zu beziehen und diese wertzuschätzen. Man kann zum Beispiel nach einem Ratschlag fragen und/oder sich auch mal helfen oder trösten lassen.
- Umfeld: Zu einem guten Umgang mit der Demenz gehört auch die demenzgerechte Raumgestaltung. Dabei geht es darum, Barrieren abzubauen und hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung zu schaffen. Struktur gibt Halt. Feste Tagesabläufe, wiederkehrende Rituale und vertraute Umgebungen helfen, sich zu orientieren.
- Aktiv bleiben: Bleiben Sie aktiv - auf Ihre Weise. Bewegung, frische Luft, Musik, gemeinsames Kochen oder einfache Handarbeiten können viel Lebensfreude schenken. Es geht nicht um Leistung, sondern um Teilhabe und Freude an vertrauten Tätigkeiten.
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der Austausch mit vertrauten Menschen, mit Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen kann entlasten. Akzeptieren Sie Unterstützung. Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht Schwäche - es bedeutet Stärke. Angehörige sollten lernen, die Erkrankung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Wichtig ist zudem, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn man sie braucht. Insbesondere pflegende Angehörige sollten sich ausführlich über Hilfsangebote beraten lassen.
Entlastung für Angehörige
Ganz besonders wichtig ist, dass Angehörige sich selbst mit der Betreuung und Pflege nicht überfordern. Das große Stichwort lautet: Entlastung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Entlastung, wie zum Beispiel:
- Ambulante Pflegedienste: Sie unterstützen bei der Pflege und Betreuung zu Hause.
- Tagespflege: Hier verbringen Demenzkranke den Tag in einer Gruppe und werden betreut.
- Kurzzeitpflege: Sie bietet eine vorübergehende Entlastung, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt.
- Selbsthilfegruppen: Sie bieten Austausch und Unterstützung für Angehörige.
- Seniorenberatungsstellen: Sie informieren über gesetzliche Leistungen, Rechte, Hilfsangebote vor Ort aber auch ehrenamtliche Angebote für Demenzkranke und Angehörige.
Demenzdörfer
In Tönebön bei Hameln liegt Deutschlands erstes Demenzdorf: Hier leben Menschen mit Demenz in einer dörflichen Gemeinschaft, komplett mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern. Übernommen wurde die Idee, demenzerkrankte Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft zu betreuen, aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es weitere Demenzdörfer in Deutschland. Die Kosten für die Pflege und Unterbringung ähneln denen eines normalen Pflegeheims.
Prävention von Demenz
Obwohl eine Demenz auch in jungen Jahren auftreten kann, ist Demenz vor allem eine Alterserkrankung. Sehr wohl bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung drastisch erhöhen. Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren gehören:
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Soziale Kontakte: Regelmäßige soziale Interaktion und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
- Geistige Aktivität: Kognitives Training, Lesen, Spielen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten.
Durch einen anderen Lebensstil kann man ebenfalls viele beeinflussbare Risikofaktoren für das Auftreten von Alzheimer minimieren.
Demenz und Inkontinenz
Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz). Beispiel: Die demenzerkrankte Person verliert die Kontrolle über ihre Harn- beziehungsweise Darmentleerung. Helfen Sie Betroffenen beim Auskleiden, falls sie Schwierigkeiten haben, den Harn lange zu halten. Wählen Sie individuell geeignetes Inkontinenzmaterial aus, das bequem sitzt und ausreichend Schutz bietet. Durch Bewegungsmangel und Gedächtnisverlust können Toilettengänge ausbleiben. Häufig kommt es hierdurch zu einer schmerzhaften Verstopfung. Dokumentieren Sie daher die Toilettengänge. Für die Harnentleerung gibt es spezielle Trink- und Miktionsprotokolle. Die Pflege eines Angehörigen mit einer Demenz und Inkontinenz kann herausfordernd sein.
Demenz und Lebenserwartung
Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod. Dennoch haben Menschen, die an Demenz erkranken, eine verkürzte Lebenserwartung. Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, auf ihre eigene Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das hat zwei Gründe: Zum einen schwächt eine fortgeschrittene Demenz das Immunsystem. Man ist dann anfälliger für Infektionskrankheiten. Zum anderen bereitet der Vorgang des Kauens und Schluckens in diesem Stadium große Probleme (Schluckstörungen). Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann kann individuell stark abweichen. Menschen mit fortgeschrittener Demenz können ebenso plötzlich sterben, wie alle anderen Menschen auch. Ein Arzt muss den Tod bestätigen und den Totenschein ausfüllen.
Trauer und Verlust
Um die Trauer und alle damit verbundenen Gefühle besser bewältigen können, helfen Gespräche mit Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis. Binden Sie frühzeitig einen ambulanten Palliativdienst aus Ihrer Umgebung ein. Ausgebildete Fachkräfte helfen Ihnen und beraten Sie in der schwierigen Situation, um ein würdevolles Sterben zuhause ohne Schmerzen für den betroffenen Menschen zu sichern. Fragen Sie Ihren ambulanten Pflegedienst oder den Hausarzt danach. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.
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