Schüßler-Salze für Herz und Nerven: Kalium Phosphoricum und Kalium Sulfuricum im Fokus

Die Schüßler-Lehre, eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Im Zentrum stehen dabei Mineralsalze, die in potenzierter Form verabreicht werden, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Zwei dieser Salze, Kalium phosphoricum (Nr. 5) und Kalium sulfuricum (Nr. 6), werden häufig im Zusammenhang mit Herz, Nerven und allgemeinem Wohlbefinden genannt. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften, Anwendungsgebiete und Wirkungsweisen dieser beiden Schüßler-Salze.

Was sind Schüßler-Salze?

Schüßler-Salze sind keine Medikamente im herkömmlichen Sinne, sondern homöopathisch dosierte Mineralsalze. Ihr Begründer, Dr. Heinrich Wilhelm Schüßler, war der Überzeugung, dass viele Krankheiten auf einem Ungleichgewicht im Mineralstoffhaushalt der Zellen beruhen. Durch die Zufuhr der entsprechenden Salze in potenzierter Form sollen die Zellen wieder in die Lage versetzt werden, die benötigten Mineralstoffe besser aufzunehmen und zu verarbeiten.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Wirksamkeit der Schüßler-Salze wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt ist. Dennoch werden sie von vielen Therapeuten und Anwendern als unterstützende Maßnahme bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt.

Schüßler-Salz Nr. 5: Kalium phosphoricum - Das Nerven- und Energiesalz

Kalium phosphoricum, auch Kaliumphosphat genannt, ist das Schüßler-Salz Nr. 5. Es gilt als eines der wichtigsten Funktionsmittel und wird oft als "Nerven- oder Gehirnsalz" bezeichnet.

Aufgaben und Wirkungsweise

Kalium phosphoricum übernimmt traditionell vielfältige und zentrale Aufgaben im menschlichen Organismus. Als eines der zwölf Funktionsmittel nach Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler gilt es besonders für seine Bedeutung im Energiehaushalt, für das Nervensystem und die Zellfunktion. Das potenzierte Mineralsalz kommt natürlicherweise vor allem in Gehirn-, Nerven- und Muskelzellen vor und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des zellulären Gleichgewichts.

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  • Energiehaushalt: Kalium phosphoricum gilt traditionell als das wichtigste Energiemittel unter den Schüßler Salzen. Es unterstützt die Zellen dabei, Energie effizient bereitzustellen und zu nutzen. Besonders in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, spielt das Mineralsalz eine wichtige Rolle. Es kann das Verlangen nach schnellen Energielieferanten wie Zucker dämpfen. Bei Erschöpfungszuständen jeglicher Art wird Kalium phosphoricum traditionell als erste Wahl betrachtet. Es hilft dem Körper, seine Regenerationsfähigkeit zu aktivieren und schenkt neue Lebenskraft. Kalium phosphoricum trägt traditionell dazu bei, einen ausgeglichenen Energiehaushalt zu fördern und sowohl Phasen übermäßiger Anspannung als auch Zeiten tiefer Erschöpfung auszugleichen.
  • Nervensystem: Als das Salz der Nerven und Psyche ist Kalium phosphoricum traditionell von zentraler Bedeutung für das gesamte Nervensystem. Es unterstützt das innere Gleichgewicht und kann helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren, auch in herausfordernden Situationen. Kalium phosphoricum ist traditionell für die Aufrechterhaltung des Membran-Ruhepotentials der Nervenzellen zuständig. Dieses elektrische Potential ist entscheidend für die Fähigkeit der Nervenzellen, Impulse weiterzuleiten. Die Impulsweitergabe zwischen Nerven- und Muskelzellen ist ebenfalls auf Kalium phosphoricum angewiesen. Bei nervlicher Überlastung oder Stress kann Kalium phosphoricum traditionell helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Es unterstützt die Nerven dabei, ihre Funktionsfähigkeit auch unter Belastung aufrechtzuerhalten.
  • Zellstoffwechsel: Kalium phosphoricum spielt traditionell eine wichtige Rolle im gesamten Zellstoffwechsel. Es unterstützt den Körper beim Aufbau neuer Zellen und Gewebe. Das Gleichgewicht innerhalb und außerhalb der Zellen ist für deren Funktion entscheidend. Kalium phosphoricum trägt traditionell zur Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts bei. Es unterstützt die Zellmembranen dabei, ihre Integrität zu bewahren und schützt die Zellen vor schädlichen Einflüssen.
  • Immunsystem: Unter den Mineralsalzen nach Dr. Schüßler nimmt Kalium phosphoricum eine besondere Stellung in Bezug auf die Infektabwehr ein. Kalium phosphoricum soll traditionell verhindern, dass Krankheitserreger in die Zellen eindringen können. Diese Schutzfunktion macht es zu einem wichtigen Begleiter bei viralen und bakteriellen Infekten. Es unterstützt den Körper dabei, hohe Fiebertemperaturen zu erreichen, die notwendig sind, um Krankheitserreger effektiv zu bekämpfen. Kalium phosphoricum ist traditionell an der Bildung von Leukozyten beteiligt, den weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr zuständig sind.
  • Herz und Muskulatur: Für die Funktion von Herz und Muskulatur ist Kalium phosphoricum traditionell von großer Bedeutung. Der Herzmuskel ist auf eine kontinuierliche Versorgung mit Kalium phosphoricum angewiesen. Kalium phosphoricum unterstützt traditionell die rhythmische Tätigkeit des Herzens. Es trägt dazu bei, dass der Herzmuskel seine Arbeit gleichmäßig und effizient verrichten kann. Auch die Skelettmuskulatur benötigt Kalium phosphoricum für ihre Funktion. Die Reizweiterleitung vom Nerv zum Muskel ist auf das Mineralsalz angewiesen. Nach körperlicher Anstrengung spielt Kalium phosphoricum traditionell eine wichtige Rolle bei der Regeneration der Muskulatur.

