Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Sie können alltägliche Bewegungen wie das Anziehen oder das Heben von Gegenständen schmerzhaft machen. Die Ursachen für Schulterschmerzen sind vielfältig, und ebenso unterschiedlich sind die Behandlungsmethoden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Schulterschmerzen, einschließlich konservativer und operativer Optionen.
Ursachen von Schulterschmerzen
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers, was sie anfällig für Verletzungen und Verschleiß macht. Viele Faktoren können Schulterschmerzen verursachen:
- Muskuläre Verspannungen: Überspannte Muskeln und Faszien im Schulter-Nacken-Bereich können Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit einschränken. Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, insbesondere langes Sitzen in gebeugter Haltung, können zu muskulären Dysbalancen und Schmerzen führen.
- Entzündungen: Entzündungen der Schleimbeutel (Bursitis) sind eine häufige Ursache für Schulterschmerzen. Eine Schleimbeutelentzündung kann durch Verletzungen, Infektionen, Überlastung oder einseitige Belastung entstehen.
- Impingementsyndrom: Bei diesem Syndrom werden Sehnen oder Schleimbeutel im Schultergelenk eingeklemmt, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Das Impingementsyndrom entsteht oft durch eine Verengung des Raums zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf.
- Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Hierbei lagern sich Kalksalze in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab, meist in der Supraspinatussehne. Die Kalkablagerungen können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen, die denen eines Impingementsyndroms ähneln.
- Rotatorenmanschettenriss: Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren und bewegen. Risse in diesen Sehnen können durch Überlastung, Verschleiß oder Verletzungen entstehen. Die Supraspinatussehne ist besonders anfällig für Risse.
- Schultersteife (Frozen Shoulder): Bei dieser Erkrankung ist die Gelenkkapsel verdickt, verhärtet und entzündet, was zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Schulter führt. Die Ursachen für eine Frozen Shoulder sind noch nicht vollständig geklärt.
- Schulterarthrose (Omarthrose): Arthrose kann sowohl das Hauptschultergelenk als auch das AC-Gelenk betreffen. Knorpelschwund im Hauptgelenk der Schulter führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
- Verletzungen: Unfälle, Stürze oder Sportverletzungen können zu Knochenbrüchen, Luxationen (Ausrenkungen) des Schultergelenks oder Sprengungen des Schultereckgelenks führen.
- Bizepssehnenruptur: Ein Riss der Bizepssehne kann durch plötzliche Überbelastung oder ruckartige Kontraktion des Muskels entstehen. Meist besteht eine degenerative Vorerkrankung der Sehne.
Diagnose von Schulterschmerzen
Eine genaue Diagnose ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung. Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und die Schulter gründlich untersuchen. Dabei werden die Beweglichkeit, Kraft und Schmerzempfindlichkeit der Schulter geprüft.
Zur weiteren Diagnostik können bildgebende Verfahren eingesetzt werden:
- Ultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung kann Entzündungen, Flüssigkeitsansammlungen und Veränderungen der Sehnen zeigen. Auch die Lage der langen Bizepssehne (LBS) im Sulcus des Oberarmkopfes oder eine eventuelle Luxation der Sehne aus dem Sulcus kann beurteilt werden.
- Röntgen: Eine Röntgenaufnahme dient zum Ausschluss von Knochenbrüchen und zur Beurteilung des Gelenkspalts.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine MRT-Untersuchung kann detaillierte Bilder der Weichteile liefern und Sehnenrisse, Knorpelschäden und andere Veränderungen im Schultergelenk darstellen.
Konservative Behandlung von Schulterschmerzen
In vielen Fällen können Schulterschmerzen konservativ behandelt werden. Ziel der konservativen Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und die Funktion der Schulter wiederherzustellen.
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Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der konservativen Behandlung von Schulterschmerzen. Durch gezielte Übungen können die Muskeln gekräftigt, die Beweglichkeit verbessert und die Fehlhaltungen korrigiert werden. Manuelle Therapie kann helfen, Verspannungen zu lösen und die Gelenkmechanik zu verbessern.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen können auch Analgetika verschrieben werden.
- Injektionen: Injektionen von Kortikosteroiden können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern. Lokale Injektionen von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Mitteln können ebenfalls erfolgen.
- Stoßwellentherapie: Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) werden hochenergetische Stoßwellen auf das betroffene Gewebe gerichtet, um die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen und Kalkablagerungen zu zertrümmern.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei chronischen Schulterbeschwerden helfen kann.
- Eigentraining zu Hause: Übungen wie Schulterkreisen, gezielte Dehnungen, Faszienball-Anwendungen und Kräftigungsübungen können helfen, die Schulter zu stabilisieren und die Muskulatur zu stärken.
