Der Wunsch nach einem Kind ist ein tief verwurzelter Wunsch vieler Menschen. Für Frauen, die eine Hirntumorerkrankung überlebt haben, stellt sich die Frage nach der Familienplanung jedoch oft mit zusätzlichen Herausforderungen und Unsicherheiten. Dieser Artikel beleuchtet die Thematik des Kinderwunsches nach Hirntumorerkrankung unter Berücksichtigung von Studienergebnissen, potenziellen Risiken und den damit verbundenen persönlichen Entscheidungen.
Einleitung
Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors können das Leben der Betroffenen grundlegend verändern. Neben den unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen stellt sich für viele der Wunsch nach einem Kind. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und die individuellen Risiken und Chancen abzuwägen.
Medizinische Aspekte und Studienlage
Risiken einer Schwangerschaft nach Hirntumor
Eine Schwangerschaft stellt für den Körper eine erhebliche Belastung dar. Bei Frauen mit vorangegangener Hirntumorerkrankung können zusätzliche Risiken bestehen, wie z.B.:
- Rezidivrisiko: Einige Studien deuten darauf hin, dass Schwangerschaften bei Frauen mit bestimmten Hirntumortypen (insbesondere Grad II) das Wachstum des Tumors beschleunigen könnten. Bei höhergradigen Tumoren (Grad III) besteht die Befürchtung, dass der Tumor wieder wachsen oder sich verändern kann.
- Eingeschränkte Therapieoptionen: Während einer Schwangerschaft sind die Therapieoptionen für Hirntumore eingeschränkt, um das ungeborene Kind nicht zu gefährden.
- Kräftezehrende Schwangerschaft: Eine Schwangerschaft ist ohnehin kräftezehrend. Eine vorangegangene Hirntumorerkrankung kann die körperliche Belastung zusätzlich erhöhen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Studienlage zu diesem Thema nicht eindeutig ist und die Risiken individuell unterschiedlich sein können. Eine umfassende Beratung durch ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Onkologen und Gynäkologen ist daher unerlässlich.
Hormonelle Einflüsse
Hormonelle Veränderungen können das Wachstum von Hirntumoren beeinflussen. Französische Wissenschaftler fanden heraus, dass die längere Einnahme bestimmter hormoneller Medikamente mit einem höheren Risiko für Hirntumore verbunden ist.
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- Gestagene: Präparate mit Medrogeston und Promegeston wurden mit einem höheren Risiko für Hirntumore in Verbindung gebracht. Die Verhütungsspritze „Depo-Provera“ hatte sogar ein 5,6-fach höheres Risiko.
- Andere Hormone: Andere Hormone wie Progesteron oder Verhütungsmethoden wie die Spirale zeigten kein erhöhtes Risiko für Hirntumore.
Es ist wichtig, die Risiken und Vorteile hormoneller Verhütungsmethoden mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Kinderwunschbehandlung nach Krebs
Auch bei Kinderwunschbehandlungen gibt es Risiken zu beachten. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass das Krebsrisiko bei Kindern nach einer solchen Behandlung etwas höher liegt, als das von Kindern nach einer natürlichen Zeugung. Hier fehlen bisher noch groß angelegte wissenschaftliche Studien. Es ist also unklar, ob diese Kinder tatsächlich häufiger an Krebs erkranken, als ohne unterstützende Behandlung gezeugte Kinder.
Persönliche Aspekte und Entscheidungsfindung
Die Rolle der Ärzte
Die Ärzte spielen eine wichtige Rolle bei der Beratung und Aufklärung über die medizinischen Aspekte und Risiken. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Meinungen der Ärzte unterschiedlich sein können. Es ist ratsam, mehrere Expertenmeinungen einzuholen und sich umfassend zu informieren.
Die Bedeutung des Partners
Die Entscheidung für oder gegen ein Kind sollte gemeinsam mit dem Partner getroffen werden. Es ist wichtig, offen über die Ängste und Sorgen zu sprechen und die Verantwortung und Belastung, die ein Kind mit sich bringt, gemeinsam zu tragen.
Die Perspektive des Kindes
Bei der Entscheidungsfindung sollte auch die Perspektive des Kindes berücksichtigt werden. Es ist wichtig, sich zu fragen, ob man dem Kind eine ungewisse Zukunft vorherbestimmen möchte oder ob ein liebender, verbleibender Elternteil die Liebe und die finanzielle Absicherung für beide allein geben kann.
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Emotionale Aspekte
Der Wunsch nach einem Kind ist oft ein tief verwurzelter emotionaler Wunsch. Es ist wichtig, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu berücksichtigen und sich nicht von äußeren Einflüssen oder Erwartungen leiten zu lassen.
Eigene Erfahrungen
Es kann hilfreich sein, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Der Austausch mit anderen kann Mut machen und bei der Entscheidungsfindung helfen.
Perspektiven und Erfahrungen von Betroffenen
Viele Frauen, die eine Hirntumorerkrankung überlebt haben, haben den Wunsch nach einem Kind verwirklicht. Ihre Erfahrungen zeigen, dass es möglich ist, trotz der Herausforderungen eine Familie zu gründen. Einige berichten von Ängsten und Sorgen während der Schwangerschaft, aber auch von der Freude und dem Glück, ein Kind zu haben.
- Vanessa: "Ich kann dich gut verstehen! Bin nun in der 15. Woche schwanger. Bei mir war es absolut nicht geplant und als ich im Juli 2012 die Diagnose " Glioblastom" erhalten habe, war mir klar, dass ich nie Kinder bekommen würde. Als ich unerwartet schwanger geworden bin, habe ich so viele Gedanken im Kopf gehabt und es war so eine schwere Entscheidung."
- Eine andere Betroffene: "Ein Teil meines Sonnenscheins strahlt mich jeden Tag durch die Augen meiner beiden Kinder an. Er ist in den beiden und damit wenigstens ein bißchen geblieben. Dafür danke ich sehr."
Es ist wichtig zu beachten, dass jede Geschichte einzigartig ist und es keine allgemeingültige Antwort gibt.
Optionen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit
Wenn die Gefahr besteht, dass die Krebsbehandlung die Eizellen teilweise oder sogar ganz zerstören wird, können Sie vor Beginn der Therapie Eizellen einfrieren lassen. Zuvor ist eine Behandlung mit Hormonen erforderlich.
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- Einfrieren von Eizellen: Es können sowohl befruchtete als auch unbefruchtete Eizellen eingefroren werden, um sich einen Kinderwunsch nach Krebs zu erfüllen.
- Kostenübernahme: Die Kosten für die Entnahme und Lagerung der Eizellen bei Krebs und Kinderwunsch werden von den gesetzlichen Krankenkassen - nach Antragstellung - übernommen.
Kinder von Krebsüberlebenden
Fachleute gehen davon aus, dass Kinder ehemaliger Krebsbetroffener im Normalfall kein höheres Krebsrisiko haben. Es gibt Krebsarten, die genetisch bedingt sind. In solchen Fällen können Kinder diese Veranlagung erben.
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