Im Elternalltag gibt es viele Momente der Freude und Liebe, aber auch solche, die von Wut, Überforderung und Gereiztheit geprägt sind. Besonders Mütter fühlen sich oft schuldig, wenn sie von ihren Kindern genervt sind. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Auswirkungen dieser Gefühle und zeigt Wege auf, wie Eltern besser damit umgehen können.
Mütterliche Wut: Ein Tabuthema?
Es ist ein Tabuthema unter Müttern, denn wir werden täglich im Netz und per Erziehungsratgeber darüber aufgeklärt, wie schlimm es ist, die Kinder anzuschreien. Viele Mütter schämen sich, wenn sie wütend werden und ihre Kinder anbrüllen. Doch Wut ist ein normales Gefühl, das im anstrengenden Elternalltag entstehen kann. Zeitdruck, verlorene Gegenstände, Abgabetermine im Büro und wütende Kinder tragen dazu bei. Die Streitereien der Kinder und die Ablehnung des Essens können ebenfalls Auslöser sein.
Die Last der Care-Arbeit
Viele Mütter leisten einen Großteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung, oft ungesehen und ungeschätzt. Berufstätige Mütter arbeiten oft in Teilzeit, um nachmittags für ihre Kinder da zu sein, und verzichten auf Mittagspausen, um Hausarbeiten zu erledigen. Auch vollzeitbeschäftigte Mütter tragen oft einen Großteil der Hausarbeit. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bestätigt, dass Frauen in Paarhaushalten deutlich mehr Zeit mit unbezahlter Hausarbeit und Kinderbetreuung verbringen als Männer, unabhängig vom Grad ihrer Berufstätigkeit. Mütter, die nicht berufstätig sind, haben oft die gesamte Arbeit am Hals, da sie ja "Zeit haben". Es ist verständlich, dass ihnen all die Arbeit über den Kopf wächst.
Aggressivität als Teil des Charakters
Aggressivität ist ein Bestandteil unseres Charakters. Männer wie Frauen tragen das Potenzial zur Wut in sich, aber bei Männern wird es von unserer Gesellschaft eher akzeptiert. Wütende Frauen schrecken ab, denn in unserer Wahrnehmung sind Frauen sanft und gütig, vor allem, wenn sie Mutter werden. Wir glauben insgeheim an einen Mutter-Mythos, der bei uns weit verbreitet ist, und der ein Märchen erzählt von einer Frau, die mit dem ersten Kind glücklich ist und in ihrer Mutterrolle komplett aufgeht. Frauen sind ganz normale Menschen. Ab und zu kriegen wir die Krise, gerne auch mal zuhause. Besser ginge es uns, wenn wir entlasteter wären.
Streitende Kinder: Eine Zerreißprobe für die Nerven
Ein besonderer Stressfaktor sind streitende Kinder. Wenn Kinder sich ständig streiten, kann das Eltern an ihre Grenzen bringen. Oft drehen sich die Streitereien um Spielzeug, da Kleinkinder noch keine Vorstellung von Besitz oder der Notwendigkeit vom Teilen haben. In solchen Situationen ist es wichtig, ruhig und gelassen einzugreifen und die Gefühle der Kinder zu benennen. Ein bloßes "Das gehört dem anderen Kind" reicht nicht aus.
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Die positiven Seiten des Streitens
Auch wenn Streitereien an den Nerven zerren, lernen Kinder dabei, Lösungen für ein Problem zu finden, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und die Wünsche und Bedürfnisse der Anderen zu erkennen und zu berücksichtigen. Sie lernen, Spielregeln auszuhandeln, zu kooperieren, Kompromisse einzugehen, sich selbst zu behaupten und Teil einer Gruppe zu werden. Sie lernen, mit intensiven Gefühlen umzugehen und gesellschaftliche Regeln auszuhandeln.
Loslassen und Vertrauen
Es ist erstaunlich, wie schnell Kinder oft selbst zu einer Lösung kommen, wenn man sie streiten lässt. Wenn Eltern nicht zu schnell eingreifen, lernen die Kinder zudem: meine Mama vertraut mir, dass ich das Problem auch alleine lösen kann. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Eltern eingreifen müssen. Dabei sollten sie darauf achten, nicht Partei zu ergreifen und einen Kompromiss zu suchen, mit dem beide Parteien zufrieden sind.
Eltern als Vorbilder
Eltern haben eine wichtige Vorbildfunktion. Sie sollten sich selbst beobachten, wie sie sich verhalten, wenn sie sich mit ihrem Partner streiten. Argumentieren sie sachlich? Halten sie sich an Streitregeln? Es ist wichtig, Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen, auch vor den Kindern.
Regeln und Schiedsrichter
Um Streitereien zu vermeiden, können Regeln aufgestellt werden. Ein Schiedsrichter, der täglich wechselt, kann bestimmen, wer wo beim gemeinsamen Essen sitzt oder wer den Tisch deckt. Dauert ein Streit zu lange, kann das Streitobjekt entfernt werden, bis eine Lösung gefunden ist.
Die Rolle der Gesellschaft
Unsere Kinder lernen heute das Streiten viel schwieriger, als noch vor zwanzig Jahren. Jeder Konflikt wird oft zu schnell unterbunden, z.B. auf dem Pausenhof. Deshalb haben viele Kinder fast keine Konfliktfähigkeit mehr.
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Nervige Eigenschaften von Eltern
Neben den Streitereien der Kinder gibt es auch andere Eigenschaften von Eltern, die auf die Nerven gehen können. Dazu gehören:
- Der Babybauch: Werdende Mütter lieben ihren Babybauch - zu Recht! Doch seitdem jeden Tag ein neuer Promi seinen Babybauch medienwirksam auf Instagram streichelt, nerven Babybäuche.
