Die Thermokoagulation ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule. Sie wird eingesetzt, wenn konservative Behandlungen keine ausreichende Linderung verschaffen. Bei diesem Verfahren werden schmerzleitende Nerven durch Hitze verödet, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
Was ist Thermokoagulation?
Die Thermokoagulation ist eine therapeutische Methode zur Schmerzbehandlung, bei der hochfrequenter elektrischer Strom verwendet wird, um Nerven zu veröden. Dabei wird eine Sonde unter Röntgenkontrolle in die Nähe des betroffenen Nervs platziert. Durch Erhitzung wird der Nerv gezielt zerstört, wodurch die Schmerzweiterleitung zum Gehirn unterbunden wird.
Anwendungsbereiche der Thermokoagulation
Die Thermokoagulation findet Anwendung bei verschiedenen Arten von chronischen Schmerzen, insbesondere:
- ISG-Syndrom: Bei der ISG-Denervierung werden die kleinen Nervenäste verödet, die Schmerzsignale aus dem erkrankten Iliosakralgelenk (Kreuzdarmbeingelenk) zum zentralen Nervensystem transportieren. Dies ist eine Option, wenn konservative Behandlungen wie Physiotherapie nicht ausreichend helfen.
- Facettensyndrom: Bei Rückenschmerzen, die von den Facettengelenken (Wirbelgelenken) ausgehen, kann eine Facettendenervation in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Nerven am Wirbelgelenk verödet, die den Schmerz an das Gehirn weiterleiten.
- Trigeminusneuralgie: Die fraktionierte Thermokoagulation ist eine therapeutische Methode, die bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie eingesetzt wird. Dabei wird Wärme erzeugt, die gezielt auf bestimmte Nervenstrukturen angewendet wird, um deren Schmerzsignale zu blockieren.
Voraussetzungen für eine Thermokoagulation
Bevor eine Thermokoagulation durchgeführt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
- Chronische Schmerzen: Die Schmerzen müssen seit mindestens drei Monaten bestehen und den Alltag erheblich einschränken.
- Erfolglose konservative Behandlungen: Eine Kombination aus Bewegung, Kräftigungsübungen und Medikamenten hat keine ausreichende Besserung gebracht.
- Hinweise auf die Schmerzursache: Ärztliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass die Beschwerden von den Facettengelenken oder dem Iliosakralgelenk ausgehen.
- Positive Facettenblockade: Mindestens eine Facettenblockade zeigt, dass die Schmerzen wahrscheinlich in einem oder mehreren Facettengelenken entstehen.
Ablauf der Thermokoagulation
Die Thermokoagulation ist ein minimalinvasiver Eingriff, der in der Regel ambulant durchgeführt wird. Der Ablauf kann je nach Anwendungsbereich variieren, umfasst aber im Wesentlichen folgende Schritte:
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- Vorbereitung: Der Patient liegt auf dem Bauch, und das schmerzende Segment der Wirbelsäule wird örtlich betäubt.
- Platzierung der Kanüle: Unter Durchleuchtungskontrolle wird eine Führungskanüle an den Zielpunkt in der Nähe des betroffenen Nervs geführt.
- Positionierung der Sonde: Durch die Kanüle wird eine kleine Sonde an die betroffenen Nervenäste geführt. Die präzise Positionierung der Elektrodenspitze wird kontrolliert.
- Verödung des Nervs: Mit der Sonde wird entweder Hitze (Thermokoagulation oder Radiofrequenzdenervation) oder Kälte (Kryodenervation) übertragen, um den Nerv zu veröden. Bei der Thermokoagulation wird die Sondenspitze eine Minute lang auf ca. 45 bis 80 Grad erhitzt.
- Abschluss: Nach der Behandlung wird die Kanüle entfernt, und die Einstichstelle wird versorgt.
Diagnostische Facettenblockade
Um möglichst sicher festzustellen, ob eines oder mehrere Facettengelenke den Schmerz auslösen, ist eine sogenannte Facettenblockade nötig (auch diagnostischer Block genannt). Dabei wird ein kurz wirksames Betäubungsmittel an die Seitenäste der Spinalnerven gespritzt, die die Facettengelenke im betroffenen Rückenbereich versorgen. Zwar ist die Facettenblockade die beste Methode, um Facettenschmerzen festzustellen - falsche Diagnosen sind aber trotzdem möglich. Denn manchmal schaltet die Facettenblockade auch Schmerzen aus, die gar nicht von den Facettengelenken kommen, sondern von Rückenmuskeln oder Wirbelbändern, die von benachbarten Nerven versorgt werden. Aus Studien weiß man, dass die Schmerzen nach einer solchen Injektion bei bis zu 50 % der so Untersuchten auch nachlassen, wenn sie nicht von den Facettengelenken ausgehen. Um die Aussagekraft der Untersuchung zu erhöhen, wird die Facettenblockade daher manchmal wiederholt.
