Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der etwa 13 % der Weltbevölkerung betroffen sind. Sie kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu erheblichen sozioökonomischen Belastungen führen, da häufig Menschen in ihren produktivsten Lebensjahren betroffen sind. Die Migräneforschung hat in den letzten Jahren dank der Entwicklung neuer Therapeutika bemerkenswerte Fortschritte erzielt.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Veranlagung, Hormone, Umweltfaktoren, Stress und Ernährung eine Rolle spielen. Aktuelle pathophysiologische Daten deuten darauf hin, dass zu Beginn einer Migräneattacke eine neuronale Dysfunktion im Hypothalamus und im Hirnstamm vorliegt, die eine fehlerhafte Verarbeitung von Afferenzen aus dem trigeminovaskulären Komplex verursacht. Dieser Komplex umfasst das Ganglion trigeminale, den Nucleus caudalis trigemini sowie A-delta- und C-Nozizeptoren mit ihren peripheren Endigungen an den meningealen Gefässen.
Migräneauslöser können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Häufig genannte Auslöser sind Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel und Getränke (z. B. Koffein, Alkohol, bestimmte Käsesorten, Schokolade), Wetteränderungen und hormonelle Schwankungen. Interessanterweise wird diskutiert, dass Migränetrigger in der Lage sind, oxidativen Stress zu generieren.
Diclofenac zur Behandlung von Migräne
Diclofenac ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden und fiebersenkenden Eigenschaften. Es wirkt als potenter Hemmer der Cyclooxygenasen (COX), wodurch die Bildung von Prostaglandinen blockiert wird. Prostaglandine spielen eine wichtige Rolle im Entzündungsgeschehen. Diclofenac-Kalium ist zur Behandlung des Migräneanfalls zugelassen.
Dosierung und Anwendung von Diclofenac
Zur Migränebehandlung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie die initiale Einnahme von 50 bis 100 mg Diclofenac. Die Höchstdosis für rezeptfreie Präparate beträgt jedoch nur 12,5 bis 25 mg. Als Tageshöchstdosis für die Selbstmedikation sind 75 mg Diclofenac täglich über maximal vier Tage zu beachten. Diclofenac-ratiopharm® Lösung bei Migräne ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet, da der Wirkstoffgehalt zu hoch ist. Jugendliche ab 14 Jahren können bis zu drei Mal täglich eine Einzeldosis 25 mg anwenden (max. Tagesdosis: 75 mg).
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Wie schnell Diclofenac aus dem Gastrointestinaltrakt aufgenommen wird, hängt von der Formulierung ab.
Studienlage zu Diclofenac bei Migräne
Die Wirksamkeit von Diclofenac-Kalium bei Migräne-Attacken ist nicht so gut belegt wie die von den NSARs Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen. RCTs mit 12,5 und 25 mg Diclofenac liegen keine vor.
Diener et al. verglichen 2006 die Wirksamkeit von 50 mg Diclofenac-Kalium in Form von Sachets oder Tabletten als Einzeldosis mit Placebo bei Migräneschmerzen in einer randomisierten, kontrollierten Crossover-Studie. Beim primären Endpunkt waren 24,7 % der Patienten zwei Stunden nach Einnahme mit Sachets schmerzfrei, 18,5 % mit Tabletten und 11,7 % mit Placebo. Die analgetische Wirkung setzte bei Sachets nach 15 min und bei Tabletten nach 60 min ein.
Die klinische Evidenz zu Diclofenac-Natrium ist indes widersprüchlich. Eine ältere Studie aus 1991 befand das Mittel in Dosierungen von 50 und 100 mg als wirksam. In dieser multizentrischen doppelblinden Crossover-Studie verglichen Massiou et al. orales Diclofenac in einer Dosis von 50 mg bis 100 mg bei der Akutbehandlung von Migräneanfällen mit Placebo. Diclofenac erwies sich als signifikant wirksamer als Placebo und wurde gut vertragen.
