Knochenhautentzündung am Bein: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Knochenhautentzündung, auch Periostitis genannt, ist eine Entzündung der Knochenhaut, der bindegewebigen Hülle, die fast die gesamte Oberfläche des Knochens bedeckt. Sie kann an verschiedenen Knochen auftreten, besonders häufig jedoch am Schienbein. Die Entzündung kann durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden, wobei sowohl infektiöse als auch mechanische Ursachen in Frage kommen.

Was ist eine Knochenhautentzündung?

Die Knochenhaut (Periost) ist eine Schicht aus Bindegewebe, die den Knochen umhüllt und zahlreiche Nerven und Blutgefäße enthält. Sie dient der Ernährung und Regeneration des Knochens. Bei einer Knochenhautentzündung kommt es zu einer Entzündung dieser Schicht, oft begleitet von einer Ansammlung von Flüssigkeit oder Eiter. Typischerweise tritt eine Periostitis an Stellen auf, wo Muskeln oder Sehnen breitgefächert am Knochen ansetzen.

Ursachen einer Knochenhautentzündung

Eine Knochenhautentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich werden entzündliche und nicht-entzündliche Ursachen unterschieden.

Nicht-entzündliche Ursachen:

  • Überlastung: Eine der häufigsten Ursachen ist die Überlastung durch Sport, insbesondere bei Aktivitäten wie Laufen, Tanzen, Fußball, Wandern oder Skilanglauf. Diese Form der Periostitis tritt bevorzugt an der medialen Seite des Schienbeins oder an der Unterseite der Unterarme auf. Risikofaktoren sind:
    • Laufen auf hartem Boden
    • Zu schnelle Steigerung der Trainingsintensität
    • Fehlstellungen in Gelenken
    • Fußfehlstellungen
    • Muskuläre Dysbalance (Ungleichgewicht)
  • Trauma: Ein Sturz oder Schlag gegen das Schienbein kann ebenfalls eine Knochenhautreizung verursachen. Ein Beispiel hierfür ist der Bericht eines Patienten, der nach einem Sturz auf die Schienbeinkante eine harte Beule entwickelte.

Entzündliche Ursachen:

  • Infektionen: Infektionen und Erkrankungen in anderen Bereichen des Organismus können auf die Knochenhaut übergreifen, insbesondere bei Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen. Zu den Krankheitserregern, die eine Knochenhautentzündung auslösen können, gehören:
    • Staphylococcus aureus
    • Streptokokken
    • Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose)
    • Treponema pallidum (Syphilis)
  • Medikamente: Darüber hinaus wurden vermehrt Knochenhautentzündungen bei Personen beobachtet, die eine Behandlung mit Voriconazol erhielten. Dieser Wirkstoff wird eingesetzt, um Pilzinfektionen zu therapieren oder ihnen vorzubeugen.

Symptome einer Knochenhautentzündung

Eine Knochenhautentzündung verursacht typischerweise Schmerzen und Schwellungen im betroffenen Bereich. Die Schmerzen können stechend oder dumpf sein und treten oft bei Druck und Belastung auf. In Ruhe lassen die Schmerzen meist nach, es gibt jedoch auch Fälle, in denen Betroffene in Ruhe Beschwerden haben. Weitere Symptome können sein:

  • Schwellung: Im Bereich der Entzündung kann es zu einer Schwellung kommen.
  • Druckempfindlichkeit: Der betroffene Bereich ist oft sehr druckempfindlich.
  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle und Ziehen können in den betroffenen und angrenzenden Gebieten auftreten.
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl: Bei einer infektiösen Ursache können zusätzlich Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.
  • Schmerzen am Schienbein: Die Schmerzen sind besonders an der Vorderseite des Schienbeins spürbar. Typischerweise sind die Schmerzen zu Beginn der Bewegung am stärksten ausgeprägt, oft verspürt man schon nach kurzer Zeit einen stechenden Schmerz. Meist treten die Beschwerden beim nächsten Training erneut auf, zum Teil schmerzen die Schienbeine aber auch in Ruhe.

