Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Kopfschmerzen nach einer Lumbalpunktion, auch bekannt als postpunktionelle Kopfschmerzen (postdural puncture headache, PDPH), sind eine häufige Komplikation dieses diagnostischen und therapeutischen Eingriffs. Sie entstehen durch den Verlust von Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) am Punktionsort und den daraus resultierenden niedrigen Liquordruck. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion, um Betroffenen und medizinischem Fachpersonal ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist ein postpunktioneller Kopfschmerz?

Der postpunktionelle Kopfschmerz ist ein sekundärer Kopfschmerz, der meistens innerhalb von fünf Tagen nach einer Lumbalpunktion auftritt. Diese Punktion kann absichtlich oder unabsichtlich erfolgen. PatientInnen klagen über neuartige Kopfschmerzen, die oft im Hinterkopf und Nacken lokalisiert sind. Charakteristisch ist, dass sich die Schmerzen beim Aufstehen verstärken und beim Hinlegen bessern oder sogar vollständig verschwinden.

Im chronischen Verlauf können diese orthostatisch bedingten Kopfschmerzen in den Hintergrund treten oder weniger stark ausgeprägt sein. In seltenen Fällen sind Veränderungen in der Routine-MRT sichtbar, ähnlich wie bei spontaner intrakranieller Hypotension (SIH).

Ursachen von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion

Die Hauptursache für Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion ist der Verlust von Liquor durch das Punktionsloch in der Dura mater (harte Hirnhaut). Dieser Liquorverlust führt zu einem verminderten Druck im Schädelinneren (Liquorunterdruck), was wiederum zu einer Verlagerung des Gehirns und einer Dehnung der schmerzempfindlichen Strukturen, wie Blutgefäße und Hirnhäute, führt.

Faktoren, die das Risiko erhöhen

Mehrere Faktoren können das Risiko für die Entwicklung von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion beeinflussen:

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  • Nadelgröße und -art: Je größer die verwendete Punktionsnadel, desto höher ist das Risiko für einen Liquorverlust und damit für Kopfschmerzen. Atraumatische Nadeln, die die Durafasern eher auseinanderdrängen als sie zu durchtrennen, sind mit einem geringeren Risiko verbunden. Die Verwendung einer dünnen Punktionsnadel (≥ 25 Gauge) ist empfehlenswert.
  • Punktionstechnik: Eine traumatische Punktion, bei der die Durafasern verletzt werden, erhöht das Risiko für einen Liquorverlust. Die Ausrichtung des Nadelschliffs parallel zu den Durafasern kann das Risiko minimieren.
  • Patientenmerkmale: Bestimmte persönliche Eigenschaften wie Alter, Body-Mass-Index (BMI) und Schwangerschaft können ebenfalls das Risiko beeinflussen. Jüngere Patienten und Frauen haben ein höheres Risiko für PDPH.
  • Anzahl der Punktionsversuche: Eine Liquorentnahme, die erst nach mehreren erfolglosen Versuchen gelingt, erhöht das Risiko für Komplikationen.

Symptome von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion

Das Hauptsymptom von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion ist ein orthostatischer Kopfschmerz, der sich beim Aufrichten verschlimmert und beim Hinlegen bessert. Die Schmerzen werden oft als dumpf, pochend oder drückend beschrieben und können im Hinterkopf, Nacken oder der Stirn lokalisiert sein.

Begleitende Symptome

Neben den Kopfschmerzen können auch weitere Symptome auftreten:

  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • Hörveränderungen
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Lichtempfindlichkeit)
  • Rückenschmerzen
  • Müdigkeit
  • Druckgefühl im Kopf
  • Bewusstseinsstörungen

Diagnose von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion

Die Diagnose von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der klinischen Untersuchung. Der Arzt wird nach dem zeitlichen Zusammenhang zwischen der Lumbalpunktion und dem Auftreten der Kopfschmerzen fragen, sowie nach den charakteristischen Merkmalen der Schmerzen (orthostatische Abhängigkeit, Lokalisation, Qualität).

Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen:

  • MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns und der Wirbelsäule: Eine MRT kann Hinweise auf einen Liquorverlust, wie z.B. eine epidurale Flüssigkeitsansammlung oder ein Absinken des Gehirns, liefern.
  • CT-Myelographie: Bei dieser Untersuchung wird ein Kontrastmittel in den Wirbelsäulenkanal injiziert, um die genaue Stelle des Liquorlecks zu identifizieren.

