Einführung
Iyengar Yoga, eine Form des Hatha-Yoga, die von B.K.S. Iyengar entwickelt wurde, zeichnet sich durch präzise Ausrichtung, den Einsatz von Hilfsmitteln und das Halten von Posen über längere Zeiträume aus. Diese Methode zielt darauf ab, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. In diesem Artikel werden die vielfältigen Vorteile von Iyengar Yoga für das Gehirn und den Geist untersucht, wobei sowohl körperliche als auch psychische Aspekte berücksichtigt werden.
Was ist Iyengar Yoga?
Iyengar Yoga ist eine Hatha-Yoga-Form, die von B.K.S. Iyengar (1918-2014), einem Schüler von T. Krishnamacharya, entwickelt wurde. Iyengar litt in seiner Kindheit unter verschiedenen Krankheiten und fand durch Yoga Linderung. Er entwickelte eine präzise und detaillierte Methode, die sich auf die korrekte Ausrichtung des Körpers in den Asanas (Yoga-Haltungen) konzentriert. Iyengar Yoga verwendet Hilfsmittel wie Gurte, Blöcke, Stühle und Decken, um den Schülern zu helfen, die Posen korrekt auszuführen und ihre Praxis zu vertiefen.
Die Prinzipien des Iyengar Yoga
Iyengar Yoga basiert auf mehreren Schlüsselprinzipien:
- Präzise Ausrichtung: Die korrekte Ausrichtung des Körpers in den Asanas ist von zentraler Bedeutung, um Verletzungen vorzubeugen und die positiven Wirkungen der Posen zu maximieren.
- Einsatz von Hilfsmitteln: Hilfsmittel werden verwendet, um Schülern jeden Alters und Fitnesslevels zu helfen, die Posen korrekt auszuführen und ihre Praxis zu vertiefen.
- Längeres Halten der Posen: Das Halten der Posen über längere Zeiträume ermöglicht es den Schülern, tiefer in die Posen einzutauchen und ihre Wirkung auf Körper und Geist zu erfahren.
- Sequenzierung: Die Reihenfolge der Asanas wird sorgfältig geplant, um eine bestimmte Wirkung auf den Körper und den Geist zu erzielen.
- Achtsamkeit: Die Schüler werden angeleitet, aufmerksam auf ihren Körper und ihren Atem zu sein, um ein tieferes Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln.
Die Vorteile von Iyengar Yoga für das Gehirn
Studien haben gezeigt, dass Yoga, einschließlich Iyengar Yoga, eine Reihe von positiven Auswirkungen auf das Gehirn hat:
- Verbesserte kognitive Funktionen: Yoga kann die kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis und Lernfähigkeit verbessern.
- Erhöhte graue Substanz: Studien haben gezeigt, dass Yoga das Volumen der grauen Substanz im Gehirn erhöhen kann, insbesondere in Bereichen, die für kognitive Kontrolle, Bewegungskoordination und Entscheidungsfindung zuständig sind.
- Reduzierter Stress: Yoga kann den Spiegel des Stresshormons Kortisol senken und die Aktivität des sympathischen Nervensystems reduzieren, was zu einem Gefühl der Ruhe und Entspannung führt.
- Verbesserte Stimmung: Yoga kann die Stimmung verbessern und Symptome von Depressionen und Angstzuständen lindern.
- Erhöhte Dopaminspiegel: Meditation, ein wichtiger Bestandteil des Yoga, kann den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen, was zu einer verbesserten Stimmung, Motivation und Konzentration führt.
- Verlangsamung des altersbedingten Abbaus: Yoga scheint den altersbedingten Abbau der grauen Substanz im Gehirn zu verlangsamen und möglicherweise sogar die Bildung neuer Nervenzellen zu fördern.
- Größere Gehirnmasse: Die Gehirne von Yoga-Praktizierenden weisen im Vergleich zu Nicht-Yogis gleichen Alters generell eine größere Gehirnmasse auf, insbesondere im Hippocampus.
- Jüngeres Gehirnalter: Meditation, ein wichtiger Bestandteil des Yoga, ist mit einem jüngeren Gehirnalter verbunden. Die durchschnittliche Gehirnmasse von 40- bis 50-jährigen Meditierenden entspricht der durchschnittlichen Gehirnmasse von 20- bis 30-jährigen Nicht-Meditierenden.
- Verbesserte fluide Intelligenz: Yoga kann die fluide Intelligenz verbessern, die Fähigkeit, neue, unbekannte Probleme zu lösen, neue Dinge zu lernen und Muster und Zusammenhänge zu erkennen.
Die Vorteile von Iyengar Yoga für den Geist
Neben den Vorteilen für das Gehirn hat Iyengar Yoga auch eine Reihe von positiven Auswirkungen auf den Geist:
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- Erhöhte Achtsamkeit: Iyengar Yoga fördert die Achtsamkeit, die Fähigkeit, aufmerksam auf den gegenwärtigen Moment zu sein, ohne zu urteilen.
- Verbessertes Körperbewusstsein: Iyengar Yoga hilft den Schülern, ein tieferes Bewusstsein für ihren Körper und ihre Körperhaltung zu entwickeln.
- Erhöhte emotionale Intelligenz: Iyengar Yoga kann die emotionale Intelligenz verbessern, die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und die Emotionen anderer zu erkennen und zu verstehen.
- Stressabbau: Iyengar Yoga kann helfen, Stress abzubauen und ein Gefühl der Ruhe und Entspannung zu fördern.
- Verbesserte Selbstakzeptanz: Iyengar Yoga kann die Selbstakzeptanz fördern und den Schülern helfen, sich selbst so anzunehmen, wie sie sind.
