König Salman: Gesundheitliche Bedenken und die Zukunft Saudi-Arabiens

Der Tod von König Abdullah von Saudi-Arabien und die Thronfolge seines Halbbruders Salman haben viele Fragen über die Zukunft des Königreichs aufgeworfen. Während Salman beteuerte, die Politik seiner Vorgänger fortzusetzen, nähren Zweifel an seiner Gesundheit und Eignung Bedenken hinsichtlich der Stabilität Saudi-Arabiens in einer turbulenten Region.

Thronwechsel in einer schwierigen Zeit

Nach dem Tod von König Abdullah übernahm dessen Halbbruder Salman die Macht in Saudi-Arabien. Salman beteuerte, die Politik seiner Vorgänger fortzusetzen. Der Westen hofft darauf, dass Salman das Versprechen einhalten kann. Das konservativ-islamische geführte Land gilt als letzter Stabilitätsanker in einer Region voller Krieg und Terror. Unter den arabischen Verbündeten im Kampf gegen den IS galten die Saudis als der treueste.

Dieser Thronwechsel findet in einer für Saudi-Arabien sehr schwierigen Zeit statt. Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak bis an die Grenzen des Königreichs und der Staatszerfall im benachbarten Jemen haben das Herrscherhaus alarmiert. Umso mehr ist Saudi-Arabien auf eine handlungsfähige Regierung angewiesen.

Zweifel an Salmans Gesundheit

Schon Salmans erste TV-Ansprache nährte Zweifel an seiner Belastbarkeit. Der neue Regent sprach kurzatmig und mit schwacher Stimme. Dabei war er nur schwer zu verstehen. Schon bevor er offiziell den Thron bestiegen hat, eilen ihm die Zweifel an seiner Eignung voraus.

Es gibt Gerüchte, dass er bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hat und an Alzheimer leidet. Beobachter bezweifeln daher, dass Salman die Fäden wirklich in der Hand halten kann.

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Die Nachfolgefrage

Umso mehr gerät mit dem Thronwechsel schon der Nachfolger des Nachfolgers in den Blick: Neuer saudischer Kronprinz ist der 69 Jahre alte Prinz Mukrin, der jüngste Sohn von Staatsgründer Abdelasis. Zum stellvertretenden Kronprinzen ernannte der Königshof Prinz Mohammed bin Naif.

Als neuer starker Mann in Saudi-Arabien gilt deshalb der zum Kronprinzen ernannte Mukrin. Zum Vize-Kronprinzen ernannte der Königshof Prinz Mohammed bin Naif. Dieser wäre im Falle einer Machtübernahme der erste Vertreter aus der Enkelgeneration des Staatsgründers, der auf den Thron käme. Salmans Sohn Mohammed wurde zum Verteidigungsminister ernannt.

Herausforderungen für Saudi-Arabien

Saudi-Arabien steht vor großen Herausforderungen. Besonders bedrohlich ist die Entwicklung im Nachbarland Irak. Viele Saudis fühlen sich zu der Terrormiliz „Islamischen Staat“ hingezogen, unterstützen die Kämpfe in Irak und Syrien und auch in Saudi-Arabien soll es zahlreiche Anhänger geben, die mit der Regierung der Königsfamilie al-Saud unzufrieden sind.

Im November hat IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi das Königreich zu einem möglichen nächsten Angriffsziel erklärt und der Regierung direkt gedroht. Ein Selbstmordanschlag auf einen Posten der saudischen Grenztruppen am frühen Montagmorgen wird IS-Kämpfern zugeschrieben und zeigt, wie nahe die Kämpfer schon gekommen sind.

Ausgerechnet in dieser Zeit steht Saudi-Arabien auch wirtschaftlich in der Krise. Der in den vergangenen Monaten gesunkene Ölpreis reißt eine Lücke ins Budget und die Regierung verliert an Handlungsspielraum. Als sehr bedrohlich empfinden viele Saudis auch das Erstarken Irans und eine mögliche Annäherung zwischen Teheran und Washington. Sie befürchten, Saudi-Arabien könne dadurch an Einfluss verlieren.

