Kolloidales Silber und seine angebliche Wirkung bei Hirntumoren: Was sagt die Wissenschaft?

Kolloidales Silber ist ein viel diskutiertes Produkt, dem von einigen Anwendern und Herstellern zahlreiche positive Gesundheitseffekte zugeschrieben werden, darunter auch eine Wirkung gegen Krebs. Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftliche Evidenzlage zu kolloidalem Silber, insbesondere im Hinblick auf seine angebliche Wirkung bei Hirntumoren, und stellt die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen dar.

Was ist kolloidales Silber?

Kolloidales Silber besteht aus winzigen Silberpartikeln (Nanosilber) in destilliertem Wasser. Es ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, oft mit dem Zusatz "für technische Anwendungen". Produkte mit kolloidalem Silber gibt es in unterschiedlichen Formen und mit verschiedenen Konzentrationen der Silberpartikel. Es kann äußerlich in Form von Salben, Cremes, Seifen, Gesichtswassern oder Lotionen angewendet werden. Zur innerlichen Anwendung kann Silberwasser auch getrunken werden. Zudem sind beispielsweise auch Nasentropfen mit Silberteilchen erhältlich, die gegen Erkältungsviren und Bakterien wirken sollen.

Angebliche Wirkungen von kolloidalem Silber

Einigen Herstellern zufolge soll kolloidales Silber ein wahres Wundermittel sein, eine Allzweckwaffe gegen Gesundheitsprobleme aller Art. Es soll das Immunsystem anregen, Bakterien, Viren und Pilze bekämpfen, Entzündungen entgegenwirken und bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen, von Mundgeruch bis hin zu schweren Krankheiten wie Blutvergiftung, Hepatitis oder Hirnhautentzündung. Sogar während der Ebola-Epidemie wurde kolloidales Silber von einigen als hilfreiche Behandlung angepriesen.

Wissenschaftliche Bewertung der Wirksamkeit

Bislang gibt es keine klinischen Studien, die einen Nutzen von kolloidalem Silber in Bezug auf Erkrankungen belegen. Eingenommene Silberpartikel erfüllen im Körper keinerlei Funktion und haben auch keinen Nutzen im Sinne von Nahrungsergänzungsmitteln. Der Körper benötigt Silber im Vergleich zu Mineralstoffen nicht zum Leben. Im Gegenteil: Silber kann als Zellgift wirken - vor allem in Form von Nanosilber, wie es in Silberwasser enthalten ist. Die kleinsten Partikel können sich tief im Gewebe ablagern und so möglicherweise biochemische Prozesse stören. Produkte mit derartigen Silberverbindungen sind daher bislang nicht als Arzneimittel zugelassen.

Auf der Haut können die Teilchen aus Silber dagegen möglicherweise einen medizinischen Zweck erfüllen, so zum Beispiel in Verbandsmaterialien für Verbrennungen, Wunden oder Hautinfektionen. Allerdings sind die Studienergebnisse hierzu widersprüchlich.

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Zwar kann kolloidales Silber tatsächlich gegen Bakterien wirken. Als angeblichen Vorteil gegenüber einem Antibiotikum führen Hersteller allerdings oft auf, dass Bakterien nicht dagegen resistent werden können. Das stimmt so nicht: Bakterien können durchaus gegen Silber resistent werden. Zumal bei Einnahme von kolloidalem Silber bedacht werden muss, dass die "antibiotische Wirkung" nicht unterscheidet, welche Bakterien im Körper nützlich sind und eventuell benötigt werden. Entsprechend könnte sich durch die Einnahme beispielsweise die Darmflora ungünstig verändern.

Auch ob Silberkolloide das Immunsystem anregen können, bleibt fraglich. Studien mit Menschen gibt es hierzu nicht.

Es ist wichtig zu betonen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass kolloidales Silber bei der Behandlung von Hirntumoren wirksam ist. Die Anwendung von kolloidalem Silber sollte daher nicht als Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung in Betracht gezogen werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Kolloidales Silber kann verschiedene Nebenwirkungen hervorrufen. Wer kolloidales Silber monatelang einnimmt, muss mit unschönen Effekten rechnen. Denn das Silber lagert sich im Körper ab und kann zur sogenannten Argyrie führen. Dabei nehmen Haut und Schleimhäute eine blau-schwarze Färbung an. Gesundheitlich ist die Verfärbung im Grunde kein Problem, sie lässt sich jedoch nicht rückgängig machen.

Darüber hinaus kann die Einnahme von kolloidalem Silber die Aufnahme von Medikamenten im Körper beeinträchtigen.

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Kolloidales Silber vs. Gold in der Krebstherapie: Ein Vergleich

Während kolloidales Silber in der Krebstherapie umstritten ist, gibt es vielversprechende Forschungsergebnisse im Bereich der Goldnanotechnologie. Australische Wissenschaftler haben Moleküle auf Goldbasis entwickelt, die Krebszellen gezielt angreifen und weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Chemotherapeutika.

Laborstudien haben gezeigt, dass diese Gold-Moleküle Krebszellen bis zu 24 Mal wirksamer abtöten können als Cisplatin, ein weit verbreitetes Krebsmedikament. Sie hemmen auch das Tumorwachstum besser und steuern Krebszellen zielgenauer an, wodurch weniger gesunde Zellen zerstört werden. Darüber hinaus behalten die synthetischen Moleküle ihre Wirksamkeit langfristig, anders als viele Zytostatika, gegen die Krebszellen Resistenzen entwickeln können.

Die Gold-Moleküle können das Enzym Thioredoxinreduktase hemmen, das in Krebszellen vorkommt und für die Entwicklung von Arzneimittelresistenzen verantwortlich ist. Sie haben auch stark entzündungshemmende Eigenschaften, was sie potenziell für die Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen wie Arthrose interessant macht.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich die Entwicklung von goldbasierten Krebsmedikamenten bisher auf Labor- und Tierversuche beschränkt. Klinische Studien mit Patienten sind der nächste Schritt.

Alternative Ansätze in der Krebstherapie

Neben der Goldnanotechnologie gibt es weitere innovative Ansätze in der Krebstherapie, die vielversprechende Ergebnisse zeigen:

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  • Virotherapie: Wissenschaftler nutzen modifizierte Impfviren, um Krebszellen gezielt zu infizieren und zu zerstören. Diese Viren vermehren sich in den Krebszellen, wodurch diese platzen und weitere Viren freisetzen, die den Tumor befallen. Einige dieser Virotherapien werden bereits in klinischen Studien getestet.
  • Magnetfeld-basierte Therapie: Forscher des Universitätsklinikums Freiburg haben ein System entwickelt, das mithilfe von Magnetfeldern verschiedene Elemente aus Diagnostik und Therapie miteinander verbindet. Dies ermöglicht eine besonders präzise und schonende Behandlung durch Hyperthermie, das Überwärmen des Tumorgewebes.

Was können Krebspatienten selbst tun?

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Krebspatienten selbst ergreifen können, um ihre Genesung zu unterstützen:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Vollwertkost kann helfen, den Körper zu stärken und die Nebenwirkungen der Therapie zu lindern.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die körperliche und geistige Gesundheit verbessern.
  • Naturheilkundliche Maßnahmen: Einige naturheilkundliche Maßnahmen können die Wundheilung unterstützen und das Immunsystem stärken. Es ist jedoch wichtig, diese Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

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