Das Leriche-Syndrom, auch bekannt als Aortenbifurkationssyndrom, ist eine spezifische Form der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), die durch eine Verengung oder einen Verschluss der Aorta an der Stelle, an der sie sich in die beiden Beckenarterien teilt, gekennzeichnet ist. Benannt nach dem französischen Chirurgen René Leriche, manifestiert sich diese Erkrankung durch eine charakteristische Trias von Symptomen, die erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben können.
Was ist die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Durchblutungsstörung, die die peripheren Arterien in den Füßen und Beinen, seltener in den Armen, betrifft. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Verengung der Arterien, die das Blut vom Herzen in die Extremitäten transportieren, was zu einer verminderten Blutversorgung der Muskeln und Gewebe führt. Die Ursache ist fast immer eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die wiederum verengte Gefäße zur Folge hat. Ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen ist das Rauchen, weshalb die pAVK auch oft „Raucherbein“ genannt wird. Die Häufigkeit der pAVK nimmt mit höherem Lebensalter zu.
Ursachen des Leriche-Syndroms
Wie bei der pAVK im Allgemeinen ist die Hauptursache des Leriche-Syndroms die Arteriosklerose. Bei diesem Prozess lagern sich über einen längeren Zeitraum hinweg verschiedene Substanzen wie Fette an den Wänden der Blutgefäße ab. Außerdem finden entzündliche Prozesse statt. Dies führt dazu, dass die Arterien ihre Elastizität verlieren und sich allmählich verengen. Diese Ablagerungen und die damit verbundene Entzündung führen zu einer allmählichen Verengung der Aorta und der Beckenarterien, wodurch der Blutfluss zu den Beinen, dem Gesäß und den Beckenorganen beeinträchtigt wird.
In seltenen Fällen kann ein akutes Leriche-Syndrom durch ein Blutgerinnsel verursacht werden, das sich im Herzen bildet und in den arteriellen Blutkreislauf gelangt (kardiale Embolie).
Risikofaktoren, die zur Entwicklung der Arteriosklerose und somit des Leriche-Syndroms beitragen, sind:
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- Rauchen: Gilt als wichtigster Risikofaktor für eine chronische arterielle Verschlusskrankheit.
- Hoher Cholesterinspiegel: Erhöhte Blutfettwerte fördern die Ablagerung von Plaques in den Arterien.
- Bluthochdruck: Chronisch erhöhter Blutdruck schädigt die Arterienwände und beschleunigt die Arteriosklerose.
- Diabetes mellitus: Diabetes führt zu einer Schädigung der Blutgefäße und erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
- Familiäre Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung für Herzkrankheiten oder pAVK erhöht das Risiko.
- Höheres Alter: Das Risiko für Arteriosklerose steigt mit zunehmendem Alter.
Wenn ein Mensch gleich mehrere Risikofaktoren auf sich vereint, etwa Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes, ist das Risiko besonders hoch.
Symptome des Leriche-Syndroms
Das Leriche-Syndrom manifestiert sich durch eine Trias von Symptomen, die auf die unzureichende Blutversorgung der betroffenen Regionen zurückzuführen sind:
- Claudicatio intermittens der Beine und des Gesäßes: Dies ist das häufigste Symptom und äußert sich als belastungsabhängiger Schmerz in den Beinen und im Gesäßbereich. Die Schmerzen treten typischerweise beim Gehen oder bei anderen körperlichen Aktivitäten auf und werden durch Ruhe gelindert. Da die Aortenbifurkation betroffen ist, sind oft beide Beine betroffen. Die Schmerzen betreffen dann beide Beine bis zum Gesäß.
- Erektile Dysfunktion: Bei Männern kann das Leriche-Syndrom zu erektiler Dysfunktion führen, da die Durchblutung der Beckenorgane beeinträchtigt ist. Die verminderte Durchblutung der für die Erektion verantwortlichen Gefäße kann zu Schwierigkeiten beim Erreichen oder Aufrechterhalten einer Erektion führen.
