Die Knochenhautentzündung (Periostitis) ist eine schmerzhafte Erkrankung, die vor allem Sportler betrifft. Sie kann jedoch auch bei Nicht-Sportlern auftreten. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Knochenhautentzündung am Schienbein erläutert, einschließlich der möglichen Ursachen für Taubheitsgefühle.
Was ist eine Knochenhautentzündung?
Der Begriff Periostitis bezeichnet eine Entzündung der Knochenhaut (Periost). Die Knochenhaut ist eine Bindegewebshülle, die fast die gesamte Oberfläche des Knochens bedeckt. Bei einer Periostitis ist diese Hülle entzündet.
Ursachen einer Knochenhautentzündung am Schienbein
Man unterscheidet durch Krankheitserreger (z. B. Bakterien) hervorgerufene Periostitiden von Entzündungen der Knochenhaut und solche mechanischer Ursache (z. B. Überbelastung/wiederholte Stöße).
Überlastung:
- Sportliche Betätigung: Eine der häufigsten Ursachen für eine Knochenhautentzündung ist die sportliche Überbelastung. Besonders betroffen sind Sportler, die Laufsportarten wie Joggen, Fußball, Tanzen, Wandern oder Skilanglauf ausüben.
- Schienbeinkantensyndrom: Häufig bei Läufern zu beobachten ist das sogenannte Schienbeinkantensyndrom. Hierbei handelt es sich um eine auf Grund von Überlastung entstandene Knochenhautentzündung des Schienbeins, die meist mit Schmerzen an der Innenseite des Schienbeins einhergeht und im schlimmsten Fall in einem Ermüdungsbruch münden kann.
- Falsches Schuhwerk: Ungeeignetes Schuhwerk ohne ausreichende Dämpfung kann ebenfalls zu einer Überlastung der Knochenhaut führen.
- Harte Böden: Das Laufen auf harten Böden kann die Knochenhaut zusätzlich belasten.
- Erhöhte Trainingsumfänge: Eine Überbeanspruchung durch deutlich erhöhte Trainingsumfänge kann ebenfalls eine Ursache sein.
- Fehlende Aufwärmphase: Eine fehlende Aufwärmphase vor dem Training kann problematisch sein, da unvorbereitete Muskeln und Gewebe anfälliger für Verletzungen sind.
- Muskelungleichgewichte: Muskelungleichgewichte zwischen der Wadenmuskulatur und den Muskeln des Schienbeins können zu einer ungleichmäßigen Belastung führen.
- Unzureichende Erholung: Fehlende Regenerationsphasen zwischen den Trainingseinheiten erhöhen die Gefahr einer Überlastung.
- Mangel an Flexibilität: Ein Mangel an Flexibilität - insbesondere in der Wadenmuskulatur - kann zusätzliche Spannung auf das Schienbein ausüben und Schmerzen begünstigen.
- Alter: Jugendliche im Wachstum und ältere Erwachsene sind durch Knochenwachstum oder Abnutzungserscheinungen besonders gefährdet.
- Trainingsunterbrechungen: Wer nach längeren Trainingsunterbrechungen plötzlich wieder mit hoher Intensität startet, läuft Gefahr, die Muskulatur und das Gewebe zu überfordern und Schienbeinschmerzen zu provozieren.
Infektionen:
- Bakterielle Infektionen: Krankheitserreger wie Viren und Bakterien können eine Knochenhautentzündung bedingen. Oftmals tritt die Periostitis dann zusammen mit einer Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) auf. Die Krankheitserreger können von außen durch Verletzungen oder Operationen in den Körper oder auch im Rahmen einer anderen Infektion an die Knochenhaut gelangen.
Weitere Ursachen:
- Fehlbelastungen: Fehlbelastungen der Füße, wie z.B. durch Knick-Senkfüße, können ebenfalls zu einer Knochenhautentzündung führen.
- Beinachsenfehlstellungen: X- oder O-Beine können ebenfalls zu Schmerzen im Schienbein führen.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule kann zu einer Nervenkompression führen, die Schmerzen im Schienbein verursacht.
