Klinische Studien zur Migräne: Ein umfassender Überblick

Die Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der in Deutschland bis zu 10 Millionen Menschen betroffen sind. Sie zeichnet sich durch anfallartige, pulsierende und wiederkehrende Kopfschmerzen aus, die meist einseitig auftreten und von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Klinische Studien spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer und wirksamerer Behandlungsmethoden für Migräne. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über klinische Studien zur Migräne, einschließlich Informationen zur Teilnahme, zu laufenden Studien und zu den Zielen der Forschung.

Was ist Migräne?

Als Migräne werden sehr starke Kopfschmerzattacken bezeichnet, die meist einseitig auftreten. Die Attacken sind schwer und können als scharfer, stechender, hämmernder oder auch pochender Schmerz beschrieben werden. Häufig werden diese starken Kopfschmerzen von weiteren Symptomen wie Übelkeit und Appetitlosigkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Jede körperliche Betätigung während eines Anfalls kann die Schmerzen verstärken.

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen für eine Migräneattacke sind noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielt der Neurotransmitter Serotonin eine Rolle, dessen Konzentration sich bei einer Migräneattacke verändert und zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn führen kann. Der pochende Kopfschmerz kann dann auf den pulsierenden Blutstrom zurückzuführen sein, der durch die Blutgefäße fließt.

Neben den Ursachen gibt es bei Betroffenen bestimmte Auslöser einer Migräneattacke, die einen Anfall begünstigen. Häufige Auslöser sind:

  • Schlafstörungen: zu viel oder zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus (z. B. Ausschlafen am Wochenende und frühes Aufstehen während der Woche)
  • Hormone: Frauen klagen über häufige Migräneanfälle während ihrer Periode, die während der Schwangerschaft abnehmen.

Symptome

Migräne zeichnet sich durch anfallartige, pulsierende, wiederkehrende Kopfschmerzen aus und ist meist begleitet von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder auch Geräuschempfindlichkeit. Oft setzen die Schmerzen anfallartig und plötzlich ein - man spricht hier von einem Migräneanfall. Dieser kann nur wenige Stunden andauern, sich aber auch über mehrere Tage ausdehnen.

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Eine Migräneattacke kann sich durch Vorboten wie Müdigkeit oder Heißhungerattacken auf bestimmte Nahrungsmittel, Geräuschempfindlichkeit oder Beeinträchtigung des Magen-Darm-Traktes ankündigen. Es kann anschließend zu einer sogenannten Auraphase kommen. Dies können meist visuelle Störungen wie unscharfes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle sein, aber auch Sensibilitätsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Wahrnehmungsstörungen. Nach ungefähr einer Stunde folgt die Kopfschmerzphase, die von 1 Stunde bis zu 2 Tagen anhalten kann. Die Kopfschmerzen sind meist einseitig pulsierend, durch körperliche Belastung verstärkt. Es gibt aber auch Migräne mit untypischen oder keinen Kopfschmerzen. Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit sind Begleitsymptome dieser Phase.

Klinische Studien: Ein Weg zu neuen Therapien

Klinische Studien sind entscheidend für die Entwicklung neuer und verbesserter Behandlungsmethoden für Migräne. Sie bieten die Möglichkeit, innovative Therapieansätze zu testen und deren Wirksamkeit und Sicherheit zu bewerten. Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann für Betroffene eine Chance sein, Zugang zu modernsten Behandlungen zu erhalten, die noch nicht allgemein verfügbar sind.

Ablauf einer Studie

Der Ablauf einer klinischen Studie ist streng geregelt und folgt einem festgelegten Protokoll. Zunächst werden die Teilnehmer anhand bestimmter Kriterien ausgewählt. Anschließend werden verschiedene Tests und Untersuchungen durchgeführt, um den Gesundheitszustand der Teilnehmer zu erfassen. Während der Studie erhalten die Teilnehmer entweder die zu testende Behandlung oder ein Placebo. Die Ergebnisse werden sorgfältig dokumentiert und analysiert, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung zu beurteilen.

Beispielhafter Studienablauf mit Physiotherapie

Zunächst werden mehrere Fragebögen ausgefüllt. Die Fragen beziehen sich auf Kopfschmerzen, Nacken, Begleitsymptome wie Berührungsempfindlichkeit der Kopf- und Gesichtshaut, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit, Medikamenteneinnahme und kopfschmerzbedingte Einschränkungen der Arbeits- und Alltagsaktivitäten und der Lebensqualität. Im Anschluss werden von einer erfahrenen Physiotherapeutin manuelle Tests zur Beweglichkeit der Gelenke in der oberen Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule durchgeführt, die Kraft der tiefen Nackenmuskeln und Triggerpunkte in der Muskulatur überprüft und die Koordination des Nackens getestet. Die Dauer der Testung beträgt 20-30 Minuten. Die Tests dienen als Grundlage der ggfs. Anschließend erfolgt per Losverfahren die Zuordnung zu einer der zwei Interventionsgruppen. Informationen zum Migränekopfschmerz. Es werden sechs Behandlungen durchgeführt. Sie finden jeweils 1-2x/Woche statt und dauern 30 bis 40 Minuten.

