Ecstasy, eine synthetisch hergestellte Droge, die meist in Tablettenform konsumiert wird, ist als Partydroge bekannt. Die bunten Pillen versprechen einen schnell einsetzenden Rausch, der euphorische Gefühle, eine gesteigerte Kontaktfreudigkeit sowie verstärkte Sinneswahrnehmungen auslöst. Doch welche Auswirkungen hat diese Droge wirklich auf unser Gehirn, insbesondere im Hinblick auf neurologische Erkrankungen wie Parkinson?
Was ist Ecstasy?
Ecstasy ist eine vollsynthetische Droge, also eine Substanz, die komplett im Labor erzeugt wird. Genauer gesagt handelt es sich um ein Amphetaminderivat, dessen Vorläufer das ebenfalls in der Drogenszene bekannte Rauschmittel MDMA ist. Als Ecstasy in den 1980er Jahren das erste Mal aufkam, wurde das neue Rauschmittel mit MDMA gleichgesetzt, da die bunten Pillen hauptsächlich aus MDMA bestanden. Inzwischen hat sich dies geändert. Zwar enthalten auch heute viele Tabletten, die als Ecstasy verkauft werden, noch immer einen gewissen Anteil an MDMA, jedoch variiert dieser stark. Überdies kommen andere Stoffe hinzu, die Körper, Psyche und Gehirn der Betroffenen schädigen können.
Die Wirkung von Ecstasy
Wer Ecstasy konsumiert, sorgt für eine exzessive Ausschüttung von Serotonin. Das wiederum löst die euphorischen Glücksgefühle aus, die schon kurze Zeit nach dem Konsum anfluten. Darüber hinaus fühlt man sich selbstbewusster, erlebt ein ganz neues Körpergefühl und ist sozial aufgeschlossener. Diese MDMA-Ecstasy-Wirkung ergibt sich jedoch lediglich, wenn in den Drogen, die konsumiert werden, tatsächlich der intendierte Stoff enthalten ist. Wann die Wirkung von Ecstasy einsetzt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B. der genauen Zusammensetzung der Droge, der Häufigkeit des Konsums und der jeweiligen Dosis. In vielen Fällen sind erste Effekte nach zwanzig bis dreißig Minuten wahrnehmbar.
Ecstasy ist eine typische Partydroge, deren Konsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am stärksten verbreitet ist. Insbesondere in der Partyszene wird Ecstasy häufig mit anderen Drogen gemischt. Alkohol, aber auch Halluzinogene, Amphetamine oder Cannabis werden zusätzlich konsumiert.
Risiken und Nebenwirkungen von Ecstasy
Ecstasy birgt ein hohes Risiko für kurz-, mittel- und langfristige gesundheitliche Schäden. Körper, Psyche und Gehirn können durch den Konsum bleibende Beeinträchtigungen davontragen - umso mehr bei häufigem Konsum. Die typischen Ecstasy Nebenwirkungen sind - sofern es sich nicht um ein gestrecktes Produkt handelt - dieselben Nebenwirkungen wie bei MDMA.
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Bei den mittel- und langfristigen Nebenwirkungen von Ecstasy und MDMA ist vor allem das neurotoxische Potenzial der Droge hervorzuheben. Zwar ist die Studienlage zu diesem Thema nicht ganz eindeutig, verschiedene Untersuchungen haben jedoch herausgefunden, dass das Rauschmittel das Gehirn schädigen kann. Zudem wurde in Tierversuchen bestätigt, dass Ecstasy Parkinson auslösen kann. Nicht zu missachten, ist überdies das Risiko für eine Abhängigkeit: Insbesondere bei Langzeitkonsumenten ist die Gefahr, in eine psychische Abhängigkeit zu geraten, groß.
Wer ohne die Wirkung von MDMA oder Ecstasy nicht mehr durch den Tag oder das Wochenende kommt, ein kontinuierlich hohes Verlangen nach der Einnahme der Substanz hat und andere Lebensbereiche zunehmend vernachlässigt, muss sich mit dem Gedanken an eine Abhängigkeit auseinandersetzen. Wer zusätzlich zu MDMA andere Rauschmittel wie Alkohol, Amphetamine oder Cannabis einnimmt, kann eine gefährliche Mehrfachabhängigkeit ausbilden.
Ecstasy und Parkinson: Ein möglicher Zusammenhang
Eine Studie aus dem Jahr 2002 deutete im Tierversuch an, dass Ecstasy bzw. MDMA möglicherweise Parkinson-Symptome auslösen könnte. Die Experimente des Neurologen George Ricaurte von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore an Totenkopfäffchen zeigten: Drei Dosen von MDMA, hochgerechnet jeweils der Inhalt einer Ecstasy-Tablette, führten zu einer 60- bis 80-prozentigen Depletion von Dopamin im Striatum. Die Ergebnisse konnten danach bei Pavianen reproduziert werden. Ricaurte befürchtet, dass Ecstasy-Konsumenten ein erhöhtes Risiko haben, im späteren Leben an einem Morbus Parkinson zu erkranken.
Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Ergebnisse von Primaten nicht ohne weiteres auf Menschen übertragen lassen. Allerdings sind die Auswirkungen von MDMA auf das dopaminerge System beunruhigend. Während die Studenten in den 80er-Jahren vielleicht eine oder zwei Tabletten monatlich einnahmen, würden Raver heute das Mehrfache dieser Menge in einer Nacht konsumieren. Bereits der Konsum mehrerer Ecstasy-Tabletten auf einer einzigen Raver-Party könnte ernsthafte gesundheitliche Hirnschäden hinterlassen.
Ecstasy als Medikament gegen Parkinson?
Interessanterweise gibt es auch Hinweise darauf, dass Ecstasy bei Parkinson-Patienten eine positive Wirkung haben könnte. Forscher der Universität Manchester in Großbritannien machten eine gegenteilige Beobachtung. Sie hatten bei sechs Affen künstlich die Symptome der Parkinson-Krankheit erzeugt, indem sie die dopaminergen Nervenzellen auf chemischen Wege zerstörten. Die Affen zeigten schließlich fast ununterbrochen unkontrollierte Bewegungen. Nachdem den Affen MDMA verabreicht wurde, verschwanden die Dyskinesien für sechs Stunden fast vollständig. Die Forscher vermuten, dass die durch MDMA erzeugte vermehrte Ausschüttung von Serotonin die Symptome mildert.
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Es scheint also, dass die Dosis entscheidend ist. In der Studie von Ricaurte wurde den Affen eine relativ hohe Dosis verabreicht, so hoch, dass zwei Affen sogar starben. Möglicherweise stimulieren geringe Dosen von MDMA serotonerge und dopaminerge Nervenzellen, ohne sie gleich zu zerstören.
Der ehemalige Stuntman Tim Lawrence hatte in einem BBC-Interview offenbart, dass Ecstasy seine schweren Parkinsonsymptome lindere. In Tierversuchen mit Krallenaffen, die ebenfalls an Parkinson erkrankt waren, konnten Forscher die helfende Wirkung der Droge bestätigen. Die Patienten erhalten in der Regel das Mittel „L-Dopa“, das im Gehirn die verbliebene Dopaminproduktion ankurbelt. Der Stuntman Lawrence berichtete jedoch, dass nach Einnahme von Ecstasy zusätzlich zu L-Dopa die Symptome der Krankheit verschwanden und er seine Bewegungen unter Kontrolle hatte.
Weitere Auswirkungen von Ecstasy auf das Gehirn
Ecstasy kann auch andere psychische Erkrankungen auslösen, wie z.B. eine substanzinduzierte Psychose. Die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen verursacht nicht automatisch eine Psychose - nur wenige Menschen sind von einer drogeninduzierten Psychose betroffen. Auch wenn Betroffene ihre Erkrankung nicht immer als solche wahrnehmen, sind sie oft nicht mehr in der Lage, ihr gewohntes Leben weiterzuführen. Teilweise können sie nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit gehen. Ihr Verhalten kann durch Aggressivität, Angst oder Reizbarkeit gekennzeichnet sein. Manche Patientinnen und Patienten beginnen, sich selbst zu verletzen. Außerdem ist es möglich, dass durch den Drogenkonsum andere psychische Störungen ausgelöst werden.
Da es keine medizinische Untersuchung gibt, die eine substanzinduzierte Psychose nachweist, erfolgt der Befund in verschiedenen Schritten - vor allem über die Differenzialdiagnose. Um die passende Behandlung einleiten zu können, müssen Ärztinnen und Ärzte wissen, welche Substanz die Betroffenen konsumiert haben. Deshalb sind ein Drogentest sowie ein Anamnesegespräch die Grundlage der Diagnostik.
Die Rolle von Serotonin und Dopamin
Ecstasy beeinflusst sowohl das serotonerge als auch das dopaminerge System im Gehirn. Serotonin ist einer der wichtigsten Regulatoren im Wach-Schlaf-Rhythmus und kann Schlaf induzieren. Im Rahmen einer Depression kann das Serotoninsystem gestört sein. Dopamin ist unter anderem für die Steuerung von Bewegungen zuständig. Ein Mangel an Dopamin kann zu Parkinsonismus führen, dessen Symptome denen der Parkinson-Krankheit ähneln.
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Geschlechtsspezifische Unterschiede
Es gibt Hinweise darauf, dass es geschlechtsspezifische Auswirkungen der MDMA-Einnahme auf das ZNS geben kann. So wurde in einer Studie festgestellt, dass die Körpertemperatur bei Frauen stärker anstieg als bei Männern. Auch das Gefühl der Hilf- und Schutzlosigkeit war bei Frauen stärker ausgeprägt.