Regelmäßige Schmerzen beim Schlucken sollten nicht ignoriert werden. Schluckbeschwerden und Halsschmerzen können vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Infektionen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Sodbrennen oder Speiseröhrenkrebs. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Schluckbeschwerden, ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Was sind Schluckbeschwerden?
Unter dem Begriff Dysphagie versteht man eine schmerzfreie Störung beim Herunterschlucken von fester Nahrung und Flüssigkeiten. Je nach Schweregrad kann diese Schluckstörung die Nahrungsaufnahme erschweren oder sogar unmöglich machen, wenn Nahrung und Flüssigkeiten nicht mehr in die Speiseröhre und den Magen transportiert werden können. Davon abzugrenzen ist die Odynophagie, die schmerzhafte Schluckstörung.
Schluckbeschwerden sind ein Symptom, keine Diagnose. Sie können plötzlich oder allmählich auftreten und verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache der Schluckbeschwerden zu ermitteln, um eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Ursachen von Schluckbeschwerden
Die Ursachen für Schluckbeschwerden sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Infektionen und Entzündungen
- Mandelentzündung: Eine akute Mandelentzündung, die oft durch Bakterien verursacht wird, kann mit starken Schluckbeschwerden einhergehen.
- Erkältung, Grippe oder Corona: Infektionen der oberen Atemwege können zu Entzündungen im Hals- und Rachenraum führen, die das Schlucken erschweren.
- Chronische Speiseröhrenentzündung (eosinophile Ösophagitis, EoE): Diese seltene Erkrankung, bei der Entzündungszellen in die Speiseröhre eindringen, kann zu Schmerzen beim Schlucken und anderen Beschwerden führen.
Refluxkrankheit (Sodbrennen)
Sodbrennen, auch Reflux genannt, ist eine Volkskrankheit, bei der Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt und dort die Schleimhaut reizt. Dies kann zu Entzündungen und Schmerzen beim Schlucken führen.
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- Ursachen für Sodbrennen: Stress, übermäßiger Konsum von Kaffee, Wein, Schokolade, Fruchtsäften oder sauren Gurken, fettreiche Ernährung, zu große Zwerchfelllücke.
- Behandlung von Sodbrennen: Antazida (Säurepuffer), Protonenpumpen-Inhibitoren (PPIs).
Allergien
Allergische Reaktionen auf Insektenstiche im Mund- und Rachenraum oder auf bestimmte Nahrungsmittel können zu Entzündungen und Schwellungen führen, die das Schlucken erschweren.
- Häufige allergieauslösende Lebensmittel: Milchprodukte, Eier, Weizen, Soja, Nüsse und Meeresfrüchte.
- Behandlung von allergischen Schluckbeschwerden: Vermeidung der Allergene, Kortison (Schmelztabletten).
Neurologische Erkrankungen
Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Schlaganfall oder Demenz können das Zusammenspiel der Muskeln und Nerven beeinträchtigen, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Dies kann zu Schluckstörungen führen.
Mechanische Hindernisse
- Tumore: Tumore in Mund, Rachen oder Speiseröhre können den Schluckweg verengen und das Schlucken erschweren.
- Verengungen der Speiseröhre: Narbenbildung, Entzündungen oder andere Veränderungen können zu Verengungen der Speiseröhre führen.
- Divertikel: Aussackungen der Speiseröhrenwand können Nahrungsmittelreste ansammeln und Schluckbeschwerden verursachen.
- Fremdkörper: Verschluckte Gegenstände wie Fischgräten oder Tabletten können im Hals stecken bleiben und das Schlucken behindern.
Psychische Ursachen
Psychische Faktoren wie Stress, Angst oder Depressionen können ebenfalls zu Schluckbeschwerden führen. In diesen Fällen spricht man von psychogenen Schluckstörungen.
Speiseröhrenkrampf (Ösophagusspasmus)
Ein Speiseröhrenkrampf entsteht, wenn sich die Muskulatur der Speiseröhre zu stark oder unkoordiniert zusammenzieht. Dies kann zu Schluckbeschwerden, Schmerzen beim Schlucken und Brustschmerzen führen.
- Formen von Speiseröhrenkrämpfen: Diffuser Ösophagusspasmus, Nussknacker-Ösophagus (hyperkontraktiler Ösophagus).
Andere Ursachen
- Erkrankungen der Halswirbelsäule (HWS-Syndrom)
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Bestrahlung im Halsbereich
- Operationen im Halsbereich
Symptome von Schluckbeschwerden
Die Symptome von Schluckbeschwerden können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie)
- Schwierigkeiten beim Schlucken von festen Speisen oder Flüssigkeiten (Dysphagie)
- Gefühl, dass die Nahrung im Hals stecken bleibt
- Husten oder Würgen beim Essen oder Trinken
- Verschlucken von Nahrung oder Flüssigkeit
- Feuchte oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
- Herauslaufen von Speichel aus dem Mund
- Sodbrennen oder Aufstoßen
- Gewichtsverlust
- Mangelernährung
- Wiederkehrende Lungenentzündungen
Diagnose von Schluckbeschwerden
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Schluckbeschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Diagnose von Schluckbeschwerden umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Mund-, Rachen- und Halsbereich, um mögliche Ursachen für die Schluckbeschwerden zu erkennen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können verschiedene weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache der Schluckbeschwerden zu ermitteln:
- Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie)
- Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie)
- Fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES)
- Videofluoroskopie (VFSS)
- Manometrie der Speiseröhre (Druckmessung)
- pH-Metrie/Impedanzmessung (Messung des Säuregehalts in der Speiseröhre)
- Röntgenuntersuchung
- Ultraschalluntersuchung
Behandlung von Schluckbeschwerden
Die Behandlung von Schluckbeschwerden richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente können eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren, die Magensäureproduktion zu hemmen oder die Muskelspannung in der Speiseröhre zu regulieren.
- Schlucktherapie: Logopäden und Schlucktherapeuten können Patienten helfen, ihre Schluckmuskulatur zu trainieren undTechniken zu erlernen, um das Schlucken zu erleichtern und das Risiko des Verschluckens zu verringern.
- Ernährungsumstellung: Die Anpassung der Konsistenz der Nahrung kann das Schlucken erleichtern. Flüssigkeiten können angedickt und feste Speisen püriert werden.
- Operative Eingriffe: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Verengungen der Speiseröhre zu beseitigen, Tumore zu entfernen oder Divertikel zu korrigieren.
- Alternative Behandlungsmethoden: In einigen Fällen können alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder Homöopathie zur Linderung von Schluckbeschwerden beitragen.
Was Sie selbst tun können
Neben der ärztlichen Behandlung können Sie selbst einiges tun, um Ihre Schluckbeschwerden zu lindern:
- Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und Trinken.
- Kauen Sie Ihre Nahrung gründlich.
- Vermeiden Sie es, während des Essens zu sprechen oder zu lachen.
- Sitzen Sie beim Essen aufrecht.
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit.
- Vermeiden Sie Alkohol und Nikotin.
- Vermeiden Sie stark gewürzte oder säurehaltige Speisen.
- Reduzieren Sie Stress.
- Achten Sie auf eine gute Mundhygiene.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Schluckbeschwerden neu auftreten und länger als ein paar Tage andauern.
- Schluckbeschwerden sich verschlimmern.
- Schmerzen beim Schlucken auftreten.
- Gewichtsverlust oder Mangelernährung auftreten.
- Wiederkehrende Lungenentzündungen auftreten.
- Begleitsymptome wie Sodbrennen, Aufstoßen oder Heiserkeit auftreten.
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