Radiofrequenztherapie (RFT)
Die Radiofrequenztherapie (RFT) ist eine innovative, minimalinvasive Methode zur Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden. Die Durchführung erfolgt ambulant und unter Lokalanästhesie, wodurch Patienten schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren können. Der Patient liegt mit dem Bauch auf die Untersuchungsliege. Das schmerzende Segment der Wirbelsäule wird örtlich betäubt. Anschließend wird eine Führungskanüle unter Durchleuchtungskontrolle an den Zielpunkt geführt. Die präzise Positionierung der Elektrodenspitze des im Gerät integrierten Stimulators wird kontrolliert. Durch die Kanüle wird die Hitzesonde eingeführt und temperaturgesteuert punktuell erhitzt.
Thermokoagulation bei Trigeminusneuralgie
Die fraktionierte Thermokoagulation ist eine therapeutische Methode, die bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie eingesetzt wird. Trigeminusneuralgie ist eine schmerzhafte neurologische Erkrankung, die durch plötzlich einsetzende, stechende oder brennende Schmerzen im Versorgungsbereich des Trigeminusnervs (insbesondere im Gesicht) gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen können extrem intensiv und oft sehr belastend sein, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt.
Die fraktionierte Thermokoagulation (auch als radiofrequente Thermokoagulation bezeichnet) ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem hochfrequente Radiowellen genutzt werden, um gezielt Nervenfasern zu veröden (koagulieren). Dabei wird Wärme erzeugt, die gezielt auf bestimmte Nervenstrukturen angewendet wird, um deren Schmerzsignale zu blockieren.
Verfahren
- Lokalanästhesie: Zunächst wird der Patient lokal betäubt. In der Regel wird das Verfahren in einer MRT-gesteuerten Umgebung durchgeführt, um präzise das zu behandelnde Areal des Trigeminusnervs anzusteuern.
- Elektrodenplatzierung: Ein dünner Nadel-Elektrodenleiter wird durch die Haut oder über die Mundhöhle an das betroffene Gebiet des Trigeminusnervs geführt. Dies kann entweder durch die Haut oder durch eine gezielte Punktionsstelle innerhalb des Mundes erfolgen (je nach dem Bereich des Nerven, der betroffen ist).
- Radiofrequente Energie: Über die Elektrode wird dann hochfrequente Radiofrequenzenergie abgegeben, die Wärme erzeugt. Diese Wärme koaguliert (verödet) die betroffenen Nervenfasern, insbesondere die Schmerzleitenden Fasern, ohne den gesamten Nerv zu schädigen.
- Fraktionierung: Die fraktionierte Thermokoagulation bezieht sich darauf, dass diese Technik nicht den gesamten Nerv auf einmal behandelt, sondern in schrittweisen, kleinen Zonen (fraktioniert). Dadurch werden die schmerzleitenden Bereiche gezielt behandelt, während die funktionellen Nervenanteile, die für andere Funktionen wie die Gesichtsmuskeln zuständig sind, erhalten bleiben.
Ziele und Vorteile der fraktionierten Thermokoagulation
- Schmerzlinderung: Das Hauptziel dieser Methode ist die signifikante Reduktion oder Beseitigung der starken Schmerzen, die mit der Trigeminusneuralgie einhergehen. In vielen Fällen führt die Behandlung zu einer sofortigen oder kurzfristigen Schmerzlinderung.
- Minimal-invasiv: Die fraktionierte Thermokoagulation ist ein weniger invasiver Eingriff im Vergleich zu chirurgischen Verfahren wie einer Mikrovaskulären Dekompression (MVD), bei der das umliegende Gewebe des Nervs operativ entlastet wird.
- Gezielte Behandlung: Da die Technik gezielt auf den betroffenen Bereich des Trigeminusnervs angewendet wird, bleibt das gesunde Nervengewebe weitgehend intakt, was das Risiko von Nebenwirkungen oder funktionellen Beeinträchtigungen minimiert.