- Loslassen von Emotionen: Auf der psychischen und mentalen Ebene werden wir uns der Emotionen bewusst, auch lange weggeschobener, die sich in Muskeln und Gelenken manifestiert haben. Wir lernen loszulassen!
Iyengar Yoga als Therapie
Iyengar Yoga wird zunehmend als Therapie für eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Beschwerden eingesetzt:
- Rückenschmerzen: Iyengar Yoga kann helfen, Rückenschmerzen zu lindern und die Körperhaltung zu verbessern.
- Angstzustände und Depressionen: Iyengar Yoga kann helfen, Symptome von Angstzuständen und Depressionen zu lindern.
- Stress: Iyengar Yoga kann helfen, Stress abzubauen und ein Gefühl der Ruhe und Entspannung zu fördern.
- Schlafstörungen: Iyengar Yoga kann helfen, Schlafstörungen zu lindern und die Schlafqualität zu verbessern.
- Chronische Schmerzen: Yoga kann chronische Schmerzen lindern.
- Demenzprävention: Um Demenz vorzubeugen, kann Yoga sinnvoll sein.
- Schlaganfallpatienten und Menschen mit Parkinson: Um Schlaganfallpatienten sowie Menschen mit Parkinson zu behandeln, kann Yoga ebenfalls sinnvoll sein.
Für wen ist Iyengar Yoga geeignet?
Iyengar Yoga ist für Menschen jeden Alters und Fitnesslevels geeignet. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln können die Posen an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schüler angepasst werden. Iyengar Yoga ist besonders geeignet für Menschen mit:
- Körperlichen Einschränkungen: Menschen mit Verletzungen, chronischen Schmerzen oder anderen körperlichen Einschränkungen können von der präzisen Ausrichtung und dem Einsatz von Hilfsmitteln im Iyengar Yoga profitieren.
- Stress und Angstzuständen: Iyengar Yoga kann helfen, Stress und Angstzustände abzubauen und ein Gefühl der Ruhe und Entspannung zu fördern.
- Dem Wunsch nach einer tieferen Yoga-Praxis: Iyengar Yoga bietet eine detaillierte und präzise Methode, um die Yoga-Praxis zu vertiefen und ein tieferes Verständnis für den Körper und den Geist zu entwickeln.
Wie man mit Iyengar Yoga beginnt
Um mit Iyengar Yoga zu beginnen, empfiehlt es sich, einen qualifizierten Iyengar-Yoga-Lehrer zu finden. Zertifizierte Iyengar-Yoga-Lehrer haben eine umfassende Ausbildung absolviert und sind in der Lage, die Schüler sicher und effektiv anzuleiten. Es ist auch wichtig, die eigenen Grenzen zu respektieren und die Posen nur so weit auszuführen, wie es sich angenehm anfühlt.
Iyengar Yoga im Vergleich zu anderen Yoga-Stilen
Iyengar Yoga unterscheidet sich von anderen Yoga-Stilen durch seine Betonung auf präzise Ausrichtung, den Einsatz von Hilfsmitteln und das Halten der Posen über längere Zeiträume. Im Vergleich zu dynamischeren Stilen wie Ashtanga oder Vinyasa ist Iyengar Yoga eher statisch und konzentriert sich auf die Details der einzelnen Posen. Im Vergleich zu sanfteren Stilen wie Yin Yoga ist Iyengar Yoga aktiver und erfordert mehr Muskelkraft.
Verschiedene Yoga-Stile
- Hatha-Yoga: Ein Überbegriff für die meisten im Westen praktizierten Yogastile, die mit Körper-, Atem- und Meditationsübungen arbeiten.
- Ashtanga- oder Vinyasa-Yoga: Eine sportlich-fordernde Form des Yoga mit dynamischen Abläufen und kraftvollen Haltungen.
- Jivamukti-Yoga: Ein tänzerisch-fließender Ansatz mit viel Gesang, der mentale Stärke und Ausgeglichenheit fördern soll.
- Kundalini-Yoga: Verfolgt die Lehre von Yogi Bhajan und will die „Kundalini“-Energie durch Atemübungen, Körperhaltungen, reinigende Übungen, Meditation und Mantras anregen.
- Power-Yoga: Ein amerikanisch-sportlicher Yogastil, der durch längeres Halten von Yoga-Positionen Koordination, Kraft und Balance üben soll.
- Prana Flow: Eine Variante des Vinyasa-Yoga mit fließenden, dynamischen Bewegungen, die das „innere Feuer“ (Agni) stärken sollen.
- Raja-Yoga: Bezeichnet den meditativen Stil, der Bezug nimmt auf die Philosophie des „achtgliedrigen Pfads“ der alten Schriften des Inders Patanjali.
- TriYoga: Neben fließend ausgeführten Asanas und Pranayama gibt es hier eine Reihe von Handmudras (Fingerstellungen).
- Yin-Yoga: Ein ruhiger Yogastil, bei dem die Körperübungen ohne aktive Muskelkraft über einen längeren Zeitraum gehalten werden.
- Hormon-Yoga: Kombiniert bestimmte Asanas aus dem Hatha-Yoga und Kundalini-Yoga mit Energie- und Atemübungen, um die Hormonproduktion anzuregen.
- Bikram-Yoga: Eine Serie von 24 Yoga-Übungen, die in einem auf 40 Grad geheizten Raum praktiziert werden.
- Flying- oder Aerial-Yoga: Eine akrobatische Yogaform, bei der die Schüler Asanas mit einem an der Decke befestigten Tuch praktizieren.
- Acro-Yoga: Eine Mischung aus Akrobatik, Cheerleading und Yoga, bei der ein Partner den anderen in verschiedenen "schwebenden" Positionen hält.
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