Einführung
Das menschliche Gehirn ist ein komplexes und empfindliches Organ, das anfällig für verschiedene Erkrankungen sein kann. Diese Erkrankungen können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse und Lebensstilfaktoren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über einige der häufigsten Hirnerkrankungen und ihre Ursachen.
Hypophysentumoren und hormonelle Störungen
Hypophysenadenome
Die Hypophyse, auch Hirnanhangdrüse genannt, ist eine kleine, aber wichtige Drüse, die eine Vielzahl von Hormonen produziert, die lebenswichtige Körperfunktionen steuern. Die häufigste Ursache für eine Funktionsstörung der Hypophyse im Erwachsenenalter ist der Hypophysentumor, meist ein sogenanntes Adenom, eine gutartige Wucherung von Drüsengewebe.
Hormonaktive Adenome können zu einer vermehrten Produktion bestimmter Hormone führen, was verschiedene Krankheitsbilder auslösen kann:
- Morbus Cushing: Eine vermehrte Produktion von Corticotropin (ACTH) führt in den Nebennieren zu einer vermehrten Produktion von Cortisol, was zu Symptomen wie "Vollmondgesicht", "Stiernacken", Akne, ungewollter Gewichtszunahme, Depressionen, Wassereinlagerungen, Muskelschwäche und Knochenbrüchen führen kann.
- Prolaktinome: Vermehrt Prolaktin freisetzende Adenome werden Prolaktinome genannt. Bei Frauen kann dies zu einem Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) und Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe) führen.
- Akromegalie: Eine überschießende Wachstumshormonsekretion führt im Erwachsenenalter zu einem Wachstum von Händen und Füßen sowie Kinn, Nase und Kiefer. Problematisch ist hierbei eine Vergrößerung der inneren Organe.
Hormoninaktive Adenome können eine unzureichende Hormonproduktion bewirken und zu einer hormonellen Unterversorgung des Körpers bis hin zu einer kompletten Hypophyseninsuffizienz führen. Die Symptome sind unterschiedlich, je nachdem, welche Hormone nicht mehr gebildet werden. Häufige Symptome sind Zyklusunregelmäßigkeiten, Impotenz, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche.
Seltene Ursachen für Hormonstörungen
Neben Hypophysenadenomen können in sehr seltenen Fällen auch bösartige Tumoren oder Absiedlungen bösartiger Tumoren zu Störungen der Hormonbildung führen. Auch andere Erkrankungen können zu einem Ausfall der Hormonproduktion führen.
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Diagnose und Behandlung von Hypophysentumoren
Bei Verdacht auf ein Hypophysenadenom wird zunächst eine Untersuchung mittels MRT mit Kontrastmittel durchgeführt. Außerdem sind endokrinologische Untersuchungen sinnvoll, um Hormonstörungen zu diagnostizieren. Auch eine augenärztliche Untersuchung ist immer angezeigt.
Die Behandlung von Hypophysenadenomen kann operativ oder medikamentös erfolgen. Ein Mangel an Hormonen der Hypophyse kann durch Medikamente ausgeglichen werden.
Alzheimer-Krankheit und Demenz
Alzheimer als Ursache von Demenz
Die Alzheimer-Krankheit ist eine der Hauptursachen für Demenz. In Deutschland leben 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung, wobei zwei Drittel an Alzheimer leiden. Für das Jahr 2050 wird die Zahl der Demenz-Betroffenen auf 2,8 Millionen geschätzt.
Pathologische Veränderungen im Gehirn
Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen und der Zerstörung ihrer Verbindungen untereinander. Zwischen den Nervenzellen beobachtet man vermehrt harte, unauflösliche Ablagerungen (Plaques). Im Inneren der Zellen kommt es zu einer chemischen Veränderung der sogenannten Tau-Fibrillen. Darüber hinaus ist weniger Acetylcholin im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vorhanden.
Risikofaktoren und Symptome
Für Alzheimer gibt es verschiedene Risikofaktoren, wobei ein anderer Lebensstil viele beeinflussbare Risikofaktoren minimieren kann. Die Symptome entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich zunehmend über mehrere Jahre. Zu Beginn kann der Verlauf ganz schleichend, nahezu unmerklich sein. Die Alzheimer-Krankheit kann bei jedem etwas unterschiedlich verlaufen. Man geht bei Alzheimer von einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 12 bis 24 Jahren aus. Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und Sprachstörungen sind erste Anzeichen.
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Diagnose und Therapie
Bei zunehmenden Gedächtnisstörungen sollte man sich zunächst an die Hausarztpraxis wenden. In der Regel wird dann zunächst die bisherige Erkrankungsvorgeschichte erhoben. Dann findet eine körperliche Untersuchung und eine neuropsychologische Testung statt. In Deutschland sind derzeit zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit vier Wirkstoffe zugelassen. Wenn zusätzlich eine Depression oder Verhaltensänderungen auftreten, können auch diese behandelt werden. Die Amyloid-Antikörper binden an die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und helfen, diese abzuräumen. Lecanemab muss derzeit alle 2 Wochen als Infusion verabreicht werden. Des Weiteren sind regelmäßige MRT-Sicherheitskontrollen erforderlich. Um die geistigen Leistungen und Alltagsfähigkeiten zu stärken, gibt es viele therapeutische Behandlungswege. Damit lassen sich auch Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefindens verbessern.
