Nervenschmerzen können sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Homöopathie bietet eine Vielzahl von Behandlungsansätzen, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung von Homöopathie bei Neuritis, einschließlich der verschiedenen Mittel, ihrer Anwendungsgebiete und wichtiger Hinweise zur Selbstbehandlung.
Einführung in die Neuritis und ihre Behandlung
Neuritis, oder Nervenentzündung, kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter Infektionen, Verletzungen, Stoffwechselstörungen oder Autoimmunerkrankungen. Die Symptome können je nach betroffenem Nerv variieren und reichen von Schmerzen, Taubheit und Kribbeln bis hin zu Muskelschwäche und Lähmungen.
Die konventionelle Behandlung von Neuritis umfasst in der Regel Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie. In einigen Fällen kann auch eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
Die Homöopathie bietet eine alternative oder ergänzende Behandlungsmöglichkeit, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Ursache der Neuritis zu behandeln.
Homöopathische Mittel bei Neuritis
Es gibt eine Vielzahl von homöopathischen Mitteln, die bei Neuritis eingesetzt werden können. Die Wahl des richtigen Mittels hängt von den individuellen Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten ab. Einige der häufigsten Mittel sind:
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- Aconitum: Bei akuten, heftigen Nervenschmerzen, die plötzlich auftreten und von Angst und Unruhe begleitet sind.
- Cedron: Bei periodischen Nervenschmerzen, die in regelmäßigen Abständen wiederkehren.
- Colocynthis: Bei stechenden, krampfartigen Nervenschmerzen, die sich durch Wärme und Druck bessern.
- Kalmia: Bei Nervenschmerzen, die entlang des Nervenverlaufs ausstrahlen und von Taubheit und Kribbeln begleitet sind.
- Rhus toxicodendron: Bei Nervenschmerzen, die durch Kälte und Feuchtigkeit verschlimmert werden und sich durch Bewegung bessern.
- Verbascum: Bei Nervenschmerzen im Gesichtsbereich, insbesondere bei Trigeminusneuralgie.
Neben diesen Einzelmitteln gibt es auch homöopathische Komplexmittel, die eine Kombination aus mehreren Einzelmitteln enthalten und eine breitere Wirkung haben können. Ein Beispiel hierfür ist Neuralgie-Gastreu® R70 Tropfen, das eine Kombination aus Aconitum, Cedron, Colocynthis, Kalmia und Verbascum enthält.
Rhus toxicodendron im Detail
Rhus toxicodendron, gewonnen aus dem Giftsumach, ist ein häufig verwendetes homöopathisches Mittel, das bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt wird, insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, psychischen Problemen und Nervenleiden. Es wird oft bei akuten Schmerzen nach Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen sowie bei Hexenschuss und Arthrose empfohlen.
Typische Anwendungsgebiete von Rhus toxicodendron:
- Arthritis: Bei steifen Gelenken, wobei die Schmerzen bei Bewegung zunächst schlimmer werden, dann aber allmählich nachlassen.
- Arthrose: Bei schmerzenden und steifen Gelenken, die durch Nässe und Kälte verschlimmert werden, während Wärme und Bewegung die Schmerzen lindern.
- Lumbago (Hexenschuss): Bei starker Steifheit und Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins, oft nach Verheben.
- Ischiasbeschwerden: Bei reißenden Schmerzen mit dem Gefühl einer Verrenkung, die durch Überheben und feucht-kaltes Wetter entstehen.
- Muskelkater: Bei reißenden und ziehenden Schmerzen nach körperlicher Überanstrengung, insbesondere zu Beginn einer Bewegung.
- Halswirbelsäulensyndrom: Bei Nackenschmerzen durch falsches Liegen oder Verdrehen, besonders bei nasskaltem Wetter.
- Sehnenscheidenentzündungen: Nach Überanstrengung, wobei anfängliche Bewegung schmerzt, sich aber dann bessert.
- Muskel- und Sehnenzerrungen: Anfängliche Bewegung schmerzt, danach bessern sich die Beschwerden.
- Verstauchungen, Verrenkungen, Prellungen: Gelenke sind oft heiß und geschwollen, mit ziehenden Schmerzen zu Beginn der Bewegung.
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Häufig als Folge einer Erkältung bei nasskaltem Wetter, mit eitrig verklebten Augenlidern am Morgen.
- Erkältungen, Grippe, fiebrige Infekte: Besonders, wenn die Erkältung mit starken Gliederschmerzen verbunden ist.
- Gürtelrose (Herpes zoster): Stechende Schmerzen im betroffenen Bereich, rote Haut mit Bläschen und Juckreiz.
- Hautausschläge: Feuchte und geschwollene Haut mit roten, juckenden Bläschen.