Anwendungsgebiete bei Mangel

Ein Mangel an Kalium phosphoricum kann sich auf vielfältige Weise äußern. Zu den typischen Anwendungsgebieten gehören:

  • Geistig-seelische Erschöpfung: Antriebslosigkeit, Apathie, Depressionen, Burnout, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, Reizbarkeit, Nervosität, Schlafstörungen (besonders durch kreisende Gedanken), Angstzustände, Phobien (wie Platzangst), Heimweh
  • Körperliche Erschöpfung: Allgemeine Schwäche, Muskelschwäche, Muskelschwund, Muskelzuckungen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Lähmungserscheinungen (z.B. nach Schlaganfall), nervöse Durchfälle, Inkontinenz, Bettnässen
  • Weitere Symptome: Kopfschmerzen mit Schwächegefühl, Schwindel (nervös bedingt), Lärmempfindlichkeit, Wetterfühligkeit, Mundgeruch (trotz guter Mundhygiene), Zahnfleischbluten, Aphthen, stark riechende Absonderungen (Fäulnisgeruch, Uringeruch), septische Blutungen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Heißhunger, Haarausfall (kreisrund), Hautpilz, Nagelpilz, Gastritis, Magengeschwür, Reflux, Ischias, Neuralgien, Fieber (besonders bei hohem Fieber), Infektionskrankheiten, Dekubitus

Charakterliche Ursachen

Die Schüßler-Lehre geht davon aus, dass bestimmte Charakterzüge einen Mangel an Kalium phosphoricum begünstigen können. Dazu gehören:

  • Übertriebener Einsatz im Leben
  • Häufige Überforderungen
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • Idealistische, nicht verwirklichbare Vorstellungen
  • Verlust der eigenen Belastungsgrenze

Antlitzdiagnose

Im Gesicht können folgende Anzeichen auf einen Mangel an Kalium phosphoricum hindeuten:

  • Eingefallene Schläfen
  • Matter Glanz der Augen
  • Aschgraue Haut am Kinn oder im gesamten Gesicht
  • Aschgraue Augenlider

Anwendungshinweise

Kalium phosphoricum wird in der Regel in der Potenz D6 innerlich angewendet. Die Dosierung sollte mit einem Therapeuten abgesprochen werden. Äußerlich kann eine Kalium phosphoricum-Salbe bei bestimmten Beschwerden, wie wundem Po bei Säuglingen oder Hautinfektionen, eingesetzt werden.

Kombinationen

Kalium phosphoricum kann gut mit anderen Schüßler-Salzen kombiniert werden, z.B.:

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  • Energie-Kur: Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) + Nr. 5 (Kalium phosphoricum) + Nr. 7 (Magnesium phosphoricum)
  • Lernstörungen bei Kindern: Nr. 5 (Kalium phosphoricum) + Nr. 7 (Magnesium phosphoricum)
  • Beruhigung: Kalium phosphoricum in Verbindung mit Passionsblume

Schüßler-Salz Nr. 6: Kalium sulfuricum - Das Salz der Zellerneuerung

Kalium sulfuricum, chemisch als Kaliumsulfat bekannt, ist das Schüßler-Salz Nr. 6. Es wird in der Schüßler-Lehre als Sauerstoffüberträger und Mittel zur Förderung der Zellerneuerung angesehen.