Diagnose einer Knochenhautentzündung

Um eine Knochenhautentzündung zu diagnostizieren, sind zunächst ein ärztliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung notwendig. Ergänzend dazu können noch weitere Verfahren zum Einsatz kommen:

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  • Röntgen: Ein Röntgenbild dient vor allem dem Ausschluss von Knochenbrüchen. Es kann auch alte knöcherne Verletzungen ausschließen, wie in dem Fallbeispiel des Patienten, der nach einem Sturz eine Beule am Schienbein entwickelte.
  • Knochenszintigraphie:
  • Magnetresonanztomographie (MRT): MRT-Aufnahmen werden in der Regel dann durchgeführt, wenn vorangegangene Untersuchungen, wie z.B. Röntgen oder Ultraschall, keinen Hinweis auf Verletzungen oder strukturelle Schäden gegeben haben, aber die Beschwerden weiterhin bestehen. Die MRT ist eine strahlungsfreie Schnittbilduntersuchung, die es ermöglicht, alle Gewebe um den Knochen herum detailliert darzustellen.
  • Ultraschall: Ultraschalluntersuchungen sind bei Schienbeinschmerzen sehr hilfreich, da sie die dicht unter der Haut liegenden Bereiche gut darstellen können. Mit diesem Verfahren lassen sich Sehnen, Muskeln und auch Teile des Schienbeinsgenau untersuchen. Der Untersucher fährt mit dem Ultraschallkopf dicht über das Schienbein, um die darunterliegenden Strukturen zu überprüfen.
  • Laufbandanalyse: Der Patient wird auf ein Laufband gestellt, und eine Kamera zeichnet seine Bewegungen auf. Zusätzliche Elektroden werden auf den Muskeln des Patienten platziert, um die elektrische Aktivität der Muskeln zu messen. Ein Computer analysiert die Daten, um etwaige Fehlbelastungen im Bewegungsablauf aufzudecken.

Behandlung einer Knochenhautentzündung

Die Behandlung einer Knochenhautentzündung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Im Allgemeinen kommen konservative Maßnahmen zum Einsatz, um die Symptome zu lindern und die Entzündung zu heilen.

Konservative Behandlung:

  • Schonung: In der akuten Phase ist es wichtig, die Belastung zu reduzieren. Dazu können Gehstützen, Schienen und/oder Tape-Verbände eingesetzt werden.
  • Kühlung: Der verletzte Körperteil sollte gekühlt und hochgelagert werden.
  • Schmerzmittel: In den ersten Tagen können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz kommen, insbesondere Ibuprofen oder Diclofenac. Diese Schmerzmittel wirken gleichzeitig entzündungshemmend. Eine längerfristige Einnahme sollte allerdings nur nach ärztlicher Absprache erfolgen, da eine Dauertherapie mit diesen Wirkstoffen den Verdauungstrakt und das Herz-Kreislauf-System belasten kann.
  • Physiotherapie: Physiotherapie, Einlagen für die Schuhe oder ein Wechsel der Laufschuhe (passend zu Laufstil und Fußposition) sind weitere Behandlungsoptionen. Eine Laufbandanalyse kann dabei helfen, das passende Schuhwerk zu finden. Langfristig sind vorsichtiges Muskeltraining und Dehnübungen wichtig, um einem Wiederaufflammen der Beschwerden vorzubeugen.
  • Dehnübungen: Betroffene können bei einer akuten Knochenhautentzündung des Schienbeins die Wadenmuskulatur mehrmals täglich dehnen.
  • Kybun: Kybun kann die Heilung während dem Auskurieren der Knochenhautentzündung unterstützen. Auf dem weich-elastischen Material werden die Stöße des harten Bodens gedämpft. Dadurch nehmen die Schmerzen ab und die Knochenhaut kann sich erholen. Nach der Rehabilitation ist kybun die beste Prävention vor einem Rückfall und bietet ein ideales Ausgleichstraining.

Operative Behandlung:

  • Operation: Führt keine der genannten Maßnahmen zum Erfolg und treten die Symptome immer wieder auf, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. In extrem seltenen Fällen, wenn die Knochenhautentzündung bestehen bleibt, muss der Entzündungsherd operativ entfernt werden.

