Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Mücken übertragene Viruserkrankung, die in weiten Teilen Asiens vorkommt. Obwohl Japan durch Impfprogramme bei Haustieren nur noch wenige Fälle verzeichnet, sollten Reisende sich der Risiken bewusst sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über die Japanische Enzephalitis, insbesondere im Kontext von Reisen nach Tokio und anderen Regionen Japans.
Was ist Japanische Enzephalitis?
Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine Entzündung des Gehirns, die durch das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) verursacht wird. Dieses Virus gehört zur Familie der Flaviviren und ist eng mit anderen Krankheitserregern wie dem Dengue-, Gelbfieber- und West-Nil-Virus verwandt. Die Übertragung erfolgt durch den Stich von nachtaktiven Stechmücken, vor allem der Gattung Culex.
Übertragung und Verbreitung
Das Japanische Enzephalitis-Virus wird hauptsächlich von Schweinen und Wildvögeln auf den Menschen übertragen. Diese Tiere dienen als Wirte, ohne selbst zu erkranken. Die Mücken, die das Virus übertragen, sind vor allem in ländlichen Gebieten mit Reisanbau und Schweinezucht aktiv. Obwohl die Erkrankung in Japan selbst aufgrund von Impfprogrammen bei Haustieren selten geworden ist, besteht weiterhin ein geringes Risiko, insbesondere in bestimmten Regionen wie den Inseln Kyushu und Shikoku. Das Virus ist mittlerweile auch in Gebieten wie dem äußersten Südosten Russlands, Teilen Australiens oder auf der Pazifikinsel Guam aktiv.
Symptome und Verlauf
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen dem Mückenstich und dem Auftreten erster Symptome, beträgt 5 bis 15 Tage. Die meisten Infektionen verlaufen ohne oder mit nur sehr leichten Symptomen, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann es jedoch zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) kommen.
Die Symptome einer Japanischen Enzephalitis zeigen sich nicht direkt nach der Infektion, sondern erst nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen. Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Nach einigen Tagen treten dann psychische Veränderungen und neurologische Beschwerden auf, unter anderem:
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- Meningismus (Nackensteifigkeit)
- Verwirrtheit
- Verhaltensauffälligkeiten
- Bewusstseinsstörungen
- Zittern und Muskelsteifigkeit
- Lähmungen
- Krampfanfälle
Etwa ein Viertel der von der Enzephalitis betroffenen Menschen stirbt an der Erkrankung. Von den Überlebenden leiden 30 bis 50 Prozent auch nach überstandener akuter Erkrankung noch an langfristigen neurologischen oder psychischen Folgen wie:
- motorischen Defiziten
- kognitiven und sprachlichen Defiziten
- wiederkehrenden Krampfanfällen
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose der Japanischen Enzephalitis erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern im Liquor (Hirnwasser) oder Blut. Spezifische Antikörper deuten auf eine JEV-Infektion oder auf eine bereits erfolgte Impfung hin. Finden sich Antikörper im Liquor, spricht das für eine kürzliche Infektion des zentralen Nervensystems.
Auch eine Virus-Isolierung oder der Nachweis von Virus-RNA aus Liquor oder Blut eignen sich als Diagnosemöglichkeiten. Diese Tests liefern aber trotz bestehender Infektion nicht immer positive Befunde. Grund hierfür ist, dass charakteristische Symptome in der Regel erst nach mehreren Tagen auftreten. Dann liegt meist bereits eine hohe Konzentration neutralisierender Antikörper vor, die in Kombination mit der mittlerweile rückläufigen Viruslast den Nachweis erschwert.
Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es keine spezifischen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich daher auf folgende Aspekte:
- Überwachung des Hirndrucks
- Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer zerebralen Durchblutung
- frühzeitiges Eingreifen bei drohenden Krampfanfällen
- Vorbeugung von Komplikationen
- Linderung der Symptome durch Schmerzmittel
Zudem sind Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.
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Impfung gegen Japanische Enzephalitis
Der beste Schutz vor der Japanischen Enzephalitis ist die Impfung. In Deutschland ist derzeit der Impfstoff Ixiaro® zugelassen. Dieser ist in den Verbreitungsgebieten der Japanischen Enzephalitis in Asien i.d.R. nicht verfügbar.
Impfempfehlungen
Eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis wird vor allem Reisenden empfohlen, die:
- längere Zeit in ländlichen Gebieten mit Reisanbau und Schweinezucht verbringen.
- sich während der Dämmerung und nachts im Freien aufhalten.
- eine erhöhte Exposition gegenüber Mückenstichen haben.
Es ist ratsam, die Notwendigkeit einer Impfung mit Ihrem Hausarzt oder einem Reisemediziner zu besprechen. Informationen darüber, ob Ihr Reiseziel ein aktuelles Endemiegebiet ist, finden Sie unter anderem beim Robert Koch-Institut oder den Centers for Disease Control and Prevention.
