Die Legionellose, eine durch Legionellen-Bakterien verursachte Infektion, manifestiert sich hauptsächlich als Atemwegserkrankung. Allerdings können in schweren Fällen auch neurologische Ausfallerscheinungen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Legionellose, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Diagnose, Behandlung und Präventionsmaßnahmen, wobei ein besonderes Augenmerk auf die potenziellen neurologischen Komplikationen gelegt wird.
Die Entdeckung der Legionellen
Die Legionärskrankheit erlangte traurige Berühmtheit im Jahr 1976, als 149 Veteranen der „American Legion“ bei einem Treffen in Philadelphia an einer mysteriösen Lungenkrankheit erkrankten. Diese Epidemie führte zur Entdeckung der Legionellen-Bakterien und der nachfolgenden Benennung der Krankheit als Legionärskrankheit.
Die Bedrohung durch Legionellen
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien der Gattung Legionella, die in der Umwelt weit verbreitet sind und vor allem in warmem Wasser vorkommen. Sie können natürliche Gewässer wie Seen, Flüsse und Bäche sowie künstliche Wassersysteme wie Schwimmbäder oder Wasserleitungen besiedeln. Die Bakterien vermehren sich optimal bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius.
Die Infektion erfolgt in der Regel durch das Einatmen von Aerosolen, also kleinsten Wassertropfen, die Legionellen enthalten. Diese Aerosole können beispielsweise beim Duschen, in Whirlpools oder durch Klimaanlagen entstehen. Nach der Infektion kann es zu verschiedenen Krankheitsbildern kommen, von milden grippeähnlichen Symptomen bis hin zu schweren Lungenentzündungen.
Die Legionellose: Zwei Hauptformen
Die Legionellose äußert sich in verschiedenen Krankheitsbildern. Häufig ist das Pontiac-Fieber, das in der Regel mild verläuft. Die Symptome ähneln denen einer leichten Grippe. Schwerwiegender ist die Legionärskrankheit. Die Symptome sind eher unspezifisch und variieren. Meist sind Schüttelfrost und hohes Fieber, Muskelschmerzen sowie Husten involviert. Auch kann es zu Atemnot, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen sowie neurologischen Ausfällen kommen.
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Pontiac-Fieber
Das Pontiac-Fieber ist eine akute, fieberhafte Erkrankung, die durch Legionellen hervorgerufen wird und mit grippeähnlichen Symptomen ohne Pneumonie einhergeht. Die Symptome treten innerhalb von 5 Stunden bis 3 Tagen nach der Ansteckung auf und umfassen in der Regel:
- Trockenen Husten
- Kopfschmerzen
- Gliederschmerzen
Das Pontiac-Fieber heilt meist von selbst innerhalb weniger Tage aus.
Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit ist die schwerere Form der Legionellose und stellt eine schwere Lungenentzündung dar. Die Symptome beginnen zwei bis zehn Tage nach der Infektion und können sein:
- Plötzlich einsetzendes Fieber
- Schüttelfrost
- Muskelschmerzen
- Husten (trocken oder mit blutigem Auswurf)
- Atemnot
- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Neurologische Ausfallerscheinungen (siehe unten)
In schweren Fällen kann die Legionärskrankheit tödlich verlaufen.
Neurologische Auswirkungen der Legionellose
Obwohl die Legionellose primär eine Atemwegserkrankung ist, können in einigen Fällen auch neurologische Komplikationen auftreten. Diese können sich in verschiedenen Formen manifestieren:
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- Enzephalitis: Eine Entzündung des Hirngewebes (Enzephalitis) kann als Komplikation auftreten, die teilweise auch die Hirnhäute und das Rückenmark mit einschließt. Diese äußert sich häufig mit Bewusstseinsstörungen, Benommenheit und Verwirrtheit.
- Neurologische Ausfälle: Im Rahmen der Legionärskrankheit kann es zu neurologischen Ausfällen kommen, die sich in Form von Verwirrtheit, Desorientierung oder anderen kognitiven Beeinträchtigungen äußern können.
Die genauen Mechanismen, die zu diesen neurologischen Komplikationen führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die Bakterien oder die durch die Infektion ausgelöste Entzündungsreaktion das Nervensystem beeinträchtigen können.
Diagnose der Legionellose
Die Diagnose einer Legionellose basiert auf den klinischen Symptomen, der Anamnese des Patienten und spezifischen Labortests. Zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren gehören:
- Urin-Antigen-Test: Ein Schnelltest, der Legionellen-Antigene im Urin nachweist.
- Kultur: Anzüchtung von Legionellen aus Sputum oder Bronchialsekret.
- PCR: Polymerase-Kettenreaktion zum Nachweis von Legionellen-DNA in Proben.
- Röntgenaufnahme des Thorax: Zur Beurteilung des Ausmaßes der Lungenentzündung.
Behandlung der Legionellose
Die Legionärskrankheit wird mit Antibiotika behandelt, die intrazellulär wirken. Mittel der ersten Wahl sind Fluorchinolone wie Levofloxacin oder Moxifloxacin sowie Makrolidantibiotika wie Clarithromycin oder Azithromycin. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 1 bis 2 Wochen, kann aber in schweren Fällen auch länger dauern.
Das Pontiac-Fieber heilt in der Regel von selbst aus und erfordert keine antibiotische Behandlung.
Prävention der Legionellose
Die Prävention der Legionellose konzentriert sich auf die Minimierung des Legionellenwachstums in Wassersystemen und die Reduzierung der Exposition gegenüber Aerosolen. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:
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- Regelmäßige Inspektion und Wartung von Wassersystemen: Dies umfasst die Reinigung und Desinfektion von Warmwasserspeichern, Boilern, Klimaanlagen und anderen potenziellen Infektionsquellen.
- Temperaturkontrolle: Die Warmwassertemperatur sollte mindestens 60 Grad Celsius betragen, um Legionellen abzutöten. Das Kaltwasser sollte unter 25 Grad Celsius gehalten werden, um das Wachstum der Bakterien zu verhindern.
- Vermeidung von Stagnation: Stehendes Wasser in Leitungen und Behältern sollte vermieden werden, da dies das Wachstum von Legionellen begünstigt. Regelmäßiges Spülen von selten genutzten Wasserhähnen und Duschen ist empfehlenswert.
- Entkalkung: Kalkablagerungen in Wasserleitungen und Warmwassergeräten bieten einen idealen Nährboden für Legionellen und sollten regelmäßig entfernt werden.
- Risikobewusstsein: Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Legionellose (z.B. ältere Menschen, immungeschwächte Personen, Raucher) sollten besonders auf Präventionsmaßnahmen achten und bei Symptomen frühzeitig einen Arzt aufsuchen.
- Gesetzliche Bestimmungen: Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in Deutschland schreibt regelmäßige Legionellenprüfungen für größere Trinkwasseranlagen vor, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. Eigentümer von Immobilien mit über drei Mietwohnungen sind gesetzlich dazu verpflichtet, alle drei Jahre eine Fachfirma mit der Untersuchung des Wassers auf Legionellen zu beauftragen. In öffentlichen Gebäuden muss das Wasser sogar jährlich getestet werden.
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