Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die in der Regel mit dem Verlust von Gedächtnis, kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen einhergeht. Obwohl die Krankheit meist im höheren Alter auftritt, können in seltenen Fällen auch Menschen in ihren 40ern betroffen sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Alzheimer, insbesondere im Hinblick auf ein früheres Erkrankungsalter.
Was ist Alzheimer?
Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer oder Demenz vom Alzheimer-Typ genannt, ist die häufigste Form der Demenz. "Morbus" bedeutet Krankheit, und neurodegenerativ bedeutet, dass Nervenzellen im Gehirn nach und nach geschädigt werden, absterben oder ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Die Alzheimer-Krankheit ist durch spezifische Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet, die zu einem fortschreitenden Verlust geistiger Funktionen führen.
Alzheimer und Demenz: Ein wichtiger Unterschied
Es ist wichtig zu verstehen, dass Alzheimer und Demenz nicht dasselbe sind. Demenz ist ein Oberbegriff für etwa 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns, von denen die Alzheimer-Krankheit eine ist. Daher ist nicht jede Demenz automatisch Alzheimer.
Ursachen von Alzheimer
Die genauen Ursachen von Alzheimer sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Faktoren, die zur Entwicklung der Krankheit beitragen können.
Hauptrisikofaktoren
Laut dem National Institute on Aging (NIA) sind Alter, Genetik und Umweltfaktoren die Hauptursachen für Alzheimer.
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- Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind älter als 65 Jahre, wobei das Risiko mit jedem Jahr weiter steigt.
- Genetik: In den meisten Fällen ist Alzheimer nicht erblich bedingt. Nur etwa ein Prozent aller Alzheimer-Fälle sind auf eine sogenannte familiäre Alzheimer-Demenz (FAD) zurückzuführen, bei der eine Genmutation das Erkrankungsrisiko erhöht.
- Umweltfaktoren: Umweltfaktoren wie Ernährung, Lebensstil und Exposition gegenüber bestimmten Toxinen können ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen.
Weitere Risikofaktoren
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können. Dazu gehören:
- Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit")
- Erhöhter Cholesterinspiegel
- Rauchen
- Depressionen
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Wenige soziale Kontakte
- Schwerhörigkeit
- Geringe Bildung
Rolle von Entzündungen
Eine aktuelle Studie von Zhang et al. (2022) zeigt, dass auch Entzündungen im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen können. Die Forscher identifizierten spezifische Moleküle, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind, und zeigten, dass diese Moleküle bei Alzheimer-Patienten erhöht sind.
Die Rolle von Beta-Amyloid und Tau-Protein
Sicher ist aber, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen. An dem Krankheitsgeschehen beteiligt sind hauptsächlich zwei Proteine: das sogenannte Beta-Amyloid und Tau-Protein.
Beta-Amyloid ist ein Protein, das normalerweise im Gehirn vorkommt. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen. Diese sogenannten Plaques sind wie Straßensperren auf den Informationswegen des Gehirns.
Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelhafte Fasern, sogenannte Fibrillen.
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Seltene erbliche Formen
Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können. Ja, aber nur bei circa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit. Dabei spricht die Medizin von einer sogenannten familiären Alzheimer-Demenz, kurz FAD.
Ist Alzheimer übertragbar?
Nein. Zwar hat ein britisches Forschungsteam berichtet, dass die Alzheimer-Krankheit unter speziellen Bedingungen möglicherweise übertragbar sein kann. Umso wichtiger ist es, die Risikofaktoren für eine Alzheimer-Demenz zu kennen und aktive Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Symptome von Alzheimer
Die Symptome von Alzheimer entwickeln sich langsam und verschlechtern sich im Laufe der Zeit. Die frühesten Anzeichen der Krankheit sind meist Gedächtnisstörungen, wie Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlernte Informationen oder Ereignisse zu erinnern.
Häufige Symptome
- Gedächtnisverlust: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Alzheimer-Patienten haben Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, verlegen Gegenstände und vergessen wichtige Termine.
- Orientierungslosigkeit: Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie "gestern", "heute" und "morgen".
- Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.
- Sprachprobleme: Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel "Hand-Uhr" statt "Armbanduhr".
- Verhaltensänderungen: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten. Die Ursache dahinter ist ein vermindertes Urteilsvermögen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
- Fehlinterpretationen: Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen. So ist es möglich, dass Menschen mit Alzheimer beispielsweise ihren Standort, einzelne Gegenstände, andere Personen oder gesprochene Worte falsch beziehungsweise anders interpretieren, weil sie es nicht mehr in den richtigen Kontext setzen können. Eines von vielen möglichen Szenarien wäre, dass an der Wand befestigte Bilderrahmen nicht mehr als solche wahrgenommen werden, sondern als Fenster.
- Schwierigkeiten mit vertrauten Aufgaben: Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr weiß, wie er seinen Haarkamm bedienen soll.
- Verlust von Initiative: Viele Menschen mit Alzheimer verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.
- Stimmungsschwankungen: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.
Stadien von Alzheimer
Eine Alzheimer-Demenz kann dazu führen, dass die betroffene Person im Laufe der Zeit gepflegt werden muss und einen Pflegegrad erhält. Oftmals beginnt eine Alzheimer-Erkrankung mit „leichten kognitiven Störungen“. Durch die relativ geringen Auswirkungen zu Beginn können Betroffene ihr Leben und den Alltag noch gut ohne Hilfe selbst organisieren und meistern - doch genau deshalb wird dieses Frühwarnzeichen oft nicht erkannt.
- Frühes Stadium: Gerade zu Beginn der Erkrankung fällt es dem Betroffenen und den Angehörigen leicht, die Symptome herunterzuspielen und nicht so ernst zu nehmen. Dennoch sollte man, wenn sich Veränderungen über mehrere Wochen bis Monate manifestieren, diese zügig abklären, da auch andere Ursachen wie zum Beispiel Nährstoffmangel oder Blutarmut demenzähnliche Symptome auslösen können. Im frühen Stadium von Alzheimer, auch als Stadium 2 bekannt, sind die Störungen noch relativ gering. Allerdings ist das Kurzzeitgedächtnis bereits beeinträchtigt, und es fällt den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen. Sie benötigen Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Dinge werden verlegt, Informationen nicht behalten.
- Mittleres Stadium: Ebenso nehmen Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit zu und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich im mittleren Stadium auch eine massive Unruhe ein. Viele Betroffene neigen dazu, aus der Wohnung zu laufen, eine sogenannte Hinlauftendenz. Für viele Angehörige ist es besonders schwierig, wenn der Erkrankte ihren Namen nicht mehr weiß oder sie für eine andere Person hält. Manchmal sogar für jemanden, den er nicht mag oder sogar fürchtet. Außerdem kann es zu aggressivem Verhalten und Wutausbrüchen kommen.
- Spätes Stadium: Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren. Im Endstadium von Alzheimer sind die meisten Patienten teilnahmslos. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden.
Diagnose von Alzheimer
Eine genaue Diagnose von Alzheimer ist entscheidend, um eine angemessene Behandlung und Unterstützung zu gewährleisten. Eine Studie von Jack et al. (2021) zeigt, dass die Verwendung von Biomarkern im Gehirn, wie Amyloid-β und Tau-Proteinen, eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung von Alzheimer spielen kann. Die Autoren betonen, dass solche Biomarker dazu beitragen können, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung bei noch nicht betroffenen Personen abzuschätzen und die Diagnose bei bereits erkrankten Personen zu bestätigen.
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Diagnoseverfahren
Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden.
- Anamnese: Ein wichtiger Teil der Alzheimer-Diagnose besteht darin, die Symptome beschreiben zu können. Dabei hilft die Einschätzung eines engen Familienmitglieds oder Freundes über die Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag.
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Ein Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch.
- Laboruntersuchungen: Bluttests können helfen, andere mögliche Ursachen für Gedächtnisverlust und Verwirrung auszuschließen, wie Schilddrüsenerkrankungen oder Vitaminmangel.
