Chronische Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt. Sie können durch Stress, Dehydration oder eine Erkältung ausgelöst werden. Wenn jedoch mittelstarke bis starke Kopfschmerzen auftreten, die von einer Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen oder Licht begleitet werden, kann es sich um eine Migräne handeln. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Migräne, einschließlich der Migräne mit Aura.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, mittelstarke bis starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen äußert, die sich auf einer oder beiden Kopfhälften lokalisieren lassen. Häufig treten Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen auf.

Migräne mit Aura

Zwischen 15 und 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura. Eine Migräne mit Aura kündigt sich zusätzlich durch Vorboten in Form von Wahrnehmungsstörungen an. Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitzen. Nach der Aura treten bei den meisten Menschen die migränetypischen Kopfschmerzen ein.

Formen der Aura

Es gibt verschiedene Formen der Aura:

  • Typische Aura: Diese äußert sich meist durch visuelle Störungen wie Flimmern oder Lichtblitze.
  • Atypische Aura: Diese geht mit motorischen Störungen einher, die innerhalb von 72 Stunden verschwinden. Hierzu gehört beispielsweise eine halbseitige Lähmung oder visuelle und sprachliche Störungen.
  • Retinale Migräne: Diese seltene Form der Migräne geht mit vorübergehenden Sehstörungen oder Erblindung eines Auges einher.

Es ist wichtig, eine Aura von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen.

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Symptome einer Migräne mit Aura

Die Symptome einer Migräne mit Aura hängen von der Migräneform ab. Typische und atypische Migräneanfälle mit Aura können sich äußern durch:

  • Neurologische Störungen wie Tinnitus und Schwindel
  • Visuelle Störungen wie Flimmern, Lichtblitze, Doppelbilder oder eine vorübergehende Erblindung
  • Motorische Störungen wie eine Muskelschwäche, Taubheitsgefühle bis zur halbseitigen Lähmung oder Sprachstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Einer Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Licht
  • Mittelstarken bis starken, pochenden oder pulsierenden Schmerzen in einer oder beiden Kopfhälften

Alice-im-Wunderland-Syndrom

Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen während einer Migräne auf, in den meisten Fällen zusätzlich zu einer bestehenden Aura. Bei diesem Syndrom handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust der betroffenen Person auftreten.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen müssen:

  1. Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
  2. Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
  3. Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
  4. Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
  5. Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.

Chronische Migräne

Als chronisch gilt eine Migräne dann, wenn es an 15 und mehr Tagen pro Monat (über mehr als drei Monate hinweg) zu starken Kopfschmerzen kommt. Andere Gründe für die permanenten Kopfschmerzen sind ausgeschlossen. Die chronische Migräne tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der allgemeinen Bevölkerung auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Ursachen der chronischen Migräne

Die Ursachen der chronischen Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da häufig mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Aktuelle Studien zeigen, dass die Entwicklung einer chronischen Migräne durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören hormonelle Veränderungen und verschiedene Umweltfaktoren, die die Umwandlung von episodischer zu chronischer Migräne begünstigen können. Zu den Umweltfaktoren zählen Stress, Schlafstörungen, Wetterveränderungen, bestimmte Nahrungsmittel und sensorische Reize. Zudem tritt die chronische Migräne häufiger in Verbindung mit Depressionen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen und anderen Schmerzkrankheiten auf.

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Symptome der chronischen Migräne

Die Symptome der chronischen Migräne unterscheiden sich nicht von den Beschwerden, die generell mit Migräne einhergehen. Das bedeutet, zu den Symptomen gehören vor allem starke Kopfschmerzen, die meist einseitig, manchmal auch beidseitig auftreten. Der Schmerz kann außerdem pulsieren.