- Tiefe Beinvenenthrombose: Eine tiefe Beinvenenthrombose kann ebenfalls Schmerzen im Schienbein verursachen.
- Knochenmarködem: Auch ein Knochenmarködem kann Schmerzen im Schienbein verursachen.
- Osteoidosteom: Unter einem Osteoidosteom versteht man einen gutartigen Tumor des Knochens. Häufig hiervon betroffen sind Kinder und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren. Tritt der Tumor im Bereich des Schienbeins auf, kann es auch hier zu Schmerzen, besonders nachts und im Ruhezustand kommen.
- Knochenmetastasen: Bösartige Tumore können Knochenmetastasen bilden und so Schmerzen im Schienbein verursachen.
- Polyneuropathie: Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der Nerven des peripheren Nervensystems. Häufig betroffen von der Polyneuropathie sind Diabetiker sowie Alkoholiker.
- Multiple Sklerose: Im Gegensatz zur Polyneuropathie sind bei der multiplen Sklerose keine Nerven des peripheren sondern des zentralen Nervensystems betroffen, also das Gehirn und Rückenmark. Ursachen hierfür sind bislang keine bekannt.
- Nährstoffmangel: Manchmal kann es auch vorkommen, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen zu Schmerzen des Unterschenkels und der Schienbeine führt. Zu nennen wäre u.a. Calciummangel, Magnesium oder Natriummangel, was dazu führen kann, dass es zu Knochenschmerzen und auch Schmerzen im Bereich des Schienbeins kommen kann.
Symptome einer Knochenhautentzündung am Schienbein
Neben Schmerzen zählt auch eine Schwellung des betroffenen Bereichs zu den Symptomen, die bei einer Knochenhautentzündung auftreten können. Die Symptome können je nach Ursache und Schweregrad der Entzündung variieren. Typische Symptome sind:
- Schmerzen:
- Stechende, dumpfe oder brennende Schmerzen entlang der Schienbeinkante.
- Die Schmerzen treten meist bei Belastung auf und können sich im Ruhezustand bessern.
- In fortgeschrittenen Fällen können die Schmerzen auch in Ruhe auftreten, besonders nachts.
- Druckempfindlichkeit: Der Bereich entlang der Schienbeinkante ist druckempfindlich.
- Schwellung: Eine Schwellung im Bereich der Schienbeinkante kann auftreten.
- Rötung: Die Haut über der entzündeten Knochenhaut kann gerötet sein.
- Überwärmung: Der betroffene Bereich kann sich wärmer anfühlen als die umliegende Haut.
- Funktionseinschränkungen: In schweren Fällen kann die Beweglichkeit des Fußes oder Knies eingeschränkt sein.
- Missempfindungen: Außerdem können Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle und Ziehen im betroffenen und angrenzenden Gebieten auftreten.
- Allgemeine Symptome: Manchmal kommt es auch zu Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl durch die Infektion.
Ursachen für Taubheitsgefühle
Taubheitsgefühle im Bereich des Schienbeins können verschiedene Ursachen haben:
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- Nervenkompression: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule kann zu einer Nervenkompression führen, die Taubheitsgefühle im Bein verursacht.
- Kompartmentsyndrom: Ein Kompartmentsyndrom kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen, da der erhöhte Druck in den Muskelkompartimenten die Nerven beeinträchtigen kann.
- Polyneuropathie: Die Polyneuropathie kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen.
- Multiple Sklerose: Auch die Multiple Sklerose kann Taubheitsgefühle verursachen.
- Direkte Nervenschädigung: Verletzungen oder Operationen im Bereich des Schienbeins können zu einer direkten Schädigung der Nerven führen.
Diagnose einer Knochenhautentzündung am Schienbein
Bei typischen, wiederkehrenden Schmerzen, beispielsweise am Schienbein, sollte frühestmöglich ärztlicher Rat eingeholt werden. Der Arzt kann aufgrund der Symptome und einer körperlichen Untersuchung meist schon die Diagnose stellen. Um andere Erkrankungen, wie beispielsweise Ermüdungsbrüche oder das Kompartmentsyndrom, auszuschließen, kann Röntgen oder ein MRT eingesetzt werden.