Teilnahme an einer klinischen Studie

Die Teilnahme an einer klinischen Studie ist freiwillig und unterliegt strengen ethischen Richtlinien. Interessierte Personen können sich über verschiedene Wege über aktuelle Studien informieren und sich für eine Teilnahme anmelden.

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Wie kann eine Studienteilnahme mir und anderen helfen?

Die Teilnahme an klinischen Studien verschafft Zugang zu innovativen und potenziell lebensrettenden Behandlungen und trägt zur medizinischen Forschung bei, was sowohl den aktuellen als auch den künftigen Ergebnissen der Gesundheitsversorgung zugute kommt. Sie bietet medizinische Spitzenversorgung unter professioneller Aufsicht und befähigt den Einzelnen, einen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft zu leisten. Die Teilnehmenden sollten jedoch Risiken und Nutzen sorgfältig abwägen und sich vor der Teilnahme an einer Studie von ihremr Ärztin beraten lassen.

Wie kann ich mich zur Teilnahme anmelden?

Die Anmeldung zur Teilnahme ist einfach! Wenn Sie sich für eine bestimmte Studie interessieren, melden Sie sich am besten über das Kontaktformular auf der jeweiligen Studienseite an. Eine Liste aller unserer Studien finden Sie hier. Falls wir derzeit keine Studie durchführen, die für Sie interessant ist, können Sie sich hier in unserer Datenbank registrieren. Wir benachrichtigen Sie dann, wenn eine passende Studie für Sie startet.

Sind die Medikamente bereits zugelassen?

Das ist abhängig von der Phase der jeweiligen Studie. In den meisten Fällen, in Studien der Phasen I, II und III, werden Medikamente getestet, die noch nicht zugelassen sind. Studien der Phase IV untersuchen bestimmte Fragestellungen mit bereits zugelassenen Medikamenten. Gelegentlich führen wir auch Studien durch, bei denen die Medikamente in Europa noch nicht zugelassen sind, aber in anderen Ländern bereits in Apotheken erhältlich sind. Selbstverständlich erfahren Sie vor Ihrer Studienteilnahme, in welchem Forschungsstadium sich das Medikament derzeit befindet.

Wie sicher ist die Teilnahme? Gibt es irgendwelche Risiken?

Die Durchführung von klinischen Studien unterliegt strengen Vorschriften und ethischen Richtlinien. Die Sicherheit der Teilnehmenden steht zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle. Zwar sind alle medizinischen Eingriffe mit einem gewissen Risiko verbunden, aber bei der Konzeption jeder Studie werden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um mögliche Risiken zu minimieren. Die Teilnehmenden werden über mögliche Risiken informiert, bevor sie ihrer Teilnahme zustimmen, und die Studien werden von medizinischen Fachkräften und Aufsichtsbehörden genau überwacht, um die Sicherheit während des gesamten Prozesses zu gewährleisten.

Wie werde ich für meine Teilnahme entschädigt?

Die Entschädigung ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Sie können jedoch mindestens eine Entschädigung für Ihre Reisekosten erwarten. Oft erhalten Sie zusätzlich zur Fahrtkostenerstattung auch eine Aufwandsentschädigung, die von einer Ethikkommission bewilligt wird. Die Höhe der Entschädigung erfahren Sie vor Teilnahme.

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Was passiert mit meinen Daten und sind sie sicher?

FutureMeds Deutschland und unser Netzwerk internationaler Studienzentren haben einen Datenschutzbeauftragten und halten sich konsequent an alle nationalen und internationalen Datenschutzgesetze. Das bedeutet, dass wir nur anonymisierte Krankheitsdaten an unsere Kunden weitergeben, die für die Beurteilung von Arzneimittelwirkungen erforderlich sind. Namen und Adressdaten werden niemals an Kunden, werbende Unternehmen oder andere potenzielle Interessenten weitergegeben. Darüber hinaus unterliegen alle Mitarbeiter*innen von FutureMeds selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht.

Was geschieht, wenn die Studie beendet ist?

