Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie können plötzlich auftreten, beispielsweise durch einen Unfall oder eine Überlastung, oder sich langsam entwickeln, oft aufgrund von Verschleiß oder Entzündungen. Die Ursachen für Schulterschmerzen sind vielfältig und reichen von muskulären Verspannungen bis hin zu komplexeren Erkrankungen wie dem Impingement-Syndrom oder der Frozen Shoulder. Unabhängig von der Ursache können Schulterschmerzen das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen.
Das Impingement-Syndrom
Das Impingement-Syndrom, auch Schulterengpass-Syndrom genannt, ist eine häufige Ursache für Schulterschmerzen. Charakteristisch sind Schmerzen beim Heben des Arms, insbesondere beim Abspreizen.
Ursachen und Entstehung
Beim Impingement-Syndrom kommt es zu einer Einengung im Schultergelenk, genauer gesagt zwischen dem Schulterdach (Akromion) und dem Oberarmkopf. Diese Einengung kann verschiedene Ursachen haben:
- Primäres Impingement (MOI): Anatomische Besonderheiten wie ein stark geneigtes Schulterdach oder Knochensporne führen zu einer Verengung des Raums.
- Sekundäres Impingement (SAPS): Muskuläre Dysbalancen stören die korrekte Bewegung des Schultergelenks, was zu einer Einengung führt. Die Rotatorenmanschette, eine Gruppe von vier Muskeln und Sehnen, stabilisiert das Schultergelenk. Wenn diese Muskeln nicht richtig zusammenarbeiten, kann es zu einer Fehlbelastung und Einengung kommen.
Weitere Faktoren, die ein Impingement-Syndrom begünstigen können, sind Verschleiß, Verletzungen und Kalkablagerungen im Bereich der Rotatorenmanschette (Kalkschulter). Durch die Entzündung schwillt Gewebe an, was den Subakromialraum weiter verengt.
Symptome
Typisch für das Impingement-Syndrom sind belastungsabhängige Schmerzen in der Schulter, insbesondere beim Abspreizen des Arms im Winkel zwischen 60 und 120 Grad oder bei Überkopfbewegungen. Die Beschwerden entwickeln sich oft langsam und beginnen mit Schmerzen bei bestimmten Bewegungen.
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Behandlung
Die Behandlung des Impingement-Syndroms zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen.
- Konservative Therapie:
- Physiotherapie: Bewegungstherapie und Muskelaufbau sind besonders bei der sekundären Form des Impingements hilfreich, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen.
- Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Kortison oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Subacromiale Injektionen mit diesen Medikamenten sind ebenfalls üblich. Injektionen mit Hyaluronsäure lindern die Schmerzen laut Leitlinien der Fachgesellschaften nicht so effektiv wie Kortison und NSAR.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Kälte hilft vor allem bei akuten Schmerzen, während Wärme bei chronischen Beschwerden lindernd wirken kann.
- Elektrotherapie (Interferenzstrom): Wird von den Fachgesellschaften vor allem zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit nach einer Schulterarthroskopie empfohlen.
- Lasertherapie und Kinesiotaping: Können Schulterschmerzen lindern, die Studienlage ist jedoch nicht eindeutig.
- Operative Therapie:
- Arthroskopische Dekompression: Bei der primären Form des Impingements (MOI) kann ein operativer Eingriff, die minimalinvasive arthroskopische Dekompression (Schulterarthroskopie), in Betracht gezogen werden. Dabei werden durch kleine Hautschnitte Instrumente in den verengten Raum unter dem Schulterdach eingeführt, um die einengenden Strukturen (Schleimbeutel, Knochensporne) zu entfernen und aufgefaserte Sehnenoberflächen zu glätten.
- Nachbehandlung: Nach der Operation ist eine schnelle physiotherapeutische Nachbehandlung wichtig, um erneute Verengungen zu vermeiden. Eine volle Belastung der Schulter wird in der Regel erst nach zehn bis zwölf Wochen empfohlen.
Die Frozen Shoulder (Schultersteife)
Die Frozen Shoulder, auch Schultersteife genannt, ist eine weitere Ursache für Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen im Schultergelenk.
Ursachen und Entstehung
Bei einer Frozen Shoulder kommt es zur Verklebung und Verdickung der Gelenkkapsel, was zu einer schmerzhaften und zunehmenden Unbeweglichkeit des Schultergelenks führt. Die genauen Ursachen der primären Frozen Shoulder sind bislang nicht ausreichend geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die das Auftreten einer Frozen Shoulder begünstigen können:
- Alter: Betroffen sind vor allem Personen zwischen 40 und 60 Jahren.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Vorerkrankungen: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und Stoffwechselstörungen können das Risiko erhöhen.