Anamnese: Der Arzt wird zunächst Fragen zu den Beschwerden, der sportlichen Aktivität und möglichen Vorerkrankungen stellen.
Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird das Schienbein abtasten, um die Schmerzpunkte zu lokalisieren und mögliche Schwellungen oder Rötungen festzustellen.
Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Ein Röntgenbild kann helfen, andere Ursachen für die Schmerzen, wie z.B. einen Ermüdungsbruch, auszuschließen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Die Methode des MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) stellt, wie die Sonographie, eine ebenfalls unschädliche Methode dar, weichteilige Gewebe, wie Muskeln, Sehnen und Nerven zu untersuchen. Die betroffene Körperregion wird durchleuchtet und in dünnen Schnittbildern dargestellt, was eine genauere Beurteilung erlaubt und so einen breiteren Ausschlussmöglicher Differenzialdiagnosen. Man verwendet diese Methode dann, wenn mit einfacheren Methoden wie Inspektion, Palpation oder auch Sonographie keine Diagnose gestellt werden kann.
- Ultraschall (Sonographie): Mit der Methode des Ultraschalls, auch Sonographie genannt, lassen sich besonders gut weichteilige Strukturen des Körpers wie Muskeln untersuchen. Hierzu durchdringen gesundheitlich unbedenkliche Ultraschallstrahlen die Gewebe und werden visuell auf einem Monitor dargestellt. Je nach Dichte und Eigenschaft des untersuchten Gewebes ändert sich die Farbe der dargestellten Struktur.
Laufanalyse: Beim Schienbeinkantensyndrom ist eine Laufanalyse sinnvoll, um die Ursache wie Technikfehler oder Schiefstellungen zu erkennen und in die Behandlung einbeziehen zu können. Die Laufanalyse dient dazu, Fehlstellungen in Hüft-, Knie- und Fußgelenken zu erkennen und dann zu korrigieren. Die Messung findet auf einem Laufband statt. Es wird sowohl barfuß als auch in Sportschuhen gemessen. Zu Beginn der Analyse werden an verschiedenen Gelenken wie Knie- und Sprunggelenk Meßpunkte angebracht. Zusätzlich werden Elektroden für die Elektromyografie (EMG) zur Messung der involvierten Muskulatur geklebt. Ziel ist eine mögliche Fehlhaltung zu diagnostizieren, um ihr schnell mit Übungen oder orthopädishen Schuheinlagen entgegen zu wirken um so auf lange Sicht darausresultierende Komplikationen zu verhindern.
Behandlung einer Knochenhautentzündung am Schienbein
Bei einer Knochenhautentzündung kommen vor allem konservative Maßnahmen zur Behandlung infrage, um Symptome und Entzündung zu lindern. Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
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Konservative Behandlung:
- Ruhe und Schonung: Sehr wichtig ist körperliche Schonung - es gilt die Einhaltung einer absoluten Trainingspause. Die sportliche Aktivität sollte stark reduziert oder angepasst werden, um das Schienbein zu entlasten.
- Kühlung: Lokale Kühlung kann helfen, die Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren.
- Entzündungshemmende Medikamente: Entzündungshemmende Salben und Tabletten können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen. Für kurzfristige Schmerzlinderung können Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen helfen, Entzündungen und Beschwerden zu reduzieren.
- Physiotherapie: Nach dem akuten Stadium ist Physiotherapie wichtig, um funktionell und koordinativ zu trainieren. Gezieltes Dehnen & Koordinationstraining: Bereits in der Akutphase sollte die Wadenmuskulatur regelmäßig gedehnt werden. Übungen auf instabilen Untergründen (z. B.
- Stoßwellentherapie: Sind für die Schmerzen muskuläre Verspannungen oder Verhärtungen ursächlich, kann eine Stoßwellentherapie Abhilfe schaffen. Diese energiereichen Schallwellen, die hörbar als auch spürbar sind, verbessern die Durchblutung des Gewebes und lindern so Verspannungen.
