Königin Silvia und ihr Engagement für Menschen mit Demenz

Königin Silvia von Schweden hat sich seit vielen Jahren dem Thema Demenz verschrieben. Auslöser war die Erkrankung ihrer eigenen Mutter, Alice Sommerlath, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 an Alzheimer litt. Diese persönliche Erfahrung motivierte die Königin, aktiv zu werden und das Leben von Menschen mit Demenz sowie ihrer Angehörigen zu verbessern.

Die Demenzerkrankung von Alice Sommerlath

Alice Sommerlath verbrachte ihre letzten Monate auf Schloss Drottningholm in der Nähe von Stockholm, wo sie von ihrer Tochter, Königin Silvia, gepflegt wurde. Die Königin erinnert sich an diese Zeit als eine Herausforderung, die sie jedoch dazu brachte, sich intensiver mit der Krankheit auseinanderzusetzen. "Früher dachte man, die Menschen werden einfach vergesslich im Alter. Aber es ist eine ernst zu nehmende Hirnkrankheit. Die Patienten brauchen eine professionelle Pflege", so die Königin. Sie schildert auch, wie ihr Vater ihre Mutter beschützte und Aufgaben im Haushalt übernahm, die diese nicht mehr bewältigen konnte.

Gründung der Stiftung Silviahemmet

Um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern und Pflegekräfte besser zu schulen, gründete Königin Silvia 1996 die Stiftung "Silviahemmet" (deutsch: "Silvias Heim"). Die Stiftung basiert auf der Idee, dass Menschen mit Demenz weiterhin ein sinnstiftendes und würdevolles Leben führen können, wenn sie eine individuelle und personenbezogene Betreuung erhalten. Dies ist nach dem "Silviahemmet"-Konzept nur möglich, wenn das Umfeld sich auf die Erkrankten einlässt, ihnen mit Verständnis und Empathie begegnet.

Die vier Säulen der Silviahemmet-Philosophie

Die palliative Pflegephilosophie von Silviahemmet stützt sich auf vier Säulen:

  1. Symptomkontrolle
  2. Teamarbeit
  3. Angehörigenunterstützung
  4. Kommunikation/Beziehungsarbeit

Im Zentrum steht dabei die Würde des Erkrankten.

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Silviahemmet in der Praxis

Silviahemmet ist nicht nur eine Stiftung, sondern auch eine Einrichtung, die Menschen mit Demenz nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen versorgt. Zudem dient sie als Schule für Pflege- und Betreuungskräfte. Interessierte Einrichtungen haben die Möglichkeit, sich von erfahrenen Silviahemmet-Trainern schulen zu lassen und die praktische Umsetzung vor Ort zu erleben.

Zertifizierung als demenzsensibles Haus

Immer mehr Einrichtungen, wie beispielsweise das St. Josef Krankenhaus, lassen sich von Silviahemmet als "demenzsensibles Haus" zertifizieren. Ziel ist es, den besonderen Bedürfnissen von Demenzpatienten gerecht zu werden und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich wohl und sicher fühlen.

Die Zertifizierung umfasst unter anderem:

  • Schulungen für das gesamte Personal, von Pflegekräften über Ärzte bis hin zu Reinigungskräften
  • Anpassung der Raumgestaltung, um die Orientierung zu erleichtern und Ängste zu vermeiden
  • Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Perspektiven der Erkrankten

Raumgestaltung und Orientierungshilfen

Besonders die Raumgestaltung spielt eine wichtige Rolle. Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden und vergessen beispielsweise, wo ihr Zimmer ist. Augenfällige Symbole, wie eine farbige Sonnenblume an der Zimmertür, können die Orientierung erleichtern. Auch Spiegel können Ängste auslösen, da Betroffene sich oft nicht mehr selbst erkennen.

Königin Silvias persönliches Engagement

Königin Silvia setzt sich unermüdlich für die Belange von Menschen mit Demenz ein. Sie besucht regelmäßig Einrichtungen für Demenzkranke, informiert sich über Pflegekonzepte und betont immer wieder, wie wichtig es ist, den Kranken Aufmerksamkeit, Liebe und Unterstützung zukommen zu lassen.

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Besuch in Forst (Lausitz)

Ein Beispiel für ihr Engagement ist der Besuch in Forst (Lausitz), wo sie ein Wohnprojekt für Menschen mit Demenz feierlich eröffnete. Das Projekt "Smart City Forst" zielt darauf ab, die Stadt und ihr Umland demenzsensibel auszurichten. In den Wohnungen gibt es Sensoren, die beispielsweise erkennen, ob jemand die Herdplatte zu lange angelassen hat. Ein Hausnotrufsystem erkennt mithilfe von künstlicher Intelligenz Gefahren und ruft im Notfall selbstständig Hilfe.

Queen Silvia Nursing Award

Königin Silvia hat auch den "Queen Silvia Nursing Award" ins Leben gerufen, der jährlich an herausragende Pflegekräfte verliehen wird. Im April 2019 besuchte sie persönlich eine Preisverleihung in Deutschland und besichtigte den Wohnbereich Silvia.

Die Herausforderungen der Demenz in Deutschland

In Deutschland leben derzeit rund 1,7 Millionen Menschen mit unterschiedlichen Formen von Demenz. Bis zum Jahr 2050 wird sich ihre Zahl auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in der Therapie erfolgt. Dies stellt eine große Herausforderung für das Gesundheits- und Sozialsystem dar.

Demenz im Krankenhaus

Ein besonderes Problem ist die Versorgung von Demenzpatienten im Krankenhaus. Viele Kliniken sind auf die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe nur unzureichend eingerichtet. Etwa jeder sechste Krankenhauspatient leidet unter Demenz oder Demenzsymptomen.

Die Rolle der Angehörigen

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. Sie sind oft die Hauptbezugspersonen und leisten einen großen Beitrag zur Lebensqualität der Erkrankten. Silviahemmet betont die Bedeutung der Angehörigenunterstützung und bietet Schulungen und Beratungen an.

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Königin Silvia als Vorbild

Königin Silvia hat durch ihr persönliches Engagement und die Gründung von Silviahemmet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen geleistet. Sie ist ein Vorbild für uns alle, sich für die Belange dieser oft vergessenen Menschen einzusetzen und ihnen ein würdevolles Leben bis zum Lebensende zu ermöglichen.

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