Liquordruckmessung

Eine Liquordruckmessung im Rahmen einer Lumbalpunktion kann einen erniedrigten Liquordruck zeigen. Allerdings ist diese Methode nicht immer zuverlässig, da der Liquordruck auch normal sein kann. Cave: Erneute Punktion kann erneutes Liquorleck herbeiführen.

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Differentialdiagnose

Es ist wichtig, Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion von anderen Ursachen für Kopfschmerzen abzugrenzen, insbesondere von Migräne, Spannungskopfschmerzen, Meningitis und Subarachnoidalblutung.

Behandlung von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion

Die Behandlung von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion zielt darauf ab, den Liquorverlust zu stoppen, den Liquordruck zu erhöhen und die Symptome zu lindern.

Konservative Maßnahmen

In den meisten Fällen können Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion mit konservativen Maßnahmen behandelt werden:

  • Bettruhe: Das Liegen hilft, den Liquordruck zu erhöhen und die Schmerzen zu lindern. Allerdings hat Bettruhe nach Liquorpunktion keinen präventiven Effekt!
  • Flüssigkeitszufuhr: Ausreichendes Trinken (mindestens 2-3 Liter pro Tag) hilft, den Liquorverlust auszugleichen.
  • Schmerzmittel: Leichte bis mittelschwere Schmerzen können mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden.
  • Koffein: Koffein kann helfen, die Blutgefäße im Gehirn zu verengen und den Liquordruck zu erhöhen. Es kann in Form von Kaffee, Tee oder Koffeintabletten eingenommen werden. Intravenöse oder orale Gabe von Koffein ist wirksam.
  • Theophyllin: Theophyllin ist ein Medikament, das ebenfalls den Liquordruck erhöhen kann. Orale Gabe von Theophyllin ist wirksam.

Epiduraler Blutpatch (EBP)

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, kann ein epiduraler Blutpatch (EBP) durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren wird eine kleine Menge Eigenblut in den Epiduralraum (Raum zwischen der Dura mater und dem Wirbelkanal) injiziert. Das Blut verklumpt und dichtet das Punktionsloch in der Dura ab. Der EBP ist eine sehr wirksame Behandlungsmethode bei Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion und führt in den meisten Fällen zu einer raschen Besserung der Symptome. Bei Versagen der konservativen Maßnahmen ist ein epiduraler Blutpatch die Therapie der Wahl, gegebenenfalls auch mehrfach.

Weitere Behandlungsoptionen

In seltenen Fällen können weitere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden:

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  • Chirurgischer Verschluss des Liquorlecks: Bei exakt lokalisierten spinalen Liquorfisteln kann in therapierefraktären Fällen ein mikrochirurgischer Verschluss der Fistel angezeigt sein.
  • Medikamente zur Druckverringerung im Schädel: Bei einigen Patienten kann es nach der Therapie zu einem Überdruck im Schädel kommen (Rebound-Hypertension). Dieser kann vorübergehend mit Medikamenten wie Acetazolamid behandelt werden.

Psychosoziale Aspekte

Nicht zu vernachlässigen ist auch die psychosoziale Belastung, die mit chronischen oder persistierenden Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion einhergehen kann. Die lange Krankheitsdauer, die Vielzahl an frustrierenden Arztkontakten, die Fehldiagnosen und unzureichenden Therapien können zu psychischen Problemen wie Angstzuständen und Depressionen führen. Es ist wichtig, diese psychosozialen Aspekte in die Behandlung mit einzubeziehen und den Patienten gegebenenfalls psychologische Unterstützung anzubieten.

Prävention von Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion

Obwohl Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion nicht immer vermeidbar sind, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:

  • Verwendung einer dünnen, atraumatischen Punktionsnadel
  • Sorgfältige Punktionstechnik, um Verletzungen der Dura zu vermeiden
  • Ausrichtung des Nadelschliffs parallel zu den Durafasern
  • Vermeidung von unnötigen Punktionen

Chronische oder persistierende PDPH (pPDPH)

Ein häufiges Problem ist, dass PDPH nicht früh genug und nicht adäquat behandelt wird. Wir sprechen dann von der chronischen, oder persistierenden PDPH (pPDPH). Auch die Häufigkeit chronischer Verläufe wird deutlich unterschätzt. PatientInnen leiden oft Monate bis Jahre unter der Erkrankung.

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