Das Klinikum Landshut demonstriert eindrucksvoll, wie durch ein hochqualifiziertes und engagiertes Neurologie-Team, modernste Technik und optimierte Abläufe Leben gerettet und schwerwiegende Folgeschäden bei Schlaganfällen minimiert werden können. Ein Paradebeispiel hierfür ist die erfolgreiche Behandlung eines älteren Mannes, der mit halbseitiger Lähmung und Bewusstseinsstörungen eingeliefert wurde und als erster Patient von den "TEMPiS Flying Doctors" profitierte.
Schlaganfall: Jede Minute zählt
Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns. Prof. Dr. Josef Heckmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Leiter der Stroke Unit am Klinikum, betont die entscheidende Bedeutung der Zeit: "Schon diese erste Phase bei einem Schlaganfall ist entscheidend: Wie lange dauert es, bis der Notarzt gerufen wird? Wie viel Zeit vergeht, bis der Patient im Klinikum ankommt?" Je schneller die Behandlung erfolgt, desto weniger Gehirnzellen sterben ab und desto geringer sind die bleibenden Schäden. "Beim Schlaganfall zählt jede Minute", so Prof. Heckmann.
Der Fall des älteren Mannes: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Der ältere Mann erlitt gegen 18 Uhr eine komplette Lähmung der linken Körperhälfte, begleitet von Sprachstörungen und Schläfrigkeit. In der Notaufnahme des Klinikums wurde er umgehend als potenzieller Schlaganfallpatient identifiziert. Der diensthabende Neurologe erkannte klinische Anzeichen eines möglichen akuten Großgefäßverschlusses. Die Radiologin Dr. Elena Müller bestätigte dies um 18:50 Uhr mittels Computertomografie: Die intrakraniellen vorderen Hirngefäße, die zwei Drittel des Gehirns versorgen, waren komplett verschlossen. Ein schwerer Schlaganfall zeichnete sich ab, und die rechte Gehirnhälfte begann bereits abzusterben.
Die "TEMPiS Flying Doctors": Spezialisten kommen zum Patienten
Das Klinikum Landshut nimmt seit Anfang Juli an dem Pilotprojekt "TEMPiS Flying Doctors" teil. Ziel dieses Projekts ist es, wertvolle Zeit zu sparen, indem ein Interventionsteam zum Patienten geflogen wird, anstatt den Patienten in ein spezialisiertes Zentrum zu transportieren. In diesem Fall wurde nach Verständigung des "TEMPiS"-Netzwerks entschieden, dass der Patient eine interventionelle Therapie mit Embolusextraktion durch Katheter benötigte.
Gegen 19:15 Uhr stand fest, dass die fliegenden Ärzte zum Einsatz kommen würden. Ein Notfallhubschrauber startete mit einem hochspezialisierten Neuroradiologen und seiner medizinisch-technischen Radiologie-Assistentin an Bord. Währenddessen bereiteten die Teams von Radiologie, Neurologie und Anästhesie am Klinikum Hand in Hand die Räumlichkeiten für die Katheter-Behandlung vor und versetzten den Patienten in Vollnarkose.
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Die interventionelle Therapie: Präzision und Schnelligkeit
Um 19:50 Uhr lag der Patient auf dem Angiografie-Tisch, und um 20:20 Uhr begann der Neuroradiologe mit dem Eingriff. Mit einem dünnen Spezial-Katheter navigierte er über Haupt- und Halsschlagader zum Verschluss im Gehirn. Dort wurde ein Stent mit einem Metallgeflecht geöffnet, in dem sich das Gerinnsel verfing und herausgezogen wurde. Nur 20 Minuten später war der Eingriff beendet. In weniger als zweieinhalb Stunden nach Symptombeginn war der Verschluss wieder geöffnet.
Ein "perfekter organisatorischer Ablauf" rettet Leben
"Dem Patienten ging es unmittelbar nach der Intervention sofort besser", berichtete Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Dinkel, Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie. Er dankte zusammen mit Chefarzt Prof. Dr. Heckmann den beteiligten Fachabteilungen Neurologie, Radiologie und Anästhesiologie für den "perfekten organisatorischen Ablauf", der für den Patienten lebensrettend war und ihn vor größeren Schäden im Gehirn bewahrt hat. Dr. Dinkel ergänzte: "Eine derartige hochspezialisierte medizinische Leistung ist nur möglich, wenn die medizinischen Strukturen und Abläufe gut vorbereitet werden, alle Beteiligten hochmotiviert sind und vertrauensvoll zusammenarbeiten."
