Kopfschmerzen, Entzündung und Gehirn: Ein umfassender Überblick über Meningitis und Enzephalitis

Kopfschmerzen können vielfältige Ursachen haben. In einigen Fällen sind sie ein Symptom für ernstere Erkrankungen des Gehirns, wie etwa Entzündungen. Dieser Artikel beleuchtet zwei wichtige entzündliche Erkrankungen des Gehirns: Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Gehirnentzündung), ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Meningitis (Hirnhautentzündung)

Was ist Meningitis?

Bei einer Meningitis sind die Hirn- und Rückenmarkshäute, die sogenannten Meningen, entzündet. Der medizinische Fachbegriff für diese Erkrankung lautet Meningitis. Die Entzündung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden, wobei Viren am häufigsten vorkommen. Seltener, aber gefährlicher, ist eine bakterielle Meningitis. Auch Pilze oder Parasiten können Auslöser sein.

Symptome einer Meningitis

Die Symptome einer Meningitis können vielfältig sein und je nach Ursache, Alter und Gesundheitszustand der betroffenen Person variieren. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Plötzlich einsetzendes Fieber, oft mit Schüttelfrost
  • Starke, anhaltende Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit (Meningismus), insbesondere bei Erwachsenen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kognitive Beeinträchtigungen wie Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit
  • Kleine punktförmige Einblutungen (Petechien), vor allem bei bakterieller Meningitis durch Meningokokken

Es ist wichtig zu wissen, dass sich die Symptome einer Hirnhautentzündung schnell entwickeln können. Sollten mehrere der genannten Beschwerden gleichzeitig auftreten, sollte man unverzüglich ärztlichen Rat einholen.

Diagnose einer Meningitis

Um die Ursache der Hirnhautentzündung schnell zu identifizieren und eine passende Behandlung einzuleiten, werden verschiedene Diagnostikmethoden kombiniert. Dazu gehören:

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  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Erfassung von Symptomen und Risikofaktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung auf Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit und neurologische Auffälligkeiten.
  • Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser (Liquor) aus dem unteren Rücken zur Untersuchung auf Entzündungszeichen und Erreger.
  • Bluttests, Rachenabstriche oder Stuhlproben: Zur Gewinnung zusätzlicher Informationen.

Eine schnelle und präzise Diagnosestellung ist entscheidend, um das Risiko für lebensbedrohliche Verläufe zu senken.

Behandlung einer Meningitis

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad der Meningitis. Alle Therapieansätze zielen darauf ab, die Entzündung der Hirnhäute zu bekämpfen, Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

  • Bakterielle Meningitis: Ein medizinischer Notfall, der sofort mit Antibiotika behandelt werden muss, in der Regel über eine Vene verabreicht. In bestimmten Fällen kann Kortison die Entzündungsreaktion dämpfen.
  • Virale Meningitis: Tendenziell weniger gefährlich als bakterielle Formen. Die Therapie konzentriert sich auf die Linderung der Symptome durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ruhe und Medikamente gegen Fieber, Schmerzen und Übelkeit. In schweren Fällen ist eine Betreuung auf der Intensivstation erforderlich.

Ursachen und Folgeerkrankungen einer Meningitis

Manchmal liegt der Meningitis eine andere Erkrankung zugrunde, bei der sich Bakterien auf die Hirnhäute ausgebreitet haben. Auch die Meningitis selbst kann sich auf andere Bereiche ausweiten und zu Komplikationen führen.

  • Entzündungen im Mittelohr (Otitis media) oder in den Nasennebenhöhlen (Sinusitis) können eine Infektionsquelle für eine bakterielle Meningitis sein.
  • Eine Sepsis (Blutvergiftung) kann als Folge einer bakteriellen Meningitis auftreten, insbesondere bei Meningokokken-Meningitis.
  • Eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) kann entstehen, wenn sich die Entzündung auf das Gehirn ausbreitet, meist verursacht durch Viren.
  • Ein Hydrozephalus (Wasserkopf) kann sich aufgrund einer Meningitis bilden, wenn sich Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit staut und zu einem erhöhten Hirndruck führt.