2004 erwies sich Diclofenac-Natrium in einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie der Phase II allerdings nur in der Kombination mit 100 mg Coffein wirksam. In dieser Studie prüften Peroutka et al. die Wirksamkeit von 100 mg Diclofenac-Natrium-Softgel mit oder ohne 100 mg Coffein im Vergleich zu Placebo bei Migränepatienten während Migräneanfällen. Die Unterschiede waren für die Gruppe mit Diclofenac-Softgel plus Coffein im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant.
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Wichtige Hinweise und Kontraindikationen zu Diclofenac
Diclofenac bringt die üblichen NSAR-Nebenwirkungen wie Störungen im Magen-Darm-Trakt, Hautreaktionen, Gerinnungsstörungen und Störungen der Nierenfunktion mit. Bei Asthmatikern kann das Arzneimittel einen Asthmaanfall auslösen. Diclofenac kann häufiger als andere NSARs zu einer Erhöhung der Leberenzymwerte führen.
Wie andere NSARs ist Diclofenac bei Magen-Darm-Ulzera, Asthma bronchiale, hämorrhagischer Diathese sowie schweren Herz-, Nieren- und Leberfunktionsstörungen kontraindiziert. Dasselbe gilt für das letzte Drittel der Schwangerschaft. Frauen im dritten Trimenon während einer Schwangerschaft dürfen Diclofenac nicht anwenden. Im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel darf es nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und nach Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden. Eine gelegentliche Einnahme oder kurzfristige Therapie in der Stillzeit ist nach den Angaben in der Datenbank „Embryotox“ akzeptabel.
Diclofenac-ratiopharm® Lösung bei Migräne darf nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Diclofenac oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind oder wenn bei Ihnen eine Herzkrankheit und/oder Hirngefäßkrankheit festgestellt wurde, z. B. im letzten Drittel der Schwangerschaft.
Die Anwendung von diesem Arzneimittel zusammen mit anderen NSAR, einschließlich selektiver Cyclooxigenase-2-Hemmer, sollte wegen fehlender Hinweise über zusätzliche Vorteile und der möglichen Verstärkung von Nebenwirkungen vermieden werden. Vorsicht ist angebracht bei älteren Patienten aus grundsätzlich medizinischen Gründen. Insbesondere wird empfohlen, dass bei älteren Patienten, die gebrechlich sind oder ein geringes Körpergewicht haben, die niedrigste noch wirksame Dosis angewendet wird.
Arzneimittel wie Diclofenac-ratiopharm® Lösung bei Migräne sind mit einem erhöhten Risiko für Herzanfälle („Herzinfarkt“) oder Schlaganfälle verbunden. Jedwedes Risiko ist wahrscheinlicher mit hohen Dosen und länger dauernder Behandlung. Überschreiten Sie nicht die empfohlene Dosis oder Behandlungsdauer!
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Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden bei Migräne
Neben der medikamentösen Behandlung mit Diclofenac gibt es verschiedene alternative und ergänzende Behandlungsmethoden, die bei Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören:
Homöopathie
Die Homöopathie ist ein alternatives Heilverfahren, bei dem Ähnliches mit Ähnlichem behandelt wird. Bei Migräne kann die Homöopathie in erster Linie die Schwere und Häufigkeit einer Migräne-Attacke lindern. Die Auswahl des richtigen homöopathischen Mittels ist jedoch komplex und sollte von einem erfahrenen Mediziner durchgeführt werden. Einige häufig verwendete homöopathische Mittel bei Migräne sind:
- Cimicifuga racemosa: Bei Migräne in den Wechseljahren, die von Schwindel und stechenden Augenschmerzen begleitet wird.
- Cyclamen europaeum: Bei Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen.
- Iris versicolor: Bei der sogenannten „Wochenendmigräne“, wenn die Migräne während Entspannungsphasen und durch Ruhe schlimmer wird.
- Sanguinaria canadensis: Zur Linderung von Migräne-Schmerzen, die vor allem rechtsseitig auftreten.
- Belladonna: Bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind.
Schüssler Salze
Schüssler Salze sind nach ihrem Erfinder Dr. Wilhelm Schüßler benannt. Er postulierte, dass schon geringe Mineralverluste in den Körperzellen negative Auswirkungen haben. Bei Migräne kann beispielsweise Schüssler Salz Nummer 7, Magnesium phosphoricum, entspannend und schmerzlindernd wirken. Zudem ist es üblich, verschiedene Schüssler Salze zu kombinieren - bei Migräne zum Beispiel die Salze Nummer 7, 8 und 11.