- Verletzungen: Verletzungen der Schulter (z. B. Ruptur der Rotatorenmanschette oder Knochenbrüche) oder eine Immobilisierung der Schulter können eine sekundäre Frozen Shoulder auslösen.
Symptome
Die Frozen Shoulder beginnt meist mit plötzlich einschießenden Schmerzen, die unabhängig von Überlastung oder Verletzung auftreten können. Im weiteren Verlauf versteift die Schulter zunehmend und wird unbeweglich. Typisch ist, dass der Ellenbogen nicht mehr auf Schulterhöhe angehoben werden kann. Die Erkrankung verläuft in der Regel in drei Phasen:
- Schmerzhafte Phase: Starke Schmerzen bei Bewegung und Ruheschmerzen in der Nacht.
- Versteifungsphase: Abnehmende Schmerzen, aber zunehmende Bewegungseinschränkung.
- Auflösungsphase: Langsame Verbesserung der Beweglichkeit und Abnahme der Schmerzen.
Die Krankheit endet in der Regel auch ohne Behandlung nach etwa 6 Monaten bis 2 Jahren.
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Behandlung
Die Behandlung der Frozen Shoulder zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen.
- Konservative Therapie:
- Schmerztherapie: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Kortisoninjektionen können die Schmerzen lindern. Steroidbehandlungen können die Beschwerden allerdings nur zeitlich begrenzt bessern und sind als vorübergehende Therapie gedacht. Der Krankheitsprozess wird durch Steroide nicht abgekürzt.
- Physiotherapie: Manuelle Therapie und spezielle Übungen helfen, die Gelenkkapsel beweglich zu halten und die eingeschränkte Beweglichkeit zu verbessern.
- Zellbiologische Regulationstherapie (Matrixtherapie): Diese relativ neue Therapieform zielt darauf ab, den Stoffwechsel in der erkrankten Schulter zu normalisieren und die Ursachen der Schulterversteifung zu behandeln.
- Ultraschalltherapie: Kann die Selbstheilungskräfte im Gewebe unterstützen und zur Therapie chronischer Schmerzen eingesetzt werden.
- Ernährung: Eine basische Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Pilzen kann einer Übersäuerung des Organismus entgegenwirken und den Heilungsprozess unterstützen.
- Operative Therapie:
- Arthroskopische Kapsellösung (Arthrolyse): In manchen Fällen kann eine operative Lösung der Verklebungen in der Gelenkkapsel (Arthrolyse) durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) erforderlich sein, um die Beweglichkeit wiederherzustellen.
- Nachbehandlung: Nach der Operation ist eine intensive physiotherapeutische Unterstützung erforderlich, um das gewonnene Bewegungspotential zu erhalten und auszubauen.
Psychische Belastung
Ein zentraler Punkt bei der Therapie der Frozen Shoulder sind die damit verbundenen psychischen Belastungen für den Patienten. Die Erkrankung ist chronisch, schmerzhaft und langwierig. Auch der Patient muss sich immer vor Augen führen, dass es keine schuldhafte Verursachung des Krankheitsprozesses gibt - so wenig wie eine schnelle Auflösung der Beschwerden. Der Verlauf der Erkrankung stellt ganz besondere Anforderungen an das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Orthopäde und Patient. Durch intensive Beratung des Patienten muss die psychische Belastung aufgearbeitet werden. Die Motivation des Patienten zur Mitarbeit bei häuslichen krankengymnastischen Übungen kann den ansonsten langwierigen Verlauf abkürzen. Wichtig ist auch die Prävention der Schultersteife auf der Gegenseite, denn nicht wenige Patienten erleiden die Erkrankung beidseitig.
Weitere Ursachen von Schulterschmerzen
Neben dem Impingement-Syndrom und der Frozen Shoulder gibt es noch eine Reihe weiterer Ursachen für Schulterschmerzen:
- Muskelverspannungen: Durch Fehlhaltungen, Stress oder Überlastung können sich die Muskeln im Schulterbereich verspannen und Schmerzen verursachen.
- Rotatorenmanschettenriss: Risse in den Sehnen der Rotatorenmanschette können durch Verschleiß oder Verletzungen entstehen und zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
- Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Kalkablagerungen in den Schultersehnen können Entzündungen und Schmerzen verursachen.
- Schleimbeutelentzündung (Bursitis): Entzündungen der Schleimbeutel im Schultergelenk können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.