- Schlafstörungen: Unruhiger Schlaf mit Herumwerfen im Bett, Müdigkeit nach dem Erwachen.
Dosierung und Anwendung:
Rhus toxicodendron ist in verschiedenen Potenzen erhältlich, darunter D6, D12, D30 und C30. Bei akuten Beschwerden kann Rhus toxicodendron D6 mehrmals täglich eingenommen werden, während höhere Potenzen wie D12 oder D30 seltener eingenommen werden sollten. Es ist ratsam, höhere Potenzen nur nach Verordnung durch einen Homöopathen einzunehmen.
Die Globuli werden unter der Zunge zergehen gelassen. Bei einer Erstverschlimmerung der Beschwerden sollte die Einnahme unterbrochen werden.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Zusätzlich zur Einnahme homöopathischer Mittel können auch andere Maßnahmen zur Linderung von Neuritis-Symptomen beitragen:
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- Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Nervensystem unterstützen und die Regeneration fördern.
- Entspannungstechniken: Stress kann die Symptome von Neuritis verschlimmern. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung verbessern und die Muskeln stärken, was zur Linderung von Nervenschmerzen beitragen kann.
- Physikalische Therapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Schmerzen zu lindern. Hydrothermotherapeutische Anwendungen wie kalte oder wechselwarme Güsse können ebenfalls zur Linderung der Symptomatik beitragen.
- Ätherische Öle: Ätherische Öle wie Pfefferminzöl oder Johanniskrautöl können äußerlich angewendet werden, um Nervenschmerzen zu lindern.
- Orthomolekulare Medizin: Die Einnahme von hochdosierten B-Vitaminen, Vitamin E, Vitamin C und Alpha-Liponsäure kann das Nervensystem unterstützen und die Regeneration fördern.
Homöopathie bei Muskelverspannungen
Muskelverspannungen, insbesondere im Bereich der Rückenmuskulatur, sind ein häufiges Problem, das oft durch Fehlhaltungen, Überanstrengung oder Stress verursacht wird. Homöopathische Mittel können auch bei Muskelverspannungen eine wirksame Behandlungsmöglichkeit darstellen.
Ursachen und Folgen von Muskelverspannungen:
Muskelverspannungen werden meist durch Fehlhaltungen im Nacken- und Schulterbereich ausgelöst, die sich dann über den oberen Wirbelsäulenbereich nach unten fortsetzen. Folgen solcher Verspannungen sind häufig Schwindel, Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Übelkeit und chronische Rückenschmerzen, die die Lebensqualität erheblich beeinflussen können.
Homöopathische Behandlung von Muskelverspannungen:
Eine Selbstbehandlung von Muskelverspannungen mit Homöopathie ist nur bei vereinzelt auftretenden, leichten Beschwerden möglich. Die Homöopathie kann mit Globuli auch bei degenerativen (durch Verschleiß bedingten) Veränderungen der Bandscheiben und Wirbel helfen, die oft die Ursachen für Verspannungen, Rückenschmerzen oder einen Hexenschuss sind.
Um aber die verursachende Erkrankung aufzuklären, sollte idealerweise ein homöopathisch arbeitender Arzt aufgesucht werden. Dasselbe gilt, wenn die Beschwerden wiederkehrend sind. Den Beschwerden entsprechend stehen mehrere homöopathische Mittel zur Auswahl; eine individuelle Diagnose und das zutreffende Mittel können von einem Homöopathen verordnet werden.
Zusätzlich zu homöopathischen Globuli können (je nach Art der Verspannung) bestimmte körperliche Übungen helfen, die von einem Arzt, Homöopathen oder Chiropraktiker angewiesen werden können. Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben:
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- Begleiterscheinungen: Dumpfer Schmerz beim Aufstehen und Bücken, Steifigkeit, schwere Beine und ein träger Kreislauf. Auslöser sind Kälte oder Verheben, Überanstrengung oder zu langes Sitzen.
- Begleiterscheinungen: Steifer Nacken, schnelle Schweißausbrüche, besonders im Schlaf, eine Neigung zu feuchten Füßen und schwachen Knöcheln.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Homöopathie
- Selbstbehandlung: Eine Selbstbehandlung mit Homöopathie ist nur bei leichten, vorübergehenden Beschwerden ratsam. Bei schweren oder chronischen Erkrankungen sollte immer ein Arzt oder Homöopath konsultiert werden.
- Individuelle Diagnose: Die Wahl des richtigen homöopathischen Mittels hängt von den individuellen Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten ab. Eine individuelle Diagnose durch einen erfahrenen Homöopathen ist daher unerlässlich.
- Erstverschlimmerung: Nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels kann es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Beschwerden kommen (Erstverschlimmerung). Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Mittel wirkt und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
- Wissenschaftliche Evidenz: Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.
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