Verlauf und Vorbeugung

Für die Knochenhautentzündung sind immer wiederkehrende Beschwerden typisch. Es handelt sich zumeist um eine chronische Veränderung der Knochenhaut, sodass die Symptome nach längeren beschwerdefreien Phasen oft wiederaufflammen.

Vorbeugung:

  • Trainingsintensität moderat steigern: Um einer Knochenhautentzündung vorzubeugen, ist es wichtig, die Trainingsintensität moderat zu steigern und sich vor jeder Einheit gründlich aufzuwärmen.
  • Geeignetes Schuhwerk: Schuhwerk mit dämpfenden Sohlen sowie das Meiden zu harter Untergründe sind ebenfalls notwendig.
  • Regelmäßiges Dehnen:
  • Laufbandanalyse: Eine Laufbandanalyse kann helfen, Fehlbelastungen zu erkennen und zu korrigieren.
  • Fußstellung überprüfen: Lassen Sie von einem Orthopäden Ihre Fußstellung sowie Ihre Lauftechnik überprüfen - unter Umständen brauchen Sie Einlagen. Haben Sie bereits Einlagen, sollten Sie den Sitz kontrollieren lassen.
  • Regenerationszeiten einhalten: Gönnen Sie sich zwischen den einzelnen Trainingseinheiten genügend Zeit zur Regeneration.

Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints)

Eine spezielle Form der Knochenhautentzündung ist das Schienbeinkantensyndrom, auch bekannt als mediales Tibiakantensyndrom oder Shin Splints. Es handelt sich um eine Überlastungsverletzung, die durch wiederholte, starke Belastung der Muskulatur und Sehnen entlang der Schienbeinkante entsteht.

Ursachen:

  • Überlastung
  • Falsche Technik
  • Ungeeignetes Schuhwerk
  • Harte Untergründe
  • Mangelnde Flexibilität und muskuläre Ungleichgewichte

Symptome:

  • Scharfer, stechender Schmerz entlang der Vorder- und Innenseite des Unterschenkels
  • Schwellungen
  • Druckempfindlichkeit

Behandlung:

Die Behandlung des Schienbeinkantensyndroms ähnelt der Behandlung einer allgemeinen Knochenhautentzündung und umfasst Schonung, Kühlung, Schmerzmittel, Physiotherapie und Dehnübungen.

Schmerzen am Schienbein ohne Sport

Schmerzen am Schienbein ohne sportliche Betätigung können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die Ursache der Schmerzen zu ermitteln, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

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Mögliche Ursachen:

  • Fehlbelastung/Überbelastung: Überbeanspruchung oder Überlastung der Schienbeinmuskulatur durch wiederholtes Laufen, Gehen oder Sportarten mit viel Springen kann zu Schienbeinschmerzen führen.
  • Bandscheibenvorfall der LWS: Eine Nervenkompression im Bereich des Schienbeins kann zu Schmerzen führen.
  • Stressfrakturen (Ermüdungsbruch): Stressfrakturen sind kleine Risse im Knochen, die durch wiederholte Belastung ohne ausreichende Ruhephasen entstehen können.
  • Fußfehlstellungen: Plattfüße oder X-Beine können zu Schmerzen im Schienbein führen.
  • Tiefe Beinvenenthrombose: Ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen kann Schmerzen und Schwellungen verursachen.
  • Knochenhautentzündung: Auch ohne sportliche Betätigung kann eine Knochenhautentzündung auftreten.
  • Knochenmarködem: Eine Wasseransammlung im Knochenmark kann Schmerzen verursachen.
  • Polyneuropathie: Eine Erkrankung der peripheren Nerven kann Schmerzen und Missempfindungen verursachen.
  • Osteoidosteom: Ein gutartiger Knochentumor kann Schmerzen verursachen, besonders nachts und im Ruhezustand.
  • Knochenmetastasen: Absiedlungen von Tumoren in die Knochen können Schmerzen verursachen.

Diagnose:

Die Diagnose von Schmerzen am Schienbein ohne Sport umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT.

Behandlung:

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Sie kann Schonung, Schmerzmittel, Physiotherapie, Einlagen oder in seltenen Fällen eine Operation umfassen.

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