- Schulterarthrose: Verschleiß des Schultergelenks kann zu chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
- Schulter-Arm-Syndrom: Ausstrahlende Schmerzen vom Nacken über die Schulter und den Arm bis in die Hand, oft verursacht durch muskuläre Verspannungen oder Verschleißerscheinungen in der Halswirbelsäule.
- Nervenkompression: Einklemmungen von Nerven im Bereich der Schulter oder der Halswirbelsäule können zu ausstrahlenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Lähmungserscheinungen führen.
Diagnose von Schulterschmerzen
Um die Ursache von Schulterschmerzen zu ermitteln, führt der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese (Befragung zur Krankengeschichte) und eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden unter anderem die Beweglichkeit der Schulter, die Muskelkraft und die Schmerzpunkte untersucht. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:
- Orthopädische Untersuchung: Standard bei Schulterschmerzen, um Hinweise auf Arthrose, Impingement-Syndrom, Kalkschulter, Fibromyalgie und Knochenbrüche zu finden.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, um den Funktions- und Leitungszustand der Nervenbahnen zu prüfen.
- Bluttests: Bei Verdacht auf Neuroborreliose, Gürtelrose oder Herzinfarkt.
- Röntgenuntersuchung: Bei Verdacht auf Kalkschulter, Polymyalgia rheumatica, Knochenbruch oder ausgekugeltes Schultergelenk.
- Ultraschalluntersuchung: Zur Beurteilung von Schultersteife, Bizepssehnenriss, Gallenblasenentzündung und Gallensteinen.
- Gelenkpunktion: Bei Verdacht auf eine bakterielle Entzündung des Schultergelenks.
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf Neuroborreliose.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Bei Verdacht auf Impingement-Syndrom, Gelenkabnutzung, Riss der Rotatorenmanschette oder Schultergürtel-Kompressionssyndrom.
- Computertomografie (CT): Bei Verdacht auf Lungentumor, Lungenembolie, Schulter-Arm-Syndrom oder Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule.
- Elektrokardiogramm (EKG): Bei Verdacht auf Herzinfarkt.
- Herzkatheteruntersuchung: Bei Verdacht auf Herzinfarkt.
- Lungenspiegelung (Bronchoskopie): Bei Verdacht auf Lungentumor.
Was tun bei Schulterschmerzen?
Bei Schulterschmerzen ist es zunächst einmal sinnvoll, schmerzauslösende Tätigkeiten zu vermeiden. Das können zum Beispiel Arbeiten über Kopf, schweres Heben und Tragen oder schulterbelastende Sportarten sein. Am besten vermeidet man es auch, auf der betroffenen Seite zu liegen. Die Schulter sollte zwar geschont werden - dennoch ist es wichtig, sie weiter zu bewegen. Eine Ruhigstellung kann die Muskulatur schwächen und auch dazu führen, dass die Schulter steif wird.
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Allgemeine Maßnahmen
- Schonung und Entlastung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.
- Bewegung: Führen Sie leichte, schmerzfreie Bewegungen durch, um die Beweglichkeit der Schulter zu erhalten.
- Kühlende oder wärmende Umschläge: Je nach Art der Beschwerden können Kälte oder Wärme Linderung verschaffen.
- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Schmerzen lindern. Auch Cremes und Gele mit Diclofenac, die 2- bis 3-mal am Tag auf die Schulter aufgetragen werden, sind möglich.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und ergonomische Arbeitsplatzbedingungen, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
- Stressabbau: Stress kann Muskelverspannungen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßige Bewegung: Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Qigong, Yoga und Pilates können helfen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In folgenden Fällen sollten Sie einen Arzt aufsuchen:
- Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder plötzlich auftreten.
- Wenn die Schulter gerötet, warm oder geschwollen ist.
- Wenn die Schulter nach einem Unfall verletzt ist.
- Wenn Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auftreten.
- Wenn sich das Schultergelenk instabil anfühlt oder ausgekugelt war.
- Wenn sich der Arm nicht mehr richtig bewegen lässt.
- Wenn die Schmerzen länger als zwei Wochen andauern oder sich verschlimmern.
- Wenn die Schmerzen in den Arm, die Brust oder den Kiefer ausstrahlen.
- Wenn Fieber oder andere allgemeine Krankheitssymptome auftreten.
- Wenn die Schmerzen in Ruhe oder nachts auftreten.
- Wenn die Beweglichkeit der Schulter stark eingeschränkt ist.
- Wenn die Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.