Encephalitozoon cuniculi (E. cuniculi) Infektionen des Gehirns bei Kaninchen: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Encephalitozoonose, auch bekannt als EC, E. cuniculi oder umgangssprachlich Sternengucker-Krankheit, ist eine häufige Infektionskrankheit bei Kaninchen, die durch den Parasiten Encephalitozoon cuniculi verursacht wird. Dieser weltweit vorkommende, sporenbildende Einzeller kann verschiedene Organe befallen, insbesondere das Gehirn, das Rückenmark, die Nieren und die Augen. Die Krankheit manifestiert sich unterschiedlich, abhängig vom Immunsystem des Wirts.

Ursachen und Ansteckung

Kaninchen scheiden die E. cuniculi-Parasiten mit dem Urin aus. Außerhalb des Kaninchens können die Sporen bis zu zwei Jahre überleben. Andere Kaninchen nehmen die Parasiten beim Schnüffeln, Fressen oder bei der Fellpflege auf. Vom Darm aus gelangen die Erreger ins Blut und somit in Gehirn, Rückenmark, Nieren und Augen, teilweise auch in Herz, Verdauungstrakt, Lunge und Leber, wo sie sich festsetzen und vermehren. Ein intaktes Immunsystem kann die Vermehrung in Schach halten, sodass infizierte Kaninchen oft jahrelang symptomfrei leben. Bei einer Schwächung des Immunsystems kommt es jedoch zur unkontrollierten Vermehrung der EC-Sporen, die Körperzellen zerstören und die Krankheit ausbrechen lassen.

Infizierte, trächtige Häsinnen können die Krankheit bereits im Mutterleib über die Plazenta auf ihre ungeborenen Jungen übertragen. Schätzungsweise 40 % aller deutschen Hauskaninchen tragen EC-Sporen in sich.

Mögliche Ursachen für einen EC-Ausbruch sind:

  • Stress (z. B. durch Verlust eines Artgenossen oder Vergesellschaftungen)
  • Schlechte Haltung und Pflegemangel
  • Mangelnde Hygiene im Gehege
  • Andere Erkrankungen
  • Die Verabreichung von Kortison
  • Ein höheres Alter des Kaninchens und damit verbundene Schwächung

In seltenen Fällen können sich auch andere Säugetiere mit E. cuniculi infizieren. Menschen stecken sich nur in absoluten Ausnahmefällen an, wenn das Immunsystem geschwächt ist (z. B. durch HIV, Organtransplantation oder Chemotherapie).

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Symptome

Die klassischen Anzeichen der Encephalitozoonose sind die schiefe Kopfhaltung (Torticollis) und Gleichgewichtsstörungen, die der Krankheit den umgangssprachlichen Namen "Sternengucker-Krankheit" eingebracht haben. Allerdings sind dies nicht die einzigen Symptome. Die Krankheit kann sich vielfältig äußern, abhängig davon, welche Organe betroffen sind.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Lähmungen (insbesondere der Hinterläufe)
  • Krämpfe
  • Orientierungslosigkeit
  • Koordinationsschwierigkeiten ("Kullern" über den Boden)
  • Vermehrtes Urinieren
  • Inkontinenz
  • Unkontrollierte Augenbewegungen (Nystagmus)
  • Vermehrtes Tränen
  • Trübung der Linse (Katarakt)
  • Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis)
  • Fazialislähmung (Lähmung der Gesichtsnerven)
  • Herabgesetzter Pupillenreflex
  • Anfälligkeit für andere Erkrankungen aufgrund eines geschwächten Immunsystems
  • Ataxie (Störungen der Bewegungs- und Haltungskoordination)

Es ist wichtig zu beachten, dass betroffene Kaninchen oft nur eines oder wenige dieser Symptome zeigen.

Diagnose

Bei Verdacht auf Encephalitozoonose ist es wichtig, einen kaninchenkundigen Tierarzt aufzusuchen. Die Diagnose kann eine Herausforderung sein, da die Symptome vielfältig sein können und auch andere Erkrankungen ähnliche Anzeichen verursachen können.

Folgende Diagnosemethoden können eingesetzt werden:

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  • PCR-Test: Dieser Test kann EC-Sporen im Urin nachweisen. Da die Sporen jedoch nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, kann ein negatives Ergebnis eine Infektion nicht ausschließen.
  • Blutuntersuchung (Antikörpertest): Ein positiver Antikörpertest zeigt an, dass das Kaninchen mit EC infiziert ist, auch wenn es keine Symptome zeigt. Allerdings bedeutet ein positiver Test nicht zwangsläufig, dass die aktuellen Symptome durch EC verursacht werden.
  • Ausschlussdiagnostik: Da die Symptome auch von anderen Erkrankungen oder Verletzungen herrühren können, sind weitere Untersuchungen notwendig, um andere Ursachen auszuschließen. Dazu gehören eine gründliche Allgemeinuntersuchung, Röntgenaufnahmen, MRT oder CT.
  • Neurologische Untersuchung: Um Gehirn- und Nervenschäden festzustellen.
  • Ohrenuntersuchung: Um Ohrenentzündungen auszuschließen, die ebenfalls zu Kopfschiefhaltung führen können.