- Mentaler Status und neuropsychologische Tests: Der Arzt kann einen kurzen Test zum mentalen Status durchführen, um Gedächtnis und andere Denkfähigkeiten zu bewerten. Ausführlichere Tests können detailliertere Informationen über die geistige Leistungsfähigkeit liefern, die mit Personen ähnlichen Alters und Bildungsstandes verglichen werden können. Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen.
- Bildgebung des Gehirns: Gehirnscans werden normalerweise verwendet, um sichtbare Veränderungen im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen als Alzheimer festzustellen, die ähnliche Symptome verursachen könnten, wie Schlaganfälle, Traumata oder Tumoren.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Die MRT verwendet Radiowellen und ein starkes Magnetfeld, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erzeugen. Obwohl sie eine Schrumpfung bestimmter Gehirnregionen, die mit Alzheimer in Verbindung stehen, zeigen können, dienen MRT-Scans auch dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.
- CT-Untersuchung (Computertomographie): Eine CT-Untersuchung, eine spezialisierte Röntgentechnik, erzeugt Querschnittsbilder des Gehirns.
- PET (Positronenemissionstomographie): Positronenemissionstomographie (PET) kann Bilder der Krankheitsprozesse im Gehirn einfangen. Während eines PET-Scans wird ein schwach radioaktiver Tracer in das Blut injiziert, um ein bestimmtes Merkmal im Gehirn sichtbar zu machen.
- Fluorodeoxyglucose (FDG)-PET: Diese Scans zeigen Bereiche des Gehirns, in denen Nährstoffe schlecht verwertet werden.
- Amyloid-PET: Diese Bildgebung kann die Belastung durch Amyloid-Ablagerungen im Gehirn messen.
- Liquoruntersuchung: In besonderen Fällen können auch andere Tests verwendet werden, um Amyloid und Tau im Liquor zu messen.
- Bluttests: Forscher arbeiten daran, Tests zu entwickeln, die biologische Anzeichen von Krankheitsprozessen im Gehirn messen können. Diese Tests, einschließlich Bluttests, könnten die Genauigkeit bei der Diagnosestellung verbessern und es ermöglichen, die Krankheit zu diagnostizieren, bevor Symptome auftreten.
- Gentests: Gentests werden für die meisten Menschen, die auf Alzheimer untersucht werden, nicht empfohlen. Bei Personen mit einer familiären Vorgeschichte von früh einsetzender Alzheimer-Krankheit kann dies jedoch in Betracht gezogen werden. Mit einem einfachen Bluttest kann festgestellt werden, ob und wie viele Kopien von ApoE4 vorhanden sind.
Frühe Diagnose
Eine frühe Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten. Gerade zu Beginn führen frühe Anzeichen wie Vergesslichkeit oftmals zu Konflikten. Zu wissen, dass sich hinter diesen Anzeichen eine beginnende Alzheimer-Krankheit verbirgt, schafft mehr Verständnis und kann somit auch Konflikten vorbeugen. Das Wissen und der offene Austausch über die Erkrankung ist also in vielen Fällen sehr wertvoll.
Anlaufstellen für die Diagnose
Erste Anlaufstelle zur Abklärung dieser Auffälligkeiten ist in der Regel Ihr Hausarzt. Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich des Gehirns. In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle Gedächtnissprechstunden oder ganze Gedächtnisambulanzen, die auf die Frühdiagnostik bei beginnenden Gedächtnisproblemen spezialisiert sind. Bei dem Verdacht auf eine Alzheimer-Krankheit kann die weitere Diagnostik und Behandlung auch hier erfolgen.
Behandlung von Alzheimer
Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Lange Zeit konnten nur die Symptome der Alzheimer-Krankheit behandelt werden. Lecanemab ist ein Antikörper, der die schädlichen Plaques im Gehirn erkennt und zur Beseitigung markiert. In Studien konnte der kognitive Abbau binnen 18 Monaten um 27 % verlangsamt werden. Zwar ist dies noch kein Heilmittel, aber ein wichtiger Durchbruch in der Alzheimer-Therapie.