Wichtig für die Entscheidung ist außerdem das Alter der reisenden Person, wie lange sie sich im Endemiegebiet aufhalten möchte, in welcher Jahreszeit die Reise stattfindet und um welche Reiseroute es sich handelt. Bei einer kurzen Städtetour ist die Gefahr einer Infektion beispielsweise geringer als bei einem mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Land.
Auf dem Land ist die Infektionsgefahr höher, weil dort Schweine gehalten werden und Wildvögel leben. Sie sind Wirte beziehungsweise das natürliche Reservoir des Virus. Eine Impfung schützt Sie davor.
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Impfschema und Ablauf
Insgesamt müssen zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen erfolgen. Diese bauen eine Grundimmunisierung gegen die Japanische Enzephalitis auf. Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren können sich auch kurzfristig impfen lassen - nach dem sogenannten Schnellimpfschema. Dabei werden die ersten zwei Impfdosen mit einem Abstand von einer Woche verabreicht. Sowohl beim Standard- als auch beim Schnellimpfschema sollte die Grundimmunisierung mindestens eine Woche vor Reiseantritt abgeschlossen sein.
Dauer des Impfschutzes
Menschen, die wiederholt in Endemiegebiete reisen, wird ein bis zwei Jahre nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten.
Kostenübernahme der Impfung
Reiseschutzimpfungen wie die gegen die Japanische Enzephalitis sind bei touristischen Reisen keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten aber, wenn der Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist und die Kriterien der Schutzimpfungsrichtlinie erfüllt sind.
Nebenwirkungen der Impfung
Als Nebenwirkungen der Impfung gegen die Japanische Enzephalitis werden vor allem lokale Entzündungen in der Nähe der Einstichstelle beschrieben. Aber auch Kopfschmerzen, Bauch- oder Muskelschmerzen können auftreten.
Weitere Schutzmaßnahmen gegen Mückenstiche
Neben der Impfung gibt es weitere Maßnahmen, um sich vor Mückenstichen und somit vor einer Infektion mit dem Japanischen Enzephalitis-Virus zu schützen:
- Mückenschutzmittel: Verwenden Sie auf unbedeckter Haut ein wirksames Moskitomittel - passend zu Ihrem Reiseziel.
- Moskitonetze: Wenn Sie auf Ihrer Reise nicht nur in klimatisierten Räumen übernachten, schlafen Sie unter einem Moskitonetz.
- Schützende Kleidung: Tragen Sie möglichst lange, helle Kleidung. In Risikogebieten sollten Sie imprägnierte oder stichfeste Kleidung tragen.
- Vermeidung von Mückenstichen: Vermeiden Sie es, sich während der Dämmerung und nachts im Freien aufzuhalten, da die Mücken zu dieser Zeit besonders aktiv sind.
- Schlafplatzwahl: Wählen Sie Ihren Schlafplatz sorgfältig aus: Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Matratze oder Bettwäsche evtl. Bettwanzen, Zecken oder Flöhe beherbergen, empfiehlt sich die Verwendung eines insektenabweisenden Schlaf-Inletts.
Reisehinweise für Japan
Neben den spezifischen Informationen zur Japanischen Enzephalitis gibt es weitere wichtige Reisehinweise, die bei der Planung einer Reise nach Japan beachtet werden sollten:
Allgemeine Reisevorbereitung
- Reiseapotheke: Häufige Reise-Erkrankungen und kleinere Verletzungen sollten Sie auf Ihrer Reise mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke selbst behandeln können. Weitere Medikamente können sinnvoll sein - dies sollten Sie mit einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt besprechen.
- Standardimpfungen: Achten Sie darauf, dass sich bei Ihnen und Ihren Kindern die Standardimpfungen gemäß Impfkalender der STIKO auf aktuellem Stand befinden.
- Reiseversicherung: Das Auswärtige Amt rät dringend, die in den Reise- und Sicherheitshinweisen enthaltenen Empfehlungen zu beachten sowie einen entsprechenden Versicherungsschutz, z.B. einen Auslands-Krankenversicherungsschutz mit Rückholversicherung, abzuschließen.
- Einreisebestimmungen: Für die Einreise nach Japan benötigt man bei einer Aufenthaltsdauer bis zu 180 Tagen kein Visum. Am Flughafen erhält man eine Aufenthaltserlaubnis („Landing Permission“), die für erstmal 90 Tage erteilt wird. Japan erfasst zudem bei der Einreise biometrische Daten von allen Einreisenden.
Gesundheitliche Aspekte
- Medizinische Versorgung: Die medizinische Versorgung im Lande ist mit Europa zu vergleichen und technisch, apparativ und hygienisch unproblematisch. Obwohl in den großen Städten eine Reihe von englisch- und deutschsprachigen Ärzten zur Verfügung stehen, die bei den deutschen Vertretungen in Japan erfragt werden können, kann die Kommunikation mit anderen Ärzten ausgesprochen schwierig sein.