Es ist wichtig, alle anderen Erkrankungen auszuschließen, die die Symptome des Kaninchens verursachen könnten (z.B. Mittelohr-/Innenohrentzündung, Schlaganfall/Aneurysma, Trauma).

Behandlung

Die Behandlung der Encephalitozoonose zielt darauf ab, die Vermehrung der Parasiten zu stoppen, die Symptome zu lindern und das Immunsystem zu stärken. Eine vollständige Heilung ist in der Regel nicht möglich, aber mit rechtzeitiger Behandlung können sich die Symptome oft deutlich bessern.

Die Behandlung umfasst in der Regel:

  • Antiparasitika (z. B. Fenbendazol): Diese Medikamente (z.B. Panacur) töten die Parasiten ab oder hemmen deren Vermehrung. Sie werden in der Regel über einen Zeitraum von mehreren Wochen oral verabreicht.
  • Vitamin B: Vitamin B-Präparate unterstützen die Regeneration geschädigter Nerven.
  • Antibiotika: Antibiotika werden eingesetzt, um sekundäre bakterielle Infektionen zu behandeln, die aufgrund des geschwächten Immunsystems auftreten können.
  • Infusionen: Infusionen helfen, den Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten und die Nierenfunktion zu unterstützen.
  • Symptomatische Behandlung: Je nach Symptomen können weitere Medikamente und Therapien erforderlich sein, z. B. Augensalben bei Augenentzündungen oder Physiotherapie bei Lähmungen.
  • Futtermanagement: Wenn das Kaninchen nicht frisst, ist eine Zwangsernährung mit einem rohfaserreichen, energiearmen Futterbrei erforderlich.

Auch symptomlose Kaninchen, bei denen E. cuniculi im Blut nachgewiesen wird, sollten mit einem Antiparasitikum behandelt werden, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Es ist ratsam, auch die Partnertiere eines erkrankten Kaninchens zu testen und gegebenenfalls zu behandeln.

In extrem schweren Fällen kann Cortison eingesetzt werden, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren. Allerdings hat Cortison auch negative Auswirkungen auf das Immunsystem, weshalb es nur als letzter Ausweg eingesetzt werden sollte.

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Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von E. cuniculi langwierig sein kann und Geduld erfordert. Auch nach erfolgreicher Behandlung können Rückfälle auftreten.

Prognose

Die Prognose der Encephalitozoonose hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Schwere der Erkrankung, dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Kaninchens.

Wird die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt, können sich die Symptome in vielen Fällen deutlich bessern, und das Kaninchen kann ein normales Leben führen. Allerdings bleiben die Tiere lebenslang Träger des Erregers, und die Krankheit kann jederzeit wieder ausbrechen.

In schweren Fällen, insbesondere wenn die Behandlung spät beginnt oder irreversible Organschäden entstanden sind, kann die Prognose ungünstiger sein. In manchen Fällen kann es notwendig sein, das Kaninchen einzuschläfern, um unnötiges Leiden zu vermeiden.

Vorbeugung

Es gibt keine Impfung gegen Encephalitozoonose. Allerdings können einige Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Infektion oder eines Krankheitsausbruchs zu verringern:

  • Stress vermeiden: Stress kann das Immunsystem schwächen und einen Krankheitsausbruch begünstigen. Daher ist es wichtig, Stressfaktoren wie Einzelhaltung, plötzliche Veränderungen in der Umgebung oder Vergesellschaftungen zu vermeiden.
  • Artgerechte Haltung: Eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz, Beschäftigung und Sozialkontakt stärkt das Immunsystem.
  • Gute Hygiene: Eine gute Hygiene im Kaninchenstall und -gehege hilft, die Ausbreitung von E. cuniculi zu verhindern. Die Streu sollte regelmäßig gewechselt und Futternäpfe gereinigt werden.
  • Immunsystem stärken: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Grünfutter und Vitaminen stärkt das Immunsystem.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: EC-infizierte Kaninchen sollten regelmäßig vom Tierarzt untersucht werden, um einen möglichen Krankheitsausbruch frühzeitig zu erkennen.
  • Quarantäne: Neue Kaninchen sollten vor der Vergesellschaftung mit anderen Tieren auf E. cuniculi getestet und gegebenenfalls behandelt werden.
  • Desinfektion: Bei einem Ausbruch von E. cuniculi sollten Gehege und Umgebung gründlich mit einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt werden.

Encephalitozoonose und Homöopathie

Wohltuend und heilungsfördernd können zum Beispiel frischer Wiesen-Bärenklau und Fenchel sein. Aber Du solltest im Vorfeld unbedingt mit Deinem Tierarzt sprechen. Hausmittel oder homöopathische Mittel sollten nicht ohne Absprache und ausschließlich zur Unterstützung verabreicht werden.

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