Lecanemab eignet sich nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen mit Alzheimer. Nur Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit kommen dafür infrage. Wer das Medikament bekommt, muss medizinisch sehr aufmerksam begleitet werden, weil auch starke Nebenwirkungen möglich sind. Die Behandlung ist aufwendig: Alle 14 Tage ist eine einstündige Infusion nötig. Weitere ähnliche Medikamente sind aber bereits in der Entwicklung.
Zu den gängigsten Medikamenten zählen:
- Cholinesterasehemmer: Diese Medikamente sollen den Informationsaustausch von Nervenzellen anregen und so Demenz-Symptome lindern.
- Memantin: Der Wirkstoff soll verhindern, dass ein Überschuss an Glutamat das Gehirn schädigt. Denn bei Alzheimer-Demenz sammelt sich vermutlich zu viel Glutamat im Gehirn an, was zum Absterben von Nervenzellen führt.
- Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baumes: Sie sollen die Durchblutung fördern und Nervenzellen schützen.
Es gibt unterschiedliche Medikamente, die den Abbau der geistigen Fähigkeiten bei leichter und mittelschwerer Demenz etwas verzögern können. Diese Arzneimittel können auch Nebenwirkungen haben.
Nicht-medikamentöse Therapie
Nicht-medikamentöse Therapieansätze, wie kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie und Physiotherapie, können ebenfalls dazu beitragen, die Symptome von Alzheimer zu bewältigen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Eine aktuelle Studie von Bahar-Fuchs et al. (2021) hat gezeigt, dass kognitive Stimulationstherapie, eine strukturierte Gruppentherapie, die auf kognitiven und sozialen Aktivitäten basiert, das Wohlbefinden und die kognitiven Funktionen bei Personen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz verbessern kann.
Neben der medikamentösen Alzheimer-Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören geistige und körperliche Aktivierung, Ergotherapie, Musiktherapie und Gehirntraining. Die richtige Art des Umgangs und eine bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung können das Leben mit der Erkrankung erleichtern.
Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Gedächtnis- und Orientierungsübungen
- Gemeinsame Alltagsaktivitäten
- Kunst-, Aroma-, Tier- und Musiktherapie
- Körperliche Aktivitäten
- Massagen
- Angehörigenschulungen
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
In Anbetracht der Komplexität und Vielfältigkeit von Alzheimer ist es wichtig, dass Patienten und ihre Familien umfassend informiert und unterstützt werden, um die bestmögliche Versorgung und Lebensqualität für die Betroffenen zu gewährleisten. Für pflegende Angehörige ist Beratung und Unterstützung besonders wichtig, da sie oft über Jahre hinweg eine enorme Belastung tragen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bieten wertvolle Hilfe.
Wenn Sie feststellen, dass sich ein Unterstützungsbedarf abzeichnet, sollten Sie den möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad prüfen. Denn mit diesem stehen der betroffenen Person verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zu, die ihren Pflegealltag erleichtern sollen. In einem Pflegetagebuch können Sie die Beeinträchtigungen im Alltag genauer beobachten und dokumentieren. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie gegebenenfalls beim Antrag auf Pflegegrad.
Kleine Orientierungs- und Erinnerungshilfen im Wohnraum können Betroffenen und Angehörigen den Pflegealltag erleichtern. Wenn Alzheimer-Patienten über die Zeit den Umgang mit alltäglichen Dingen verlernen, wird die Auswahl an Aktivitäten im Alltag immer kleiner. Das Bedürfnis nach Beschäftigung bleibt jedoch. Kleinere Aufgaben und Übungen für die Person mit Alzheimer schaffen auch Ihnen als Pflegeperson kleine Pausen. Von Tipps zum Umgang bis zur Entlastung für Angehörige. Lernen Sie mehr über Alzheimer & Demenz - in Ihrem Tempo und wann es Ihnen passt.
Vorsorge
Mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung lässt sich regeln, wer später Aufgaben in der Versorgung übernehmen und Entscheidungen treffen soll.