Physiotherapeutische Übungen für die Schulter
Zur Stabilisierung des Schultergelenks und der Stärkung der Schultermuskulatur werden folgende Übungen empfohlen:
- Schulterkreisen: Stellen Sie sich aufrecht hin und kreisen Sie mit beiden Schultern gleichzeitig nach hinten. Achten Sie darauf, möglichst große, runde Bewegungen zu machen.
- Dehnung an der Wand: Stellen Sie sich vor eine Wand und legen Sie die Unterarme bis zum Ellenbogen dagegen. Lassen Sie den Oberkörper einsinken, sodass sich Ihre Brust zur Wand hinbewegt. Drücken Sie den Oberkörper aktiv von der Wand weg.
- Dehnung der Brustmuskulatur: Stellen Sie sich seitlich an eine Wand und legen Sie den ausgestreckten Unterarm gerade an die Wand. Drehen Sie den Oberkörper vom Arm weg, bis Sie ein leichtes Ziehen in der Brustmuskulatur spüren.
- Mobilisierung des Schulterblatts: Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Wand und platzieren Sie einen kleinen Ball in der Mitte des Schulterblatts. Bewegen Sie sich langsam in alle Richtungen, bis Sie einen schmerzenden Punkt gefunden haben.
- Kräftigung in Bauchlage ("Klimmzüge in Bauchlage"): Legen Sie sich auf den Bauch und heben Sie den Rumpf und die im rechten Winkel angezogenen Arme nach oben an. Bewegen Sie dabei die Schulterblätter in Richtung der Wirbelsäule.
- Dehnung in Rückenlage: Legen Sie sich auf den Rücken und strecken Sie beide Arme seitlich aus. Legen Sie das gebeugte rechte Bein nun auf die linke Seite und halten Sie es mit der linken Hand in dieser Position. Drehen Sie den rechten Arm nach hinten auf.
- Kräftigung in Seitenlage: Legen Sie sich auf die Seite mit der schmerzenden Schulter nach oben und stützen Sie den Kopf mit der Hand ab. Bilden Sie mit dem Ellenbogen einen rechten Winkel. Drehen Sie den Unterarm langsam nach oben und senken Sie ihn dann wieder ab.
Operative Behandlung von Schulterschmerzen
Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist oder bestimmte Verletzungen vorliegen, kann eine Operation erforderlich sein.
Zu den häufigsten operativen Eingriffen an der Schulter gehören:
- Arthroskopische subacromiale Dekompression: Bei diesem Eingriff wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert, um eingeklemmte Sehnen oder Schleimbeutel zu entlasten.
- Rotatorenmanschettennaht: Bei einem Riss der Rotatorenmanschette wird die gerissene Sehne arthroskopisch oder offen genäht. Die Naht kann mit Knochenankern oder durch Bohrkanäle im Knochen erfolgen.
- Akromioplastik: Bei diesem Eingriff wird ein Teil des Schulterdachs (Akromion) abgefräst, um den Raum für die Rotatorenmanschette zu erweitern und ein erneutes Einklemmen zu verhindern.
- Kapsulotomie: Bei einer Frozen Shoulder kann die verdickte Gelenkkapsel operativ gelöst werden, um die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen.
- Entfernung von Kalkablagerungen: Bei einer Kalkschulter können die Kalkablagerungen operativ ausgeräumt oder durch Needling (Mehrfachpunktion mit Kochsalzlösung) behandelt werden.
- Bizepssehnentenotomie oder -tenodese: Bei einer Bizepssehnenruptur kann die Sehne durchtrennt (Tenotomie) oder wieder angeheftet (Tenodese) werden. Bei einem Einriss oder Abriss der LBS am oberen Rand der Gelenkpfanne mit Einriss der Gelenklippe der Pfanne (SLAP-Läsion) wird in der Regel eine Operation mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt. Der Operateur kann dabei mittels Kamera mit Lichtquelle das Ausmaß der Bizepssehnen-Verletzung einsehen und ggf. die Sehne mittels Nahtanker im Bereich der Gelenkpfanne zusammen mit den abgelösten Labrumanteilen refixieren.
- Refixation der distalen Bizepssehne: Bei einem Abriss der distalen Bizepssehne im Ellenbogenbereich ist eine operative Refixation erforderlich, um die Kraft bei der Ellenbogenbeugung wiederherzustellen.
Nachbehandlung nach einer Schulteroperation
Die Nachbehandlung ist ein wichtiger Bestandteil des Behandlungserfolgs nach einer Schulteroperation. In den ersten Wochen nach der Operation wird die Schulter ruhiggestellt, um die Heilung zu fördern. Anschließend beginnt eine gezielte physiotherapeutische Behandlung, um die Beweglichkeit, Kraft und Koordination der Schulter wiederherzustellen.
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Die Dauer der Nachbehandlung hängt von der Art des Eingriffs und dem individuellen Heilungsverlauf ab. In der Regel dauert es mehrere Monate, bis die Schulter wieder voll belastbar ist.
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