- Reisekrankenversicherung: Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung ist daher sehr zu empfehlen. Bei Fragen einer adäquaten Reisekrankenversicherung sprechen Sie uns bitte an.
- Weitere Impfempfehlungen: Für dieses Reiseziel kommen möglicherweise weitere Impfungen und Vorsorgemaßnahmen in Frage. Dies ist abhängig von der Art und Dauer der Reise sowie den Bedingungen während des Aufenthalts (z.B. Freizeitaktivitäten, Unterbringung, medizinische Versorgung vor Ort, Kontakt zu Tieren).
- Jetlag: Nach einem langen Flug ist es ganz normal, wenn Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus etwas durcheinander ist. Die Umstellung Ihrer biologischen Uhr kann einige Tage dauern. Um den Jetlag ein wenig abzumildern, empfiehlt es sich, bereits am Tag des Fluges an sowie an den ersten Tagen Ihres Japan Urlaubs nur leicht zu essen und viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Sicherheitshinweise
- Erdbeben und Vulkane: Japan ist das erdbebenreichste Land der Erde und besitzt zahlreiche aktive Vulkane. Bitte verfolgen Sie die relevante Nachrichtenlage und beachten die Verhaltenshinweise seitens lokaler Behörden bzw. Machen Sie sich mit Verhaltenshinweisen bei Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis vertraut.
- Taifune und Schneestürme: Süd- und Westjapan werden im Spätsommer häufig von Taifunen heimgesucht. Schneestürme können in West-Honshu und Hokkaido von Dezember bis März auftreten. Halten Sie sich über die Wetterlage und Unwetterwarnungen informiert.
- Kriminalität: Die Kriminalitätsrate ist niedrig. Kleinkriminalität wie Taschendiebstähle kommen in größeren Städten und an touristischen Orten vor. Betrügereien, Raub und sexuelle Übergriffe, oft in Verbindung mit dem Einsatz von Betäubungsmitteln oder Drogen, kommen allerdings in von Touristen frequentierten Ausgehvierteln von Tokyo vor.
Kulturelle Hinweise
- Verhalten: Die Höflichkeitsregeln, die von der Mehrheit der Japaner beachtet werden, weichen in vieler Hinsicht von den europäischen Regeln ab. Den Japanern ist dieser Unterschied allerdings bewusst, weshalb sie es auch akzeptieren, dass Ausländer nicht alle Sitten und Gebräuche kennen.
- Fotografieren: Bevor man Menschen fotografiert, sollte man sie vorher natürlich um Erlaubnis fragen. Man sollte die Menschen mit sehr viel Respekt und Sensibilität behandeln. Das Fotografieren auf Flughäfen ist generell verboten, auch in einigen Tempeln darf man nicht fotografieren. Man sollte auf Hinweisschilder achten oder sich darüber informieren, ob das Fotografieren erlaubt ist.
- Trinkgeld: Traditionell ist es in Japan nicht üblich, Trinkgeld zu geben. Trotzdem werden die Menschen sehr gerne Trinkgeld annehmen, wenn man es ihnen geben möchte. In Hotels und großen Restaurants ist es möglich, dass 10 Prozent Service Charge und 5 Prozent Steuern auf die Rechnung aufgeschlagen werden. Bei Taxifahrten darf gerne aufgerundet werden.
Sonstige Hinweise
- Stromversorgung: Für Steckdosen werden Adapter für zweipolige Flachstecker benötigt.
- Sprache: Die offizielle Landessprache ist Japanisch. Neben der Landessprache wird auch Englisch gesprochen.
- Währung: In Japan wird mit dem Japanischen Yen bezahlt (JPY). Bargeld erhält man an den meisten Geldautomaten mit Bank- oder Kreditkarte. Euro-Scheine können bei autorisierten Banken oder Wechselstuben umgetauscht werden.
- Kleidung: Schmutzige und ungepflegte Kleidung sorgen im Allgemeinen in vielen Ländern schnell für Irritation oder Ablehnung - auch in Japan. Deshalb wird eine Kombination aus lässig-bequemer und gut aussehender Kleidung empfohlen. Für Frauen gilt: Weite Ausschnitte und kniekurze Röcke sind in ganz Asien generell nicht gerne gesehen. Daher sollte Ihr Kleidungsstil schlicht, seriös und nicht zu auffällig sein.
- Verkehr: In Japan herrscht Linksverkehr. Der Verkehr ist meist stockend. Auch Reisende sollten sich einer defensiven Fahrweise anpassen. Die Höchstgeschwindigkeit ist meist niedriger als in Deutschland, auf Autobahnen max. 80 bzw. Autobahnen sind ausnahmslos mautpflichtig.
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