Mit dem Fortschreiten einer Demenz werden die psychosoziale Betreuung, die Versorgung durch Pflegekräfte und die Entlastung pflegender Angehöriger immer wichtiger. Ein erster Schritt zu hilfreicher Unterstützung können örtliche Angebote sein: zum Beispiel Tagespflege-Einrichtungen, eine stundenweise Betreuung der zu pflegenden Person, Pflegekurse oder auch Gesprächsgruppen für Angehörige.
Was bedeutet eine doppelte Kopie des ApoE4-Gens?
Jeder Mensch erbt von seinen Eltern zwei Kopien des ApoE-Gens, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Die Variante ApoE4 erhöht das Alzheimer-Risiko und kann die Nebenwirkungen von Leqembi verstärken. Eine Kopie von ApoE4 (von einem Elternteil vererbt) bedeutet ein erhöhtes Risiko, ist aber behandelbar. Zwei Kopien von ApoE4 (von beiden Elternteilen vererbt) bedeuten ein stark erhöhtes Risiko für Hirnschwellungen und Hirnblutungen. Diese Personen sind daher von der Behandlung ausgeschlossen.
Prävention von Alzheimer
In Bezug auf die Prävention von Alzheimer gibt es einige Lebensstiländerungen, die das Risiko einer Erkrankung verringern können. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Aktivität und soziale Interaktion. Eine Studie von Kivipelto et al. (2021) hat gezeigt, dass eine multidomain-Intervention, die auf Ernährung, körperliche Aktivität, kognitive Stimulation und vaskuläre Risikofaktoren abzielt, das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung bei älteren Erwachsenen verringern kann.
Obwohl Alzheimer bisher nicht bei allen Menschen verhindert werden kann, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko senken können. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung (insbesondere mediterrane Kost), geistige Aktivität und die Pflege sozialer Kontakte.
Forschung und Ausblick
Die Erforschung von Alzheimer ist weiterhin ein wichtiges Gebiet in der Medizin, da die Anzahl der betroffenen Menschen weltweit steigt. Angesichts der zunehmenden Zahl von Alzheimer-Patienten und der bisher begrenzten Behandlungsmöglichkeiten ist die Erforschung neuer Therapieansätze von großer Bedeutung.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Immuntherapie, bei der das körpereigene Immunsystem dazu verwendet wird, schädliche Amyloid-β-Plaques im Gehirn anzugreifen und abzubauen. Eine Studie von Sevigny et al. (2016) zeigte, dass das Medikament Aducanumab, ein monoklonaler Antikörper, das Amyloid-β im Gehirn von Alzheimer-Patienten reduzieren und die kognitiven Fähigkeiten verbessern konnte.
Darüber hinaus gibt es auch Forschungen, die sich auf die Rolle von Stammzellen bei der Behandlung von Alzheimer konzentrieren. Eine Studie von Wang et al. (2020) zeigte, dass die Transplantation von mesenchymalen Stammzellen in ein Alzheimer-Mausmodell die kognitiven Funktionen verbesserte und die Gehirnpathologie reduzierte.
Eine weitere Herausforderung bei der Erforschung von Alzheimer besteht darin, die individuellen Unterschiede zwischen den Patienten besser zu verstehen. In den letzten Jahren hat sich die Forschung auf sogenannte „präzisionsmedizinische“ Ansätze konzentriert, bei denen Behandlungen auf die individuellen Bedürfnisse und genetischen Merkmale der Patienten zugeschnitten werden.
Insgesamt ist die Alzheimer-Forschung ein dynamisches und schnelllebiges Feld, das kontinuierlich neue Erkenntnisse und potenzielle Therapieansätze hervorbringt.
Um auf dem Laufenden zu bleiben und die neuesten Erkenntnisse und Studien zum Thema Alzheimer zu verfolgen, empfiehlt es sich, wissenschaftliche Publikationen und Fachzeitschriften zu lesen, die regelmäßig über aktuelle Forschungsarbeiten berichten. Zuverlässige Informationsquellen sind unter anderem das National Institute on Aging (www.nia.nih.gov), die Mayoclinic (www.mayoclinic.org) und das Centers for Disease Control and Prevention (www.cdc.gov).