Jeder hat doch Nerven: Die Bedeutung der Sterne

Resonanz, Neurodiversität und toxische Positivität sind Konzepte, die in unserer modernen Welt immer mehr an Bedeutung gewinnen. Sie berühren Aspekte unseres Lebens, von unseren Beziehungen und unserer Wahrnehmung bis hin zu unserem Umgang mit Emotionen und Herausforderungen.

Resonanz: Mehr als nur ein Echo

Der Begriff Resonanz stammt ursprünglich aus den Naturwissenschaften und beschreibt das Phänomen, bei dem Objekte mit einer bestimmten Frequenz schwingen und in Kontakt mit anderen Objekten treten können, um ihre Schwingungen aufeinander abzustimmen. Hartmut Rosa übertrug dieses Prinzip auf unser Leben und unsere Umwelt. Um ein erfülltes Leben zu führen, müssen wir in Resonanz mit der Welt um uns herum treten. Das bedeutet eine positive und intensive Beziehung, die durch gemeinsame Schwingungen, Muster und Rhythmen entsteht.

In der modernen Welt, die von Schnelllebigkeit, digitaler Informationsflut und einer Fülle an Möglichkeiten geprägt ist, kann es schwierig sein, mit der Natur und unserer Umwelt in Resonanz zu treten. Doch es ist möglich, unsere Aufmerksamkeit bewusst auf die Dinge in uns und um uns herum zu richten und achtsam wahrzunehmen. Dies ermöglicht es uns, unsere eigenen inneren Schwingungen besser zu verstehen und positive Resonanzen zu erzeugen.

Ein wichtiger Aspekt der Resonanz ist die Körpersprache. Unser Körper schwingt mit unserem Innenleben mit und drückt unsere Gedanken und Gefühle durch Mimik und Gestik aus. Indem wir unsere Körpersprache bewusst einsetzen, können wir auf ähnliche Schwingungen anderer reagieren und mit ihnen in Resonanz treten.

Musik ist ein besonders prägnantes Beispiel für das Erleben von Resonanz. Sie bringt nicht nur physikalische Schwingungen hervor, sondern löst auch Gefühle in uns aus und bringt unseren Körper in Bewegung. Gemeinsames Singen und Tanzen können magische Momente erzeugen und die gute Laune sprichwörtlich ansteckend machen. Auch andere Aktivitäten wie Naturerlebnisse, tiefgehende Gespräche mit geliebten Menschen und soziales Engagement können uns helfen, Resonanz im Alltag zu erleben.

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Neurodiversität: Die Vielfalt der Gehirne

Die Neurodiversität geht von einer natürlichen, neuronalen Vielfalt in der Gehirnentwicklung aus, ohne Unterschiede als defizitär einzustufen. Jedes Gehirn ist einzigartig, wie eine Schneeflocke. Neurodivergente Menschen haben oft in bestimmten Lebensbereichen Schwierigkeiten, während sie in anderen Bereichen Stärken aufweisen können.

Neurodivergenz betrifft die Aufmerksamkeitssysteme im Gehirn. Es gibt drei Hauptgruppen: alarmierende, orientierende und exekutive Aufmerksamkeitssysteme. Neurotypische Menschen können etwa vier Dinge gleichzeitig erfassen, während Menschen im Autismus-Spektrum mehrere Dinge simultan wahrnehmen und schnell reizüberflutet sind. Die exekutiven Aufmerksamkeitssysteme sind bei neurodivergenten Menschen schneller überlastet.

Schätzungsweise ist eine von sieben Personen neurodivergent. Viele Betroffene erhalten jedoch keine Diagnose, da sie ihre Unterschiede kaschieren oder sich geeignete Nischen im Berufsleben suchen. Es ist wichtig zu erkennen, dass Neurodiversität auch Vorteile haben kann. Menschen im Autismus-Spektrum machen beispielsweise beim Programmieren weniger Fehler als neurotypische Personen.

Trotzdem müssen neurodivergente Menschen oft mit Ablehnung, Vorurteilen und Diskriminierung rechnen. Es ist daher wichtig, die Gesellschaft inklusiver zu gestalten und sinnvolle Unterstützungsangebote für Kinder und Erwachsene im Autismus-, ADHS- oder Tourette-Syndrom-Spektrum sowie für Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie zu schaffen.

Ein großes Missverständnis ist, dass Betroffene unter einem Intelligenzmangel leiden oder eine schlechte Erziehung genossen haben. Stattdessen sollte der Fokus auf den Potenzialen neurodivergenter Menschen liegen. Eine realistische Selbsteinschätzung, die sowohl Defizite als auch Potenziale berücksichtigt, ist der wichtigste Faktor für Bildungserfolg.

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Toxische Positivität: Wenn Optimismus schadet

Toxische Positivität ist das Phänomen, bei dem uns suggeriert wird, Glück sei lediglich eine Frage der Einstellung und jeder Rückschlag als Chance begriffen werden soll. Viele Menschen leiden jedoch darunter, diesen Anspruch einer krampfhaften Zuversicht nicht erfüllen zu können.

Obwohl Optimismus grundsätzlich gut für uns ist, kann eine positive Einstellung in manchen Situationen mehr schaden als nutzen. Etwa, wenn dadurch negative Emotionen unterdrückt werden. Das Beiseiteschieben von schlechten Gefühlen ist keine gute Taktik, um seine Emotionen zu regulieren. Es kann sogar belastender sein.

Auch das ständige Streben nach Glück kann nachteilig sein. Es kann dazu führen, dass man Glücksgefühle weniger intensiv erlebt oder sogar Depressionen entwickelt. Oft kommt der Druck, die Dinge positiv zu betrachten, von außen. Dies verstärkt negative Gefühle jedoch eher, als sie verschwinden zu lassen.

Es ist wichtig, einen Mittelweg zwischen Pessimismus und toxischer Positivität zu finden. Gesunder Optimismus zeichnet sich dadurch aus, negative Gefühle nicht beiseitezuschieben, sondern die Hoffnung auf ein gutes Ende zu bewahren. Strategien wie Reframing und Achtsamkeit können helfen, mit unangenehmen Emotionen umzugehen. In manchen Fällen kann es sogar hilfreich sein, negatives Denken gezielt einzusetzen, um sich auf Herausforderungen vorzubereiten.

Am wichtigsten ist es, dass sich die eigenen Gefühle richtig anfühlen, egal ob positiv oder negativ.

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