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Nicht zuletzt machen sich ganz besonders die saudischen Frauen Sorgen: König Abdullah steht dafür, dass er langsam, aber gewiss den Frauen mehr Rechte gibt und langsame Reformen der sehr konservativen Gesellschaftsordnung durchsetzt.

Die Rolle des Islamischen Staates

Das Land wird vom Islamischen Staat bedroht. Das Problem der Saudis ist, dass der IS dem Wahhabismus folgt, genauso wie Saudi-Arabien und somit mit den gleichen ideologischen Waffen kämpft. Der IS stößt deshalb auf Akzeptanz in Saudi-Arabien und will das Land destabilisieren, um seine strenge Auslegung des Islams durchzusetzen. Dazu kommt eine Bedrohung durch Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel im Jemen.

Wirtschaftliche Herausforderungen

Auch wirtschaftlich steckt das Land in einer Krise. Der in den vergangenen Monaten gesunkene Ölpreis reißt eine Lücke ins Budget und die Regierung verliert an Handlungsspielraum.

Regionale Spannungen

Der Iran hat seine Position im Nordjemen gestärkt. Die Iraner drängen auf mehr Einfluss in der Golfregion. Die Saudis auf der anderen Seite wollen ihre Führungsrolle in der Arabischen Welt bewahren. Da geht es auch um den sunnitisch-schiitischen Bürgerkrieg. Der neue König wird auf die neuen Machtverhältnisse im Jemen reagieren müssen.

Saudi-Arabien ist beunruhigt über die Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Die USA waren immer ein Partner der Saudis, politisch und wirtschaftlich, zum Beispiel beim Thema Öl. Nun fürchten sie zum einen, dass die USA den regionalen Einfluss der Iraner akzeptieren und damit die Saudis an Einfluss verlieren. Zum anderen sorgen sie sich, dass das Embargo gegen den Iran aufgehoben wird und die Iraner dann ihr Öl auf den Weltmarkt schmeißen. Das würde den Ölpreis noch weiter fallen lassen. Die Saudis hatten auf einen Militärschlag der Amerikaner gegen den Iran gehofft. Der ist zu ihrem Ärger ausgeblieben.

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Innenpolitische Reformen

Innenpolitische Reformen werden also erst einmal ausbleiben. Es ist nicht zu erwarten, dass der zaghafte Reformkurs des verstorbenen Königs Abdullah fortgesetzt wird. Es wird weiter Einschränkungen der Frauenrechte und Enthauptungen als Todesstrafe in Saudi-Arabien geben.

Saudi-Arabiens Herrscherfamilie und das religiöse Establishment fürchten jede Art von Widerspruch. Seit dem Aufstieg der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), die für den Sturz der saudischen Monarchie kämpft, und dem Zerfall des Nachbarlandes Jemen ist für den neuen König Stabilität im Inland wichtiger denn je.

Salmans politische Linie

Von Salman heißt es, er vertrete eine ähnliche Weltanschauung wie sein Vorgänger. So soll er in dem konservativ-islamischen Königreich zumindest zu gewissen Reformen bereit sein. Die Enthüllungsplattform Wikileaks verbreitete 2007 eine Einschätzung der US-Botschaft in Riad. Darin wird Salman mit den Worten zitiert, Tempo und Ausmaß von Reformen hingen von sozialen und kulturellen Faktoren ab. Doch das ist Jahre her. Inzwischen mehren sich die Sorgen, dass er die Fäden wirklich in der Hand halten kann.

Salman gilt wie die anderen Sudairis als besonders proamerikanischer Vertreter des Königshauses. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass Salman ein gesellschaftlicher Reformer ist, der etwa die Macht der streng konservativen islamischen Rechtsgelehrten einschränken könnte.

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