Leben mit Alzheimer
Alzheimer verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern - doch der Mensch bleibt. Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Struktur, Aktivität und soziale Interaktion können helfen, die Lebensqualität zu erhalten.
Hirntumoren
Definition und Arten von Hirntumoren
Ein Hirntumor ist nicht gleich ein Hirntumor. Fachleute unterscheiden zwischen Tumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen (primäre Hirntumoren), und solchen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen (Hirnmetastasen). Auch Hypophysen-Adenome, Sarkome oder Lymphome können im zentralen Nervensystem auftreten, sind aber keine Gehirntumoren im engeren Sinne.
Primäre Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entwickeln sich aus verschiedenen Zellen im Gehirn, am häufigsten aus den Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome". Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem, aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben: Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom. Andere häufige Hirntumoren sind Meningeome, Neurinome/Schwannome und Medulloblastome.
Hirnmetastasen
Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Die Behandlung richtet sich auch an der ursprünglichen Krebsart.
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Häufigkeit von Hirntumoren
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten. Sie können jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren. Bei Kindern machen Hirntumoren etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus.
Risikofaktoren und Früherkennung
Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Einige bekannte Risikofaktoren sind bestimmte erbliche Krankheitsbilder, Strahlentherapie, familiäre Vorbelastung und Computertomografie (CT) im Kindesalter. Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Hirntumoren, da diese insgesamt eher selten sind. Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom.
Symptome und Diagnose
Die Beschwerden bei einem Hirntumor hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie CT und MRT. Eine Biopsie ist notwendig, um die Diagnose zu sichern.
Therapie und Nachsorge
Die Therapie von Hirntumoren umfasst Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie, je nach Erkrankungssituation auch zielgerichtete Medikamente. Ziel einer supportiven Therapie ist es, Beschwerden zu lindern. Nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation stehen regelmäßige Nachsorgetermine an.
Hirnmetastasen im Detail
Häufigkeit und Ursachen
Bei etwa 30 Prozent der Tumoren im Gehirn handelt es sich um Hirnmetastasen. Damit sind sie die häufigsten Neubildungen im zentralen Nervensystem. Hirnmetastasen sind Tochtergeschwulste eines bereits bestehenden Krebstumors im Körper. Mehr als ein Viertel der Patienten mit einem bösartigen Tumor im Körper entwickeln Tochtergeschwulste im Gehirn. Krebserkrankungen mit hohem Risiko für Hirnmetastasen sind Lungenkrebs, Brustkrebs, schwarzer Hautkrebs, Nierenzellkarzinom und bösartige Tumoren im Verdauungstrakt.
Prognose und Symptome
Meistens entwickeln sich erst in einem späten Krebsstadium Hirnmetastasen. Lebenserwartung und Krankheitsverlauf hängen daher auch von der Grunderkrankung des Betroffenen ab. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung bei Patienten mit Hirnmetastasen nur drei bis sechs Monate. Da verschleppte Tumorzellen oft an unterschiedlichen Stellen im Gehirn anwachsen, unterscheiden sich auch die Hirnmetastasen-Symptome. Meist sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ein epileptischer Anfall die ersten Anzeichen.
Diagnose und Behandlung
Die Untersuchung auf Hirnmetastasen erfolgt häufig dann, wenn bereits eine andere Krebserkrankung festgestellt wurde. Für die Diagnose führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und klärt die bisherige Krankengeschichte ab. Mithilfe der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Tumoren im Gehirn meist gut ausfindig machen. Die Behandlung von Hirnmetastasen erfolgt prinzipiell ähnlich wie bei primären Hirntumoren.
Meningeosis carcinomatosa
Haben Krebszellen erst einmal das zentrale Nervensystem (ZNS) erreicht, verteilen sie sich oft im gesamten Nervenwasser (Liquor). Breiten sich die Krebszellen über die Liquorwege auf die Hirnhäute aus, spricht man von einer Meningeosis carcinomatosa.
Autismus und Gehirnentwicklung
Genetische Ursachen und neue Forschungsansätze
US-Forscher gehen bei der Suche nach den genetischen Ursachen autistischer Störungen neue Wege. Statt wie bisher das Genom der Patienten zu untersuchen, entnehmen sie ihnen Hautzellen, die über den Weg induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS) im Labor in kleine „Gehirn-Organoide“ differenziert werden.
Mini-Gehirne und Zellzyklus
Die Zellkulturen, die in den Petrischalen der Forscher wachsen, sind nur weniger Millimeter groß, sie formieren sich allerdings zu kleinen Organoiden. Die Forscher untersuchen dann das Transkriptom, die Summe aller zu einem Zeitpunkt abgelesenen Gene in einer Zelle. Die Untersuchung zeigte, dass der Zellzyklus der Nervenzellen in den Organoiden verkürzt war. Das Wachstum war überwiegend auf eine Überproduktion von GABAergen Neurone zurückzuführen, die die Aktivität anderer Neurone hemmen.
Mögliche Behandlungsansätze
Ob sich aus den Erkenntnissen neue Behandlungsansätze ergeben, lässt sich schwer vorhersagen. In den Zellexperimenten konnte die Entwicklung des Hirngewebes durch eine genetische Blockade der GABAergen Neurone normalisiert werden.