- Abgeschwächte oder fehlende Pulse in den Beinen: Durch die Verengung oder den Verschluss der Aorta und der Beckenarterien sind die Pulse in den Leisten, Kniekehlen und Füßen möglicherweise schwächer oder gar nicht tastbar. Das Fehlen von Pulsen ist ein deutliches Zeichen für eine Durchblutungsstörung.
Weitere Symptome, die im Zusammenhang mit dem Leriche-Syndrom auftreten können, sind:
- Kältegefühl in den Beinen oder Füßen: Aufgrund der verminderten Durchblutung fühlen sich die Beine oder Füße möglicherweise kalt an, insbesondere im Vergleich zu anderen Körperteilen.
- Blässe der Haut an den Beinen oder Füßen: Die Haut an den Beinen oder Füßen kann blass oder bläulich verfärbt sein, was auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung hinweist.
- Langsame Heilung von Wunden an den Beinen oder Füßen: Wunden oder Geschwüre an den Beinen oder Füßen heilen möglicherweise nur langsam oder gar nicht, da die Durchblutung für die Geweberegeneration unzureichend ist.
- Muskelschwund in den Beinen: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einem Muskelschwund in den Beinen kommen, da die Muskeln nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.
- Schmerzen in Ruhe: In schweren Fällen kann es auch in Ruhe zu Schmerzen in den Beinen kommen, was auf eine kritischeIschämie hindeutet.
Diagnose des Leriche-Syndroms
Die Diagnose des Leriche-Syndroms umfasst in der Regel eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
Der Arzt befragt Sie zunächst nach Ihrer Krankheitsgeschichte und Ihren Beschwerden. Wichtig ist zum Beispiel, welche Symptome auftreten, seit wann sie bestehen und wie intensiv sie sind. Interessant für den Arzt ist auch, ob sich die Beschwerden in bestimmten Situationen bessern (z. B. in Ruhe) oder verschlechtern (z. B. bei Belastung). Zudem sind bestehende Krankheiten wichtig, etwa Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, und ob Sie Medikamente einnehmen. Eine Rolle spielt auch Ihr Lebensstil.
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Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt die Pulse in den Leisten, Kniekehlen und Füßen überprüfen, die Haut an den Beinen und Füßen auf Veränderungen untersuchen und nach Anzeichen für Wunden oder Geschwüre suchen. Mit dem Stethoskop lassen sich ungewöhnliche Geräusche in den Gefäßen abhören.
Zusätzlich zu Anamnese und körperlicher Untersuchung können folgende bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die Diagnose zu bestätigen und den Schweregrad der Erkrankung zu beurteilen:
- Knöchel-Arm-Index (ABI): Ärzte bestimmen den systolischen Blutdruck am Oberarm und Unterschenkel. Anhand des ermittelten Wertes lässt sich die Ausprägung einer pAVK abschätzen.
- Doppler-Sonographie: Dies ist ein bildgebendes Verfahren zur Gefäßuntersuchung und eine besondere Form der Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Sie zeigt, ob es Engpässe in den Gefäßen gibt und wie schnell das Blut strömt.
- CT-Angiographie (CTA) und MR-Angiographie (MRA): Eine Darstellung der Gefäße (Angiografie) mithilfe der Computertomografie beziehungsweise Magnetresonanztomografie.
Außerdem messen Ärzte meist den Blutdruck und bestimmen den Blutzucker, um zu prüfen, ob ein Diabetes mellitus vorliegt. Auch die Blutfette werden oft bestimmt. Wenn die pAVK-Diagnose feststeht, untersuchen Ärzte außerdem das Herz und andere Organe auf Gefäßablagerungen und mögliche Gefäßverengungen.
Therapie des Leriche-Syndroms
Die Behandlung des Leriche-Syndroms zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Durchblutung zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die Therapie umfasst in der Regel eine Kombination aus konservativen Maßnahmen und interventionellen oder chirurgischen Eingriffen.