Die Stroke Unit am Klinikum Landshut: Kompetenzzentrum für Schlaganfallbehandlung
Die Neurologische Klinik am Klinikum Landshut verfügt seit Oktober 2006 über eine spezialisierte Stroke Unit zur Schlaganfallkomplexbehandlung. Ergänzt wird die Arbeit durch das Büro für Schlaganfall-Hilfe, das Betroffenen und Angehörigen Unterstützung bei Fragen der häuslichen Weiterbehandlung und sozialen Situation bietet.
Umfassende neurologische Versorgung am Klinikum Landshut
Neben der Schlaganfallbehandlung bietet die Neurologische Klinik am Klinikum Landshut ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Die Zuweisung erfolgt über die Notaufnahme und nach Terminvergabe im Sekretariat.
Neurochirurgie am Klinikum Landshut: Spezialisiert auf komplexe Eingriffe
Die Neurochirurgie am Klinikum Landshut behandelt Patienten mit Schädel-Hirnverletzungen, Hirnblutungen und Wirbelsäulenverletzungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung der neurologischen Schlaganfalleinheit (Stroke Unit).
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Tumorchirurgie: Mikrochirurgische Präzision
Die Tumorchirurgie am Klinikum Landshut ist auf mikrochirurgische Eingriffe spezialisiert. Operiert werden Tumore des Gehirns, der Hirnanhangsdrüse, der Hirnhäute, des Schädelknochens und der Schädelbasis.
Behandlung degenerativer Erkrankungen und peripherer Nerven
Das Team behandelt degenerative Erkrankungen der Lenden-, Hals- und Brustwirbelsäule sowie Erkrankungen der peripheren Nerven wie das Karpaltunnelsyndrom und das Ulnarissyndrom. Diese Behandlungen erfolgen ambulant und stationär.
Schmerztherapie: Langjährige Erfahrung
In der Beratung und Operation von Patienten mit chronischen Schmerzen verfügt das Team über langjährige Erfahrung. Mit Ausnahme der Tiefenhirnstimulation, die speziellen Zentren vorbehalten ist, können alle Eingriffe durchgeführt werden. Die Behandlungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Orthopädie und der Schmerztherapie.
Kooperationen und Innovation
Das Klinikum Landshut pflegt enge Kontakte zum Netzwerk „Medizintechnik und Gesundheit“ der Hochschule Landshut, um innovative Technologien und Behandlungsmethoden zu fördern.
Das Team der Klinik Burg Landshut - MEDIAN Klinik
Die MEDIAN Klinik Burg Landshut ergänzt das Angebot des Klinikums Landshut im Bereich der neurologischen Rehabilitation. Das Team besteht aus:
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- Dr. med. Markus Leisse, M.Sc.: Ärztlicher Direktor Klinik Burg Landshut und Chefarzt Neurologie, Facharzt für Neurologie, Rehabilitationswesen, Verkehrsmedizin
- Dr. Isolde Kuproth-Kling: Leitende Oberärztin, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie, Rehabilitationswesen
- Ursula Siebertz-Ohnesorge: Kaufmännische Leitung
- Selina Reuland: Zentrale Psychologische Leitung
- Oliver Staß: Zentrale Pflegedienstleitung
- Glenn Paffrath: Zentraler Leiter Therapie und Therapieplanung
Herausforderungen und Engagement
Das Team der Neurologie am Klinikum Landshut ist sich der Herausforderungen bewusst, die mit der Versorgung einer großen Anzahl von Patienten einhergehen. Man ist bestrebt, alle Patienten so schnell wie möglich zu behandeln, wobei Notfälle, Qualität und Sicherheit stets Vorrang haben. Die Klinik bittet um Verständnis für mögliche Wartezeiten, insbesondere bei Nicht-Notfallpatienten.
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