Die im Folgenden aufgelisteten Symptome kommen häufig vor:

  • Kopfschmerzen (meistens)
  • Licht- und/oder Lärmscheu
  • Aura (Sehstörungen, Missempfindungen, Sprechstörungen, Sprachstörungen, Bewegungsstörungen, Doppelbilder, Ohrgeräusche oder Flimmern sind möglich)
  • Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren
  • Vermehrtes Gähnen und Müdigkeit
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Symptomverstärkung durch körperliche Aktivität

Diagnose der Migräne

Die Diagnose einer Migräne mit oder ohne Aura erfolgt in der Regel durch einen Arzt oder eine Ärztin. Wichtigstes diagnostisches Instrument ist neben der neurologischen Untersuchung das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Aufgrund der beschriebenen und aufgeschriebenen Krankheitszeichen können Fachärztinnen und Fachärzte eine Migräne eindeutig erkennen und diagnostizieren. Falls dies nicht eindeutig möglich ist oder falls ein Verdacht auf eine andere Ursache für die Symptome besteht, können weitere Untersuchungen des Gehirns wie eine Bildgebung des Kopfes notwendig sein. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen.

Behandlung der chronischen Migräne

Eine Migräne mit oder ohne Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden. Die Behandlung der chronischen Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Akutbehandlung

Zur Akutbehandlung der chronischen Migräne eignen sich Schmerzmedikamente (z.B. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol). Auch Antiemetika, also Mittel gegen Übelkeit, können das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich steigern. Sogenannte Kombinationspräparate können auch helfen, die Beschwerden zu lindern. Am besten erforscht ist dabei die Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein. Auch Koffein alleine kann hilfreich sein. Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden. Bei stärkeren Attacken können Triptane eingesetzt werden.

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Prophylaxe

Um einer Migräne mit Aura vorzubeugen, können ebenfalls Medikamente verschrieben werden, darunter Antiepileptika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva. Diese Medikamente und Schmerzmittel wie Triptane sollten bei einer Migräne mit oder ohne Aura jedoch nicht regelmäßig eingesetzt werden, da ein Zuviel an diesen Medikamenten langfristig zu einer chronischen Migräne mit täglichen Attacken führen kann.

Zur Vorbeugung (Prophylaxe) der chronischen Migräne eignen sich auch die Wirkstoffe OnabotulinumtoxinA (eine Form von Botox) und Topiramat. Sie sind trotz leichter Nebenwirkungen Teil der Standardprophylaxe bei chronischer Migräne. Bei einigen Patienten ist auch Akupunktur hilfreich.

Monoklonale Antikörper sind eine neue Art von Medikamenten, die helfen können, Migräne zu verhindern. Sie wirken, indem sie ein Molekül namens CGRP blockieren, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Diese Medikamente können die Anzahl und Schwere der Migräneanfälle verringern.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen
  • Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
  • Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
  • Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.
  • Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe.

Leben mit Migräne

Eine Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Von leichten bis starken Schmerzen und Schwindel bis hin zu motorischen Beeinträchtigungen, Seh- und Sprachstörungen ist die Bandbreite an möglichen Symptomen bei einer Migräne mit Aura hoch. Viele Migränepatienten und -patientinnen leiden zusätzlich unter einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, wodurch sich diese in ein dunkles Zimmer zurückziehen müssen. Den normalen Alltag zu bestreiten oder gar der Arbeit nachzugehen, bleibt für viele Betroffene während eines Migräneanfalls unmöglich. Eine Migräne mit Aura zu kontrollieren, zu behandeln und ihr vorzubeugen, gehört dementsprechend zum Anliegen vieler Patientinnen und Patienten, beispielsweise durch das Identifizieren von Auslösern und deren Vermeidung sowie Strategien bei herannahenden Anfällen oder zur Linderung bestehender Attacken.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Sollten Sie Symptome einer Migräne mit Aura zeigen, ohne zuvor eine Migräneattacke erlebt zu haben, sollten Sie einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen. Dies insbesondere, falls Sie unter Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen leiden, da diese auch auf einen medizinischen Notfall wie einen Schlaganfall hinweisen können.

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