- Wiederholbarkeit: Sollte es zu einem Rückfall der Symptome kommen, kann die fraktionierte Thermokoagulation oft wiederholt werden, da sie ein flexibles und reversibles Verfahren ist.
- Kurze Erholungszeit: Nach der Behandlung kann der Patient in der Regel schnell wieder nach Hause gehen und sich in den meisten Fällen schnell erholen, da keine großflächige Operation erforderlich ist.
Wirksamkeit der fraktionierten Thermokoagulation
Die fraktionierte Thermokoagulation ist eine der etablierten minimal-invasiven Methoden zur Behandlung von Trigeminusneuralgie und wird oft als Option für Patienten betrachtet, die nicht auf Medikamente ansprechen oder die eine chirurgische Intervention scheuen. Studien und klinische Erfahrungen zeigen, dass die Methode in vielen Fällen zu einer signifikanten Schmerzlinderung führen kann, wobei die Wirksamkeit häufig hoch ist, insbesondere wenn der Eingriff früh im Krankheitsverlauf durchgeführt wird.
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Die Wirksamkeit der Behandlung variiert jedoch je nach Patient, wobei etwa 60-80% der Patienten nach der Behandlung eine Verbesserung oder eine komplette Schmerzlinderung erfahren können. Die Dauer der Schmerzlinderung kann von Monaten bis zu mehreren Jahren reichen, und bei Rückfällen ist eine erneute Behandlung möglich.
Vorteile der Thermokoagulation
- Minimalinvasiv: Die Thermokoagulation ist ein schonendes Verfahren, das nur kleine Einschnitte erfordert.
- Ambulante Durchführung: Der Eingriff kann in der Regel ambulant durchgeführt werden, sodass der Patient noch am selben Tag nach Hause gehen kann.
- Gezielte Behandlung: Die Thermokoagulation wirkt gezielt am Schmerzpunkt und schont umliegendes Gewebe.
- Langfristige Schmerzlinderung: Die Verödung der Nerven kann die Schmerzweiterleitung für längere Zeit unterbrechen.
- Wiederholbarkeit: Bei Bedarf kann die Behandlung wiederholt werden.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie bei jedem medizinischen Eingriff birgt auch die Thermokoagulation gewisse Risiken und Nebenwirkungen:
- Schmerzen an der Einstichstelle: Nach der Behandlung kann es zu Schmerzen und Blutergüssen an der Einstichstelle kommen.
- Hautirritationen: Die umliegende Haut kann für einige Tage bis Wochen druckempfindlich sein, taub werden, kribbeln oder jucken.
- Bewegungseinschränkungen: Manchmal ist die Beweglichkeit etwas eingeschränkt, weil das erhitzte Gewebe gereizt ist.
- Nervenentzündung: Die verödeten Nerven können sich vorübergehend entzünden, was sich ähnlich anfühlt wie ein Sonnenbrand.
- Muskelschwäche: Die Verödung kann Muskeln und Bänder zwischen den Wirbeln schwächen.
- Nervenverletzungen: In seltenen Fällen kann es zu vorübergehenden Beinschmerzen, einem Schwächegefühl oder Taubheit in den Beinen kommen, wenn versehentlich eine Nervenwurzel erhitzt wird.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit
Studien deuten darauf hin, dass eine Facettendenervation Schmerzen über einen Zeitraum von etwa vier Wochen lindern kann. Längerfristig zeigte sich allerdings kein Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung. Eine große Studie untersuchte, was bei einer Facettenarthrose besser hilft: Physiotherapie allein oder Physiotherapie plus Facettendenervation. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine konservative Therapie mit 8 bis 12 Stunden Physiotherapie innerhalb von 3 Monaten und bei Bedarf auch psychotherapeutische Unterstützung.
Alternativen zur Thermokoagulation
Es gibt verschiedene alternative Behandlungsmethoden für chronische Schmerzen, die je nach Ursache und Art der Schmerzen in Frage kommen:
- Konservative Behandlungen: Physiotherapie, Schmerzmittel,Injektionen.
- Periradikuläre Injektionstherapie (PRT) oder die peridurale Infiltration (PDI): Dabei wird eine Medikamentenkombination über eine dünne Kanüle genau an den Ort appliziert, an dem der Nerv gereizt ist.
- Operationen: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beheben.
- Endoskopische Denervation: Dabei können neben der Verödung auch Knochen abgetragen, Nerven und Bänder durchtrennt oder das Gelenk gespült werden.
- Wirbelsäulenkatheterbehandlung mit Hitzesonde
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