Die „Heiße 7“ soll Kopfschmerzen lindern: Nehmen Sie sieben bis zehn Stück Schüßler-Salze Nr. 7 Magnesium phosphoricum und lösen Sie sie in kurze Zeit gekochtem Wasser auf. Trinken Sie die Lösung so heiß wie möglich schlückchenweise.
Basische Ernährung
Eine basische Ernährung kann dazu beitragen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren. Eine Woche basenfasten entlastet den Stoffwechsel und wirkt sich positiv auf den gesamten Stoffwechsel aus, auch auf den Hormonstoffwechsel. Bei basenfasten sind mögliche Auslöser wie Koffein, Alkohol, bestimmte Käsesorten, Schokolade, künstliche Süßstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe wie Mononatriumglutamat (MSG) tabu.
Eine ausreichende Versorgung mit Magnesium und Vitamin B6 kann ebenfalls zur Migräneprävention beitragen. Magnesiumreiche Lebensmittel sind grünes Blattgemüse, Mandeln und andere Nüsse, Samen, gekeimte Vollkornprodukte und gekeimte Hülsenfrüchte. Avocado enthält gesunde Fette und Vitamin B6, das bei der Regulierung von Serotonin, einem Neurotransmitter, der an Migräne beteiligt sein kann, eine Rolle spielt. Auch Bananen sind reich an Kalium, Magnesium und Vitamin B6, die alle bei der Migräneprävention helfen können.
Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen
Neben den genannten alternativen Behandlungsmethoden gibt es weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen, die bei Migräne hilfreich sein können:
- Regelmäßiger Ausdauersport: Ausdauersport kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, Stress abzubauen und den Umgang mit Migräne zu erleichtern.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneanfälle zu verhindern.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Menschen die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
- Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Migräneauslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
Neue Therapieansätze bei Migräne
In den letzten Jahren wurden neue Therapieansätze zur Migräneprophylaxe entwickelt, die auf das Neuropeptid Calcitonin Gene-related Peptide (CGRP) abzielen. Bei einer Migräneattacke wird CGRP ausgeschüttet und bei Patienten mit chronischer Migräne ist dessen Blutspiegel permanent erhöht. Antikörper wie Galcanezumab, Eptinezumab und Fremanezumab binden CGRP im Blut, während Erenumab gegen den CGRP-Rezeptor gerichtet ist. Diese Antikörper haben sich als wirksam zur Migräneprophylaxe erwiesen und zeichnen sich durch einen schnellen Wirkeintritt und geringe Abbruchraten aus.
Hypoxie als experimentelles Modell für Migräne
Experimentelle Modelle wie Tiermodelle sind ein wichtiges Werkzeug zur Erkenntnisgewinnung in der Migräneforschung. Ein solches humanes Modell könnte durch die Anwendung von normobarer Hypoxie zur Verfügung gestellt werden. Der Zusammenhang zwischen Hypoxie und Migräne ist auch klinisch fassbar. Dies zeigt sich zum einen in der erhöhten Prävalenz von Migräne in Hochregionen wie den Anden oder dem Himalaya, zum anderen darin, dass Migräne einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung von Höhenkopfschmerz darstellt.
In experimentellen Settings konnte die Wirksamkeit von Hypoxie als Migränetrigger mehrfach gezeigt werden. So entwickelte eine Subgruppe (15 %) von Migräne-nativen TeilnehmerInnen nach 12 Stunden Exposition gegenüber normobarer Hypoxie Kopfschmerzen mit eindeutigen Migränefeatures. In anderen Studien konnte gezeigt werden, dass Migräne bei 40 bis 60 % der StudienteilnehmerInnen durch Hypoxie ausgelöst werden kann.
Mit der Exposition gegenüber normobarer Hypoxie steht nun ein sicheres experimentelles Modell zur Verfügung, das ohne die Anwendung von chemischen Substanzen in der Lage ist, Migräneattacken und Aura auszulösen.