Vorbeugung einer Meningitis

Es gibt wirksame Maßnahmen, um das Risiko einer Meningitis zu reduzieren:

  • Impfungen: Impfstoffe gegen Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) beugen bakteriellen Formen der Erkrankung vor. Auch Impfungen gegen Masern, Windpocken, Mumps, Röteln, Polio und FSME sind wichtig.
  • Allgemeine Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach Kontakt mit erkrankten Personen.
  • Stärkung des Immunsystems: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf unterstützen die Immunabwehr.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Reduzierung von Alkoholkonsum und Vermeidung von engen Kontakten zu erkrankten Personen.

Auswirkungen einer Meningitis auf das Gehirn

Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirnhäute, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Die Erkrankung kann zu einer Reihe von Komplikationen führen, die die Funktion des Gehirns erheblich beeinträchtigen.

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  • Druckanstieg im Schädel: Kann durch die entzündeten Hirnhäute entstehen, die die Zirkulation der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) stören.
  • Krampfanfälle: Können durch die Reizung des Gehirns ausgelöst werden.
  • Langfristige Schäden am Gehirn: Denkstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Gedächtnisverlust oder motorische Beeinträchtigungen.

Enzephalitis (Gehirnentzündung)

Was ist Enzephalitis?

Enzephalitis bezeichnet eine Entzündung im Gehirn, die meist durch eine Infektion ausgelöst wird. Dabei reagiert das körpereigene Immunsystem auf Erreger wie Viren, Bakterien oder in seltenen Fällen Pilze, die das empfindliche Gewebe des Gehirns angreifen. Die Entzündung kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und führt zu einer Reizung oder Schädigung von Nervenzellen.

Ursachen einer Enzephalitis

Die häufigste Ursache einer Enzephalitis ist eine Virusinfektion. Besonders bekannt ist der Herpes-simplex-Virus, der bei bestimmten Verläufen das Gehirn befallen kann. Auch andere Viren wie Varizella-Zoster, das für Windpocken verantwortlich ist, oder das FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird, gehören zu den typischen Auslösern. In seltenen Fällen können auch Bakterien, Pilze oder Parasiten eine Entzündung im Gehirn hervorrufen. Neben diesen infektiösen Auslösern kann eine Enzephalitis auch durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems entstehen - etwa im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen oder bestimmten Impfreaktionen.

Medizinisch wird zwischen verschiedenen Enzephalitis-Typen unterschieden:

  • Infektiöse Enzephalitis: Meist durch Viren wie Herpes-simplex, Varizella-Zoster oder FSME verursacht. Auch Bakterien oder Pilze kommen in Frage.
  • Autoimmune Enzephalitis: Hier richtet sich das Immunsystem fälschlich gegen gesundes Gehirngewebe - oft ohne nachweisbare Erreger.
  • Parainfektiöse Enzephalitis: Tritt manchmal als überschießende Immunreaktion nach Infektionen oder Impfungen auf.
  • Meningoenzephalitis: Eine Kombination aus Gehirnentzündung und Hirnhautentzündung (Meningitis), die besonders schwere Verläufe nehmen kann.

Je nach zeitlichem Zusammenhang und Ursache der Entzündung wird zwischen einer primären und einer sekundären Enzephalitis unterschieden:

  • Bei einer primären Enzephalitis greift ein Erreger - meist ein Virus - direkt das Gehirngewebe an.
  • Die sekundäre Enzephalitis entsteht dagegen als Reaktion des Immunsystems - meist einige Tage oder Wochen nach einer Infektion oder Impfung.

Symptome einer Enzephalitis

Die ersten Anzeichen einer Enzephalitis ähneln oft denen einer Grippe oder eines banalen Infekts: Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen zählen zu den typischen frühen Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch zu schwereren Symptomen kommen, die auf eine Gehirnentzündung hindeuten. Zu den häufigsten Symptomen einer Enzephalitis gehören:

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  • Anhaltendes hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Sprach- oder Gedächtnisprobleme
  • Motorische Ausfälle oder Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen

Diagnose einer Enzephalitis

Ziel der Diagnose einer Enzephalitis ist es, möglichst schnell zwischen einer harmlosen Infektion und einer ernsten Entzündung im Gehirn zu unterscheiden - und die zugrunde liegende Ursache zu finden. Zu Beginn steht die gründliche Befragung der Patientin oder des Patienten. Zur sicheren Abklärung kann die Ärztin oder der Arzt in der Regel folgende Verfahren nutzen:

  • Eine Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser aus dem Rückenmark entnommen wird, um Entzündungszeichen und Erreger nachzuweisen
  • Bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie (MRT), um Entzündungsherde im Gehirn sichtbar zu machen
  • Blutuntersuchungen, um Infektionen oder Autoimmunprozesse zu erkennen
  • EEG (Elektroenzephalografie), um die elektrische Aktivität im Gehirn zu überprüfen

Behandlung einer Enzephalitis

Die Therapie einer Enzephalitis richtet sich in erster Linie nach der Ursache der Entzündung und dem Zustand der Patientinnen und Patienten.

  • Liegt eine durch Viren verursachte Infektion vor - etwa durch Herpes-simplex-Viren - wird in der Regel frühzeitig eine antivirale Therapie mit Medikamenten bzw. Wirkstoffen wie Aciclovir begonnen.
  • Wird die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst, kommen gezielt Antibiotika zum Einsatz.
  • Bei einer Autoimmunenzephalitis helfen Immunsuppressiva wie Cortison oder Rituximab, das Immunsystem zu regulieren.

Zusätzlich steht die Linderung von Beschwerden im Fokus: Fieber kann gesenkt, epileptische Anfälle durch spezielle Medikamente verhindert und bei Atemproblemen eine Sauerstoffgabe notwendig werden. In schweren Fällen, etwa wenn eine Schwellung im Gehirn auftritt oder das Bewusstsein beeinträchtigt ist, erfolgt die Behandlung der Gehirnentzündung auf einer Station für Intensivmedizin.

Rehabilitation nach Enzephalitis

Im Anschluss an die Behandlung einer Gehirnentzündung geht es für viele Patientinnen und Patienten darum, körperliche und geistige Fähigkeiten schrittweise zurückzugewinnen. Ein individuell angepasstes Rehabilitationskonzept bildet hierfür die Grundlage. Ziel ist es, die betroffenen Personen zielgerichtet darin zu unterstützen, möglichst selbstständig in ihren Alltag zurückzukehren.

Vorbeugung einer Enzephalitis

Es stehen zahlreiche Impfstoffe zur Verfügung, die sich gegen mögliche Erreger von Gehirnentzündungen richten.

Migräne und Kopfschmerzen

Es ist wichtig zu differenzieren, dass nicht alle Kopfschmerzen auf Entzündungen oder schwerwiegende Erkrankungen des Gehirns zurückzuführen sind. Migräne und Spannungskopfschmerzen sind weit verbreitete Kopfschmerzarten, die oft andere Ursachen haben.

Migräne

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Typisch sind mittelschwere bis schwere, oft halbseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit, häufig Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit. Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen körperlichen Untersuchungsbefunds gestellt.

Die Entwicklung der Symptome ist oft genetisch bedingt, wobei aber zusätzlich endogene und exogene Faktoren, wie z. B. Schwankungen des Östrogenspiegels, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Stress, Auslassen einer Mahlzeit und unzureichende Flüssigkeitszufuhr, den Krankheitsverlauf beeinflussen. Der Kopfschmerz beruht auf einer durch Nervenfasern ausgelösten Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns, der sogenannten neurovaskulären Entzündung.

Die Behandlung der einzelnen Kopfschmerzattacke erfolgt mit überwiegend ohne Rezept erhältlichen Schmerzmitteln, vorzugsweise kombiniert mit einer Substanz gegen Übelkeit und Erbrechen. Treten Attacken dennoch mehr als 3-mal pro Monat auf, wird vorübergehend mit vorbeugend wirksamen Medikamenten behandelt.

Spannungskopfschmerzen

Die Hälfte aller Kopfschmerzpatienten leidet unter so genanntem Spannungskopfschmerz. Sie sind häufig sehr ehrgeizige Persönlichkeiten, die sich und ihre Umwelt bewusst oder unbewusst unter Druck setzen. Bei Stress, seelischer Belastung oder auch einem plötzlichen Wetterwechsel reagieren sie mit Verspannungen, die Kopfschmerzen auslösen können. Zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol und Nikotin, Flüssigkeitsmangel, Lärm und schlechte Luft können den gleichen Effekt haben.

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