- Kybun: Kybun kann die Heilung während dem Auskurieren der Knochenhautentzündung unterstützen. Auf dem weich-elastischen Material werden die Stöße des harten Bodens gedämpft. Dadurch nehmen die Schmerzen ab und die Knochenhaut kann sich erholen.Nach der Rehabilitation ist kybun die beste Prävention vor einem Rückfall und bietet ein ideales Ausgleichstraining bzw.
- Einlagen: Bei Fußfehlformen oder -fehlstellungen kann eine Einlagenversorgung erfolgen.
- Schuhwechsel: Bei Läufern muss eventuell ein anderes Schuhmodell gewählt werden.
Weitere Maßnahmen:
- Kortisoninjektionen: Eine Kortisontherapie wird nur in seltenen Fällen angewendet.
- Operation: In extrem seltenen Fällen, wenn die Knochenhautentzündung bestehen bleibt, muss der Entzündungsherd operativ entfernt werden.
Dauer der Behandlung:
Eine Knochenhautentzündung kann äußerst langwierig sein, zum Teil dauert es mehrere Monate, bis die Schmerzen ganz verschwunden sind. Auch nach einer längeren symptomfreien Zeit kann es passieren, dass plötzlich wieder Schmerzen auftreten. Wohingegen ein Ermüdungsbruch bis zu 6 Monate Heilungsdauer benötigt, kann ein Schienbeinkantensyndrom auch bereits nach 3 Monaten ausgeheilt sein.
Wiedereinstieg ins Training:
Erst wenn kein Druckschmerz mehr vorhanden ist, sollte die sportliche Aktivität wieder aufgenommen werden. Wenn das Training zu früh wieder aufgenommen wird, kann es auch nach einer beschwerdefreien Phase wieder zu Schmerzen kommen. Deshalb darf mit dem Training erst wieder begonnen werden, wenn die Entzündung vollständig abgeklungen ist. Ansonsten droht eine chronische Knochenhautentzündung. Zu Beginn sollte dann das Training sehr langsam wieder aufgenommen und nur sukzessive gesteigert werden. Vorübergehend kann zum Trainieren auf schonende Sportarten wie Schwimmen ausgewichen werden.
Prävention einer Knochenhautentzündung am Schienbein
Viele Maßnahmen, die in der Therapie des Schienbeinkantensyndroms eingesetzt werden, helfen gleichzeitig bei der Prävention von Schienbeinschmerzen.
- Richtiges Schuhwerk: Menschen, die gerne laufen, sollten gutes, passendes Schuhwerk und dazu idealerweise eine Laufanalyse gemacht haben.
- Langsame Trainingssteigerung: Die Trainingsintensität sollte angepasst sein und nur langsam gesteigert werden.
- Regelmäßiges Dehnen: Gezieltes Dehnen der Wadenmuskulatur kann helfen, die Belastung auf das Schienbein zu reduzieren.
- Vermeidung von Überlastung: Wer mehr als 32 Kilometer pro Woche läuft, steigert das Risiko für eine Knochenhautentzündung am Schienbein.
- Weiche Böden: Vor allem ein Wechsel des Bodenbelags sollte langsam durchgeführt werden. Weiche Böden sind schonender für alle Gewebestrukturen.
- Körperhaltung: Achte auf deine Körperhaltung beim Gehen, Stehen und Sitzen.
- Abwechslung: Variiere deine Aktivitäten, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
Was tun bei Schmerzen am Schienbein ohne Sport?
Schmerzen im Schienbeinohne Sport im Ruhezustand treten oft auf und werde von der Bevölkerung meist als unegefährlich eingestuft. Wichitg ist hier jedoch zu unterscheiden, ob die bestehenden Schermzen am Schienbein auf eine harmlose Ursache zurücktuführen sind oder nicht. Sollten die Schmerzen länger andauern, besonders stark oder nicht von alleine verschwinden ist es wichtig, diese orthopädisch abzuklären. Es gibt viele verschiedene Ursachen warum ein Schienbein ohne Sport oder Grund im Ruhezustand schmerzt.
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