Konservative Maßnahmen
- Lebensstiländerungen: Ein gesunder Lebensstil ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Rauchen Sie nicht und wenn Sie Raucher sind, versuchen Sie den Rauchstopp. Suchen Sie sich professionelle Unterstützung, wenn Sie es nicht allein schaffen. Bewegen Sie sich möglichst viel in Ihrem Alltag. Ernähren Sie sich gesund, ausgewogen und vielfältig. Verzehren Sie zum Beispiel viel frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Falls Sie übergewichtig sind: Versuchen Sie, Ihr Körpergewicht zu reduzieren und einige Kilos abzunehmen.
- Gehtraining: Gegen die Schmerzen beim Gehen bei einer pAVK kann ein strukturiertes Gehtraining unter Anleitung helfen. Betroffene absolvieren das Gehtraining unter Aufsicht mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate. Es dauert meist zwischen 30 Minuten und einer Stunde und kann Schmerzen lindern und die Gehfähigkeit bei einer pAVK verbessern. Das Gehtraining besitzt einen hohen Stellwert in der konservativen (ohne OP) Therapie der pAVK.
- Medikamente: Darüber hinaus können Medikamente bei einer pAVK helfen. Zu Einsatz kommen zum Beispielgerinnungshemmende Medikamente und Cholesterinsenker. Sie können das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken. Manche Menschen leiden zusätzlich unter Bluthochdruck oder erhöhten Blutzuckerwerten. Auch diese Krankheiten lassen sich mit Medikamenten behandeln.
Interventionelle und chirurgische Eingriffe
Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend sind, um die Symptome zu lindern oder die Durchblutung zu verbessern, können interventionelle oder chirurgische Eingriffe erforderlich sein.
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- Ballondilatation und Stentimplantation: Bei einer Ballondilatation führen Ärzte mit Hilfe eines Katheters einen kleinen Ballon in das verengte Gefäß ein und dehnen es auf. Mitunter setzen sie auch einen Stent ein - ein kleines Röhrchen, mit dem das verengte Gefäß stabilisiert wird.
- Bypass-Operation: Auch größere Eingriffe wie eine Bypass-Operation (eine „Umleitung“ um das verengte Gefäß) oder ein Ausschaben des Blutgefäßes sind möglich.
Fußpflege und Wundversorgung
Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sind die Pflege Ihrer Füße und eine gute Wundversorgung besonders wichtig. Dies gilt eigentlich für alle Stadien der pAVK. Tragen Sie bequeme Schuhe, die nicht drücken und Ihre Füße nicht einengen. So können Wunden nämlich leichter entstehen. Kontrollieren Sie Ihre Füße regelmäßig auf Druckstellen und Wunden. Lassen Sie bestehende Wunden professionell versorgen. Bei entzündeten Wunden helfen zum Beispiel keimtötende Salben oder Antibiotika. Geschädigtes Gewebe lassen Sie von einem Arzt entfernen. Nehmen Sie regelmäßig eine medizinische Fußpflege wahr.
Was man bei einer pAVK nicht machen darf
Wenn bei Ihnen Schmerzen schon in Ruhe auftreten oder Sie offene Wunden haben, müssen Sie auf ein Gehtraining verzichten. In diesem Fall kann die Minderdurchblutung während des Trainings zunehmen. Wunden werden begünstigt oder heilen schlechter ab.
Prävention des Leriche-Syndroms
Einer pAVK vorbeugen können Sie am besten durch eine gesunde Lebensweise:
- Wenn Sie rauchen, versuchen Sie den Rauchstopp. Geben Sie nicht auf, bei den meisten klappt der Rauchstopp nicht auf Anhieb.
- Bewegen Sie sich ausreichend und treiben Sie am besten regelmäßig Sport.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
- Versuchen Sie, ein zu hohes Körpergewicht in den Griff zu bekommen.
Es gibt auch einige Maßnahmen, um einem Fortschreiten der pAVK vorzubeugen. Ein angeleitetes Gehtraining kann zum Beispiel dabei helfen. Lassen Sie sich auch Übungen für zu Hause zeigen. Lassen Sie zudem Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus ausreichend behandeln. Und behalten Sie Ihren Körper stets im Blick.
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