- Geburtsgeschichten: Nur weil es ein einschneidendes Erlebnis für Eltern ist, sollten sie nicht davon ausgehen, dass all ihre Mitmenschen Interesse an einer detaillierten Beschreibung der Geburt ihres Kindes haben. Das gilt übrigens auch für Stillprobleme wie wunde Brustwarzen und Milchstau …
- Ihre Eltern-Freunde: Freunde mit Kindern haben die unschöne Angewohnheit, sich vorrangig neue Freunde zuzulegen, die auch Kinder haben. Das hat zur Folge, dass man bei ihren Geburtstagsfeiern auf einmal von Menschen umgeben ist, die man noch nie gesehen hat und die sich über Themen unterhalten, die einen nicht mal peripher interessieren - sei es die anstrengende Kitaplatzsuche oder der beste Kinderarzt in der Stadt.
- Kindergerechte Treffpunkte: Sich mit Freunden mit Kindern im Streichelzoo zu treffen, mag noch angehen. Aber ein Indoor-Spielplatz ist auch bei Regenwetter kein angemessener Treffpunkt, da hier eine Unterhaltung aufgrund der Umgebungslautstärke praktisch ausgeschlossen ist.
- Der Bespaßungszwang: Für einen Außenstehenden sieht es oft so aus, als ob Eltern permanent um ihre Kinder herumschwirren, um ihnen den nächsten Wunsch von den Augen abzulesen oder um zu verhindern, dass ihnen mal für zwei Sekunden langweilig ist. Dieser Bespaßungszwang nervt, selbst wenn man dabei nur Zuschauer ist.
- Unterbrochene Telefonate: Nur alle paar Monate wagen es Eltern mit Kindern noch, sich mal 10 Minuten freizuschaufeln, um mit ihren Freunden zu telefonieren. Und dann kommt garantiert ihr kleiner „Hosenscheißer“ daher und „will auch mal“. Das ist vielleicht für 10 Sekunden süß, aber dann wird es anstrengend. Deshalb sollten Eltern mutig sein und ihren Kindern das Telefon gleich wieder aus der Hand reißen - und nicht erst nach 5 Anstandsminuten, die sich für den Gesprächspartner wie ein langer Ausflug in die Hölle anfühlen.
- Mangelnde Trinkfestigkeit: Auf befreundete Eltern, die nun Kinder haben, ist kein Verlass mehr, was das Thema Ausgehen betrifft. Spätestens wenn ihr Kind ein halbes Jahr alt ist, wollen sie zwar unbedingt mit ihren Freunden ausgehen und versprechen Ausschweifungen noch und nöcher, aber nach maximal zwei Gläsern Wein ist Schluss.
- Uneingeschränkter Stolz: An sich ist es sehr löblich, wenn Eltern ihre Kinder unterstützen, aber deshalb müssen sie doch nicht alles toll finden, was der Nachwuchs macht. Erst recht können sie das nicht von ihren Freunden erwarten. Denn ein umgekippter Karton Orangensaft ist noch lange kein physikalisches Experiment und die Fähigkeit, einen Fußball aus 10 Zentimetern Entfernung zu treffen, macht niemanden zum nächsten Messi.
- Kindische Anwandlungen: Manchmal wirkt es so, als ob Eltern besonders anfällig dafür seien, ihre Midlife-Crisis auf peinliche Weise auszuleben. Die kindischen Anwandlungen äußern sich zum Beispiel darin, dass nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern Fans der aktuellen Disneyprinzessin oder von irgendwelchen Teenie-Influencern werden.
- Ihr Baby-Boss: Bei manchen Familien kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Baby bzw. Kind der heimliche Boss ist, auch wenn es offiziell bloß ein Mitspracherecht hat. Das hat für den Zuhörer unerträgliche Diskussionen über praktisch alles zur Folge - von der Frage, was das Kind anziehen möchte, über die Wahl des Essens bis dahin, was man gemeinsam unternimmt.
Die Realität des Elternseins
Es ist wichtig zu akzeptieren, dass Elternsein nicht immer einfach ist. Es gibt anstrengende Phasen, in denen man von seinen Kindern genervt ist. Das ist menschlich und hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun. Wichtig ist, sich Freiräume zu schaffen, Hilfe anzunehmen und sich nicht von unrealistischen Erwartungen unter Druck setzen zu lassen.
Wenn der Partner ständig genervt ist
Es gibt auch Situationen, in denen der Partner ständig genervt von den Kindern und der Familie ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. Überlastung, Stress, Probleme in der Beziehung oder persönliche Probleme. Es ist wichtig, die Ursachen zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Auswirkungen auf die Familie
Das ständige Genervtsein des Partners kann negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Mutter, zu Angst, Unsicherheit, Überlastung, Einsamkeit, Konflikten und Streit führen. Auch das Kind leidet unter der Situation. Es kann zu psychischen Belastungen, gestörten Bindungen, Verhaltensproblemen und einer eingeschränkten emotionalen Entwicklung kommen.
Selbstreflexion und Lösungen
Um die Situation zu verbessern, ist Selbstreflexion wichtig. Eltern sollten ihre eigenen Bedürfnisse und Erwartungen reflektieren und überlegen, wie sie auf das Verhalten des Partners reagieren. Es ist wichtig, für sich selbst zu sorgen und Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen.
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Klare Grenzen setzen
Eltern sollten offen mit dem Partner über die Auswirkungen seines Verhaltens sprechen und klare Grenzen setzen. Es ist wichtig, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und Kompromisse einzugehen.
Professionelle Hilfe
In manchen Fällen ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Familien- oder Elterncoaching kann helfen, die Probleme zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.