Aufgaben und Wirkungsweise

Nach Schüßlers Heilkunde ist Kalium sulfuricum zuständig für die Sauerstoffübermittlung in die Zellen und die regelmäßige Zellerneuerung. Es soll zudem helfen, die Leistungsfähigkeit der Leber zu fördern und Abfallstoffe aus den Zellen abzuleiten. Eine weitere Aufgabe soll Schüßler-Salz Nr. 6 in der Hautpigmentierung übernehmen. Als sogenannter Betriebsstoff der Bauchspeicheldrüse soll es zudem an der Produktion des blutzuckersenkenden Hormons Insulin beteiligt sein.

  • Entzündungen: Durch die Unterstützung der Sauerstoffübertragung und Zellerneuerung wird Kalium sulfuricum dort eingesetzt, wo Entzündungen "im dritten Stadium" vorliegen, also bei langwierigen Beschwerden.
  • Haut: Die mögliche Beteiligung von Kalium sulfuricum an der Zellerneuerung nutzen Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker gegen Hautbeschwerden. Sie empfehlen beispielsweise bei der entzündlichen Hauterkrankung Rosacea Schüßler-Salz Nr. 6. Auch bei Störungen des Haar- und Nagelwachstums soll Kalium sulfuricum helfen.

Anwendungsgebiete bei Mangel

Unterschiedlichste Erscheinungen, Beschwerden oder Erkrankungen sollen die Folge eines Mangels an Kalium sulfuricum sein. Anwendungsgebiete sind deshalb unter anderem:

  • Pigmentflecken, Muttermale, Neurodermitis, Schuppenflechte
  • Erhöhter Sauerstoffbedarf
  • Ängste, depressive Verstimmungen, Melancholie
  • Muskelkater
  • Asthma
  • Darmpilze
  • Probleme mit der Bauchspeicheldrüse
  • Völlegefühl oder Übelkeit

Charakterliche Ursachen

Auch auf die Psyche scheint Schüßler-Salz Nr. 6 eine Wirkung zu haben. Zwanghafte Charaktereigenschaften spielen in der Heiltheorie nach Dr. Schüßler eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Mangelerscheinungen. Ein Defizit an Schüßler-Salz Nr. 6 soll demnach vor allem bei Persönlichkeiten entstehen, die unfähig sind, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die permanente Sorge, die Erwartungen der anderen zu erfüllen, führt zur übertriebenen Aufmerksamkeit gegenüber der Welt und dem Leben der Mitmenschen. Auf Dauer entzieht dies nach Dr. Schüßler die nötige Kraft und Energie und als Folge das Kalium sulfuricum aus den Zellen.

Mangelerscheinungen in Form von Müdigkeit und Trägheit, aber auch traurigen und tendenziell depressiven Verstimmungen treten auf. Wer sich in großen Menschansammlungen oder engen Räumen beengt fühlt oder glaubt, an Luftmangel zu leiden, könnte ein Kalium-sulfuricum-Defizit haben.

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Antlitzdiagnose

Mithilfe der sogenannten Antlitzdiagnose beurteilen Therapeuten, woran es dem Betroffenen mangelt. Folgende Anzeichen im Gesicht deuten auf einen Mangel an Schüßler-Salz Nr. 6 hin:

  • Gelblich-braun gefärbte Haut, vor allem am Kinn und um die Augen
  • Gelbliche Absonderungen (wie Nasensekret)
  • Pigmentflecken

Anwendungshinweise

Schüßler-Salze Nr. 6 können innerlich und äußerlich angewendet werden. Die innerliche Anwendung von Kaliumsulfat wird in der Regel in der Potenzierung D6 empfohlen. Die empfohlene Tageszeit zur Einnahme ist laut der chinesischen Organuhr nach 17 Uhr, wann Kalium sulfuricum D6 am besten zu wirken scheint. Kalium sulfuricum D6 wird in Form von Salben oder Cremegelen je nach Empfehlung des Therapeuten zwei- bis dreimal täglich dünn auf die entsprechenden Körperstellen aufgetragen.

Kombinationen

Die zusätzliche Einnahme von Natrium sulfuricum, Schüßler-Salz Nr. 10, wird empfohlen, wenn mit Kalium sulfuricum Schlacken aus dem Körper geleitet werden sollen.

Wichtiger Hinweis

Das Konzept der Schüßler-Salze und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Bei anhaltenden Beschwerden sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten. Schüßler-Salze können eine schulmedizinische Behandlung nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.

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