FutureMeds kann Ihnen nach dem Ende der Studie keine privatärztliche Behandlung anbieten. Dennoch lassen wir Sie nicht allein, sondern unterstützen Sie bei der Suche nach einer geeigneten Weiterbehandlung. Unsere Ärztinnen werden Sie umfassend beraten. Auf Wunsch erhält Ihre behandelnder Ärztin von uns einen Verlaufsbericht mit Behandlungsempfehlungen.

Aktuelle und zukünftige Studien

Zahlreiche Studienzentren und Forschungseinrichtungen führen klinische Studien zur Migräne durch. Diese Studien umfassen verschiedene Therapieansätze, darunter medikamentöse Behandlungen, nicht-medikamentöse Therapien und innovative Technologien.

Laufende Studien (Beispiele):

  • MigREN-EDAS: Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit einer nicht-medikamentösen Migränetherapie mit dem Neuromodulations-Armband Nerivio zur Behandlung akuter Migräneattacken.
  • Merz/Mint-C: Internationale klinische Phase III Studie zur Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Xeomin (Botulinumtoxin-Typ A) zur Prävention von Migräne bei erwachsenen Teilnehmern mit chronischer Migräne.
  • Merz/Mint-E: Internationale klinische Phase III Studie zur Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Xeomin (Botulinumtoxin-Typ A) zur Prävention von Migräne bei erwachsenen Teilnehmern mit episodischer Migräne.
  • Ipsen: Internationale klinische Phase III Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Dysport (Botulinumtoxin-TypA) zur Prävention von Migräne bei erwachsenen Teilnehmern.

Zukünftige Studien:

Es ist zu erwarten, dass in Zukunft weitere klinische Studien zur Migräne durchgeführt werden, um neue Therapieansätze zu entwickeln und die Versorgung von Migränepatienten zu verbessern.

Kopfschmerzregister der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Das DMKG-Kopfschmerzregister für Migränepatient:Innen ist ein Projekt der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), um Daten von Migränepatienten zu Forschungszwecken zu erheben. Das Kopfschmerzzentrum Frankfurt nimmt aktiv an diesem Forschungsprojekt teil.

Wie profitieren Sie als PatientIn vom Kopfschmerzregister?

Das Register hilft Ihnen, gut vorbereitet mit allen wichtigen Informationen zu Ihrem Arzttermin zu kommen und diese mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin zu teilen. Sie gewinnen Zeit für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt! Im Patientenportal werden die wichtigsten Informationen über Ihre Kopfschmerzen, Vorbehandlungen, Medikamente etc. abgefragt. Das Patientenportal soll vor dem Arzttermin ausgefüllt werden. Ideal ist 1-2 Wochen vorher, so dass Ihr Arzt/Ihre Ärztin aktuelle Daten hat. Ohne Einträge im Patientenportal ist eine Teilnahme am Register nicht möglich. Die DMKG-App ist ein digitaler Kopfschmerzkalender. Am besten beginnen Sie sofort damit, so dass Ihr Arzt/Ihre Ärztin einen möglichst langen Zeitraum Ihrer Kopfschmerzen überblicken kann.

sinCephalea: Personalisierte Ernährung als Therapieansatz

sinCephalea behandelt Migräne durch personalisierte Ernährung. Mit sinCephalea behandeln wir Migräne ganz natürlich, ohne Nebenwirkungen von Arzneimitteln und nachhaltig.

Ziel der Studie

Unser Ziel ist es zu beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung gibt. Wir wollen zeigen, dass eine personalisierte Ernährung als digitale Migränetherapie deine Lebensqualität und die vieler weiterer Betroffener verbessert.

Ablauf

Wenn du den Fragebogen erfolgreich ausgefüllt hast, kannst du einen Termin mit unserem Studienzentrum für die Visite ausmachen. Alles digital und an deinen Zeitplan angepasst. Du erfährst dann die weiteren Schritte und wirst offiziell in die Studie aufgenommen.

Die Visiten werden telemedizinisch durchgeführt, also über einen Videoanruf. Alle weiteren Phasen der Studie werden zu Hause mit der App durchgeführt. Zudem wird dir alles, was du benötigst, postalisch zugesendet. Es sind also während der gesamten Studie keine persönlichen Besuche beim Arzt nötig.

Die Rolle der Physiotherapie bei Migräne

Da ein Großteil der Migränepatientinnen über zusätzliche Nackenschmerzen klagen, ist eine Untersuchung des Nackens und ggfs. Behandlung durch Physiotherapeutinnen hilfreich.

Physiotherapie in Kombination mit Schmerzneurowissenschaftlicher Schulung

Physiotherapie in Kombination mit einer schmerzneurowissenschaftlichen Schulung ist bei der Verringerung der Migränehäufigkeit deutlich wirksamer als Physiotherapie allein.

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